Monthly Archives: Oktober 2015

Kommerzielle Landschaftsfotografie zwischen Rothaarsteig und Eschbachtalsperre

Es gibt sie noch, die kommerziell erfolgreiche Landschaftsfotografie.

Sie soll die schönen Seiten zeigen und Sehnsucht oder Neugier wecken, damit man dorthin gelangt.

Um dies an einem Beispiel zu zeigen, möchte ich auf das Buch Rothaarsteig von Klaus-Peter Kappest verweisen. 

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Ich halte das Buch deshalb für gelungen, weil hier nicht eine exotische Märchenlandschaft präsentiert wird, sondern die Wälder und Wanderwege nebenan so fotografiert wurden, daß die Auftraggeber zufrieden waren und Fotos entstanden sind, die auch gut wirken.

Herr Kappest hat einige der Fotos auf seiner eigenen Webseite präsentiert, so daß Sie sich selbst ein Bild machen können.

Zusätzlich gibt es z.B. im Outdoor-Magazin online auch Fotos von ihm zu diesem Wanderweg.

Die Landschaft am Rothaarsteig gefällt mir. Aber es gibt natürlich noch mehr landschaftlich schöne Ecken.

Wer im Bergischen Land wohnt oder öfter auf der A1 am Rasthof Remscheid vorbeifährt, dem sei ein anderer kleiner Geheimtipp anvertraut.

Direkt hinter dem Rasthof und Motel ist die „Remscheider Talsperre“.

Diese lädt zum kurzen Erholen und Wandern ein – nicht zu lang und nicht zu kurz.

Danach gibt es im Cafe und Restaurant alles, was vor einer guten Weiterfahrt nötig ist.

Übrigens war dieses Restaurant mit dieser Talsperre der Lieblingsort von Herbert Wehner. Das ist zwar schon lange her aber vielleicht erinnern sich einige noch an ihn.

Und die privaten Fotos, die ihnen einen Eindruck von diesem schönen Ort vermitteln, finden Sie hier.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Hotel hat übrigens eine eigene (kommerzielle?) Webseite mit Fotos.

Ein sehr schönes kommerzielles Luftbild von der Remscheider Talsperre hat der Fotograf Holger Klaes auf seiner Webseite.

Und zum Abschluß noch etwas besonderes, das es nur auf der Webseite der Stadt Remscheid gibt  Da wird über dem Text der Eschbachtalsperre ein Foto von einer anderen Talsperre gezeigt.

Wenn man nun die kommerziellen und die privaten Angebote vergleicht, dann wird sehr deutlich, wo die Unterschiede sind und welche Unterschiede es gibt.

  • Es ist einmal der Aufwand (Luftbild), der sich durch Drohnen zukünftig vielleicht reduzieren läßt und
  • es ist die Nachbearbeitung und die Auswahl des Zeitpunktes und
  • es ist die geometrische Gestaltung des Fotos.

Ich hoffe, dieser Artikel hat deutlich gemacht, wo gute Landschaftsfotografie anfängt und wo sie ungefähr aufhört. Letztlich entscheidet der Auftraggeber und manches ist zu sehen, was andere nicht bezahlen würden.

Aber da es hier um die Landschaft geht, die vor unserer Haustür liegt, ist die Frage natürlich besonders interessant, wie Fotos sein müssen, für die bezahlt wird.

Und das Buch von Klaus-Peter Kappest aus dem Tecklenborg-Verlag zeigt uns, wie es geht.

Fotointern jetzt eine Marke

Die schweizerische Webseite fotointern.ch hat mitgeteilt, daß sie das Wort fotointern in der Schweiz als Wortmarke hat schützen lassen. Das ist insofern bemerkenswert als bisher in Deutschland allgemeine Wörter nicht schutzfähig sind. Die Webseite fotointern.ch hat übrigens auch fotointern.de.

Ich frage mich, ob es da eine Änderung in der Rechtsanwendung gegeben hat. So ist zum Beispiel meine Webseite Fotomonat einfach ein Wort aus zwei allgemeinen Wörtern und daher bisher nicht schutzfähig in Deutschland. Schutzfähig wäre vielleicht eine Wort+Bildmarke als Kombination. Dadurch würde aber der Gebrauch des Wortes an sich nicht eingeschränkt.

In der Vergangenheit ist zum Beispiel schon versucht worden photos.com als Marke schützen zu lassen. Das wurde abgelehnt.

