Monthly Archives: Juni 2013

Copyrightverletzung – 3,6 Millionen für ein Flickr-Foto

Lichtgemälde

Kai Eiselein war sehr erstaunt als er ein Foto von seinem Flickr-Account auf BuzzFeed fand. BuzzFeed sammelt Infos und verbreitet sie in einem kommerziellen Umfeld. Das Flickr-Foto hatte klar die Bezeichnung „All rights reserved“ – alle Rechte vorbehalten.

Nun hat Herr Eiselein eine Klage eingereicht. Die Schadenssumme von 3,6 Millionen Dollar begründet er damit, dass BuzzFeed nicht nur sein Urheberrecht verletzt hat sondern auch durch die Einbindemöglichkeiten der Verursacher von nachfolgenden Urheberrechtsverletzungen ist.

Das ist deshalb so interessant, weil es ja immer mehr Seiten gibt, die Werbung um Content setzen, der einfach nur bei ihnen eingebunden wurde. Mittlerweile ist diese Information in der gesamten englischsprachigen Welt bekannt wie man nun auch auf petapixel lesen kann. Aber auch Petapixel gibt mittlerweile an, woher ihre Artikel stammen. Man findet unten auf der Seite immer ein (via …) mit einer Verlinkung auf die ursprüngliche Quelle.

Mal sehen, wie das ausgeht. Denn das hätte viele Folgen für manches Geschäftsmodell.

 

 

Gesichter der Stille von Christophe Agou

agou

Das Buch ist ein Geheimtipp. Die Edition Braus hat schon manches fotografisch hervorragendes Buch verlegt. Dieses hier ist etwas besonderes. Es sind die festgehaltenen Momente eines langen Projektes über Arbeit und Leben am Beispiel von Kleinbauern in Frankreich und damit wurde es ein gutes Buch zur Dokumentarfotografie.

Und es ist noch zu haben. Daher will ich ihnen diesen Tipp nicht verschweigen, denn solche Bücher sind rar.

Agou läßt Bilder sprechen. Es gibt keine Bildunterschriften und es gibt keine Erläuterungen. Es gibt zwischendurch Reprints von Briefen aber es gibt keine Erläuterungen zu den Fotos.

Also muß das reichen, was man sieht.

Es sind Blicke auf die conditio humana.

Montbrison liegt beim Blick auf die Karte links von Lyon im Zentralmassiv und Agou zeigt das Leben der Kleinbauern. Jeder Mensch ist ein Stück Kosmos und wir sehen unseren Spiegel. Wir sehen das Leben wie es ist zwischen Schmutz und Würde. Wir sehen auch, was wir brauchen und was darüber hinausgeht.

Wir sehen hier auch noch die Natürlichkeit unseres Lebens, wie es mit der Natur aussieht als Gegensatz zu dem Leben voller „Unnatürlichkeiten“ wenn es ohne Natur gelebt wird.

Agou spricht von Stille und Einsamkeit. Die sieht man auch. Man sieht auch den Umgang damit und dass Stille und Einsamkeit nichts furchtbares sind sondern Teile des Ganzen, die man akzeptieren muß. Und man lebt weiter.

Hoffnung und Hoffnungslosigkeit sind ständige Begleiter durch das Leben und das Soziale ist Schicksal und Chance des Menschen – mit sich und mit anderen. Die Blicke auf die Menschen in dieser Region von Agou sind ehrliche Blicke auf uns selbst – wenn man so schauen möchte.

Ich persönlich sehe in diesem Buch auch eine fotografische Umsetzung des Mythos von Sisyphos von Albert Camus.

Die Absurdität der menschlichen Existenz, ihre Kraft, ihre Würde und vieles mehr sind hier zu finden.

Die Fotos laden zum wiederholten Anschauen ein und erzählen immer wieder die Geschichte dieser Menschen wie sie Agou erlebt hat.

Das Buch ist in meinen Augen als Versuch der Beschreibung des Sisyphos und der conditio humana etwas besonderes, weil es dies als Längsschnitt fotografisch dokumentiert.

Auf arte gibt es dazu ein Video. Dort sieht man manches anders und deshalb ist es gut, wenn Sie zuerst diesen Texte gelesen haben.

Ich habe das Video eingebunden und solange es bei arte zu finden ist, können Sie es auch hier sehen:

 

Das Buch ist in der Edition Braus auf Deutsch erschienen.

Christophe Agou, Gesichter der Stille

ISBN 9783862280032

Streetphotography als Wellness-Fotografie

Streetfotografie, Strassenfotografie oder wie auch immer ist unpolitische Fotografie. Sie dokumentiert Momente aus Sicht des Fotografen – aber ohne Hintergrund. Sie hat hier auf dieser Webpräsenz ihren festen Platz weil sie einen jeweils aktualisierten Spiegel der Gesellschaft abgibt mit ihren sichtbaren Trends, aber es ist keine sozialdokumentarische Fotografie, die sich einmischt sondern einfach das Fotografieren auf der Straße.

Wer heute durch die veröffentlichte digitale Szenerie der Streetpix surft, der sieht dies sehr genau.

Fotografie als Wellnessprodukt

Und da es auch fotografisch immer neue Moden gibt, werden gerade verkaufsfördernde Reizbegriffe aus den Wellnessoasen in die Fotografie importiert.

