Monthly Archives: April 2015

Postcards von Martin Parr

CIMG4088

Soziale Gebrauchsweisen der Fotografie pur – so würde ich das Buch umschreiben. Martin Parr hat einige Bücher mit Postkarten herausgegeben. Alle sind wunderbar. Dieses Buch hier hat den Vorteil, verschiedene Themen zu vereinigen.

Man sieht in gewisser Weise die Veränderung der Funktion.

Am Anfang werden Postkarten als Fotos mit Informationsgehalt verschickt über Unfälle, Unglücke.

Es sind Dokumentationen von Ereignissen, die ziemlich viel zeigen, oft wie ein Passepartout.

Dann kommen die Werbefotos hinzu: Essen, Auto, Urlaub.

Das Inhaltsverzeichnis listet verschiedene Themen auf:

CIMG4089

Je nach Stand der Technik wurden Postkarten für unterschiedliche Zwecke genutzt.

Im Prinzip ist das verschickte Foto von heute in sozialen Medien die elektronische Postkarte von damals, weil sie genau so viele verschiedene Zwecke erfüllt wie früher.

Am Anfang war die Postkarte fast eine monopolartige Information über Ereignisse oder Orte.

Dies erfüllen heute Ereignisfotos. Auch heute berichten sie. Nur war damals die Postkarte die schnellste Art der visuellen Verbreitung. Heute ist es das digitale, also elektronische, Foto.

Parr leistet mit seinen gesammelten und gut angeordneten Postkarten einen wesentlichen Beitrag zum tieferen Verständnis sozialer Gebrauchsweisen der Fotografie.

Und es macht einfach Lust, darin zu stöbern. Nur durch seine Art der Sammlung wird auch der fotohistorische Aspekt so gut sichtbar.

Es lohnt sich also sehr, dort ein paar Blicke drauf zu werfen.

Viele der Postkarten findet man auch bei einer Suche im Netz.

Aber es ist einfach etwas anderes, wenn ich sie gebunden und angeordnet in einem Buch sehe.

 

 

Triptychon 3 – sozialer Wandel im Bild

Wie kann man sozialen Wandel darstellen und zusammenfassen? Wie läßt sich Dynamik – Flow – visuell darstellen im Foto?

Die Veränderungen in der Industrieregion Bergisches Land bis 2010 habe ich mit 15 Fotos dargestellt. Diese bezogen sich aber auf Remscheid, Solingen und Wuppertal.

Nun kommt ein neuer Versuch begrenzt auf Remscheid, und für die Jahre 2014, 2015 und 2016:

Sozialer Wandel anhand von baulichen Veränderungen im öffentlichen Raum von Remscheid.

Ich habe dazu drei Motive gewählt, die mir sinnbildlich sinnvoll erscheinen.

Es ist ein Triptychon (lt. duden griechisch tríptychos = dreifach, aus drei Schichten, Lagen übereinander bestehend), weil es mit drei Bildern – drei szenischen Geschichten – ganz viel erzählt über die einzelnen Geschichten hinaus.

Beim Triptychon entsteht im Ganzen mehr als die drei Teile einzeln erzählen.

Es ist ein Beispiel für radical art. Das bedeutet auf Englisch etwas anderes als die Übersetzung radikale Kunst zunächst vermuten läßt. Diese Art von Kunst lebt, weil sie Bezüge zum eigenen Leben in der Gegenwart herstellt jenseits des reinen Selfie. Es ist das Tor zum Sozialen. Radical art verbindet mich mit der Gesellschaft und den Normen und nimmt mich auf, um mitzumischen, dabei zu sein und mir eine Meinung zu bilden.

Schauen Sie einfach mal hin und drauf, es ist nur einen Mausklick entfernt!