Monthly Archives: September 2012

Mit Amnesty Fotografieren lernen

„Wenn ihnen ein solcher Aktivist in die Hände fällt, fordert man ihn auf, seinen Facebook-Account zu öffnen, genauso den Skype- und den Email-Account. Man will alles wissen, was dieser Mensch im Internet geschrieben und zu wem er Kontakt hat..“ Eine spezielle Überwachungstechnik wurde übrigens von Siemens geliefert, wie das Fernsehmagazin FAKT im April dieses Jahres berichtete.“

Diese Sätze aus dem Artikel über Syrien von Larissa Bender „Teilen und überwachen“ zeigen exakt die Kehrtseite und Schattenseite der viel umjubelten neuen Technik.

Hier wird auch der Stellenwert von Meinungsfreiheit, sozialer Sicherheit und Grundrechten sehr deutlich. Diese drei Elemente sind entscheidend und bisher nur in Demokratien verwirklicht.

Doch dieser Artikel ist nicht nur sehr wichtig und informativ. Er ist auch Teil eines Magazins, des Amnesty Magazins 11/12 2012.

Und das hat es in sich!

Hier findet sich eine Sammlung aktueller Berichte rund um das Thema Fotografie und Menschenrechte. Dabei geht es weniger um das technische Wissen.

Soziale Zusammenhänge und Probleme engagierter Fotografie sowie Erfahrungen von Fotografinnen und Fotografen stehen im Mittelpunkt.

Das Amnesty Magazin ist ein aktuelles zeitgeschichtliches Dokument über Dokumentarfotografie. Und es hat einen hohen Gebrauchswert.

„In unzähligen Fällen haben Fotografien dazu beigetragen, dass Menschenrechtsverletzungen in Krisenregionen ein konkretes Gesicht erhielten.“ So ein Satz aus dem Artikel von Ute Wrocklage und Daniel Veit in dieser Ausgabe.

Und hier ist genau die andere Seite der Medaille zu sehen. Sonst schreibe ich gerne über das Recht am eigenen Bild. Aber in Staaten, die die Menschenrechte mit Füßen treten kann das Recht am eigenen Bild kein Menschenrecht für die Menschen sondern gegen die Menschen sein. Denn in solchen Regionen und Ländern sind Fotos von Menschen wichtig z.T. sogar als Schutz vor Attacken.

Deshalb ist es wichtig, dass engagierte dokumentarische Fotografie in Nicht-Demokratien die Menschen und ihr Verhalten zeigt (meist mit deren direkten Einverständnis).

Zu Ende gedacht könnte sich sonst ein Mörder darauf berufen, dass er ja ein Recht am eigenen Bild habe und daher nicht bei seiner Tat fotografiert werden dürfe.

Gesetze sind eben auch abhängig von Umständen. Das geht nach dem Motto, wo Recht zu Unrecht wird …

Die Fotografie hat hier eine sehr politische und engagierte Aufgabe.

Wayne Minter erläutert in einem Interview, wie und warum welche Fotos für Amnesty wichtig sind. Ein Satz daraus lautet:

„Amnesty setzt Bilder für Menschenrechte und gegen Menschenrechtsverletzungen ein.“

Dieses und vieles mehr ist in diesem gedruckten Magazin zu finden. Einige Auszüge daraus finden Sie hier (link nur begrenzt gültig).

Doch das ist noch lange nicht alles.

Dann kommt die andere Hälfte des Magazins mit aktuellen Berichten zu Menschenrechten und anderen Themen von Deutschland bis Simbabwe.

Dort finden wir aktuelle Fotos, die zeigen, wie Menschenrechtsverletzungen ein Gesicht bekommen. Es ist beeindruckender Fotojournalismus und hier besteht die Chance, daraus zu lernen. Denn diese Fotos sind ja erfolgreich sonst würden sie hier nicht abgedruckt und sie sind entstanden und haben einen Aufbau und einen Ausdruck.

Das Magazin ist in meinen Augen rundherum thematisch und fotografisch lesenswert und aufbewahrenswert. Denn in solch einer Fülle und Dichte findet man so etwas nur sehr selten.

Es lohnt sich wirklich und man kann es kaufen.

Übrigens kann man bei Amnesty auch mitmachen

 

 

Strassenfotografie = Strassenüberfall?

Foto: Michael Mahlke

Eine Meinungsäußerung – keine Rechtsberatung

Es gibt zunehmend Menschen, die verwechseln Fotografieren mit Überfallen. Sie scheinen eine Pistole und eine Kamera gleichzusetzen.

Es wird in Deutschland zwischen materiellen und immateriellen Gütern unterschieden.

