Monthly Archives: März 2013

Ein Tag ohne Nachrichten?

Zwei Fotoreporter wurden gefangen genommen. Sie wurden auf den Boden geworfen und der Lauf der Gewehre presste sich in ihren Nacken. Dann wurde diskutiert, ob man sie töten soll.

„Wir können sie nicht töten, es sind Amerikaner.“ Dieser Satz rettete ihnen das Leben. Aber es gab ihnen zu denken. Denn sie merkten, daß ihre Stellung als Journalisten ihnen ihr Leben nicht gerettet hätte.

Daraus hat sich eine Kampagne entwickelt „A day without news“ – Ein Tag ohne Nachrichten. Im British Journal of Photography ist dies alles beschrieben.

Die Webseite www.adaywithoutnews.com zeigt noch mehr.

Die Macht der Medien ist keine monopolisierte Macht mehr.

Jeder ist heute Journalist wenn er/sie will. Und bezahlte Journalisten sind auch keine Personen mehr, die aufgrund ihrer Rolle besonders beschützt sind.

Erinnern Sie sich noch an die Videos aus Libyen, als eine Frau in das Hotel der Journalisten kam und dort erzählte, wie sie vergewaltigt wurde?

Die Weltpresse war da, dann kam der Geheimdienst und nahm sie mit und die Journalisten und Reporter konnten froh sein, nicht auch noch mitgenommen worden zu sein.

Es hat sich also was geändert. Kriege finden heute vielfach völlig ohne echte Berichterstattung statt und wenn, dann erst viel später, wenn es so aussieht wie die Gewinner es gerne hätten.

Während ich diesen Artikel schreibe, wird berichtet, dass auch der deutsche Journalist Jörg Armbruster in Aleppo verletzt wurde, der beim SWR angestellt ist.

Der Spiegel schreibt dazu: „Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 sind in dem Land mehr als 20 Journalisten getötet worden. Unter ihnen sind mehrere ausländische Fotografen und Reporter. Im Februar 2012 starben die preisgekrönte US-Journalistin Marie Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik , als die Regierungsarmee die Stadt Homs mit Raketen beschoss. Aber auch zahlreiche Journalisten, die für die Assad-treuen Staatsmedien berichteten, sind bei Gefechten und Anschlägen ums Leben gekommen, ebenso viele sogenannte Bürgerreporter, Oppositionelle, die auf Seiten der Aufständischen über die Kämpfe berichten.“

Hier wird ebenfalls deutlich, dass Journalismus heute mehr ist als bezahlte Berichterstattung. Bürgerreporter sind oft die einzigen, die über Situationen berichten können und auch die werden getötet und verletzt ebenso wie hauptberufliche Journalisten.

Daher ist die Frage der Berichterstattung weiter zu fassen als die Kampagne „A day without news“ zeigt.

Es geht um Freiheitsrechte von Menschen, die nur in unveräußerlichen Grundrechten wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung existieren können. Insofern ist die Welt aufgeteilt in mindestens drei Teile:

  • die westliche Welt mit dem Anerkennen dieser Rechte aus demokratischen Gründen
  • die chinesische Welt mit dem Aberkennen dieser Rechte aus ideologischen Gründen und
  • die muslimische Welt mit dem Verweigern dieser Rechte aus religiösen Gründen

Die Zukunft ist also nicht unbedingt demokratisch dominiert in der Welt. Und wo das nicht der Fall ist, da wird auch nicht so berichtet.

Da wo es der Fall ist, wird leider auch nicht immer transparent berichtet. Allerdings besteht immerhin die Chance, dass dies irgendwann rauskommt und dann darüber berichtet werden darf. Das macht den Unterschied aus. Aber auch im demokratischen Teil der Welt muß man die Presse- und Meinungsfreiheit immer wieder einfordern und politisch neu sichern. Wir leben gerade in so einer Phase.

Es kann gelingen und das wäre gut für die Bürgerreporter, die bezahlten Journalisten und die Menschen in der Welt.

Wo die Wikipedia nicht reicht oder was ist Straßenfotografie bzw. Streetfotografie?

Grafik: Michael Mahlke

Grafik: Michael Mahlke

Eigentlich schaue ich gerne in die Wikipedia. Aber mittlerweile sind einige Artikel doch entweder eher pure Werbung oder sehr kritisch zu sehen. Ich  möchte dazu als ein Beispiel den Artikel zum Thema „Straßenfotografie“ nehmen (Zugriff am 31.03.2013).

Ich staunte nicht schlecht welche „Kritieren“ für Straßenfotografie genannt wurden, weil sie in dieser Form weder historisch zutreffen noch praktischen Wert haben.

Zudem führt die erste Verlinkung direkt auf den Blog fokussiert.com, auf dem sich eine Dame zu dem Thema geäußert hat in einem aufgesplitteten Beitrag, der über die persönliche Meinung eher wenig hinausging. Lediglich die Kommentare würden dort etwas weiter führen. Aber welche Relevanz hat genau dieser Blogbeitrag und die Person, die ihn geschrieben hat, für das Thema Straßenfotografie?

