Monthly Archives: Januar 2014

Rubbeln Sie sich alt – Anmerkungen zu Kameratests heute

Heute muß alles messbar sein, damit es vergleichbar ist. Und Kameratests haben heute zwei Ziele: Informationen über Kameras zu verbreiten und Kameras zu vergleichen.

Da die Hersteller oft Kameras vorab Bloggern zur Verfügung stellen, werden diese manchmal auch zu PR-Bloggern. Wenn man sich nämlich die Ergebnisse der Kameratests anschaut, dann wird deutlich, daß sie keine Lust auf eine echte Meinung haben, weil sie dabei auch in ein Fettnäpfchen treten könnten. Daher gibt es maximal Pro und Contra.

Umgekehrt gibt es viele Dinge, die auch sehr lustig wirken.

Das möchte ich hier einmal darstellen.

Beispiel Pentax MX-1

Es gibt einen Test zur Pentax MX-1. Dort kommt der Tester zu folgendem Ergebnis: „Die Idee, dass sich der Lack mit der Zeit abnutzt und das darunterliegende Metall zum Vorschein kommt, finde ich witzig. Used-Look ist „IN“. Und wer das ganze beschleunigen will, kann mit einem Lappen oder Schmirgelpapier nachhelfen. Die Ausstattung der MX-1 ist völlig ausreichend auch wenn mir eben die drei oben erwähnten Punkte ein wenig fehlen.“

Also ist die Ausstattung jetzt ausreichend oder nicht? Bedeutet ausreichend eine 4 wie in der Schule oder bedeutet ausreichend, es ist alles da? Wenn die drei Dinge dabei wären, wäre die Ausstattung dann befriedigend oder gut oder wie? Und dann der Lack. Es gibt die Debatte über die eingebaute Abnutzung von Dingen. Das nennt man Obsoleszenz. Wenn der Lack der Pentax nicht hält, dann könnte man dies als Materialfehler sehen. Hier wird es umgedreht. Der Tester findet die Idee gut, daß der Lack sich abnutzt und empfiehlt sogar Schmirgelpapier zum Beschleunigen. Test, PR oder PR-Test – ich weiß es nicht. Vielleicht soll man das nicht so ernst nehmen.

Wie differenziert man testen kann und wie man dabei auch sieht, wie tief man sich mit einer Kamera vertraut machen kann, möchte ich an einem anderen Test der MX-1 in englischer Sprache zeigen. Dort weist der Autor darauf hin, dass die MX-1 ganz in der Tradition der früheren Kameras über zwei einzigartige Fokussiermodi verfügt, den Panfokus und den Unendlichfokus.

Finden Sie diesen Hinweis erläutert auch in anderen Tests?

Ich fand zudem in keinem Test die vertiefte Darstellung des Nacht-Schnappschuss-Modus mit guten Beispielen.

Ist er wie bei Sony? Handelt sich sogar um denselben Modus, weil es sich um einen Sony-Sensor handelt?

In meinen Augen hat ein guter Test auch offene Fragen, wenn es ein Test sein soll, der über die Vorführung der Kamerafunktionen hinausgeht.

  • Ist eine Vorführung eigentlich ein Test?
  • Oder gibt es einfach eine Umwertung der Werte?
  • Soll ein Kameratest heute nur der verbesserten Kaufberatung im Schnellverfahren dienen oder einen tiefen Einblick ermöglichen.
  • Und wenn der Test bei Testfotos und einem Gang durch die Menüs bleibt, kann der Tester mehr oder weiß er vielleicht gar nicht mehr, warum der Panfokus eine Rolle spielt etc.?
  • Oder ist der Test die neue PR-Anzeige?

Auch das sind Fragen, die ich mir stelle, wenn ich sehe, was heute an Content produziert wird.

Ich möchte diese Fragen beantworten mit einem anderen Beispiel. Es handelt sich um die Olympus XZ-10.

Beispiel Olympus XZ-10

Wußten Sie, daß man bei der Olympus XZ-10 die Belichtungsmessung auf das aktive Fokusfeld legen kann? Es wird also dort gemessen, wo fokussiert wird.