Wenn ein Räuber einen Überfall mit einer Pistole auf der Strasse begeht und mir meine materiellen Güter wegnimmt oder ein Fotograf/eine Fotografin mich ungefragt fotografiert und mir immaterielle Güter wegnimmt – wo ist da der Unterschied?

Der Räuber hat mir meine materiellen Güter weggenommen, der Fotograf hat mir meine immateriellen Güter weggenommen, in diesem Fall einen Teil meiner Persönlichkeitsrechte wie z.B. das Recht über Abbildungen von mir selbst zu verfügen.

Das gilt, wenn ich direkt erkennbar bin und Hauptteil eines Fotos.

Wenn ich nicht direkt erkennbar bin, dann sehe ich dies nicht so.

Denn es gibt auch eine Öffentlichkeit und einen öffentlichen Raum, der fotografisch genutzt werden kann.

Aber so?

Da eine oder mehrere Abbildungen von mir gemacht wurden, auf denen ich direkt erkennbar bin und ich deren Gebrauch nicht kontrollieren kann, ist dies meiner Meinung nach eine Verletzung meiner persönlichen Rechte.

Zudem können diese ohne Erlaubnis und unter Verletzung meiner Rechte erstellten Abbildungen materiell, immateriell und illegal ohne mein Einverständnis genutzt werden.

Man kann mir meine Uhr klauen, aber wenn man Fotos von mir ohne Einverständnis macht und woanders nutzt, dann klaut man mir sogar noch meine Anonymität und erweckt eventuell Eindrücke, die nicht stimmen!

Das ist neu und hat eine andere Qualität.

Da wir in einer neuen Zeit leben, die in einer Demokratie die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen wie die Selbstbestimmung über die eigenen Daten (wozu gerade heute auch Fotos gehören) zu recht wichtig nimmt, wäre zu fragen, ob Strassenfotografie den Tatbestand des Datendiebstahls erfüllen kann und ab wann die Verletzung der Persönlichkeitsrechte erfolgt nach deutscher Rechtsauffassung?

Zudem wäre zu fragen, ist es ein Akt der Gewalt, denn dies erfolgt gegen meinen Willen?

Und das Gewaltmonopol liegt bei uns allein beim Staat.

Eine anderer Fall ist es, wenn es um die öffentliche Berichterstattung von Ereignissen geht.

Was wann öffentlich ist, das ist dann die Frage.

Und Strasse allein ist keine Öffentlichkeit!

Wer Stockphotos verkaufen will mit erkennbaren Personen, der muß bei einigen Agenturen für jedes Foto ein Model-Release vorlegen, bevor das Foto freigeschaltet wird – warum wohl?

Ich empfehle in diesen Fällen immer das Buch von Wolfgang Rau. Dort findet man gute Orientierung.

Übrigens gilt das auch für Drohnen und fliegende Kameras. Wer glaubt mit einer Drohne einfach mal so Grundstücke und Strassen überfliegen und aufnehmen zu können, der sollte nicht an den Falschen geraten.

Aber es gibt ja fotografische Lösungen, die das Konfliktpotential fast völlig minimieren und den Spass am Fotografieren erhöhen.

Wer nach  den 5 Sterne-Kriterien der Strassenfotografie vorgeht, trainiert sein fotografisches Können und hat diese Probleme dann auch eher nicht.

Und wer 5-Sterne Fotografie betreibt, der hat noch einen ganz grossen Vorteil.

Er gibt der neuen Gesichtserkennungssoftware keine Chance. Das kann sich in Zukunft noch als sehr nützlich erweisen.

Darüber hinaus haben meine hier niedergeschriebenen Gedanken noch eine große Einschränkung.

Das alles gilt nämlich nur dort, wo es das Recht am eigenen Bild gibt und der Sinn des Ganzen nicht verdreht wird.

Was meine ich damit?

Wo gefoltert würde, wäre es richtig, Folteropfer und Täter erkennbar zu fotografieren, um die Folter belegen zu können.

Dazu finden Sie hier mehr.

Text 1.3

 

Perlen der Photokina – Orte der Lust zwischen Leica und Lomography

Die Photokina gefällt mir dieses Jahr besser. Sie ist irgendwie aufgelockerter und es gibt viele Ausstellungen an vielen Orten in vielen Hallen. Die Partner der Ausstellungen sind Druckerhersteller, Papierhersteller, Kamerahersteller und viele Vereine, die wiederum unterstützt werden von Druckerherstellern, Fotobuchherstellern, Kameraherstellern etc.

Daneben gibt es ein gutes Vortragsprogramm. Die Auswahl ist riesig.

