Politische Fotografie heute – Antworten und Fragen

„Gott machte Männer und Frauen. Alles andere ist von Menschen gemacht.“

Ein Rikschafahrer in Kalkutta

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Begriffliche Klärung

Gibt es sie noch, die politische Fotografie?

Fotografien gibt es genug.

Aber politische Fotografie?

Und wie kann man sie von anderer Fotografie unterscheiden?

Wenn ich bei Inhalt und Funktion bleibe, dann sind schon zwei harte Kriterien genannt.

Aber was ist Politik und was ist politische Fotografie?

Sind politische Fotografien Fotos von Politikerinnen und Politikern so wie hier?

Selbst Fotojournalisten scheinen Schwierigkeiten zu haben, diese Frage zu beantworten.

Jessica Nitsche hat in einer Überschrift einen Ansatz einmal „Politische Potentiale des Dokumentarischen in Fotografie, Film und Kunst“ genannt. Mir gefällt dies sehr. Ich denke, diese Schwerpunktsetzung ist gut.

So ist die dokumentarische Fotografie das Feld und das Politische eine Pflanze darin.

Aber auch hier ist zu fragen, was sind politische Potentiale?

Ich gehe noch weiter und frage, was ist Politik?

Politik

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dazu Arbeitsblätter für Schüler als pdf zur Verfügung gestellt, die nach der neuen PISA-Studie für viele Erwachsene nicht erreichbar sind.

Es gibt aber auch die Geschichte aus der Rubrik Satire.

Diese endet so: „Am nächsten Morgen fragt der Vater seinen Sohn, ob er nun mit eigenen Worten erklären könne, was Politik sei.
„Ja“, antwortet der Sohn, „der Kapitalismus mißbraucht die Arbeiterklasse und die Gewerkschaft schaut zu, während die Regierung schläft. Das Volk wird vollkommen ignoriert und die Zukunft liegt in der Scheiße.

Das ist Politik.“

Nun denn.

Wenn wir uns von den Körnchen der Wahrheit lösen und es kognitiver probieren, dann kommen wir zu dem Satz „Politik ist nicht alles, aber Politik ist in allem.“

Und wenn wir in die wikipedia schauen, dann fragt man sich, ob die Antwort dort zur Klärung beiträgt. Das philolex scheint dann praktischer.

Vielleicht bleiben wir bei Aristoteles und sehen den Menschen eben als Gemeinwesen, das seine Interessen einbringt. Im öffentlichen Raum wird dann geregelt (oder auch nicht) wer sich durchsetzt und wie.

Politische Fotografie

So nähern wir uns der politischen Fotografie.

Sie nimmt das auf, was die Menschen im Gemeinwesen betrifft. Je nach Betrachtung ist dies viel oder wenig, aber es zeigt, dass politische Fotografie eben nicht zweckfrei ist. Sie ist interessengeleitet.

Und die Interessen sind weit gestreut von verbergen bis entblößen.

2011 hat Jens Dolfen eine Magisterarbeit zum Thema „Fotografie, Wahrnehmung und Politik. Anmerkungen zu einem politikwissenschaftlichen Fotografiebegriff“ am Institut für politische Wissenschaft der RWTH Aachen veröffentlicht.

Dort versucht er, die Literatur aufzuarbeiten und die Frage nach der politischen Fotografie zu beantworten.

Sein Fazit lautet: „Ein politikwissenschaftlicher Fotografiebegriff und die damit verbundenen Begriffe der Objektivität, Manipulation, Authentizität werden weiter zu präzisieren sein, und zwar im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf die Wahrnehmung von politischen Ereignissen und politischen Entscheidungen.“

Hilft das weiter?

Dann gibt es noch arbeiterfotografie.de. Zum 35jährigen Bestehen 2013 hielt die Vorsitzende Frau Fikentscher einen Vortrag zum Thema „Fotografie als Waffe“, der zeigt, dass man dies alles noch anders einordnen kann.

Das Motto Fotografie als Waffe führt uns dann direkt weiter.