Der Moderator eines Forums hat die Spezialitäten dieser Kamera auf den Punkt gebracht. Finden Sie diese irgendwo in einem Test so differenziert wieder?

Den Testbericht von Daniela Schmidt auf digitalkamera.de finde ich sehr gut, weil er die Geschwisterkameras vergleicht. Der Test auf cnet.de zeigt differenziert eher die Filterseiten dieser Kamera.

Wenn man sich dann den Test auf chip.de anschaut meint man, eine andere Kamera vor sich zu haben. Auch die Empfehlung für die Alternative führt nicht zu einer anderen Kamera, die auch nur annähernd ein solches Niveau von Möglichkeiten hat.

So ist es, wenn man Tests miteinander vergleicht.

Nun handelt es sich hier um ein unendliches Thema. Daher höre ich an dieser Stelle damit auf, weil dies ein Artikel aus der Reihe fotografisches Feuilleton ist, der nur dazu dienen soll, unterhaltend und nachdenkend zu wirken.

Ich möchte weder die verlinkten Webseiten noch die dabei verlinkten Personen negativ erscheinen lassen.

Mir geht es nur darum, die Unterschiedlichkeit von Test zu Test zu zeigen und auf verschiedene Möglichkeiten hinweisen an zwei konkreten Beispielen, deren Bewertung auf der Grundlage ihrer Möglichkeiten erfolgen kann aber nicht muß – wie wir hier gesehen haben.

Mehr zum Thema Test finden Sie hier.

Ansonsten viel Spaß beim Fotografieren!

 

Von der Waffe zur Partizipation? – Die Methode Photovoice

Visuelle Kommunikation

Wir leben immer mehr in einer visuellen Welt.

Wir machen uns Bilder von der Welt und wir erhalten Bilder, die wir sehen sollen.

Was sehen wir?

Sehen wir die Dinge in unserem Kopf oder sehen wir die Dinge um uns herum?

  • Daneben gab es immer eine politische Fotografie zwischen dokumentierender Fotografie als Waffe und der Manipulation mit Bildern.
  • Und es entstand im angelsächsischen Raum die Methode Photovoice bei der thematische Fotos von Betroffenen selbst erstellt werden und dann in Gruppen besprochen werden mit der Frage, was man tun kann
  • Neben diesen sozialen Funktionen der Fotografie gab es immer schon parallel die persönlichen Funktionen. Fotografie diente und dient zur Bewältigung persönlicher Erfahrungen zwischen Krieg und Krankheit, Lebensereignissen wie Hochzeiten und Geburten und natürlich der Begegnung mit dem Tod.

 

Fotografie & darüber Sprechen = Photo Voice

Photovoice bedeutet in der Praxis, dass Menschen, die etwas zum Thema machen wollen, dies fotografieren und dann gemeinsam darüber sprechen.

Diese Methode hat in UK eine eigene Webseite, die zeigt, was man damit machen kann: Partizipative (mitbestimmende und mitmachende) Fotografie für soziale Veränderungen

Grafik: Michael Mahlke

 

Das kann alles sein was aktivierend angesprochen werden soll, um es besser und weiter gemeinsam zu bearbeiten.

In einem sehr guten Vortrag von  Tanja Gangarova (Deutsche AIDS-Hilfe e.V.) und Melike Yildiz (AfroLeben+) auf einer Fachtagung zur Inklusion wurde dies folgendermassen ausgedrückt:

„Mitglieder einer Gruppe oder Community machen Fotos von ihren Lebenswelten und werten diese gemeinsam aus, um Veränderungsprozesse zu initiieren“

Somit ist Photovoice so neutral wie ein Messer. Die Methode kann engagiert für demokratische Veränderungsprozesse eingesetzt werden oder sozialpädagogisch für Kleingruppenarbeit mit konkreten lokalen und persönlichen Themen.

Es gibt von China über Kanada bis Amerika Beispiele dafür, wie mit dieser Methode

  • neue Blicke auf die Dinge,
  • ein anderer Umgang mit einem Thema oder auch
  • eine Lösung festgefahrener Strukturen

erreicht werden konnte.

