Monthly Archives: Juni 2015

Vom Ende der Ewigkeit. Eine Reise durch bedrohte Polarwelten von Camille Seaman und Elizabeth Sawin

Vom Ende der Ewigkeit von Camille Seaman

Vom Ende der Ewigkeit von Camille Seaman

So schön können Fotos von Gletschern und dem Meer sein. Und so schön kann ein Buch sein.

Dieses wunderbare Buch ist ein gelungener Beitrag zur Dokumentation der Zerstörung unserer Welt mit schönen Fotos.

Die digitale Fotografie ermöglicht uns, die Folgen unseres Handelns mit immer schöneren Fotos und immer besseren ausdrucksstarken Filtern zu zeigen.

Hier wird das stille Sterben eines Teils unserer Welt dargestellt.

Es ist ein Buch, das bei längerer Betrachtung Stille einkehren läßt. Vielleicht wirken die Fotos, vielleicht wirken die Gedanken. Es wird still, wenn man drüber nachdenkt.

Camille Seaman hat drüber nachgedacht.

Sie war bis 2009 Schiffsfotografin auf einem Expeditionsschiff der Hurtigruten.

„Bei meinem letzten Besuch gab es so wenig Eis, das es mir das Herz brach.“

So reiht sich ihr wunderbares Buch ein in die vielen Bemühungen, das Gesicht der Welt von heute noch fotografisch festzuhalten solange es diese Welt so noch gibt.

Der Untergang der Welt ist ja nicht das Ende der Erde.

Es ist vielleicht ein großer Einschnitt in die menschliche Rasse.

Aber die Erde stirbt nicht an uns, wir sterben eher an uns selbst auf der Erde.

Wir sind die Untertanen der Erde und glauben, wir machen uns die Erde untertan.

Frau Seaman zeigt uns das, was nur wenige sehen.

Die Gier der Hedgefonds und der Mächtigen sieht dies alles natürlich nicht sondern stattdessen die Chance, neue Märkte zu erschließen, wenn die Eisberge erst einmal weg sind.

Und der Glaube wird in diesem Fall die Eisberge versetzen und aus unseren Lebensgrundlagen ein totes Meer machen und lebensfeindliche Kettenreaktionen in Gang setzen.

Es gibt in dem Buch aber nicht nur Fotos mit Meer und Eisbergen sondern auch Fotos mit dem, was die Menschen dort machen und gemacht haben.

Ein Foto zeigt eine britische Pistenraupe aus den 50er, die vor sich hinrostet. So weit das Auge reicht ist alles drumherum mit Schrott übersät. Weil es „zu teuer“ ist dies alles wieder einzusammeln bleibt es eben liegen.

Oder Fotos von Barentsburg, einer russischen Siedlung. Dort sehen wir die Macht der Fotos. Weil es dort außer Schnee und Steinen nichts gibt hat man riesige Fotoplakate aufgestellt mit Waldblicken.

Sie finden ein paar Bildstrecken aus dem Buch und mehr Infos direkt bei Randhomhouse.

Elizabeth Sawin schreibt im Vorwort: „Teile dieses Buch mit anderen.“

Stimmt!

 

Die weltbesten Fotos zum Thema Frieden? – Tschüss Alfred

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Frieden? – Foto: Michael Mahlke

Da staunt der kleine Klaus. Die sehen ja ganz anders aus.

Da macht man Werbung für einen Fotowettbewerb.

Dort sollen die weltbesten Fotos zum Thema Frieden ausgewählt werden.

Der Preis heißt Alfred Fried Photo Award.

Das Ganze scheint aber ein Politikum zu sein.

Und so war ich sehr gespannt darauf, ob und wie weich dies alles gespült wird.

Das Ergebnis ist erschütternd.

Offenkundig wurden die Themen Harmonie und Konfliktfreiheit mit dem Thema Frieden verwechselt.

Frieden ist ein politischer Begriff – sozial, politisch, militärisch.

Die Fotos hier sind dezidiert unpolitisch.

Selbst wenn ein Kluger nun sagt, das Unpolitische sei auch politisch.

Das reicht nicht.

Da es ins Österreichische Parlament muß, will man, so meine Vermutung, keinem weh tun.

Und so ist das Ergebnis eine Fotostrecke, die an Aussagekraft zum Thema Frieden so viel zu sagen hat wie ein leeres Blatt.