(siehe dazu die Kommentare am Ende)

Das ist wohl nur mit der Vermutung erklärbar, dass dadurch Traffic auf den Blog gelenkt werden soll. Mit der seriösen Erörterung des Themas hat es wohl kaum zu tun.

Wenn man dann auch noch schreibt „und zeichnet Straßenfotografie als künstlerische Gattung aus“, dann zeigt dies eine besondere Sichtweise.

Dies gilt ebenso für die nächste Verlinkung. Der dort aufgeführte Fotokurs Straßenfotografie hat ja nun mit klassischer Straßenfotografie nichts zu tun sondern es geht in dem Buch um Fotografieren im Alltag im urbanen Raum.

Da gibt es wohl bessere und zudem noch kostenlose Ebooks zum Thema Strassenfotografie im Netz.

Das Buch von Clive Scott dann auch noch aufzuführen als einzige andere Quelle zeigt, dass hier kaum dem Thema real begegnet wird.

Herr Scott ist Professor für Literatur und als ich das Buch las, war ich sehr enttäuscht, weil es eben nicht das Thema richtig anpackt. Mit dieser Kritik stehe und stand ich nicht allein, wie man hier lesen kann.

Einzig die Frage nach dem Unterschied zwischen Straßenfotografie und Dokumentarfotografie ist hilfreich aufgeführt.

Wenn es sich um einen stärker sachlich-substantiierten Artikel der Wikipedia handeln würde, dann wäre es wohl zumindest erforderlich gewesen, auf andere Quellen zurückzugreifen oder die aufgeführten Hinweise entsprechend relativiert einzubetten, zumal im Jahre 2012/2013.

Aber wahrscheinlich ging es nur darum, das Buch und die Bloggerin zu promoten.

Wenn man nun die deutsche Wikipedia verläßt, dann wird es besser.

Da ich das Thema schon ein Jahrzehnt verfolge, möchte ich zunächst auf diese Verlinkung in der Chronik der englischsprachigen Wikipedia verweisen.

Dort sieht man sehr gut, dass im Jahr 2007 ein substanzieller und guter Artikel zum Thema Streetphotography/Straßenfotografie dort erschienen ist.

Er wäre ein gutes Vorbild für die deutsche Version geworden, die man hätte ergänzen können.

Aber auch diesen Artikel hat man nahezu vollständig verändert und aus einem historisch exakten Artikel einen Allgemeinplatz für die heutige Zeit gemacht.

Wenn man zumindest ein paar Links haben möchte, die weiterhelfen, dann verweise ich aktuell auf diese hier:

Allein diese 7 Verlinkungen geben viele Informationen zum Thema Straßenfotografie/streetphotography, die weit über den Horizont des Artikels in der aktuellen Fassung der deutschen Wikipedia hinausgehen. Da der Vorteil der Wikipedia ihre Teil-Transparenz ist, kann es gut sein, dass dieser Artikel auch dort zu Verbesserungen führt. Ich habe dort diesen Artikel als Ergänzung eingetragen. Mal sehen, ob er den Artikel erweitert oder wieder gelöscht wird.

Warten wir es ab – und nutzen die Zeit für gute Streetphotography!

Version 1.3

 

2013 – das Jahr der Propaganda in der Fotografie

2013 ist ein sehr interessantes und sehr politisches Jahr. Und es ist ein Jahr voller Fotos im öffentlichen Raum und in der Öffentlichkeit. Da wir dieses Jahr eine Bundestagswahl haben, werden irgendwann die Plakatwände mit Fotos und Propagandatexten aufgestellt werden.

Aber das ist in diesem Jahr nicht alles. Das Thema Arbeit und Alter wird jetzt nochmals und viel massiver mit Fotos im öffentlichen Raum und mit Videos im Internet dargestellt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat dazu viele Videos drehen lassen und versucht, die Themen Erhöhung des Rentenalters und das Thema Zuwanderung den Menschen schmackhaft zu machen. Dazu bedienen sie sich der „Wissenschaft“, um sich einen seriösen Anstrich zu geben. Doktoren und Professoren äußern sich – mehr sag ich dazu nicht (bitte verzeihen Sie mögliche Ironie).

Dies alles gibt es zusammengefasst auf  der Webseite www.demografische-chance.de und darüber hinaus überall in Deutschland auf Litfaßsäulen und Plakatwänden.

Die Webseite ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Demografie dafür missbraucht wird, um eigene politische Interessen durchzudrücken. Das möchte ich Ihnen mit dem folgenden Foto erläutern. Denn die Realität ist konkret.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Das Foto ist im März 2013 auf der Bismarckstrasse (!) in Remscheid aufgenommen worden.