Wenn die Entscheidung der schweizerischen Behörde Bestand hätte, müßte man zurecht die Frage aufwerfen, ob ich hier z.B. noch schreiben darf, daß es manchmal fotointern zu einer geometrischen Gestaltung kommen kann, die visuell mehrsprachig ist.

Da bin ich doch gespannt, ob man das Wort im Zusammenhang mit dem Thema Fotografie im Internet noch benutzen darf ohne gegen Rechte zu verstoßen.

Vielleicht muß man noch zwischem dem gewerblichen Verkehr und der privaten Nutzung unterscheiden.

Warten wir mal ab.

Handbuch des Fotojournalismus

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Ganz nah

Es gibt sie noch die guten alten Dinge. Lars Bauernschmitt und Michael Ebert haben es geschafft in digitalen Zeiten ein klassisches Handbuch zu schaffen, das von einer Webseite nicht geschlagen werden kann.

„Ganz nah dran“ ist es ihnen gelungen, eine Bestandsaufnahme des Fotojournalismus in ein Buch zu packen, welches wirklich alle wichtigen Fragen anpackt.

Wenn es nur ein Buch sein soll, dann sollte es dieses Buch sein.

Und wenn es ein Buch aus der Praxis für die Praxis sein soll, dann hat man es hier gefunden.

Ehrlich und nüchtern aber nie destruktiv werden hier alle journalistischen Themen dargestellt, die wichtig werden können in der Praxis des Fotojournalismus.

Dazu gehört auch die begründete Feststellung, daß es sich bei Fotojournalismus um Journalismus handelt, nur eben nicht um Textjournalismus sondern um Fotos mit erläuternden Texten.

Bis heute ist es ja vielfach so, daß es da Probleme gibt.

Daher resultiert dieser Hinweis wohl aus der erlebten Praxis.

Ein Handbuch muß sich auf alle wesentlichen Fragen konzentrieren.

Schon der Anfang gefällt.

Denn die Geschichte des Fotojournalismus ist wesentlich für die Horizontbildung, wenn es um die Frage geht, was eigentlich Fotojournalismus war und heute ist.

Hier erfährt der Leser, warum heute alles anders und doch so interessant ist.

Es ist ein großes und schweres Buch mit einem gefälligen Layout geworden.

Viele Interviews mit Praktikern rund ums Bild geben schnell und präzise Auskunft und lassen Menschen zu Wort kommen, die eigene Erfahrungen weitergeben.

Beispiele für Fotojournalismus und Reportagen zeigen die Unterschiede auf. Viele Fotos, die in unserem Gedächtnis schlummern, werden herausgeholt und bewußt angeschaut.

Aber auch das ABC des Fotografierens wird erläutert.

Der Umschlag des Buches wird von einer Fuji X100 und einer Canon DSLR geprägt. Auch die Technik wird diskutiert von damals bis heute und Leica wird in Relation zur gelebten Realität gesetzt, die mehr umfaßte und auch heute umfaßt.

Sätze aus der Wirklichkeit

„Neben Leica liefert auch Fuji mit der X100 eine Sucherkamera, die in letzter Zeit auf ein erstaunlich großes Interesse bei den Fotojournalisten gestoßen ist.“

Ein Satz aus der Praxis für die Praxis.

Es bleibt nicht bei diesem Satz.

„Eine freie Berichterstattung über das politische Geschehen in Deutschland gibt es fast nicht mehr.“

Das ist auch so ein Satz, der schnell wieder den Blick zurück in das Buch leitet.

Oder „Das Fotobuch darf nicht einfach nur ein Informationsträger für den Inhalt sein. Es muss ergänzend Qualitäten aufweisen, die möglichst alle Sinne ansprechen.“

So ist ein Handbuch entstanden, das bis zur Verschlagwortung und der Kalkulation eines Auftrags alle Aspekte anspricht, die der angehende Fotojournalist wissen muß, um gut gerüstet zu sein mit Kameras und im Kopf.

Es soll eine Bestandsaufnahme sein, die ein Querschnitt durch den Fotojournalismus heute ist.

Aber es kommt eben auch die Vergangenheit und der Blick auf die Gegenwart vor, die versucht, sich für die Zukunft zu rüsten.