Man könnte nun noch fragen, wer in der Jury wen kannte, auch von den Teilnehmern, und dann daraus Rückschlüsse ziehen.

Ich hätte von einigen Personen mit ihren prominenten Namen mehr erwartet.

So kann man sich täuschen.

„Darüber hinaus wird das Friedensbild des Jahres im Österreichischen Parlament ausgestellt und in die  Kunstsammlung des Parlaments aufgenommen.“

Dieser Satz stand in der Ausschreibung. Vielleicht ist das der Grund dafür. Zum Schluß muß es Fotokunst sein können?

Nun denn, es wird hier alles bestätigt, was ich schon vor einigen Jahren einmal herausgearbeitet habe zum Thema der „besten“ Fotos.

Da passen unbequeme starke politische Brocken in der Fotografie dann eher nicht.

So ist dieser Preis meiner Meinung nach ein politischer Preis, der das Unpolitische ausgewählt hat.

Paradoxer geht es kaum.

Aber das wird niemand davon abhalten nun zu feiern.

Ich wünsche viel Spaß dabei.

Tschüss Alfred und nichts für ungut – dein Name steht für Pazifismus und politischen Frieden und das Austragen und die Lösung sozialer Konflikte im Frieden, dachte ich zumindest bisher.

 

Soziale Konditionierungen bei der Street-Fotografie

Ganz heimlich fotografieren geht nicht, wenn man echte Streetphotography machen will.

Heute kann man zwar auch ganz heimlich fotografieren aber der Reiz besteht ja im bewußten Gestalten eines Fotos im entscheidenden Moment, wenn man sich eigene Maßstäbe gesetzt hat.

Und da hat sich was verändert.

Unauffälliges Fotografieren bedeutet unbeobachtetes Fotografieren.

Unbeobachtet ist man eher wenn man nicht auffällt.

Ab wann fallen Digitalkameras nicht auf?

Nach meinen Beobachtungen wird heute die Handygröße bei Digitalkameras akzeptiert.

Bei größeren Kameras wird man mehr beobachtet, so daß die ungestörte Konzentration auf einen Ablauf schwieriger ist oder sogar beeinflußt wird.

Handys bzw. Smartphones selbst als Ersatz mag ich nicht obwohl die wiederum völlig akzeptiert sind.

Aber damit kann man nicht unauffällig mit Sucher fotografieren.

Streetfotografie bzw. Straßenfotografie fängt mit S an.

S steht für Street, Sucher und Shutterspeed (Zeitvorwahl).

Zudem muß die Kamera griffig und kantig sein oder ein tolles Design haben.

Und dann geht es hinaus in die Welt, um zu schauen, ob mann/frau es schafft nach den Kriterien der Fineart-Straßenfotografie die entscheidenden Momente so einzufangen, daß möglichst viele der fünf Kriterien erfüllt sind.

Und da wo der Sucher fehlt sollte Fineart-Straßenfotografie noch einfacher sein – aber unauffällig.

Das hier ist nicht unauffällig:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Und das hier ist keine Streetfotografie sondern Streetsfotografie – da ist auch wieder ein S bei:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Nachdem nun klar ist, was keine Straßenfotografie ist, sollten Sie schon ahnen, was echte Streetfotografie ist.

Wenn Sie in diesem Blog weiterlesen, finden Sie davon noch eine ganze Menge.

 

Digitale Filter für schöne Fotos über die Selbstzerstörung der Wachstumsgesellschaft

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Es tut nicht weh und wenn es weh tut, dann glaubt man an andere Ursachen.

Wir leben im Zeitalter der Selbstzerstörung der Wachstumsgesellschaft.

Das dauert.

Aber es gibt aktuell keine Lösung.

Immer mehr Menschen wollen das Gleiche: leben und konsumieren. Aber so wie bisher geht das nicht.

Umdenken mindert den Profit und die vorherrschenden Machtstrukturen.

Das Ergebnis sehen wir.

Wir amüsieren und konsumieren uns zu Tode.

Und dies individuell und kollektiv.

Da wir sowieso sterben, ist es eigentlich egal.

Aber wir können dies alles nun mit schönen digitalen Filtern festhalten.

Ein Beispiel ist der Blick auf den Himmel vor der Stadt Remscheid.

Wir riechen es nicht, wir sehen es.