Zen und Meditation im Zusammenhang mit Fotografie entwickeln sich gerade weltweit als Thema nach dem Motto „Die besten Fotos gibt es nach der Meditation“ und mit der Lebensweisheit von Laotse „Weisheit lernt man nicht und Gelernt ist nicht weise.“

Da ja heute alles mit Einbinden des Körpers geschieht, ist nun das Fotografieren dran. Es ist auch wirklich zu banal, sich auf die Automatik zu verlassen und einfach abzudrücken. Für den richtigen Umgang mit dem Fotoapparat muß schon mal die asiatische Art zu denken und zu leben dabei sein.

Fotografie als Glaubensfrage

So erhält die Fotografie einen fast schon philosophischen bis religiösen Stellenwert. Man muß eben an all das glauben, was uns aktuell gerade vermittelt wird.

Soziale Gebrauchsweisen der Wellness-Fotografie

Unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gebrauchsweisen ist es interessant, dass damit natürlich auch wieder Merkmale für soziale Unterschiede vermittelt werden. Ein paar Vorschläge von mir, die unausgesprochen so schon ablaufen:

  • Hast du eine Leica und warst auf einem Seminar mit Meditation und fotografischen Übungen dann erhältst du ein Zertifikat als qualifizierter Rangefinder-Zen-Fotograf.
  • Hast du eine Nikon und warst auf einem Seminar mit Zen-Fotografie und Tai Chi dann erhältst du ein Zertifiakt als geprüfter Zen-Fotograf.
  • Hast du eine Olympus und warst auf einem Seminar mit Wellness-Anteilen zum Thema Meditation und Tao, dann gibt es für dich den zertifizierten Abschluß als olympischer taoistischer Streetfotograf.
  • usw.

Das wäre doch was.

Natürlich ist dies auch ein Zeichen von Globalisierung. Das Aufnehmen neuer Elemente ist positiv betrachtet auch Horizonterweiterung. Aber eine verbesserte Fotografie hat natürlich nur sehr begrenzt mit vorbereitenden körperlichen Übungen zu tun, es sei denn, man will spezielle Exkursionen mitmachen oder 8000er erklettern und dort fotografieren.

Aber wenn es die Freude an der Fotografie erhöht, dann sollte auch dies alles gemacht werden.

Allerdings kann man auch ohne diese Elemente gute Fotos machen. Es reicht sogar ein einfacher Spaziergang.

Das aber nur am Rande und zum Schluß dieses Artikels.

 

Blockupy, Taksim Gezy Park und mehr

Google und Bing

Die Suchfunktion bei google und bei bing ist für Fotos mit dem Wort blockupy sehr ergiebig und hat sehr unterschiedliche Ergebnisse. Wir sehen, wie die Versammlungsfreiheit dort vor Ort gelebt wurde im Jahr 2013 und wie sie eingeschränkt wurde.

Eine Einschätzung zu dieser „Prügelparty“ gibt der Fotograf Peter Jülich und eine Zusammenfassung gibt es in der Neuen Rheinischen Zeitung.

Aber die Suchmaschinen sind längst nicht allein ergiebig.

Flickr und Tumblr

Auf flickr.com gibt es bei blockupy 2013 ebenfalls sehr interessante Fotos zu finden und bei tumblr auch.

Zumapress

Bei Zumapress mit dem Datum vom 1. Juni 2013 finden sich ebenfalls Fotos, die dokumentieren.

Redpicture

Mit die beeindruckendsten Fotos findet man bei bei Redpicture u.a. auf flickr und in der fotocommunity.

NBC und Waltroper Zeitung

Der Blog auf nbcnews ist ebenfalls sehr aufschlußreich. Die Waltroper Zeitung hat neun Fotos, die die Stimmung zeigen.

attac

Wie der Ablauf war kann man bei attac sehr gut nachlesen und seit dem 6.6. nimmt auch die politische Debatte Fahrt auf.

spiegel.de

Und auch auf spiegel.de gibt es mittlerweile eine Fotostrecke. Dort wird u.a. gezeigt wie Polizisten massiv Pfefferspray gegen Demonstranten einsetzen.

Fotografie als Mittel für die Demokratie

Wenn man bedenkt, dass es sich in allen Fällen um Proteste von Menschen wie Du und Ich handelt, die sich nicht damit abfinden wollen, dass gegen sie und über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde und wird – und sie das meistens auslöffeln müssen, dann ist es gut, dass Fotografie dies dokumentiert.

Demotix

Zugleich empfehle ich einen Blick auf Demotix. Dort finden sich ebenfalls Fotos aus anderen Teilen Europas und der Welt, die auch aus den letzten Tagen stammen. Hier sehen wir die Feuerwehrleute in Barcelona, die demonstrieren und hier sehen wir die Menschen demonstrieren, die den Taksim Gezi Park in Istanbul erhalten wollen.

Taksim Gezi und Stuttgart 21

Dazu gibt es auch einen Tumblr-Blog. In dem Tumblr Blog wird auch die brutale Gewalt deutlich, die gegen Menschen verübt wird, die einfach nur für Bäume und Natur sind. Das erinnert sehr an die Fotos von den Demonstrationen gegen Stuttgart 21.

Die Fotos dokumentieren auch den Veränderungswillen von Bürgern und den Einsatz der neuen Medien. Viele Politiker scheinen nicht verstanden zu haben, dass das Aufeinanderhetzen von Staatsbürgern mit und ohne Uniform nicht zum Sieg des Staates führt sondern zu Veränderungen. Aber das geht dann über den Rahmen der dokumentierenden Fotos hinaus.

Die Veränderungen kann man dann später einmal dokumentieren. So bleibt Dokumentarfotografie eine dauernde Aufgabe, ebenso wie Fotografieren auf Demonstrationen.

Nachtrag eine Woche später:

Nun kommt es so wie vorausgesagt.