Beispiele sind
  • Die Visualisierung von Berufswünschen
  • Das Abholzen von Bäumen in einem Stadtviertel
  • Die Verschmutzung durch Hundekot
  • Bessere Versorgung von Brustkrebspatienten
  • Umgang mit Prothesen
  • Diskriminierung im Alltag von Einwanderern in Kanada
  • HIV-Präventation
  • Leben im Seniorenheim
  • Umgang mit Alter und neue Kontakte
  • Migrationsarbeit zu vielen Themen
  • Migranten und Immigration
  • etc.

Es ist also alles möglich, wobei es eher um schwierige Themen geht, die meistens auch persönliche Erfahrungen über Fotos nonverbal zum Thema machen, das dann sprachlich formulierbar wird.

Interessanterweise habe ich nirgendwo die Thematisierung von Armut von Alg 2 Betroffenen gefunden. Das wird eher gar nicht oder kaum angepackt, so daß auch hier photovoice eine Methode wäre, um Veränderungen und eine neue Sichtweise und ein neues Selbst-Bewußtsein zu erzeugen.

Photovoice ist eine Methode für soziale Dynamik

Es reicht bei dieser Methode allerdings nicht, eine Kamera zu nehmen. Fotografieren geschieht ebenso in einem rechtlichen Rahmen wie die Gruppenarbeit und die Thematisierung. Vorbereitung, Ziele, Begleitung – in der Regel handelt es sich um Projekte, die Wochen wenn nicht Monate mit Gruppenarbeit umfassen plus Konzept, begleitende Dokumentation und Auswertung mit Abschlußbroschüre.

Das kostet alles Geld und sollte auch entsprechende Erfahrungen und Gruppenarbeit voraussetzen.

Die Fotografie nimmt aktuell eine neue Rolle ein.

Sie ist das digitale visuelle Messer geworden. Das Messer begleitet die Menschen seit Jahrtausenden und hat viele Funktionen. Es kann zum Brotschneiden, dem Operieren oder dem Ermorden genutzt werden.

Ebenso viele Möglichkeiten hat die Fotografie.

Die Grafik zeigt,

  • was man mit der Fotografie machen kann,
  • welche Funktionen sie haben kann und
  • wie man sie einordnen kann.

Und Photovoice hilft, soziale Wirklichkeiten anzustossen und Veränderungsprozesse umzusetzen.
Deshalb schreibe ich darüber und sie sollten nach dem Lesen darüber sprechen.
Geben Sie dieser fotografischen Methode ihre Stimme.

Photovoice ist also eine gute Methode für Sozialarbeit und Photovoice ist zugleich eine visuelle Sprache, die Brücken bauen kann und Photovoice ist eine soziale Gebrauchsweise der Fotografie.

Übrigens landen Sie auf diesem Artikel, wenn sie www.photovoice.de eingeben.

Damit Sie wissen, mit wem Sie ein solches Projekt machen können.

Fotografie e.V. – die öffentliche Zukunft der Dokumentarfotografie?

Es gibt sie noch, die Dokumentarfotografie. Sie ist da und es enstehen gute Fotos. Aber offenkundig öffentlich gefördert. Damit kommt die Fotografie aus dem Umfeld der privaten Mäzene und Verleger, die sozialdokumentarischer Fotografie in ihren Medien einen Platz einräumen hin zu öffentlichen Projekten ausserhalb von Museen in Ausstellungen in öffentlichen Räumen.

Der Förderverein Pixelprojekt Ruhrgebiet e.V. ist ein solches Beispiel.

Die Gesellschaft für humanistische Fotografie e.V. ist ein anderes Beispiel.

Daraus ergeben sich Projekte, die in diesem Fall bei bildsprachen zu finden sind.

Sie scheinen alle öffentlich gefördert und bei Ausstellungen daher frei zugänglich. Sie werden auch in öffentlichen Räumen ausgestellt.