Wir können es sehen aber wir nehmen es falsch war oder ordnen es falsch ein oder verdrängen es.

Obwohl sogar die Politik gezeigt hat, worum es geht.

Wir leben offiziell im Gefahrengebiet.

Wie schön diese Gefahr dargestellt werden kann, können Sie an einem Beispiel sehen.

Sie finden es hier.

Es zeigt am Beispiel eines Blicks auf den Himmel vor Remscheid, was Filter alles wie ausdrücken können.

So schön kann Krankheit und Gefahr aussehen.

 

Streetphotography rocks – Streetfotografie begeistert

Brandenburger Tor

Streetfotografie begeistert (neudeutsch: ist geil) = streetphotography rocks.

Das Wort Streetphotography ist genau so stark wie das Wort Zeitgeist.

Zeitgeist hat sich als deutsches Wort weltweit durchgesetzt und Streetphotography hat sich als englisches Wort weltweit durchgesetzt.

Die Frage ist, ob sich mittelfristig photography oder fotografie durchsetzen wird.

Denn der ganze spanische und portugiesische Sprachraum hat die fotografia, die mit f geschrieben wird.

Aber wie lange die Parallelität der Begriffe im Sprachraum existiert, hängt auch von Medien, Macht und Einfluß ab.

Und streetphotography versteht jeder, der damit zu tun hat.

Aber man sollte streetphotography nicht mit streetsphotography verwechseln, also nicht das Straßenleben mit dem Stadtbild.

Und deshalb ist es einfach so – streetphotography rocks weltweit!

 

Fotografie zwischen Dokumentation und Kunst bei Bernd und Hilla Becher, August Sander et altera

„Eine Fotografie kann Dokument und Dokumentarfoto gleichzeitig sein. Ein Dokument ist jedoch nicht zwangsläufig eine Fotografie und nur weil ein Foto ein Dokument ist, handelt es sich dabei noch nicht um eine Dokumentarfotografie.“

Schöne Sätze aus der Doktorarbeit von Annika Baacke.

Sie untersucht Karl Blossfeldt, August Sander, Albert Renger-Patzsch sowie Bernd und Hilla Becher.

Es sind prominente Namen und entsprechend groß ist auch der wissenschaftliche Apparat. Eine Promotion, die gut zu lesen ist und uns auf den Stand der Forschung bringt.

Sie kommt u.a. zu folgender Einschätzung:
„Folgt man den in den 1930er Jahren formulierten Eigenschaften der Dokumentarfotografie, so entspricht keines der vier hier behandelten Werke den Ansprüchen, die an dieses Genre gestellt wurden. Karl Blossfeldt, August Sander, Albert Renger-Patzsch sowie Bernd und Hilla Becher verfolgen mit ihren Fotografien zwar einen sachlich-objektiven Ansatz, doch fehlt ihren Bildern die sozialkritische Komponente. Karl Blossfeldts Pflanzenfotografien etwa klammern einen sozialkritischen Kommentar aus. Sie weisen weder auf die Zerstörung der Umwelt hin, noch liefern sie einen generellen Kommentar zum Miteinander von Mensch und Natur. Durch die Isolation der Pflanzen, die Konzentration auf Formdetails und das Aussparen des natürlichen Umfeldes ist eine Lesart im Sinne der klassischen Dokumentarfotografie ausgeschlossen. Auch August Sanders Portraitaufnahmen beanstanden die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse nicht. Sanders Ziel ist es, eine neutrale Bestandsaufnahme der verschiedenen Gesellschaftsschichten zu erstellen, ohne dabei für eine Gruppe Partei zu ergreifen. Gleiches gilt für die Arbeiten Albert Renger-Patzschs sowie Bernd und Hilla Bechers. Die Fotografen zeigen Landschaften und Architekturen, Gegenstände und mitunter auch Menschen, der sozialkritische Kommentar jedoch bleibt aus. Es ist nicht das Anliegen der Fotografen hier auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Objekte sind Mittelpunkt und sollen für sich selbst sprechen.“

Die Indexierung führt im Vergleich dazu, mehr zu sehen als ein einzelnes Foto kann.

