Abschied vom Blaumann

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Für mich war der Blaumann Ausdruck gewerkschaftlicher Macht. Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will, war dabei so eine Assoziation.

In Amerika gab es lange die Unterscheidung zwischen white collar und blue collar. Sie zeigten ebenfalls die Welt als Ausdruck von Interessengegensätzen.

Das ist großflächig vorbei. Weil man Marx vermurkst hat, glaubt man heute an den Murks nach Marx.

Dabei ist die Arbeitskleidung von heute mehr Ausdruck von Klassenzugehörigkeit als der Blaumann früher und dokumentiert die Zersplitterung des Bewußtseins und der Zugehörigkeit. Es fehlt das „Wir“.

Wenn ich in dem Buch von Harald Hauswald über die letzten Jahre der DDR blättere oder meine eigenen Fotos mit dem Niedergang der bergischen Industrieregion betrachte, dann sehe ich, wie sich alles verändert hat.

Das Beispiel zeigt auch, daß Dokumentarfotos nicht unbedingt monchrom sein müssen. Sie müssen dokumentieren und die Farbe darf die Sachaussage nicht dominieren. Dann können sie teilweise das zeigen, was monochrom nicht drin wäre.

Jetzt wären also neue Fotos in Farbe dran mit den neuen Menschen in ihren Uniformen, die Ausdruck einer neuen Zugehörigkeit und neuen Knechtschaft sind. Es wird sicher Fotografen geben, die dies festhalten und nicht sofort als Kunst sondern als soziale Fotografie darstellen werden – obwohl dafür sicher nichts bezahlt wird.

Aber ich wollte mal in einer Notiz darauf hinweisen.

 

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