Sind es die Ergebnisse von öffentlich geförderten sozialen Projekten oder sind es eigene Arbeiten ohne vorherigen Auftrag, die später honoriert wurden?

Das ist mir noch nicht ganz klar.

Aber so ist die Dokumentarfotografie nun öffentlich zu sehen und öffentlich gefördert.

 

 

Caesar – Fotograf der Toten

„Caesars Aufgabe war es, die Leichname zu fotografieren. Sie wurden bei ihm, dem Militärpolizisten, im Militärkrankenhaus abgeliefert.“

So wird in einem Artikel auf spiegel.de geschildert, was der Mann machen mußte.

Der eigentliche Report und den ausführlichen Artikel finden sich aber detailliert im Guardian dargestellt.

Der Report zeigt wie wichtig Fotografie auch heute noch für Geschichte und Politik als mehrfaches Dokumentieren ist.

In diesem Fall ist es eine Dokumentation der Verbrecher ihrer Verbrechen wie es sie auch bei den Nazis gab.

Fotografiert wurde hier aus bürokratischen Erwägungen heraus, damit die Folterer digitale Dokumente haben, um den Tod der Toten dokumentieren zu können.

Solche Blicke hinter die Kulissen eines nicht demokratisch kontrollierten Regimes zeigen wie furchtbar Diktaturen sind.

Macht wird nur durch Gegenmacht beschränkt.

Caesar zeigte durch seine festgehaltenen Blicke uns die Toten als Teil des Regimes.

Es ist eine Dokumentation des menschlichen Charakters unter nicht kontrollierten undemokratischen Bedingungen.

 

 

Ethik und Dokumentarfotografie

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Fotografie

Roswell Angier hat in seinem Buch „Schärfe deinen Blick“ die Dinge auf den Punkt gebracht.

Ich zitiere:

„James Agee arbeitete zusammen mit Evans am Buch „Let Us Now Praise Famous Men“ („Lasst uns nun die berühmten Menschen lobpreisen“), das sechs Wochen im Leben dreier Familien von Farmpächtern in Alabama dokumentierte. Das Projekt begann als Auftragsarbeit für „Fortune“, wobei die Arbeit niemals publiziert wurde.

Agee regte in seinem Vorwort eine Diskussion über die Ethik in der Dokumentarfotografie an:

„Es erscheint mir kurios, um nicht zu sagen obszön und überaus erschreckend, dass eine Gruppe von Menschen, ein Organ des Journalismus, zum Zwecke von Profilierung und Profit in den intimsten Bereichen des Lebens wehrloser und in erschreckender Weise geschädigter Menschen herumschnüffelt. Im Leben einer ebenso unwissenden wie hilflosen Bauernfamilie, zum Zwecke der Präsentation all der Nacktheit, Benachteiligung und Demütigung dieser Existenzen für eine andere Gruppe von Menschen im Namen der Wissenschaft des „ehrlichen Journalismus“ (was immer dieses Paradoxon auch bedeuten mag) (…) Und diese Leute können über das Gesehene sinnieren, ohne den geringsten Zweifel an ihrer Qualifikation anzumelden, eine „ehrliche“ Arbeit abzuliefern, mit mehr als reinem Gewissen, und in d r sicheren Gewissheit einer nahezu uneingeschränkten öffentlichen Anerkennung.“ In der Praxis der Dokumentarfotografie (und auch der Portraitfotografie) führt die flüchtige Bekanntschaft zwischen Fotograf und Motiv zu mutmaßlicher Nähe und dem Anschein von Intimität.“

Soweit das Zitat.

Hier wird etwas beschrieben, was nicht nur im Zeitalter des Datenschutz von Sozialdaten und sozialem Leben eine Rolle spielt. Der Unterschied zwischen früher und heute besteht ja unter anderem darin, daß früher vielleicht einzelne offizielle Stellen Zugriff auf einzelne Daten hatten und heute durch digitale Daten – Texte, Fotos, Videos – das eigene Leben komplett weltweit sichtbar werden kann.

Zugleich geht es auch um die Frage, wie viel Nähe ist erlaubt?

Und wie gehen wir nun als fotografierende Menschen damit um?