Die Bechers selbst haben in einem Film einmal darauf hingewiesen, daß sie eigentlich gebaute Zeitzeugen fotografiert haben, die für sich stehen. Erst später bei der Anordnung der Fotos ergaben sich neue Gesichtspunkte, weil verschiedene  Fotos miteinander verglichen werden konnten und damit Parallelen, Unterschiede und Veränderungen sichtbar wurden. So wurde z.B. bei Industriebauten eine Architektur sichtbar, die sich rein aus der Funktion ergab.

Da die Fotos der Genannten einzeln eher nicht einzuordnen sind, macht es die Masse, die den Vergleich ermöglicht. Das steht alles sehr schön in dem Buch.

Ich finde die Doktorarbeit als aufgearbeiteter Text zur Fotografie ausgesprochen gut, weil Frau Baacke auch lesbar schreibt.

Daher möchte ich ihr Buch empfehlen.

Die Doktorarbeit steht als pdf-Datei kostenlos als Download zur Verfügung.

Wer wirklich was wissen will zu diesen Namen und der Dokumentarfotografie und der dokumentierenden Fotografie, der findet hier etwas mit Substanz und bei Glasenapp die Hintergründe dazu.

Jacob Holdt – The American Underclass?

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„Ohne Geld reiste Jacob Holdt fünf Jahre durch die USA. Unterwegs schoss der Däne 15000 Fotos. Seine Bilder schockierten 1977 die Welt, denn so abgründig hatte das Land noch niemand gezeigt.“

So schrieb es Susanne Kippenberger 2008.

Wissen Sie noch was davon – wußten Sie es überhaupt?

In der deutschsprachigen Literatur zur Dokumentarfotografie habe ich ihn nicht gefunden. Auch in den Doktorarbeiten/Promotionen war er nicht auffindbar.

 

Robert Frank

Da kommt eher und eigentlich als Prototyp für das Bild von Amerika Robert Frank vor, der auch sehr engagiert war. Sein Buch verkaufte sich zunächst knapp 1100 mal und er erhielt dafür weder soziale noch materielle Anerkennung. Erst 1978 wurde er „wiederentdeckt“ und seitdem sind seine Bilder DIE Bilder Nordamerikas in den 50er Jahren. So wurde er prominent.

Ob das was mit dem Thema Museumsqualität zu tun hat, würde der kleine Teufel in mir fragen? Denn seine Fotos als Teil sozialer Dokumentation waren auch vor 1978 gut.

Doch schauen wir mal gedanklich weiter.

 

Jacob Holdt

Jacob Holdt fotografierte in den 70er Jahren. Dann veröffentlichte er seine Fotos, die eine Art Bestandsaufnahme seines Erlebens in Amerika waren und das Buch wurde millionenfach verkauft.

Das war 1977.

Ob das heute noch so möglich wäre?

American Pictures, links DDR, Mitte BRD, Rechts Neues Deutschland 2007 - Jacob Holdt

American Pictures, links DDR-Buch, Mitte BRD-Buch, Rechts Neues Deutschland Buch 2007 – Jacob Holdt

 

Mediale Präsenz der Fotografie sozialer Fragen

Fakt ist, daß Jacob Holdt bisher in den Medien dauerhaft kaum vorkommt, wenn es um Dokumentarfotografie geht und in der Geschichte der Fotografie über soziale Fotografie ebenfalls nicht.

Wenn es um den Charakter der USA geht, dann ist meistens von Robert Frank die Rede obwohl die Fotos von Holdt andere Seiten und andere Zeiten desselben Amerikas zeigen.

Ich sehe drei fotografische Blöcke

  • die Fotografie der 30er Jahre mit Dorothea Lange etc.,
  • die Fotografie der 50er Jahre mit Robert Frank und
  • die Fotografie der 70er Jahre mit Jacob Holdt,

wenn es um soziale Fragen und die öffentliche Sichtbarkeit geht. Für die 1990er Jahre in den USA habe ich noch keinen Namen.

Philip Gefter, ein amerikanischer Feuilletonist, sieht dies völlig anders. Er spricht von

  • Robert Frank, The Americans
  • Garry Winogrand, Narrative of America
  • Stephen Shore, Uncommon Places
  • Joel Sternberg, American Prospects

wobei dies für ihn das Genre „societal view“, also ein gesellschaftlicher Blick, ist. Holdt fehlt hier.