Sie sehen auf dem Foto im Hintergrund einen Obst- und Gemüseladen mit Fleischtheke und Konserven. Ein Zeichen für gelungene Integration würden wohl Sozialpolitiker sagen. In direkter Nähe befindet sich noch ein kaufpark, 300 Meter darunter ein riesiger kaufland und 200 Meter darüber ein netto.

Im kaufland, netto und kaufpark sitzen an den Kassen ebenfalls sehr viele Menschen mit russischen, polnischen oder türkischen Namen, die alle gut deutsch sprechen. Darüber hinaus ist der Dienstleistungsbereich mit Essen, Maniküre und Massage dominiert von der asiatischen Kultur.

Es gibt gelebte Toleranz und Normalität, die wahrscheinlich weiter ist als die Programme des Wissenschaftsjahres demografische-chance.de.

Nun werden auf der Webseite drei Sätze formuliert:

  1. Wir leben länger
  2. Wir werden weniger
  3. Wir werden vielfältiger

Schauen wir da mal drauf, weil das ja auch die unterschwelligen Botschaften auf den Plakaten sind.

1. Wenn Sie nun auf den oberen Mann in der Litfaßsäule schauen, dann sehen Sie, dass er ein Plakat hochhält auf dem steht, daß Ältere auf dem Arbeitsmarkt unverzichtbar sind. Dem würde man so zustimmen können unter bestimmten Bedingungen. Aber wußten Sie auch, dass der Mann Vaupel heißt und erklärt dass wir erst mit 72 in Rente gehen sollen? Der Mann behauptet sogar, dass wir 100 Jahre alt werden. Hört sich gut an. Dahinter steckt nichts anderes als der Versuch, den Menschen die Rente mit 67 als nicht so schlimm und gut schmackhaft zu machen. Aber dass die Menschen über 50 kaum gute Jobs bekommen und die Politik keine Gesetze gemacht hat, die das regeln, sondern nur ein Gesetz gemacht hat, welches das Rentenalter raufsetzt – davon ist hier keine Rede. Und wenn Sie sich damit abfinden und bis 67/69 arbeiten und dann das Pech haben mit 68/70 zu sterben, dann können Sie dafür niemand mehr zur Verantwortung ziehen. Die, die uns das eingebrockt haben, sind schon mal mit 55 in den Vorruhestand gegangen (außer den Professoren und Politikern, die ihre Tätigkeit mit Arbeit verwechseln).

2. Nun kommen wir zu dem Satz, wir werden weniger. Was ist daran schlimm? Was wäre daran so schlimm, wenn in Deutschland nur noch 75 Millionen Menschen leben? Gar nichts. Das ist auch schon sehr seriös untersucht worden. Aber das wird natürlich nicht gesagt, weil man dann auch anders über das Thema diskutieren könnte. Probleme gibt es nur, wenn alles so bleibt wie es ist. Wenn Beamte die Altersversorgung weiterhin geschenkt bekommen, wenn es keine hohen Mindestlöhne gibt usw.

3. Wir werden vielfältiger. Der Bau von Moscheen in kleineren Städten nach der Restaurierung der Synagogen ist ein neues Merkmal für unsere Gesellschaft. Aber: Unsere Kultur beruht auf christlichen Traditionen. Während früher Kirche und König eins waren, haben wir über Jahrhunderte ein heute dominierendes freiheitliches Denken entwickelt, welches die Trennung von Staat und Religion zuläßt. Es ist ein christlich-abendländisches Denken, das die Voraussetzung für unsere Toleranz ist. Daher ist das Christentum hier auch zurecht die privilegierte Religion. Das Grundgesetz baut darauf auf und regelt dann, dass keine religiösen Gesetze gelten sondern aufgeklärte nicht-religiöse Grundrechte die Basis für alle weiteren Entscheidungen sind. Wir regeln die vorletzten Dinge, Religion ist Privatsache. Das ist die Grundlage unseres Zusammenlebens und die Voraussetzung für die Vielfalt in Deutschland.

Man könnte zu allen Themen mehr schreiben. Ich denke aber, es ist genug. Ich wollte nur deutlich machen, wie unter dem Mantel der Demografie völlig andere Themen versteckt werden. Und dies alles wird hinter bunten Fotos versteckt. Und das ist der Grund, warum dies alles hier als Artikel erscheint.

Wir werden also in diesem Jahr noch viele schöne Fotos sehen und viele schöne Dinge hören, die positive Gedanken in uns auslösen sollen durch die Bildsprache und durch die Wörter. Aber man darf es nicht einfach glauben sondern muß es hinterfragen.

Es ist in gewisser Weise die Wiederkehr der Fotografie als Waffe.

Nachtrag drei Jahre später:

Drei Jahre später – 2016 – behauptet die Regierungspropaganda nicht mehr, wir könnten im Schnitt 100 Jahre alt werden, sondern das Statistische Bundesamt teilt mit, diejenigen, die dieses Jahr geboren werden, könnten im Schnitt 80 Jahre alt werden.