Viele fotografische Projekte beruhen auf der Nähe zu den Porträtierten.

Man ist dabei, man dokumentiert wie selbstverständlich Dinge, die normalerweise nicht öffentlich werden.

Und nun wird das intime Leben einer Person weltweit öffentlich, ungesteuert.

Dabei bleibe ich nicht bei einzelnen Fotos stehen, die eine vielleicht noch größere Distanz ermöglichen.

Wenn es dann um Fotoserien oder sogar Videos geht, dann wird heute ein Maß an Veröffentlichung von Nähe erreicht, das weit über früher hinausgeht und auch nicht mehr eingrenzbar ist, weder zeitlich noch räumlich.

Wenn es ein vorher vereinbartes Einverständnis gibt inklusive der medialen Folgen, dann ist sicher nichts dagegen einzuwenden.

Aber genau darum geht es.

Alles, was ich hier bisher geschrieben habe, bezieht sich allerdings auf „normale“ fotografische Situationen, Strassenfotos, Porträts, Familie, Urlaub, Verein etc.

 

Geschichtswissenschaft

In der Geschichtswissenschaft und der politischen Wissenschaft gab es vor ein paar Jahren auch eine Debatte, die allerdings anders war.

Didi-Hubermans Schrift „Bilder trotz allem“ zeigte Fotos aus Auschwitz.

Kann man die Shoa in Bilder fassen ist im Prinzip die Kernfrage einer Debatte, die bis heute andauert.

Das ist natürlich weiter als das, was ich hier bisher diskutiert habe.

Aber im Kern geht es auch darum.

Und wenn es nicht die Shoa ist, dann ist es vielleicht eine grausame Situation.

Es gibt auch eine Debatte, keine Kriegsfotos zu zeigen, weil sie bei Menschen durchaus entsprechende Reaktionen hervorrufen.

So ist man mitten im Minenfeld des menschlichen Charakters gelandet, wenn man Ethik anspricht.

 

Ethik

Aber ich halte es für gut, weil die Ethik sich mit dem menschlichen Handeln befaßt.

Und auch Fotografen sollten wissen, was sie tun und warum sie etwas tun.

Dieser Artikel kann nur einen Anstoß geben.

Ich habe ihn geschrieben, weil eigentlich niemand dazu schreibt.

Nur im Buch von Roswell Angier habe ich etwas dazu gefunden.

Deshalb haben diese Gedanken nun hier einen Platz gefunden.

Damit sie weiter wirken.

Beispiele für Fineart-Streetfotografie

Fineart-Streetfotografie ist eine Art zu fotografieren, die die goldene Regel der Streetfotografie anwendet im fotografischen Prozess.

Dabei geht es um den richtigen Moment und den Datenschutz.

Da dies auch eine fotografische Herausforderung ist, möchte ich an einigen Beispielen zeigen, wie man es richtig macht. Dabei habe ich genau die Beispiele herausgesucht, die jeder vor der eigenen Haustür finden kann und die keine besondere fotografische Ausrüstung erfordern. Es kommt auf den Menschen hinter der Kamera an.

1. Beispiel

Das erste Beispiel zeigt Personen am Rhein, die dort am Ufer versammelt sind. Das Foto wirkt wie gestellt, weil alle Personen zum Rhein gucken (bis auf den Mann ganz rechts, der die Szene weiterführt) und weil die Laterne genau in der Mitte im Vordergrund alles teilt und im Hintergrund alles fließt. Das wird auch durch das Schiff gezeigt.

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Foto: Michael Mahlke

Das Ganze war nur einen Moment so sichtbar, danach löste sich alles auf. Das Foto könnte auch als moderne Kunst durchgehen unter dem Titel „Rheinblick“.

Aber es ist eben nicht konstruiert sondern direkt aufgenommen.

Die Auswahl des Ausschnitts mit der Laterne in der Mitte ist vom Fotografen so gewählt, alles anders hat sich so ergeben.

Die Frau rechts nimmt mit einem Tablet die ganze Szene auf, so daß hier noch einmal Fotografie als Thema auftaucht.