 

Wahrnehmung und Interesse

Wie unterschiedlich Jacob Holdt wahrgenommen und eingeordnet wird und auch seine Fotografie sozial gesehen wird, zeigen sehr gut die Artikel in der englischen und deutschen Wikipedia. Da lohnt sich das Lesen der insgesamt total verschiedenen Artikel.

Für mich sind seine Fotos auch deshalb so stark, weil sie sein eigenes Erleben zeigen. Es ist seine Geschichte, die den Faden bildet und es sind immer authentische Fotos mit Menschen wie du und ich, wenn sie keine Chance habe oder in einer Umwelt leben, die so ist wie dort. Und bis heute ist dies alles aktuell wie wir aus den Medien immer wieder mal erfahren.

So möchte ich den in deutschen Landen fast Vergessenen zumindest noch einmal in das mediale Licht stellen, damit man die Möglichkeit hat, sich damit zu beschäftigen.

Denn wenn man bei google Dokumentarfotografie eingibt, kommt Holdt in Verbindung mit Dokumentarfotografie auf den vorderen Seiten nicht vor – wenn überhaupt.

 

Starke Fotos mit einfachen Kameras

Abgesehen davon hat er starke Fotos mit einer einfachen Kamera gemacht. Dies tat später auch Richard Billingham. Der perfekte Moment ist der authentische Moment bei dieser Art der Fotografie. Das beste Bild braucht dabei nicht die technisch beste Kamera. Und es waren in diesen Fällen keine ausgebildeten Fotografen, die starke Fotos machten. Das spricht für die benutzten einfachen Kameras und das Gespür der Fotografierenden.

 

Buch kostenlos online

Seit einiger Zeit ist das komplette Buch von Jacob Holdt auch online lesbar und ein Teil als kostenloser Download verfügbar.

Sie finden das Buch online unter www.american-pictures.com.

Es lohnt sich sehr darauf hinzuweisen, weil dies echte sozialdokumentarische Fotografie ist. Er selbst sieht sich in der Tradition von Jacob Riis.

 

Jupiter im Skorpion

Übrigens ist er einer der wenigen, die ihr Horoskop öffentlich nutzen, um ihr Schicksal zu verstehen. Laut seiner Horoskopzeichnung ist Jupiter im Skorpion. Er sucht also das Tiefgründige und findet dort  sein Glück, würde vielleicht ein Astrologe als Erklärung denken. So könnte man es rückblickend verstehen, wenn man sich fragt, wie sein Weg war und warum diese Fotosammlung entstand.

 

Soziale Folgen von Armut – Die USA als Spiegel für Deutschland

Davon abgesehen hat Jacob Holdt in den USA das aufgenommen, was neuerdings auch in Deutschland zu sehen ist. Nur hat Armut hier nicht die Farbe schwarz. Aber so sieht es vielfach schon bei uns aus, wenn man es sehen will. Wenn man will.

Die riesig gewordene Kluft zwischen reich und arm – dank SPD und FDP sowie Teilen der CDU und der Grünen als Antreiber des Neoliberalismus – hat auch in Deutschland für solche Zustände gesorgt. Das Gesundheitswesen wird gerade halb privatisiert aber die Hartz 4 Reform hat aus einem sozialen Land schon vorher eine asoziale Landschaft gemacht.

Es ist eine soziale Unterschicht entstanden und die Chance, daß die Menschen sich durch Arbeit daraus befreien können, wurde durch Befristungen und niedrige Mindestlöhne faktisch abgeschafft. Selbst Fleiß führt nicht mehr da raus. Im Gegensatz zu den USA ist Deutschland geografisch aber zu klein, um eine Distanz in der Fläche zwischen Armenhäusern und reichen Gegenden zu schaffen. Das wird oft übersehen und wird neue Probleme erzeugen.

 

Armut ohne Fotografie

Da wir in Deutschland andere Gesetze und Verhältnisse haben, sind Fotos wie die von Jacob Holdt eher nicht mehr möglich.

Die Wirklichkeit bekommt an dieser Stelle aktuell also kein Gesicht, denn “je näher Armut dem westlich-weiß dominierten Kulturkreis rückt, desto unsichtbarer wird sie.”

So sind die Fotos von Jacob Holdt auch ein Spiegel der Entwicklungen, die in Deutschland und Teilen Europas gerade anlaufen.

 

Das Grundgesetz zeigt die Richtung

Rückkehr zum Sozialstaat wäre Fortschritt, wenn man sich verlaufen hat.