 

Arbeit als Thema der Fotografie – zwischen Arbeiterfotografie und Berufe fotografieren

Frauenarbeit - Foto: Michael Mahlke

Frauenarbeit – Foto: Michael Mahlke

Das Thema Arbeit ist immer ein Thema in einer Arbeitsgesellschaft. Es ist auch ein politischer Begriff und es ist ein interessengeleiteter Kampfbegriff.

In der Fotografie war das Dokumentieren von Arbeitsbedingungen zur Bestandaufnahme und als Grund für die Forderung nach Verbesserungen wichtig.

Das Dokumentieren der Arbeitsbedingungen war wesentlich für die Arbeiterbewegung und für die Fotografie, die damit verbunden war. Aber das ist vorbei.

Mich hat interessiert, ob es noch Fotografen und Webseiten gibt, die sich mit diesem Thema irgendwie beschäftigen.

Ja es gibt sie und sie sind erstaunlich verschieden – aber alle interessant.

Arbeiterfotografie

Auf arbeiterfotografie.de ist mehr als das Thema Arbeiter zu finden. Es ist eine Webseite, die die Geschichte der Arbeiterfotografie und die Fotografie der Arbeitenden bis heute darstellt. Sie ist offenkundig schon länger online und dokumentiert in einzigartiger Weise diesen geschichtlichen Prozess.

2011 gab es das Jahresthema „Realität der Arbeit“. Dabei sind von verschiedenen Fotografinnen und Fotografen Serien und Einzelfotos entstanden, die an beste alte sozialdokumentarische Traditionen anknüpfen und Menschen im Mittelpunkt haben.

Das allein ist es aber nicht. Die Webseite selbst dokumentiert viele Demonstrationen gegen konkrete und große Ungerechtigkeiten, die sonst in den Medien gar nicht mehr auftauchen würden. Es ist also ein lebendiges Portal zur politischen und sozialdokumentarischen Fotografie.

DIHK

Der DIHK läßt auch fotografieren, nämlich Ausbildungsberufe. Das ist aber nach den Fotos im Netz reine Funktionsfotografie. Der Mensch im Zusammenhang oder sogar persönlich kommt nicht vor. Es geht wohl um Öffentlichkeitsarbeit aus Sicht des jeweiligen Auftraggebers. Das Ganze hat mit sozialdokumentarischer Fotografie nichts zu tun sondern nur mit auftragsbezogener Funktionsfotografie, überwiegend hier wohl der IHK bzw. dem DIHK.

Jens Jäger hat dies einmal so beschrieben: „Die Industriefotografie unterscheidet sich von Bildern, die im weitesten Sinne arbeitende Menschen zum Thema haben, durch Provenienz, Inszenierung und (ursprüngliche) Intention (vgl. Zimmermann 2004). Hier ging es um die Selbstinszenierung von Unternehmen nach innen wie außen. Modernität, Größe, Ordnung und Leistungsfähigkeit kennzeichnen die Industriefotografie nach außen, das heißt gegenüber möglichen Kunden, aber auch gegenüber der Belegschaft.“

DGB

Die Gewerkschaften haben natürlich auch das Thema Arbeit besetzt. Zuletzt in der Fotografie mit einem Buch über „gute Arbeit“ im Sinne mitbestimmter Unternehmen. Dabei kommen aber die einzelnen Menschen auch schon irgendwie zu kurz, weil es eben auch um DIE Arbeit geht.

Politische Propaganda

Zudem ist das Thema aktuell durch die Politik besetzt worden. Dabei wird versucht, die Arbeit fotografisch so umzumünzen, dass ein neues Image entsteht, welches den jungen und dynamischen Hüpfer kreiert, der gerne bis 67 arbeitet.

Fremde Arbeit

Neben diesen deutschen Themen gibt es auch noch viele Fotos in noch mehr Fotoausstellungen, bei denen Menschen in aus deutscher Sicht schlimmsten Arbeitsbedingungen aufgenommen werden. Das wirkt auf uns neben dem „Ach wie furchtbar“ umgekehrt  auch sozial trennend im Sinne von „Wie gut ist es doch bei uns“. Aber davon soll man sich nicht täuschen lassen.

Es gibt dieses berühmte Foto von Salgado von den Minenarbeitern in Brasilien. Das erweckt zuerst diese Gefühle.

Aber dann findet man einen Satz von Salgado dazu und dies erweitert den Horizont:

Frage des Reporters:

„Die Bilder aus der Goldmine haben Ihnen den Ruf eingebracht, ein Fotograf zu sein, der soziale Missstände anklagt.“

Antwort von Salgado:

„Überhaupt nicht. Ich zeige einfach Arbeitsbedingungen. Keiner der Männer in dieser Mine wurde gezwungen, dort zu arbeiten. Sie zockten wie im Casino. In jedem Sack könnte ein Kilo Gold sein.“

Das Fremde macht immer neugierig. Aber der erste Eindruck stimmt oft nicht. Und Arbeit in der industriellen Welt und außerhalb der industriellen Welt hat ebenfalls viele Facetten, wenn man nicht nur glaubt, dass wir immer Recht haben und wir immer die Guten sind.