Das Foto erzählt mehr als eine Geschichte, ergibt aber durch die Anordnung in meinen Augen eine gelungene und nicht langweilige Darstellung, die allen Kriterien der Fineart-Streetfotografie gerecht wird.

2. Beispiel

Wieder spielt das Thema Fotografie eine Rolle und wieder ist die Szene  direkt am Rhein aufgenommen.

Nun wird die Geschichte von Personen erzählt, die am Rhein stehen und ein Mann nimmt mit einem Smartphone eine Frau mit Kind auf.

Alles ist erkennbar und dennoch sind die Personen nicht identifizierbar. Genau darum geht es. Der Moment muß passen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Hier steht die Streetfotografie für das Festhalten der Idylle der familiären Gemeinsamkeit, wobei nicht klar ist, ob alle Personen auf dem Foto zusammengehören.

Übrigens sieht man nicht, daß hinter dem Mann noch ein Kind steht. Wäre es sichtbar gewesen, wäre es auch erkennbar gewesen.

Da muß man abwarten und riskieren, daß man die Szene so nicht einfangen kann.

3. Beispiel

Ganz anders.

Eigentlich auch ein Farbfoto wurde es in ein monochromes Foto verwandelt, um die Einteilung besser sichtbar zu machen.

Wie man sieht geht es darum, dass ein Bushaltestellenschild entfernt wird und ein neues Schild angebracht wird. Wenn man länger draufschaut wird klar, daß es auch einen neuen Namen gibt.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Es war der Tag als die Bushaltestelle umbenannt wurde. Eigentlich ein Reportagefoto. Wenn man aber genau zu diesem Zeitpunkt in einem Bus sitzt und an der Bushaltestellte vorbeifährt, wenn die Umbenennung erfolgt, wie kann man dies fotografisch festhalten?

Es war ja nur ein Moment, Streetfotografie aus dem Bus im Wortsinn also. Die Entscheidung war mit der Trennungslinie im Busfenster zu arbeiten und so den Ausschnitt zu wählen. Man hätte auch näher ans Fenster gehen können oder durch den oberen Fensterausschnitt fotografieren können.

Damit wurde unterteilt zwischen Vergangenheit mit dem alten Namensschild unten, Gegenwart mit dem Mann, der die Linie durchbricht und Zukunft mit dem neuen Schild, das im oberen Abschnitt zu sehen ist.

So wurde aus dem Bus heraus ein Moment festgehalten, der so nie mehr wiederkehren wird.

Fineart-Streetphotography ist also nichts, was man selbst nicht jeden Tag umsetzen kann. Es ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben, mit dem, was man sieht, woran man nur eben mal vorbeigeht und was geschieht, wenn man in dem Moment aufpasst und es so kombiniert.

Um so weit zu kommen, empfehle ich in jedem Fall eine gründliche Auseinandersetzung mit dieser Webseite.

Allerdings sind die bisherigen Beispiele eher langweilig. Sie konzentrieren sich auf die Form und nicht auf den Inhalt.

Bessere Beispiele gibt es hier und hier.

 

 

Wanderarbeiter – eine neue Arbeiterklasse?

Im Museum der Arbeit in Hamburg gibt es bis März 2014 die Ausstellung „Wanderarbeiter – Fotografien einer neuen Arbeiterklasse“.

Die Ausstellung erscheint sehr interessant und entsprechend wurde auch darüber berichtet.

Aber wir leben ja in visuellen Zeiten. Daher muß man die Frage stellen, woher die Ausstellungsmacher diese Überschrift nehmen.

Denn es ist eben keine neue Arbeiterklasse.

Dafür fehlt das „Wir.“

Das hätte man wissen können.

Das ist falsch.

Das ist aber nicht weiter schlimm, weil es wahrscheinlich von den Besuchern der Ausstellung auch kaum einer weiß.

Dafür macht sich ein Begriff wie „Arbeiterklasse“ immer gut, wenn man soziale Unterscheidungen vornehmen will und die Besucher besuchen eine Ausstellung über die Arbeiterklasse.

