Monthly Archives: Juni 2014

Wien: Gesichter einer Stadt. Streetphotography in Vienna

Wien Mandl Krenn

Wien Mandl Krenn

Street Photography in Vienna 2000 – 2010 ist der Untertiel dieses Buches.

Endlich mal ein Buch, das mit dem fotografischen Zufall den Charme dieser Stadt zeigt!

Es ist gelungen.

Immer da wo Reinhard Mandl Menschen mit einbaut werden die Fotos richtig gute Streetfotos.

In der Zeit, die hier gezeigt wird, war Wien eine Stadt voller Plakate, die oft nicht groß genug sein konnten.

Dies baut Mandl mit ein und zeigt so Wien und Wiener Werbung mit Menschen in Wien.

Alles Street? – Streetfotografie heute und Straßenfotografie damals

Die Überschrift in diesem Artikel zeigt schon die Mischung, die hier zu finden ist.

Es gibt kaum noch ein ß, stattdessen nur noch Doppel-S. Es gibt immer weniger deutsche Wörter und stattdessen immer mehr englische Begriffe.

So wurde aus der Straße die Street. Nur die Photography ist nicht zur Photographie geworden sondern zur Fotografie.

Es wäre der englischen Sprache zu wünschen, wenn Sie ihr PH gegen das F eintauschen würde. Das würde vieles einfacher machen.

Nun gut!

PR-Agenturen und ihr Umgang mit Publizistik und Fotografie

„Die Verwendung der übersandten Texte und Bilder (oder der unter dem angegebenen Link auffindbaren Materialien) ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei.“

Dies ist der Satz, den ich verlange, wenn mir Texte und Fotos zugeschickt werden mit der Bitte um Veröffentlichung. Interessanterweise halten sich nur sehr wenige PR-Agenturen daran. Das sind die Perlen unter den PR-Agenturen mit denen man gerne zusammenarbeitet.

Alle anderen?

Selbst auf Nachfrage kommen dann nicht diese Worte sondern nichtssagende Rückmeldungen.

Nun hatte ich mal wieder einen besonders schönen Fall. Ich sollte zu einer Vernissage und Fotoausstellung einladen mit einem Foto aus einer Kollektion von August Sander.

Meine Nachfrage lautete:

Fotografieren oder Schreiben?

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Alles kommt wieder. In der aktuellen photonews 7-8/14 schreibt Markus Weckesser über die Fotoausstellung (Mis)understanding Photography im Essener Folgwang Museum.

„Die Theorie ist das ungeliebte Kind der Fotografie … Solche Kompendien versammeln kanonische Abhandlungen von große Geistern wie Benjamin, Kracauer, Barthes und Sontag, wobei keiner der Autoren selbst fotografiert hat. Bemerkenswert ist somit das Konzept der Ausstellung… Im ersten Teil reflektieren Fotografen das Medium Fotografie … Der zweite Teil präsentiert 58 Manifeste, Statements, Essays und Thesen. Und zwar ausschließlich von Fotografen.“

Weckesser wirft hier die Frage auf, ob die, die über etwas schreiben, es auch praktizieren müssen.

Gute Frage und Diogenes antwortet, es kommt darauf an.

  • Wer über das Fotografieren und seine sozialen Auswirkungen schreibt, der muß nicht fotografieren.
  • Wer aber über das Fotografieren als Tätigkeit schreibt, der sollte auch fotografieren.

Fotografen haben in der Regel nicht das gedankliche Instrumentarium erlernt, um gesellschaftliche Entwicklungen entsprechend einordnen zu können im Sinne einer wissenschaftlich orientierten Betrachtungsweise. Daher ist es nachvollziehbar, wenn Menschen über Fotografie schreiben, auch wenn sie nicht fotografieren oder fotografiert haben.

Fotografie und Geschichte von Jens Jäger

jaeger

Geschichte altert nicht. Das gilt auch für dieses Buch. Zwei große Themen der Menschheit, die Geschichte als Erinnerungskultur und die Fotografie als visuell-mechanische Erfassung der Welt, werden hier besprochen.

Kann man eine Rezension über ein Buch schreiben, das Pionierarbeit leistet? Eigentlich eher nicht, es sei denn, man zeigt die Tiefe und Weite. Fabian Schwanzar hat dies getan und die Einordnung gefällt.

Der Verlag bietet einen Einblick in das Buch, der ebenfalls Lust auf mehr macht.

