Monthly Archives: August 2016

Dokumentarfotografie – Soziale Kämpfe im Ruhrgebiet und im Bergischen Land zwischen 1987 und 2010

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Es hat knapp dreißig Jahre gedauert bis die Fotos von Michael Kerstgens über den Stahlarbeiterstreik 1987 in Duisburg-Rheinhausen als Buch erschienen sind. Dieses Buch wurde u.a. durch die Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Es ist ein gutes Buch geworden und es erinnert mich an meine eigenen Erlebnisse.

Michael Kerstgens zeigt Fotos von 1987 bis 1993 als im Walzwerk in Hagen die letzte Schicht war und symbolisch das Ende des gesamten sozialen Konstruktes.

Und im Bergischen Land ging es dann weiter.

Der Weg der Armut

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wenn du in dein Schicksal einwilligst wird es dich leiten…

So muß man sich das auch in der Fotografie vorstellen. Die Dinge geschehen und wenn du dann offen genug dafür bist sie zu sehen, dann hat das Schicksal dir die Chance gegeben selbstbestimmt diese Dinge anzunehmen und umzusetzen – auch in der Fotografie.

Dann entwickelt sich sogar Streetfotografie plötzlich zu einer stillen sozialdokumentarischen Fotografie.

So wurde die Serie Der Weg der Armut geboren.

Nur so.

Imperium Romanum Opus Extractum II von Alfred Seiland

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So groß wie das Römische Reich so groß wirken auch die Fotos von Alfred Seiland. Das Buch Imperium Romanum Opus Extractum II bietet Begegnungen von Menschen mit Überresten aus der Geschichte. Primär visuell mit sehr informativen Texten gekoppelt gelingt es dem Fotografen, Geschichte und Gegenwart fotografisch zu verschmelzen.

Homeland-Fotografie

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Was ist Homeland-Fotografie? – Ein Versuch

Um das im deutschen Wesen besser einordnen zu können, fange ich mit einigen Eingrenzungen an.

Heute ist das deutsche Wort oft ein englisches Wort. Manchmal sogar zu recht.

Ein Beispiel: Über Harry Gruyaert und sein Buch 2015 schreibt Francois Hebel: „In 1972, while living in London, Gruyaert created the striking seriesTV Shots by turning the dial on a television set at random and photographing the distorted images he saw there. A later series, Made in Belgium, portrays his ambivalent relationship with his homeland in a palette of saturated tones.“

Auf Deutsch fotografiert Herr Gruyaert sein zwiespältiges Verhältnis zu seinem Heimatland (homeland) mit gesättigten Farben.

Wenn ich über Heimat und Heimatland spreche, dann ist dies im deutschen Wesen total besetzt. Gibt es eine Trennung zwischen Heimat und Heimatland? Land ist eine regionale Begrenzung, während Heimat mehr ist oder sogar ohne Land sein kann?! Das habe ich noch nicht zu Ende gedacht.

Wenn ich über homeland spreche, dann ist dies nicht unbedingt nur das Heimatland sondern kann auch die „Örtlichkeit“ sein, in der ich mich zu hause fühle oder zu hause bin. Da ist für mich die Trennung von meinem Geburtsland drin. Man muß es eben exakt sagen.

Hinzu kommt, daß Heimatland in Deutschland immer politisch verknüpft wird, während mein Homeland, so wie bei den Amerikanern, alle paar Jahre woanders sein kann.

Und so kann Homeland-Fotografie eine Fotografie sein, die das Umfeld entdeckt, in dem ich bin und das ich so zeigen will, wie ich es sehe.

Homeland ist ein subjektives Wort, weil ich bestimme, welchen Raum und welche Region ich zu meinem entdeckenden Homeland erkläre.

Und ich trenne mich hier auch bewußt von der Übersetzung, weil für mich Homeland-Fotografie eben nicht deckungsgleich mit Heimat-Fotografie ist. Es hat eben primär nichts mit Staatsgrenzen zu tun sondern mit sozialen Strukturen oder Themen.

Damit wäre die regionale Eingrenzung weg. Kann ich meine Heimat mitnehmen in ein anderes Land wäre die umgekehrte Frage?

Natürlich kann man alle Wörter auch anders definieren.

Da die deutsche Wortinhaltsebene aber im englischen Sprachraum nicht gelten muß, sondern umgekehrt die englische Wortinhaltsebene auch im deutschen Sprachraum gelten kann, ist meine Argumentation eher logisch als unlogisch. Wenn Parallelwelten mit Inhalten vorhanden sind, muß man sich entscheiden, mit welcher inhaltlichen Bedeutung das Wort genutzt wird.

Mit der digitalen Kamera und Software als Werkzeug kann ich gestalten.

Dazu gehören

  • der Rahmen,
  • die inhaltliche Gestaltung mit Vordergrund und Hintergrund
  • das Malen mit Bokeh und Freistellung einerseits und digitalen Filtern andererseits

Wie sieht dies konkret aus?

Aktuell sehr bekannt ist das Buch Sagenhaftes Deutschland von Kilian Schönberger.

Seine Reise zu mythischen Orten bezieht sich auf Deutschland als Heimatland. Er fotografiert in Regionen, die im deutschen Sagenschatz zu finden sind. Um das Märchenhafte zum Ausdruck zu bringen, werden digitale Filter eingesetzt und so gelingen sehr starke beeindruckende Aufnahmen, die das ausdrücken sollen, was in den Erzählungen zu finden ist.

Dies geht auch kleiner und vor Ort mit der aktuellen Kameraausrüstung und einer Software, wenn man einen Kurztrip machen möchte. Ich habe dafür den Ort Wetter an der Ruhr gewählt und Fotos mit einem HDR-Filter so gestaltet, daß zum Ausdruck kommen soll, was dort wirkt.

Das ist der Vorteil digitaler Technologie.

Aber die Auseinandersetzung mit dem homeland kann auch anders sein.

Neben märchenhafter Anmutung können auch die kalten Folgen menschlichen Handelns zu sehen sein, die aus Konsum kleine Katastrophen für die Menschen machen, persönlich und sozial.

Dazu habe ich einige Serien im Wupperartmuseum,

Oder es kann sich auch darum handeln Zusammenhänge zu zeigen, wenn asoziale Architektur auf Menschen wirkt und das Sein das Bewußtsein bestimmt.

Dies alles ist Homeland-Fotografie, es kann also Stadt, Land, Fluß sein. Ich und mein Umfeld sind der  Rahmen. Es muß nicht einmal immer örtlich im Sinne fixer Geografie sein, es könnte sich auch um z.B. Hotels handeln, wenn ich immer dort bin oder fahrbare Bungalow-Siedlungen, wenn diese mein Homeland sind. Wie viel davon im deutschen Sinne Heimat ist, ist eine ganz andere Frage.

Es ist aber ein Bereich, der sich auf mein Da-Sein bezieht.

Und es ist mehr als my home is my Castle (die Rechtschreibprüfung setzt einfach Castor ein…). Es fängt danach an, dort wo es sozial wird…- finde ich.

Text 1.1