Monthly Archives: November 2015

60 Jahre Fotografie pur: Winter in Rüdesheim 1956 – Die Welt auf dem Sensor 2016

Henri Cartier-Bresson hat ein Foto gemacht mit dem Titel Winter in Rüdesheim.

Dabei handelt es sich nicht um Streetfotografie, höchstens um Streetsfotografie.

Wenn wir aber deutsch sprechen wollen ist Landschaftsfotografie oder Still-Fotografie eher eine richtige Bezeichnung.

Für dieses Foto hat er keine Kamera mit Monitor benutzt sondern einen optischen Sucher ohne weitere Hilfsmittel, höchstens für die Scharfstellung die Vereinigung des Doppelbildes im Messsucher (wenn…).

Dieses Foto entstand 1956. Es dient mir als Anlaß um meinen fotografischen Schwerpunkt im Jahr 2016 ebenfalls unter den Schwerpunkt Sucher pur und eher Schwarzweiss zu stellen.

Dafür greife ich dann auf Kameras mit Optik pur zurück.

Es ist die Reduktion auf das Wesentliche.

Nach jetzigem Stand wird dies die Fuji X10 sein mit ihrem optischen Sucher und an zweiter Stelle wird dies dann mit der puren ersten Fuji X100 und ihrem hybriden optischen Sucher geschehen. Vielleicht ergibt sich noch die Nutzung einer anderen Kamera mit optischem Sucher.

Natürlich könnte man auch andere Kameras nutzen, wenn sie über entsprechende optische Sucher verfügen. Natürlich könnte man auch digitale Produkte nehmen, die dies nachahmen. Aber genau dies ist es nicht.

Nachahmen geht immer. Die Herausforderung besteht darin es so zu tun, daß man es selbst kann und nicht die Kamera alles macht.

Natürlich könnte man auch analog fotografieren. Aber mir geht es weniger um das Herstellen der Fotos im Labor als um den Prozess des Fotografierens mit dem Sucher.

Denn der Sucher verdichtet und fokussiert. Das ist für mich das Geheimnis.

Und es muß eben nicht nur auf der Straße geschehen, es kann auch bei Landschaften sein.

Dafür gibt es aber dann in meinem Fall die Herausforderung der geometrischen Komposition.

Im Fall von Henri Cartier-Bresson ist dies die doppelte Geometrie mit der Aufteilung des Fotos in der Fläche und der Aufteilung des Fotos in der Tiefe. Er arbeitet hier einerseits mit Motiv im Vordergrund und Motiv im Hintergrund und andererseits mit der Aufteilung des gesamten Fotos in mindestens drei Teile, Weinberg, Dorf und Rhein.

So kann man Fotos erstellen, die das jeweilige Motiv betonen und es in die visuelle Geometrie einpassen:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Oder ein Foto besteht nur aus Geometrie und der Ausschnitt aus der Wirklichkeit wird benutzt, um durch die Geometrie eine Ordnung in eine sonst rein funktionale und nichtssagende Anordnung zu bringen. Dann wird durch die Geometrie aus der Summe der Teile etwas Ganzes wie hier:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Fotografisch kommt es also darauf an der unendlichen Wirklichkeit einen Rahmen zu geben und nach eigenen Anforderungen damit die Wirklichkeit visuell zu gestalten.

 

Streetfotografie von David Gibson

streetfotografie_gibson

David Gibson fotografiert und ist Mitglied der Gruppe In-Public.

Und vor einiger Zeit hat er „The Street Photographers Manual“ herausgegeben, ein Buch von ihm mit den Sichtweisen von 20 Fotografen und Fotografinnen und ihrer jeweiligen Art Streetfotografie zu machen.

Nun ist dieses Buch mit dem Titel „Streetfotografie“ in deutscher Übersetzung und etwas angepaßt bei mitp erschienen.

Es ist eines der Bücher, die sicherlich von vorne bis hinten angeschaut und gelesen werden.

Texte und Fotos ergeben hier die Mischung, die zur kreativen Inspiration führen.