Wenn man nun den Weg in dieses Buch geht, dann verirrt man sich nicht.

Denn das Buch ist der Versuch, eine textliche Landkarte des Wissens über dieses Thema zu erstellen.

Die Landkarte ist gelungen, das Buch großartig und der Lesewert sehr hoch.

Berlin – in einer Hundenacht

Bildschirmfoto 2014-06-20 um 10.13.21

Es gibt sie noch, die Webseiten, die mit guten Fotos begeistern. Und dabei auch noch monochrom sind.

Gundula Schulze Eldowy hat so eine Webseite mit dem Titel „Berlin in einer Hundenacht“.

Dort findet man dokumentarische Fotos, die sowohl Fotoreportagen sind als auch dokumentierte Alltagsgeschichte, weil sie schon älter sind. Es sind ostdeutsche Zustände, die die Kraft von Fotos zeigen und den Charakter der Menschen.

Vertonte Geschichten mit diesen Fotos ermöglichen interessante Einblicke in die damalige Zeit.

Es ist die Kraft der sozialdokumentarischen Fotografie, die uns aus allen Fotos entgegenspringt.

Aber es sind offenkundig überwiegend Fotos, die ohne persönliches Kennenlernen nicht möglich gewesen wären.

„Ihre Fotografien von fast altmeisterlicher Kompositionstechnik entstehen aus Beziehungen, nicht aus Beobachtungen und stehen somit in einer Reihe mit dem Werk von Nan Goldin, Boris Mikhailov oder Nobuyoshi Araki“ schrieb einmal das monopol-magazin.

Sie zeigen sehr schön das Subjektive als entscheidende Kraft sozialdokumentarischer Fotografie.

Daher ist oft auch eine besondere Nähe darin zu finden.

Sie machen die Fotos intensiver.

 

Der Lange Schatten von Tschernobyl von Gerd Ludwig

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Bucheinband vorne und Hülle des Buches von Gerd Ludwig

Wer das Buch durchgelesen und durchgeschaut hat, den läßt es nicht kalt.

Dieses Buch sprengt alle Grenzen. Denn es ist fotografisch, symbolisch und historisch eine wohl einzigartige Leistung.

Und es ist auch als Buch vom Layout und der Aufmachung etwas ganz Großes. Denn der Verlag Lammerhuber hat eine eigene Hausschrift anfertigen lassen, damit das Erscheinungsbild des Buches der Fotografie das bestmögliche Umfeld bietet.

Gerd Ludwig zeigt, was Dokumentarfotografie leisten kann im 21. Jahrhundert und was alle anderen Medien so nicht leisten können.

Fotos von damals bis 2013 zeigen, daß es nicht vorbei ist. Und die Menschen (fast) nichts aus dem Umgang mit der Kernkraft gelernt haben. Damit ist die Dokumentarfotografie mittendrin im Geschehen und den Folgen.

Russland. Eine Weltmacht im Wandel von Gerd Ludwig und Fen Montaigne

gerd ludwig russland

Russland zwischen 1990 und 2000.

Das Buch ist schon älter und sehr preiswert in Antiquariaten erhältlich. Aber es lohnt sich. Denn es zeigt rückblickend was vor 20 Jahren los war und so sieht man die Entwicklungen von heute.

Gerd Ludwig zeigte damals vielfach in dem Buch die Folgen der oberirdischen Atomversuche in Russland, die erstmals so drastisch in den Blick rückten. Was in Sowjetzeiten verschwiegen wurde war nun sichtbar. Die Menschen, die Kinder, die Folgen – furchtbare Schicksale ohne Ende.

Und er zeigte ein Land im Aufbruch. Freiheit in der Sexualität, riesige Probleme in der freien Wirtschaft und die Mischung aus Hoffnungslosigkeit und Hoffnung führen durch dieses Buch.

Heute wissen wir, daß Freiheit allein keine Probleme löst, wenn sie nicht mit sozial guten Regeln und Transparenz untrennbar gekoppelt ist. Das gilt für Russland wie für den Rest der Welt.

Wie schmerzhaft wird die Wiedergeburt dieses Landes werden?

Wir finden in den Fotos von Gerd Ludwig viele namenlose Menschen, die nur durch die Dokumentarfotografie ein stummes Gedenken erhalten haben. Sie stehen für jeden von uns und so ist es Gerd Ludwig gelungen, visuelle Geschichte zu schreiben durch dokumentierende Fotografie.