Fazit

Nun kann ein Artikel nur Einstiege bieten. Das habe ich hier mit fünf Wegen getan.

Wenn ich das so sehe, dann wird das Thema Arbeit absehbar ein fotografisches Thema bleiben.

Und für mich ist es ein absolutes Mysterium, warum die Menschen lieber in einer Welt leben, in der sie um Arbeit kämpfen müssen statt für eine Welt zu kämpfen, in der sie  nicht mehr darum kämpfen müssen.

So hat dieser Arikel bei mir neue Fragen aufgeworfen. Und ich weiß nicht, ob ich diese in meinem Leben noch beantworten kann.

 

Museumsqualität in der Fotografie – Flachware für Kapitalanlagen?

 Hype

Wie das im Leben so ist, plötzlich sortieren sich die Dinge von alleine. Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass die Fotografie einen neuen Platz gefunden hat. Sie ist durch eine ununterbrochen zunehmende Zahl von Fotowettbewerben gekennzeichnet und durch immer mehr Ausstellungen in immer mehr Museen an immer mehr Orten überall auf der Welt.

Quasi jede größere Stadt hat bald eine eigene Woche der Fotografie, größere Museen überschlagen sich mit Fotoausstellungen und je größer die Fotos sind, desto prominenter scheinen oft die Namen.

Bei den Fotoausstellungen findet sich eine der besten Übersichten auf Kultur online.

Dabei ist mir bei einigen Fotoausstellungen in den Museen etwas aufgefallen.

Wissen Sie, was es ist? Es ist in meinen Augen die Verknüpfung von Imagewerbung und Kapitalanlagestrategien.

Was bedeutet das?

In ihrem wohl einzigartig guten Buch hat die Autorin Piroschka Dossi dies einmal so beschrieben: „Im Jahr 2006 zeigte die Schweizer Großbank UBS, einer der Hauptsponsoren der Tate Modern, dort sechs Monate lang Fotografien aus ihrer Sammlung. Die Bank nutzte das Museum als Bühne zur Selbstdarstellung und zur Aufwertung der eigenen Sammlung…. 2004 schloss das Amsterdamer Stedelijk Museum einen fünfjährigen Sponsorenvertrag mit ABN Amro. Die niederländische Großbank erhielt unter anderem das Recht aus der Kollektion des Museums Bilder zu kommerziellen Zwecken einzusetzen und alle Pressetexte zu verfassen, mit der das Museum über gemeinsame Ausstellungen berichtet.“

Und in diesem guten Buch fand ich dann auch den Begriff, der meine Beobachtungen manifestieren konnte.

Das hat Frau Dossi für eine Ausstellung in Lyon so formuliert: „Das Museum drückte der ausgestellten Flachware sein Gütesiegel auf: Museumsqualität.“

Museumsqualität – das ist der Begriff, der die Imagewerbung mit den Kapitalanlagestrategien auf dem fotografischen Kunstmarkt verknüpft.

Sicherlich läßt sich dies vielfach übertragen und ist gerade heute aktuell. Der Markt in Europa wird überschwemmt mit Euros, so dass die Inflation und damit die Enteignung der kleinen Leute beginnt. Der Goldpreis steigt.

Wo kann man noch investieren? In vermeintlich sichere Wertanlagen.

Wann ist Kunst eine vermeintlich sichere Wertanlage? Wenn sie in den akzeptierten (von wem?) Museen ausgestellt wird.

Die Logik dieser Argumentation hat doch was. Aber ob sie stimmt ist natürlich eine andere Frage.

Es hat aber oft genug funktioniert und deshalb scheint heute eine Ausstellung in einem Museum oft genug eher dazu da, Geldanlagen zu vermitteln mit der Hoffnung durch „Museumsqualität“  mittelfristig werthaltige Fotografie zu verkaufen. Oder sollte ich lieber Fotokunst schreiben?

„Echte Mäzene leihen nicht, sie schenken. Doch privater Reichtum und privater Kunstbesitz dienen immer weniger der Unterstützung der öffentlichen Museen. Lieber investieren die neuen Medici ihre Gelder in eine eigene Sammlung und bringen diese steuerbegünstig in eine Stiftung ein, die ihren Namen trägt.“ So noch einmal Piroschka Dossi.

Beim Googeln kam ich dann sogar auf die Prominenten Günther Jauch und Hasso Plattner.  Die Geschichte finde ich sehr interessant und sie passt irgendwie auch hier rein, wenn auch nur am Rande. Aber auch das ist eine der vielen Facetten dieses Themas.

Geldanlagen, steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, Stiftungen und ihre Förderungen, Mäzenatentum, das keines ist – hier tut sich ein Themenfeld auf, das größer ist als jeder Artikel, der darüber geschrieben werden kann.