Bemerkenswerterweise tötet er zu Beginn die Sichtweise von Henri Cartier-Bresson, um dann mit vielen gelungenen Beispielen anderer Fotografen als gute Beispiele immer wieder darauf zurückzukommen.

So lebt dieses Buch einen Widerspruch, der sich aus der Kreativität ergibt.

Nur wer sich löst kann Eigenes schaffen und kehrt damit zugleich zum Guten zurück. Das gilt übrigens auch für Cartier-Bresson, der die visuelle Grammatik ja nicht erfunden hat sondern nur konsequent anwendet.

Was ist eigentlich Streetfotografie?

Gibson bezieht sich auf Dyer und zitiert ihn: „Streets brauchen Häuser, um eine Street zu sein.“

Und dann räumt er mit so mancher Blockade im Kopf auf und macht den Weg frei:

Digitale Manipulation ist kein Schimpfwoirt. Auch die herkömmliche Dunkelkammer ließ sich mißbrauchen.“

Und er betont:

„Eine der Konstanten dieses Buches ist, dass es Schubladen, Labels ablehnt. Inspiration kann schließlich aus vielen verschiedenen Bereichen kommen… Streetfashion und Streetfotografie mögen überraschende Bettgenossen sein, die Paarung betont jedoch nur die ständige gegenseitige Befruchtung in der Fotografie.“

Und er zieht eine klare Grenze:

„Es ist einer der häufigsten Irrtümer der Streetfotografie, dass Fotografen glauben, sie würden streetfotografie betreiben, wenn sie mir ihrem Motiv interagieren – dieses erkennt, dass es fotografiert wird und setzt sich womöglich in Szene. Das ist keine Streetfotografie sondern die Aufnahme eines gestellten Porträts.“

Pure ungestellte Streetfotografie - Foto: Michael Mahlke

Pure ungestellte Streetfotografie – Foto: Michael Mahlke

Diese kurzen und klaren Gedanken geben den Rahmen des Buches ab.

Man spürt schon beim Lesen: es wird interessant.

Und das wird es dann auch von der ersten bis zur letzten Seite.

Mir gefällt das Buch darüber hinaus auch, weil er manches so bewertet wie es mir nicht gefällt.

Aber so ist das eben mit einem guten Buch.

Es hat eine Meinung und man kann sich daran reiben und dann feststellen, ob die eigene Meinung (wenn man eine eigene Meinung hat) beibehalten wird oder andere Auffassungen besser sind.

Streetfotografie ist Alltagsfotografie und zeigt daher auch den Alltag mit dem jeweiligen Ausschnitt, der Dinge kombiniert durch Perspektive und Blickwinkel.

Das macht es interessant und lädt zum Verweilen ein.

Reichhaltig bebildert und mit sehr vielen Ratschlägen und Hinweisen ausgestattet ist dieses Buch zur Streetfotografie eine gute Quelle für viele Ideen. Vor allem lernt man nicht nur bekannte Namen kennen sondern auch viele In-Public Fotografen.

Das gefällt in der Vielfalt doch sehr.

Der Verlag schreibt über das Buch

  • Ein kompletter Überblick über die wohl spannendste und dynamischste Form der Fotografie
  • Ratschläge und Inspiration von weltweit etablierten Streetfotografen
  • Mit konkreten Projektvorschlägen zur Schärfung des fotografischen Blicks

Das stimmt und macht dieses Buch zu einer Empfehlung, wenn man aus Technik mit Herz, Verstand und Auge gute Fotos machen will.

Es ist im mitp Verlag erschienen.
Streetfotografie
von David Gibson

ISBN: 9783958451377

 

Der Flair des Fotojournalismus gestern und heute

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Warum reizt der Fotojournalismus bis heute? Was hat er, was andere Tätigkeiten nicht haben?

Vielleicht ist es das Dabeisein als Privileg.

Oder es ist das Image der Fotojournalisten.

Fangen sie noch die Fotos ein, die die Welt braucht und noch nie gesehen hat?