Wenn man politische Fotografie als Mittel zur Visualisierung sozialer Probleme versteht und zum Einmischen in die Politik, dann ist das wohl bekannteste Buch dazu in deutscher Sprache bisher „Fotografie als Waffe“ von Roland Günter gewesen. (Das Buch kommt übrigens im Literaturverzeichnis der Magisterarbeit nicht vor, was mir zeigt, daß heute im Wissenschaftsbetrieb ein völlig anderer Ausschnitt der Wirklichkeit wahrgenommen wird. Auch darüber lohnt es sich nachzudenken.)

Roland Günter

Das Buch ist so wie politische Fotografie sein sollte: engagiert und positioniert.

Günter hat in seinem Buch Fotografie als Waffe die drei entscheidenden Fragen gestellt, die für politische Fotografie weiterführend sind:

  • Wer hat Interesse an einer Darstellung der sozialen Verhältnisse?
  • Wer hat Interesse, Partei zu nehmen zugunsten der „Schwächeren“?
  • Wer finanziert diese Art von Fotografie?

Das sind die Leitfragen (man könnte auch von Leidfragen sprechen) für politische Fotografie.

Und Roland Günter hat in der Tradition dieses Buches ein neues Buch publiziert “Stadtmassaker und Sozialverbrechen. Studie zur Kommunalpolitik am Fallbeispiel Stadtzerstörung und Stadtentwicklung in Duisburg”.

Während Günter die Theorie und Praxis der politischen Fotografie auf Papier publiziert, ist die digitale Welt natürlich viel weitergehender.

Wo kann man sie finden?

Mir scheint, zumindest in Deutschland ist politische Fotografie als inhaltlich positionierte und engagierte Form der Fotografie im Medienmainstream kaum zu finden.

Einzig das Fotografieren auf Demonstrationen ist relativ häufig auch in Communities zu finden.

An dieser Stelle möchte ich den Blick in die Breite schweifen lassen und nach Fotos suchen, die dem entsprechen.

In den klassischen Medien finde ich sie kaum, weder gedruckt noch online, eher versteckt in Fotocommunities oder vereinzelt auf eigenen Webseiten.

Man stelle sich vor es gäbe jede Woche in den klassischen Medien so viele engagierte und positionierte Fotos zur politischen Fotografie wie zum Sport …

Die Zerklüftung der medialen Welt und die zufällige Selektion der Suchmaschinen ergibt nur bedingte Resultat, weil vieles gar nicht auffindbar ist. Wer lebensälter ist, der fragt sich manchmal, wieso die Welt über google definiert wird, wenn doch viele Informationen, die noch in den Bücherregalen stehen, bei google gar nicht auftauchen. Aber das ist Teil einer neuen Welt und neuer Informationen und deren Umgang damit und ein anderes Thema.

Wenn ich es über digitale Zugänge versuche, dann würde ich folgendes nennen:

Kollektiv:
An erster Stelle steht die Webseite arbeiterfotografie.de mit ihren Ausstellungen.

Singulär:
Aber auch meine Ausstellung über das Arbeitsleben im Bergischen Land soll nicht unerwähnt bleiben, weil sie vor Ort und ganz konkret ist.

Mundan:
Und als Ergänzung des Lokalen dann die mediale Weltbühne. Dazu gab es auf 3sat.de gab einen Beitrag, der die politische Manipulation und Wirkung von Fotos und fehlenden Fotos zeigte. Mittlerweile ist  dazu auch ein gutes Buch erschienen.

Nun ist hier nicht der Ort für eine wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Themas. Das könnte sich nun eigentlich anschließen. Dazu fehlen mir aber die finanziellen Mittel.

Daher will ich mit einigen Fragen den Horizont des Themas erweitern und zur eigenen weiteren Recherche anregen:

Wenn alles fließt, dann können auch Artikel keine fertigen und endgültigen Antworten liefern. Aber sie können auf das, was da fließt und vorhanden ist oder fehlt aufmerksam machen.

In diesem Sinne Augen auf…

Text 1.5

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