Fotografische Einstellungen

Im Gedenken an Bodo H.

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Foto: Michael Mahlke

Die Wirklichkeit ist oft nicht so wie die wahrgenommene und konstruierte Welt.

Ich habe mich nun jahrelang mit Dokumentarfotografie befasst und dabei diese Webseite aufgebaut.

Texte und Fotos gehören zu meinem Leben.

Die Perspektive des Lebens ist aber eher von dem geprägt, was ich weder festhalten noch vorhersagen kann.

Ich sehe nur, daß die Verhältnisse die Ungerechtigkeit immer und überall hervorrufen. Die bessere Welt ist nicht ohne Ungerechtigkeit. Aber es ist eine Welt, die sie immer wieder abbaut.

Sie sehen links auf dem Foto ein Schulgebäude. Dort war einmal ein Gymnasium. Ich war dort Schüler und habe viel Leid auf dieser Schule erfahren. Einer meiner besten Schulfreunde hat es nicht mehr ausgehalten und ist vor dem Abitur von der Müngstener Brücke gesprungen. Auf der Schule habe ich viel soziale Diskriminierung erfahren. Rückblickend ausgestattet mit dem entsprechenden Wissen wurde manches deutlich.

Später kam in dieses Gebäude eine Gesamtschule, weil wir glaubten, dass dies mehr Schülern mehr Chancen ermöglicht.

Aber meine Erwartungen an die Gesamtschule sind auch nicht erfüllt worden.

Ich glaubte, dass nun mehr Menschen aktiv und engagiert politisch tätig werden und es viel Widerstand gegen Globalisierung, Ausgrenzung, später Hartz 4 und vieles mehr geben würde.

Und die vielen Seminare zum Thema Global denken – vor Ort handeln und mein Engagement für den Club of Rome, für eine gute Rente, für einen guten Sozialstaat?

Dies blieb alles ohne Wirkung wie man auf der Welt sehen kann.

Die Uhr kann man nicht zurückdrehen und der kritische Blick zurück zeigt, daß zwischen Wunsch und Wirkung manchmal eine Welt jenseits der Illusionen liegt.

So war es an vielen Stellen und mit vielen Menschen.

Ich schreibe darüber, weil ich vor kurzem auf dieser völlig leeren Strasse fotografiert habe und dabei dies alles noch einmal ins Gedächtnis zurückkehrte.

Da sieht man mal, was das Fotografieren alles bewirkt und auslöst – und wie sich dadurch Einstellungen verändern.

So führt die Fotografie auch zur Entdeckung der eigenen Geschichte und hilft, Einstellungen vorzunehmen und zu verändern. Dies alles hat nun dazu geführt, daß ich das Foto so surreal in der Perspektive verändert habe wie es jetzt aussieht. So soll es an das erinnern, was hinter dem Sichtbaren steckt.

Street62.de ist kein Projekt wie es neudeutsch heißt. Street62.de ist ein Teil meines Lebens. Ich habe diese Webseite über Jahre hinweg entwickelt und mich dabei weiterentwickelt.

Dabei wurde mir klar, daß es eine Art der Fotografie gibt, die nur möglich ist, wenn man sich persönlich dabei engagiert und die unbequemen Themen anpackt. Das tat ich bis jetzt, bis 2013.

So griffen Fotografie und Leben ineinander, wurden eins und es entstanden neue – auch fotografische – Einstellungen:

  • ein neuer Blick auf die Dinge,
  • eine neue Distanz und
  • eine neue Art, manches zu sehen.

Diese Veränderungen führen nun zu anderen Blicken auf die Welt.

Diese Welt suggeriert digital Möglichkeiten, die real nicht vorhanden sind. Ein Beispiel: Die digitale Welt macht dich im Kopf zum König über dein Gameland, die reale Welt nimmt dir die Luft zum Atmen.

Es gibt also viel zu tun und vielleicht zu fotografieren.

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