Es geht in dem Buch auch um die eigene Einstellung und die Frage, welche Haltung ich entwickeln will, denn mehr Geld verdient man mit PR als mit Fotojournalismus.

Dennoch erlauben Interviews mit Lokalreportern dann auch, Wege zum Verdienst heute zu zeigen, wenn man versteht, daß es auf die Summe der Teile ankommt.

Fotojournalismus ist eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Viele konnten früher und bis heute nicht allein davon leben.

Magnum als Hobby

Und daher finde ich auch den Blick auf die großen Namen so erhellend.

„Cartier-Bresson stammte aus einer der reichsten Familien Frankreichs. Was nicht zuletzt bedeutete, daß er im Gegensatz zu seinen Kollegen nie mit seinen Fotos Geld verdienen mußte.“

Solche Sätze muß man im Hinterkopf haben, wenn man über Schnappschüsse, Streetfotografie und Verdienstmöglichkeiten sprechen will.

Am Ende des Buches findet sich ein Literaturverzeichnis aus der Praxis für die Praxis – was will man mehr?

Das Buch beginnt mit dem Hinweis, daß im Fotojournalismus gute Bilder immer noch im Kopf entstehen und heute nicht mehr die neuste digitale Technik entscheidend ist.

So bietet das Buch mehr als Technik.

Es bietet zeitlos gutes Wissen für den Kopf und jede Art von fotografischer Technik.

Das Buch ist im dpunkt Verlag erschienen und wird aufgrund seiner Qualität wohl das aktuelle Standardwerk zum Thema Fotojournalismus in deutscher Sprache werden.

Meine Gratulation an den Verlag und die Autoren.

Lars Bauernschmitt / Michael Ebert
Handbuch des Fotojournalismus
ein dpunkt.plus-Buch
Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis

440 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband

ISBN: 978-3-89864-834-9

Indien in der Fotografie – das fotografische Triptychon – Fotobücher für Kenner

Indien Cartier-Bresson

Indien Cartier-Bresson

Henri Cartier-Bresson, In Indien

Henri Cartier-Bresson war davon überzeugt, daß man die Fotos aus Indien mit dem europäischen Denken nur verstehen kann, wenn man das Wesen des Hinduismus versteht.
Daher bat er Yves Véquaud, etwas dazu zu schreiben:
„In Indien betet jeder, was er will, wo er will, wann er will und wie er will…. Der Hindu unterscheidet prinzipiell nicht zwischem Heiligem und Profanen… Der Mensch ist dem Göttlichen nie so nahe, wie wenn er außer sich ist: im Augenblick des Samenergusses, bei jedem Schluckauf sind wir dicht daran. Vergessen wir nicht, daß die Meditation, die als Ausgangspunkt vielleicht eines Objekts bedarf, an sich gegenstandlos sein muß.“

Auf sehr interessanten Seiten erklärt er uns das Wesen der Dinge aus hinduistischer Sicht: “ Shiva ist schön, er besitzt das dritte Auge, seine Lenden sind mit einem Tigerfell gegürtet; eines seiner Attribute ist der Dreizack; aus seinen Haaren fließt der Ganges… Shivas Symbol ist der Phallus – der Lingam -, oft in Yoni, das weibliche Organ und Zeichen der kosmischen Energie, eingeführt. Ohne Vereinigung der Gegensätze kann es keine Schöpfung geben. Shiva ist in jeder Schöpferkraft.“

Und dann zeigt uns Cartier-Bresson seine Fotos aus und über Indien.

Sie sind alle schwarzweiß und von großer Kraft. Sie lassen uns auch im Kopf durch das gelesene Wissen etwas erleben, was wir sonst auf den Fotos nicht sehen würden.

Bemerkenswerterweise zeigt das Foto auf dem Cover aus Indien muslimische Fragen beim Morgengebet, die sich trotz Schleier nicht vor männlichen Blicken verbergen sondern völlig frei agieren. Genau das spiegelt die Freiheit des Hinduismus wieder.

