Der Lange Schatten von Tschernobyl von Gerd Ludwig

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Bucheinband vorne und Hülle des Buches von Gerd Ludwig

Wer das Buch durchgelesen und durchgeschaut hat, den läßt es nicht kalt.

Dieses Buch sprengt alle Grenzen. Denn es ist fotografisch, symbolisch und historisch eine wohl einzigartige Leistung.

Und es ist auch als Buch vom Layout und der Aufmachung etwas ganz Großes. Denn der Verlag Lammerhuber hat eine eigene Hausschrift anfertigen lassen, damit das Erscheinungsbild des Buches der Fotografie das bestmögliche Umfeld bietet.

Gerd Ludwig zeigt, was Dokumentarfotografie leisten kann im 21. Jahrhundert und was alle anderen Medien so nicht leisten können.

Fotos von damals bis 2013 zeigen, daß es nicht vorbei ist. Und die Menschen (fast) nichts aus dem Umgang mit der Kernkraft gelernt haben. Damit ist die Dokumentarfotografie mittendrin im Geschehen und den Folgen.

Texte und Essays zu den Abläufen und den Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt zeigen konkret, was damals und heute noch mit den Menschen passiert. Sie zeigen wie soziale Strukturen zerreißen, sie zeigen das langsame Sterben und das Leben im Elend, sie zeigen eben die langen Schatten von Tschernobyl.

Dokumente, die dann auch online heruntergeladen können, machen aus dem Buch zugleich ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte. Der Beitrag von Mikhail Gorbachev ist dann eine einzigartige Quelle für damals und heute, die das Buch noch stärker macht. Es ist nicht nur ein Buch voller Geschichten sondern auch ein Geschichtsbuch.

Und es ist in meinen Augen das erste Buch, welches nüchtern zeigt, wie die Welt aussehen wird, wenn wir sie zerstört haben. Die Menschen sind weg und die Natur kommt zurück. Insofern ist die Zerstörung der Welt die Zerstörung der Menschheit und nicht die Zerstörung der Erde.

Aber das Buch ist eben viel mehr. Es läßt sich nicht festlegen sondern es mischt sich ein.

Denn dieses Buch ist die Metapher für genau die Situation, in der wir heute alle stecken. Es ist ein großes Buch, weil es die große Frage in den Blick nimmt. Denn es zeigt wie unbeherrschbar und wie schnell diese Art von Technik unsere Existenz bedrohen und vernichten kann.

Der kriegerische Gebrauch der Atomwaffe hat zu Hiroshima und Nagasaki geführt, der friedliche Gebrauch der Kernenergie hat zu Tschernobyl und Fukushima geführt.

Wir wissen mittlerweile, daß Fukushima noch jahrzehntelang durch die Kontamination der Weltmeere uns alle zunehmend treffen wird und Jahrtausende noch gefährlich strahlt. Wir wissen auch, daß Tschernobyl noch immer uns alle betrifft. Anders sind Meldungen nicht zu erklären, daß die Belastungen in Pilzen und Wild immer noch hoch sind.

Im Buch spricht Michael Gorbatschow die Transparenz an und er weist darauf hin, daß durch Tschernobyl mehr freie Meinungsäußerung möglich wurde. Das ist eines der Ziele, die dieses Buch haben kann: Menschen zu zeigen wie wichtig Meinungsfreiheit und Informationsfreiheit sind, um durch Wissen Engagement für neues Denken zu fördern.

Das Buch ist insgesamt so kraftvoll, daß ein denkender und fühlender Mensch es nicht aus den Händen legen wird ohne bewegt zu sein.

Und es ist diese spezielle Art von sozialdokumentarischer Fotografie, die aus dem Buch nicht nur ein Buch zum Zeitgeschehen macht sondern auch ein Geschichtsbuch, das mehr erzählt als es ein Historiker allein hätte tun können.

Aber es ist auch eine Antwort auf die Frage, wie die Fotografie die Zerstörung unserer Welt festhalten kann.

Es wird an den Menschen liegen, was sie daraus machen. Aber sie können nicht sagen, sie hätten es nicht gewußt.

Das Buch ist in der Edition Lammerhuber erschienen.

Gerd Ludwig, Michail Gorbatschow
29 x 31 cm, 252 Seiten, 127 Fotos
Deutsch, Englisch, Französisch
Hardcover, Schuber
ISBN 978-3-901753-66-4