Der Fotowettbewerb als Propagandawaffe – Altersbilder Objektiv 50

Der erste Blick

Objektiv 50 war ein Fotowettbewerb des Bundesministerium für Arbeit.

„Mit mehr als 800 Beiträgen und Teilnehmern endet der Fotowettbewerb OBJEKTIV 50 am 9. Mai mit der Preisverleihung in der Berliner Urania. Hobby- und Profifotografen waren aufgerufen, vom 1. November 2011 bis zum 31. März 2012 aussagekräftige Fotos von Menschen ab 50 mit und ohne Arbeit einzureichen. Ziel des Wettbewerbs war es, die individuellen oder gesellschaftlichen Herausforderungen der Arbeits- und Alltagswelt in diesem Alter widerzuspiegeln. Der gesellschaftliche Diskurs zum Thema sollte angeregt und dadurch neue Altersbilder etabliert werden.“

Die neue Einstiegsseite zu dem Fotowettbewerb finden Sie hier.

Die Siegerfotos finden Sie hier.

Unter den Siegerfotos ist auch ein Foto aus dem Unternehmen Leistritz in Remscheid. Dort wird ein Mitarbeiter gezeigt, der endlich aufhören kann.

Ein grosser Teil der Menschen, die bei Leistritz in Remscheid arbeiten, haben aktiv gegen die Rente mit 67 protestiert. Und nun scheint es, dass diese Firma als Propagandainstrument für genau die Politik benutzt werden soll, die die Menschen größtenteils abgelehnt haben.

Wie heisst es so schön in der Mitteilung des Ministeriums?

„Fortschrittsreport bestätigt Fotowettbewerb

Demografischer Wandel erfordert Neubewertung des Alters / Siegerbild des Monats zeigt Leistritz-Mitarbeiter

Berlin. Der aktuelle Fortschrittsreport „Altersgerechte Arbeitswelt“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kommt zu dem Ergebnis, dass der demografische Wandel eine neue Bewertung des Alters erfordert. Somit bestätigt er den Fotowettbewerb OBJEKTIV 50 in seinem Anliegen, neue Altersbilder zu etablieren.“

Das ist politische Propaganda vom Feinsten mit Hilfe eines Fotowettbewerbs. Und sie schreiben, was sie meinen. Der Fotowettbewerb soll dazu dienen, „neue Altersbilder zu etablieren.“

So werden die Fotos der Einsendenden aus meiner Sicht propagandistisch für die „Altersbilder“ benutzt/miss-nutzt bzw. missbraucht(?), die das Ministerium gerne hätte.

Denn die Gretchenfrage lautet ja, welche Altersbilder sollen das denn sein?

Es sind für mich die weichen Wege zur Rente mit 67, die hier medial aufgebaut werden und die kombiniert werden mit dem Ansatz angeblich etwas für Menschen über 50 ohne Arbeit zu tun. Dabei ist dies bei Kenntnis der Tatsachen pure Heuchelei, wie man sehr gut auf buchmonat.de nachlesen kann in den dortigen Fachbuchrezensionen. Dort findet sich auch ein Hinweis, dass es vor 2030 i.d.R. keine demografischen Gründe für Unternehmen gibt, ältere Arbeitnehmer einzustellen!

Da dieses Wissen bekannt ist und dennoch solch ein Projekt gestartet wurde, ist für mich die klassische propagandistische Richtung erkennbar.

Hier geht es meiner Meinung nach darum, Bilder in die Köpfe zu bekommen, um damit Politik zu machen, eben die klassische Form der Propaganda, gewürzt mit einem neuen Mittel: dem Fotowettbewerb.

Der zweite Blick

In diesem Fall hat die Propaganda bei den denkenden Betrachtern aber nicht geklappt. Denn der Mann auf dem Foto hört ja auf und wird nicht als Beispiel gezeigt für jemand, der freiwillig länger als 65 arbeitet. Welches Altersbild soll also vermittelt werden? Eigentlich doch, dass man nicht früh genug in Rente gehen kann. Dies alles ist aber nur auf den zweiten Blick erkennbar. Und dieser Blick wird meistens nur von einer kleinen Minderheit genutzt.

Übrigens finden Sie einen Hintergrundbericht zur neuen politischen Propaganda mit Fotowettbewerben und dem Thema Arbeit und Alter hier.

Es lohnt sich sehr, sich alle Gewinner anzuschauen und auch diejenigen, die keine Gewinner sind.

  • Warum sind sie es nicht geworden?
  • Was vermitteln die Bilder?
  • Worin besteht der Unterschied zwischen den Bildern, die das Publikum gewählt hat und denen, die die Jury gewählt hat?

So bietet das digitale Zeitalter auch der politischen Propaganda durch Fotowettbewerbe gute Möglichkeiten, Themen im eigenen Sinne voranzutreiben. Es geht ja um die Verknüpfung. Die Fotos werden kostenlos vom Publikum geliefert und die eigenen politischen Aussagen werden damit dann direkt verknüpft.

Viele der Fotos sind interessant, sie vermitteln aber eben nicht, dass es gut sein soll, bis 67 zu arbeiten. Die Fotos haben in meinen Augen ganz andere Aussagen bzw. Informationen. Ein grosser Teil der Fotos, die ich gesehen habe, zeigt doch eher, dass man froh ist, endlich in Rente zu sein und etwas für die Gesundheit tun kann und Zeit für ein selbstbestimmtes Leben hat.

So muss man schon genau hinsehen, um festzustellen, dass die Verknüpfung der Bilder mit Inhalten politisch-propagandistisch erfolgte: „Fortschrittsreport bestätigt Fotowettbewerb.“

Wenn wir das Jahr 2012/2013 nehmen, dann sind es bis zum Jahr 2030 noch 17 Jahrgänge von Menschen, die, wenn Sie heute um die 50 sind, mit wachsenden Problemen kämpfen müssen, bevor sie dann mit 67 in Rente können. Knapp 20 Jahrgänge hintereinander werden zunehmend mehr Menschen mit sozialen Problemen hervorbringen, weil die Politik ihnen zu viel abnimmt und zu viel zumutet. Ob die sich das alles gefallen lassen?

Nun will ich hier diesen Artikel beenden – aber nicht ohne noch einmal auf ein Buch zu verweisen, damit deutlich wird, dass die Bilder in den Köpfen mit der Wirklichkeit in diesem Fall nicht übereinstimmen.

Vielleicht müsste man da was tun – und das dann fotografieren!

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