 Indien, McCurry

Indien, McCurry

Indien, Steve McCurry

„Bis heute ziehen Indiens Sufi-Schreine fast genauso viele muslimische Pilger an wie Hindus, Sikhs und Christen… Indien, durch McCurrys Augen gesehen, ist vor allem eine Welt der Gegensätze, in der das rote Gewand des buddhistischen Mönches das Rot der Coca-Cola-Werbung hinter ihm zu spiegeln scheint, in der sich ein Geschäftsmann in Anzughose und Hemd mit Regenschirm und Aktentasche durch die ihm bis zum Bauch reichenden Monsunfluten kämpft … Steve McCurrys Arbeiten bestechen durch ihre Originalität. Keinem anderen wäre es gelungen, die Seele Indiens so meisterhaft einzufangen.“

Diese Worte von einem Herrn William Dalrymple vergessen Cartier-Bresson. Das sei ihm verziehen, da ich dies hier ergänze.

Nun denn. Das Buch zeigt in Farbe heute Fotos aus den letzten 30 Jahren, die alles das widerspiegeln, was wir über den Hinduismus bei Cartier-Bresson lesen konnten.

Es ist insofern und überhaupt eine wirklich gelungene Fortführung des Buches von Cartier-Bresson in Farbe und zu einer späteren Zeit.

Großformatig und geometrisch gestaltet sind die Fotos gut zu sehen und gut anzusehen.

Indien - Raghubir Singh

Indien – Raghubir Singh

Fluss der Farben. Das Indien des Raghubir Singh

Wenn es um Fotobücher von indischen Fotografen geht, dann sind die Bücher von Raghubir Singh Teil der Fotogeschichte geworden. Herr David Travis schreibt sogar: „In der Welt der Fotografie steht der Name Raghubir Singh als Synonym für das Land Indien.“

Und tatsächlich zeigt Singh mehr Alltag und alltägliches Leben im Detail und in der Masse als es bei Cartier-Bresson oder McCurry zu sehen ist.

Parallel bestehende Realitäten werden so erkennbar in seinen Fotografien.

Und wer sich fragt, wieso Indien immer so bunt ist, der wird irgendwann die Antwort finden, wenn er die Fotos als Spiegel der Wirklichkeit versteht. Indien ist bunt und daher ist im Spiegel der Fotografie auch als eine bunte Welt zu sehen.

„Um mein Gespür für Farbe zun entwickeln, habe ich kleine Anleihen bei den britischen Fotografen des 19. Jahrhunderts und große bei Cartier-Bresson und anderen Meistern der Kleinbildkamera gemacht. Dabei distanzierte ich mich intuitiv von der Angst, Entfremdung und Schuld der jüngeren nihilistischen Fotografie des Westens. Cartier-Bressons Aufnahmen anlässlich der indischen Unabhängigkeit bieten dem indischen Fotografen eine ganze Reihe von visuellen Verbindungen zu westlichen Welt. Sein Umgang mit der Kamera unterschied sich deutlich von der Fotografie der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Er war der erste Kunstfotograf, der den Inder als Individuum ansah, was seinen Aufnahmen einen, wie Satayajit Ray es ausdrückte „greifbaren Humanismus“ verlieht…. Schönheit, Natur, Humanismus und Spiritualität sind die vier Eckpfeiler der indischen Kultur.. Der indische Fotograf blickt vom Gangesufer auf die Moderne und nicht etwas von der Seine oder dem Ufer des East River. Diese Erkenntnis hat mich darin bestätigt, dass der indische Fotograf seine ganz persönliche Anpassung an moderne Massstäber finden muß.“

Und so nimmt uns Raghubir Singh mit in seine fotografische Welt, gekonnt und individuell.

Fazit

Wenn ich diese drei Bücher nun zusammen betrachte, dann sind sie für mich das indische Triptychon der Fotografie über das sichtbare Indien. Diese drei Fotobücher sind zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Blicken und verschiedenen Aufnahmetechniken entstanden.

Gemeinsam ist allen drei Büchern der bewußt gewählte geometrische Aufbau der Fotos, die visuelle Grammatik, und die dokumentierende Funktion.

Es geht darum visuell gestaltet die Wirklichkeit zu sehen und zu verstehen.

Und zusammen sind sie zeitlich und inhaltlich mehr als die Summe ihrer Teile.

Das macht diese drei Bücher in der Kombination zu etwas fotografisch Besonderem, das ein tieferes Verständnis für Indien und die fotografische Herangehensweise von drei Fotografen zeigt.

Wer mehr will als Fotos, der kann sich hier eine besondere Schulung des fotografischen Sehens und ein besonderes fotografisches Vergnügen gönnen.

Es ist ein großes Glück, daß alle drei Bücher noch direkt oder indirekt erhältlich sind.