Ich wollte eines mit diesem Artikel erreichen, nämlich Sie hinzuführen zu der Frage, warum so oft Fotografie in Museen ausgestellt wird.

Ein Grund ist sicherlich, das Image der „Museumsqualität“ als bewusstes oder unbewusstes Wertkriterium herzustellen nach dem Motto „was im Museum ist, muss gut sein“.

Das stimmt natürlich oft nicht, aber das macht auch nichts. Ausstellungen sind eben wichtig geworden, obwohl man sie viel effektiver, länger und weltweiter im Internet haben könnte.

Dann sind sie aber eben nicht im Museum. Im Internet wird es erst dann interessant, wenn ich eine Ausstellung aus dem Museum xyz dort präsentiere.

Da es viele Museen gibt, gibt es auch viele Räume, die die Museumsqualität herstellen können. Das wäre sogar was für eine Marktlücke nach dem Motto „Gehen Sie auf  www.museumsqualitaet24.de – wir vermitteln ihnen das Museum ihrer Wahl, um ihre Produktionen durch ein neues Image zu veredeln“ oder so ähnlich.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte ihre Lebenszeit auf angenehme Art bereichern und ich wünsche Ihnen viel Spaß bei ihrem nächsten Aufenthalt im Museum. Ich hoffe, Sie finden dort die Museumsqualität, die sie suchen.

Und Frau Dossi danke ich für ihr wunderbares Buch, das eine ununterbrochene Quelle von guten Ideen und neuen Blicken ist.

 

 

Exklusiv: Genesis von Sebastiao Salgado

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Am Rande der Genesis auf Rügen – Foto: Mike Mahlke

Die PR-Maschine

Benedikt Taschen hat Sebastiao Salgado geküßt und der Stern hat das Foto veröffentlicht. Hans-Hermann Klare vom Stern schreibt darüber wie ein alter Freund von Salgado. Nun läuft weltweit eine Marketingmaschine an, um das Buch „Genesis“ von Salgado zu vermarkten. Ein großes Buch mit vielen monochromen Fotos. Vielleicht ist das eine Erklärung für das Verhältnis von Ursache und Wirkung. Ich werde auf eine große Feier in Los Angeles eingeladen und die Zeitschrift, für die ich arbeite, berichtet danach ausführlichst darüber. Ein Schelm, wer dabei weiterdenkt.

Aber so ist die Welt, egal ob es uns gefällt und wer dort war in Los Angeles bei Herrn Taschen, der wird sicherlich andersrum sagen, das ist völlig normal und guter Journalismus. Mit PR hat das nichts zu tun – denke ich mir so.

Nun gut.

Was in dem Buch zu sehen ist, hat der Stern nun schon einmal mit einer Fotostrecke gezeigt, die wahrscheinlich der Verlag zur Verfügung gestellt hat. Die zwölf Fotos zeigen, wie man mit Schwarzweißfotografie gute Fotos machen kann. Salgado war ein Analogfotograf und ist mittlerweile – wenn die Infos stimmen – ein Digitalfotograf.

Denn Kodak stellt den Tri-X Film schon länger nicht mehr her. Daher wechselte er zum DXO-Filmpack und konnte somit auch im digitalen Zeitalter den analogen Charakter seiner Fotos beibehalten. Das setzt natürlich digitale Kameras voraus.

Hätten Sie´s gewußt?

Und zufälligerweise schreibt Canon, dass Salgado für sein Genesis-Projekt Canon Objektive und Kameras genutzt hat. Eine oder mehrere seiner Leica-Kameras hatte er schon vorher verkauft.

Aber die Kameramarke scheint auch weniger wichtig zu sein. „Für einen Fotografen sind gute Schuhe wichtiger als eine gute Kamera, sagt Salgado.“

Der persönliche Nutzen

Denn damit hat das neue Buch von Salgado erstmals auch einen ganz praktischen Nutzen. Man kann selber sehen und ausprobieren, wie man mit einem digitalen Filter gute monochrome Fotos machen kann.

Denn Sie können Salgado spielen, wenn sie sich die Testversion des Filmpack kostenlos runterladen und ausprobieren. Das können Sie mit jeder Kamera, denn jedes JPG-Foto(!) kann damit bearbeitet werden.

So hat das Ganze einen unerhört praktischen Nutzen!

Ich mag viele Fotos von Salgado, weil er Fotos gemacht hat, die das Elend durch Ästhetik ertragbar und ansehbar machen. Man mag das kritisieren, aber die nackte Wahrheit ist oft wohl nicht so wirksam wie die gut verpackte Wahrheit – so ist es vielfach auch mit der Fotografie.

Eines der besten Interviews mit Salgado und über seine Arbeit und das Projekt stammt von 2009. Sie finden es hier.

Nach seiner Selbstdarstellung scheint er – ähnlich wie Cartier-Bresson – die richtigen Kontakte und Möglichkeiten gehabt zu haben, um weiterzukommen. Salgado wurde berühmt zu einer Zeit als die Fotografie die größte Wirkung hatte im Journalismus und der Bildjournalismus die Königsdisziplin war.