Wir da oben – ihr da unten?

Das Zeigen der Fotos führt zumindest dazu, dass ein Blick darauf geworfen wird.

Das ist gut.

Insofern kann aus etwas Falschem etwas Gutes werden.

Na dann!

Der Sucher in der Fotografie zwischen Auslaufmodell und Auswahlinstrument

Ohne Sucher geht es nicht, wenn man klassisch Streetfotos machen will. Das ist nicht nur meine Meinung sondern das ist die Erfahrung vieler Generationen von Fotografinnen und Fotografen.

Aber gilt dies noch im Zeitalter von Smartphones und Tablets?

Wir wissen heute, daß man auch ohne Sucher fotografieren kann.

Somit haben sich die Möglichkeiten zu fotografieren erweitert.

Aber fest steht auch, daß in diesem Fall die Erweiterung der Möglichkeiten nicht zu einer automatischen Verbesserung führt.

Sucherfotografie ist intensiver und gestaltender.

Der Blick durch den Sucher holt die Auswahl des Blicks direkt und ohne Ablenkung in das Bewusstsein.

Probieren Sie es einfach aus.

  • Wenn Sie ein Smartphone vor sich halten und damit etwas tun, dann nehmen Sie sehr viel vom Umfeld wahr.
  • Wenn Sie den Sucher ans Auge holen verdichtet sich alles im Kopf und das Auge gestaltet anders.

Mit dem Sucher wählen sie anders aus und mit dem Sucher erleben Sie eine Situation anders als mit dem Smartphone oder einer sucherlosen Kamera.

Insofern ist der Sucher eine besondere Möglichkeit sich einer Situation fotografisch zu nähern.

Die Mehrzahl der Menschen heute nutzt den Sucher nicht mehr sondern fotografiert mit einem Bildschirm als Sucherersatz.

Das ändert aber nichts daran, daß Sucherfotografie eine feine Art ist, um fotografisch aktiv und gestaltend zu sein.

Aus meiner Sicht ist der Sucher auch das beste Auswahlinstrument für die selbstbestimmte Auswahl des richtigen Bildausschnitts.

Egal was die PR sagt.

 

Power the moment – Streetfotografie als Sucherfotografie

Hat bei Fuji auch das neue Image der Streetfotografie gesiegt?

Fuji hat eine Roadshow und eine School im Angebot, wo einige Dozentinnen und Dozenten die neuen Kameras vorführen sollen. Zielgruppen sind offenkundig Kunden mit Interesse an Fashion, Porträt und anderen Themen.

Aber nicht für Street so wie es aussieht. Vielleicht liegt es daran, daß Fuji zunehmend mehr Kameras ohne Sucher im Programm hat.

Es gibt aber von einem Liebhaber der Streetphotography (ohne Unterstützung von Fuji oder eine PR-Agentur) ein komplettes Ebook (mit englischen Kurztexten und vielen wunderbaren visuellen Eindrücken) zu den Vorzügen der Sucherfotografie speziell mit der Finepix X100 und X10. Das Ebook ist speziell für die Benutzung des Suchers beim Fotografieren (viewfinder – rangefinder) gemacht worden.

Der Autor glaubt nämlich, daß dies das wirklich Einzigartige bei klassisch guter Streetfotografie ist und es sich um eine spezielle Art des Fotografierens handelt. Gute Streetphotography kann auch mit anderen Kameras gemacht werden.

Aber die Art und Weise der Entstehung durch die Auswahl mit dem Sucher gibt dem Ganzen nicht nur im Moment der Entstehung sondern auch im Prozess der Auswahl andere Qualitäten für sich selbst und für manches Foto.

Das kostenlose ebook finden Sie hier (pdf).

Es handelt sich um Fineart-Streetphotography.

Es geht eben um die Weitergabe des Feuers und nicht um das Aufbewahren der Asche.

Abschließend noch ein Beispiel für echte Fineart-Streetfotografie nach den Kriterien der goldenen Regel für Streetphotography – übrigens in der Nähe von Düsseldorf, wo Fuji residiert.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

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