Aber wer gibt das zu?

Solange Tafeln und Fürsorge als gut empfunden werden, hat meine hier geäußerte Ansicht keine Chance. Dabei sieht unser Grundgesetz ausdrücklich etwas anderes vor: ein Existenzminimum ohne Fürsorge für eine soziale  Basis auf Augenhöhe als Voraussetzung für demokratische Teilnahme und unveräußerliche Menschenrechte. Das waren die Lehren über den menschlichen Charakter nach zwei Weltkriegen, die in das Grundgesetz geflossen sind.

 

Sozialdokumentarische Fotografie bedeutet Engagement

Dennoch freue ich mich, daß ich diesen Artikel schreiben konnte, weil er mir die Möglichkeit bietet, auf Jacob Holdt aufmerksam zu machen, der uns mit Bildern aus Amerika zeigt, was sich hier gerade entwickelt.

Wenn man solche Fotos zeigt und nach den sozialen Bedingungen fragt – das ist das Ziel engagierter sozialdokumentarische Fotografie – dann ist die Antwort klar: es muß sich was ändern.

Dies kann dieser Artikel nicht leisten, aber wenn Sie ihn bis hierhin gelesen haben, dann dürfte klar sein, daß es nicht so bleibt, wenn es so bleibt wie es ist – auch hier nicht.

Zum Abschluß noch etwas zur Definition.

Das Buch wurde oft mit dem Begriff Underclass – Unterklasse in Verbindung gebracht.

Darauf wird in der Ausgabe von 2007 hingewiesen.

Underclass ist wie Untermenschen. Es ist eine Erfindung irgendwelcher „Herrenmenschen“, die sich dadurch abzugrenzen versuchen und begrifflich besser sein wollen.

Poor people – materiell arme Leute bzw. arme Menschen wäre die einzig richtige und nicht direkt diskriminierende Bezeichnung.

Es kommt eben auch bei Fotos auf die Worte an mit denen man sie beschreibt. Sie formen die Blicke im Kopf.

 

Nachtrag am 23.10.2015:

Man kommt aus dem Staunen nicht raus. Heute meldete mir mein Linküberwacher, daß die American Pictures online verschwunden sind. Nachgeschaut, gesucht und dabei stellte sich raus, daß man Jacob Holdt und seine Geschichten hinterfragt. Da scheint es Probleme zu geben, so daß er heftig in der Kritik steht. Ich habe diesen Artikel ins Deutsche übersetzen lassen und hoffe, er klärt etwas auf. Nach der Übersetzung hat er die Wahrheit „ausgeschmückt.“

Text 1.5

Streetfotografie mal ganz anders

Streetphotography means photography in public – Straßenfotografie bedeutet Fotografieren im öffentlichen Raum.

Da wir dort Menschen sehen, müssen wir auf die Menschenrechte achten. Die sind bei der Frage des Fotografierens in einigen Ländern sehr unterschiedlich geregelt.

Streetfotografie heute bedeutet in Deutschland und Österreich, wenn jemand eindeutig zu erkennen ist, nur mit Einwilligung zu fotografieren, sonst ist es im Zweifel rechtswidrig.

Das ist aber nicht so schwer wie man denken könnte.

Das kann man online selbst trainieren oder offline mit einem Fototrainer.

Man kann aber auch ganz anders Streetphotography machen indem man die Motive umkehrt.

Dabei spielt man mit Licht und Schatten. Wenn die Lichtverhältnisse draußen mitspielen und man aufmerksam genug ist, die entscheidenden Momente einzufangen, dann fotografiert man nicht die Menschen sondern deren Schatten im Zusammenspiel.

So kann man Geschichten erzählen und macht dabei Strassenfotografie pur.

Man kann sogar Familien und Kinder fotografieren ohne juristische Probleme zu bekommen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Probieren Sie es einfach mal aus.

Aber man muß nicht nur die Schatten fotografieren, man kann auch eine fotografische Mischung festhalten, die die Schatten neben Personen im Licht setzt, wie man hier sehen kann.

Es macht richtig viel Spaß!

Straßenphotographie ist eben mehr als auf den Auslöser zu drücken, wenn man Ansprüche an sich selbst hat.

Um so schöner ist es, wenn man den Erfolg dann auf einem Foto sehen kann.