Parallelwelten

Heute ist es anders. Daher ist der Blick auf  Genesis ein Blick zurück und ein Blick nach vorn.

Salgado sagt, dass knapp die Hälfte unseres Planeten noch so ist wie zur Zeit der Schöpfung und dies bewahrt werden soll. Daher dokumentiert er nach den Arbeitern und den Flüchtlingen nun die Schöpfungen unseres Planeten.

Das ist irgendwie ein Gegengewicht zu den künstlichen Schöpfungen, die mehr und mehr unser tägliches und tatsächliches Leben bestimmen.

Er ist acht Jahre rumgereist und hat die Welt dort besucht, wo wir meistens nicht hinkommen oder wovon wir vielfach kaum etwas wissen. Das macht aus dem Buch eine Entdeckungsreise.

Zusätzlich sollen die Fotos in über dreißig Ausstellungen weltweit gezeigt werden. Damit ist dem Thema und dem Fotografen die Aufmerksamkeit sicher.

Google zeigt über die Suchfunktion schon jetzt viele Fotos des Projektes und vieles mehr und Artikel dazu entstehen fast täglich.

Die Fotos entstanden zwischen 2004 und 2012 und sind somit auch eine Bestandsaufnahme der Globalisierung – nur andersrum. Und kontinuierlich wurden Fotos aus dem Projekt auch veröffentlicht, so dass es eine dauerhafte Publizität gab.

Es kommt darauf an

Eine Anekdote gefällt mir besonders. Als Salgado bei den Nenets in Sibirien war, erzählten sie ihm, dass sie sich nur einmal im Jahr waschen. Als er fragte, ob sie stinken antworteten sie „Nein“, weil ja alle so riechen. Es ist eben so wie bei Diogenes. Es kommt immer auf die Frage an „im Vergleich wozu…“

Das Buch und die Ausstellung sind quasi der Abschluss des Genesis-Projektes und ermöglichen Rückblick und Überblick.

So geben uns die Fotos die Chance, etwas von dem zu erblicken, was wir selbst so vielleicht nicht mehr so sehen können oder zumindest in dieser Zusammenschau nicht mehr.

Darüber hinaus ist es einfach schön, die monochrome Art des Fotografierens mit digitalen Filtern noch einmal in diesen Fotos zu finden.

Die monochrome Art des Fotografierens hat was, die Fotos aus dem Buch haben es  auch.

TASCHEN

Sebastião Salgado. Genesis

Lélia Wanick Salgado

Hardcover mit 17 Ausklappern

520 Seiten

€ 49,99

 

Art und Limitierte Edition:

Collector’s Edition

Hardcover, 2 Bände mit einem vom Tadao Ando entworfenen Buchständer aus Kirschbaumholz
Diese Collector’s Edition ist auf 2500 Exemplare limitiert.

704 Seiten, € 3.000

Auch erhältlich 5 Art Editions, auf jeweils 100 Exemplare limitiert, mit je einer signierten Schwarz-Weiß-Fotografie

Hardcover, 2 Bände vollständig in Leder gebunden mit einem vom Tadao Ando entworfenen Buchständer aus Kirschbaumholz

Jedes Set wird mit einem signierten und nummerierten Silbergelatine-Print geliefert, € 8500 Euro

Text 1.3

Tarifregister für Fototarife und Bildhonorare

Ausserhalb von Deutschland sind Tarifverträge vielfach anders oder es gibt sie gar nicht.

Um so interessanter ist es, mehr über den Wert von Fotos und die Zahlungsmoral der Kunden zu erfahren. Dazu gibt es jetzt eine Webseite, auf der anonym Informationen dazu mitgeteilt werden können.

Preiswert

Da steht zum Beispiel, dass die dpa für 8 Stunden bis zu 260 Euro zahlt, der Stern 350 Euro für einen Tag, die Bild-Zeitung 195 Euro pro Tag und vieles mehr.

Das scheint aber schon ziemlich viel zu sein im Vergleich mit anderen Ländern und anderen Kunden. In der angloamerkanischen Welt scheinen z.T. Tarife eher bei 125 Dollar für einen halben Tag und 250 Dollar für einen ganzen Tag zu liegen oder für ein Foto bei z.B. der Chicago Sun zwischen 65 und 90 Dollar, wobei es auch ein Smartphone sein kann.

Die zusätzlichen Hinweise zum Verlust oder Nichtverlust der Rechte an den Fotos sind auch sehr interessant. Bemerkenswert finde ich auch den Hinweis auf die Berichterstattung aus Krisengebieten und die Vergütung dafür.

Ich weiss nicht, ob die Angaben stimmen, aber der Ansatz entspricht dem anderer Webseiten, auf denen auch Tarife mitgeteilt werden können. Das sorgt für mehr Transparenz und informiert über das, was möglich ist und über das, wovon es unmöglich ist zu leben.

