Der alternative Gebrauch der Dokumentarfotografie

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

In einem Essay über die Gebrauchsweisen der Fotografie (uses of Photography) beschreibt John Berger, wie die Fotografie heute zum Ersatz für ein Gedächtnis wird und damit die Bilder die Welt bestimmen, die wir sehen und wahrnehmen.

Weil es aber sehr oft Bilder sind, die uns steuern sollen, ist das Ergebnis ein kapitalistischer und kapitalisierter Blick auf die Welt – verkürzt gesprochen. Mehr dazu von mir hier.

Berger denkt aber weiter und will erreichen, daß diese dominierende Form der Fotografie als Wirklichkeitsersatz durch eine alternative dokumentierende Fotografie abgelöst wird, die andere reale Bilder in das soziale und politische Gedächtnis bringt.

Entscheidend für ihn ist der Umgang mit Erinnerungen. Weil Erinnerungen nicht linear sind sondern sternförmig – wir würden heute vielleicht vernetzt sagen – hat das Foto darin eine besondere Aufgabe.

„For the photographer this means thinking of her- or himself not so much as a reporter to the rest of the world but, rather as a recorder for those involved in the events photographed. The distinction is crucial.“

Das ist der entscheidende Satz, der auf Deutsch lautet:

„Für den Fotografen bedeutet es nicht so sehr wie ein Reporter zu denken, sondern wie ein Aufzeichner für die zu sein, die in dieses Ereignis einbezogen sind.“

Berger nennt als Beispiel ein Foto von Dmitri Baltermants.

Ebenso stark aber zu einem anderen Thema sind die Fotos von Nick Hedges.

Es gibt sicherlich noch viel mehr Beispiele.

Dieser dokumentarische Ansatz ergänzt den Anti-Fotojournalismus .

Eine kapitalistische Gesellschaft (nicht zu verwechseln mit Demokratie) braucht eine Kultur, die auf Bildern beruht. Diese Bilder sind erforderlich, um ununterbrochen zu unterhalten und das Kaufverhalten zu beeinflussen und zu stimulieren. Kameras definieren Wirklichkeit auf zweierlei Art, als Spektakel für die Massen und als Herrschaftsinstrument für die Führer.

Es geht bei der alternativen Dokumentarfotografie und beim Anti-Fotojournalismus darum, unsere Sichtweise auf die Bilder und ihre Wirkung und das, was wir fotografisch tun, zu verändern.

Denn dies alles ist eingebunden in eine Sozialstruktur und ein Wirtschaftssystem. Daher kommt es auf unsere Betrachtungsweisen an und die sind durch unsere Art zu fotografieren beeinflußbar.

 

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