Preiswerter

Es gibt auch in Deutschland Empfehlungen für Bildhonorare.

Diese weichen doch erheblich ab. Interessant ist es auch zu lesen, wie einzelne Medien damit umgehen. Hinweise auf die Wochenzeitung Die Zeit finden sich hier.

Der Spiegel ist auf der Seite nicht zu finden. Er hat seine Honorare aber selbst sehr transparent online veröffentlicht, so dass jeder weiß, was gezahlt wird.

Die komplette Tabelle mit den Tarifen in der Übersicht findet sich hier.

Darüber hinaus hat sich nun auch Freelens zu den am Tag der Arbeit in kraft getretetenen neuen Vergütungsregelungen für freie hauptberufliche Fotojournalisten an Tageszeitungen mit einem Auszug zu Wort gemeldet. Danach gibt es für ein Bild in einer Tageszeitung mit über 200.000 Auflage und über 4 Spalten 75,50 Euro. Alles andere ist geringer.

Der dort angesprochene „Preisverfall“ läßt berufliche Perspektiven kaum noch zu.

Wie sich dies im Reisejournalismus auswirkt, kann man hier lesen.

Noch billiger

Aber es geht noch billiger bei der waz, wie hier beschrieben worden ist.

Hoffen wir nur, dass jeder jeden Tag einen guten Auftrag bekommt, sonst gehen wohl die meisten Rechnungen nicht auf.

Obwohl es kein Trost ist. Diese Situation ist nicht neu. Es gab Zeiten, da waren 50 Dollar für ein Foto viel und die sind noch nicht so lange her.

Neu ist, dass es – auch in den USA – keine Magazine mehr gibt, die weltweite Akzeptanz bei fotografischen Fragen haben und eine vielfach unterstützende Wirkung für fotografische Experimente jeder Art bieten.

Heute wird alles digital publiziert, aber dafür gibt es kein Geld mehr. So wird irgendwann der Fotograf eine reine Tätigkeitsbeschreibung sein wie z.B. Jogger aber keine Berufsbezeichnung mehr.

Und noch billiger

Übrigens geht es noch billiger. Die Firma Crowdmedia sammelt Fotos von Twitter Nutzern und fragt, ob sie diese verkaufen dürfen. Für jeden Verkauf gibt es von aktuellen Fotos 20 Dollar, von denen der Twitterer 50 Prozent erhält. Wenn sich ein Foto 100 mal verkauft, dann geht es. Spider übenehmen dort die Arbeit von Menschen und suchen für aktuelle Ereignisse die Fotos nach den Geodaten, die den getwitterten Fotos beiliegen.

Und nochmals billiger

Am billigsten sind allerdings die Bürgerreporter von Bild und Co. Die machen es umsonst.

So zeigt dieser Artikel den Übergang in eine neue Welt.

Aber wir wissen, auch die bleibt nicht so.

Ich bin gespannt, was da noch kommt.

Landkarte meiner fotografischen Arbeit

Mike Master & Mimare

Hier sehen Sie die Landkarte meiner fotografischen Arbeit. Darin sind fotografische Entwicklungen und fotografische Erfahrungen notiert. Zugleich gibt sie mir Orientierung und ist eine Art fotografischer Lebensplan.

Ich habe ungefähr zehn Jahre in Theorie und Praxis fotografiert und dann kam mir die Karte in den Sinn und es dauerte noch mal fünf Minuten bis sie fertig war. Es handelt sich um Begriffe, die ich entwickelt habe für die heutige Zeit und die ungefähr beschreiben, was nach meinen eigenen Kriterien dahinter steckt.
Je nach Blickwinkel bin ich mehr als ein Fotograf oder weniger als ein Fotograf, weil ich meine gesamte Publizistik selber gemacht habe. Dadurch musste ich Probleme lösen, die andere nicht hatten.

Dadurch wurde mir aber auch klar, dass Fotografie als Lebensteil und Lebensstil anders ist als das, was vermarktungsfähige Fotografie anbietet. Das geht heute sowieso nur noch über die sog. Fotokunst. Die ist aber so launisch wie die Mode.

Ich kenne keine Fotografin und keinen Fotografen, die sich bisher eine Landkarte ihrer fotografischen Arbeit erstellt haben. Mir verschafft es Klarheit und zeigt mir, dass die Absurdität der Existenz durchaus Sinn macht – den man sich aber selbst geben muss.

Insofern ist diese Landkarte eine höchst philosopische Angelegenheit und hilft mit, die Reflektion zu versinnbildlichen.

Dieser Artikel ist übrigens völlig surreal, weil er seinen Sinn aus der spontanen Erstellung seiner selbst schafft. Aber ich finde ihn und die Landkarte ausserordentlich inspirierend und anregend.

Das ist das Geheimnis von Kunst. Man kann sie nicht erklären aber sie ist dann da.