Ich habe mir den Vortrag von Georg Banek angehört zum Thema „Aus Fehlern lernen…“

Grundehrlich und dadurch sympathisch und unter Anwendung der 80:20 Regel. Der Vortrag war gut, die Inhalte auch.

Banek sagte auch, dass man viele Fotos machen solle, denn sie kosten ja nichts mehr im digitalen Zeitalter. Das war der Moment als ich aufspringen wollte und am liebsten gesagt hätte, doch Lebenszeit! Aber ist nicht das Fotografieren ein schönes Ausfüllen von Lebenszeit. Ich blieb sitzen und denke da noch mal drüber nach…

Einen Vortrag zum Thema wie man erfolgreich wird mit der Fotografie habe ich nicht gefunden. Aber das liegt daran, dass es da weniger auf die Fotos ankommt als auf die Verbindungen.

Was ich gefunden habe war eine Messe, die auch als Quelle vielfältiger Inspirationen dienen kann.

Vielleicht bin ich gerade stark von Neptun beeinflusst. Aber mein Weg führte mich immer wieder an Orte, die ich als energetisch und fotografisch gut empfand.

Es war die grosse Ausstellung von Leica und es war die Welt der Lomografie. Daraus schloss ich dann auch, dass es eben meistens weniger auf die Fotos und mehr auf die Verbindungen ankommt.

Die Leica-Galerie zeigte viele Fotos von prominenten Fotografen. Mir gefiel der gesamte Aufbau sehr gut. Stringent, klar, mit viel Luft, eindeutig und kreisförmig. Alles rund um einen Gursky positioniert, so dass die mediale Fotoprominenz und die Investitionsobjekte gut zusammenkamen.

Bei Lomo gab es keinen Gursky aber eine wunderbar kreative Werkstatt für das Erstellen, Riechen, Fühlen und Kleben von Fotos. Der Kontrast zu Leica wie Yin und Yang. Nur beides zusammen kann funktionieren. Dazwischen und darin war die Welt, die die Fotografie zusammenhält.

Ich habe mir erlaubt, einige wenige Momente digital festzuhalten, lomografisch zu bearbeiten und als Photokina-Fotokunst, leiloart, hier vorzustellen, um auf diese sehr schöne Situation fotografisch aufmerksam zu machen.

 

In meinen Augen zeigt die Photokina das neue visuelle Leben der Menschen in allen Kulturen. Fotografieren ist eben keine Frage des Geldbeutels mehr. Nur wenn man Geld damit verdienen will, dann kommt es darauf an, was die Zielgruppen an Technik erwarten.

Die Verlagerung vieler Tätigkeiten aus dem physischen in den digital-virtuellen Bereich schreitet dabei fort. Ein Beispiel: Ich fotografiere am liebsten Porträts mit einer Nikon D90 und einem Sigma 50-150 Objektiv. Das Objektiv ist relativ weich bei den Aufnahmen und dadurch besonders gut für Porträts geeignet. So werden die Porträts fast immer schön ohne viel Nachbearbeitung.

Heute nehme ich manchmal andere Kameras und Objektive, die „detailreichere“ und schärfere Fotos machen. Das führte jetzt dazu, dass ich ein sehr detailreiches Porträt hinterher mit einem digitalen Filter wieder weicher zeichnete, damit die Schönheit des Gesichtes auch voll zur Geltung kommt.

So ist die Welt.

 

Perlen der Photokina – Die begehbare Kamera in Köln

Am Montag stand sie noch vor dem Dom, heute fand ich sie in einer  Halle  auf der Photokina wieder, die begehbare Kamera von Imago. Mit 7 Metern ist die Imago 1:1 die größte begehbare Kamera der Welt. Sie steht in Berlin-Kreuzberg.

Die verkleinerte Version dieser Kamera stand vor dem Dom und jetzt auf der Photokina.

Diese Kamera und noch kleinere Kameras, die nach demselben exklusiven Prinzip arbeiten ohne Negativ, sind aktuell in Köln zu finden.

Denn auf der Photokina zeigen Studentinnen der Design Akademie Berlin ihr Projekt zu diesem Thema.

Vereinfacht gesprochen: Die Kamera hat auf jeder Seite ein Loch und in der Mitte eine Rundung um die das Papier kommt. Dann werden alle vier Löcher geöffnet und es entsteht eine Aufnahme mit quasi 360 Grad.

Man sieht auf den Fotos eine kleine Kamera,  welche nach diesem Prinzip arbeitet.

Anastasia Ersova

Anastasia Ersova und ihre Fotos mit der kleinen Imago – Foto: Michael Mahlke

 

Anastasia Ersova, die Kommunikationsdesign studiert,  zeigte mir ihre Fotos, die sie mit der kleinen Ausgabe der Kamera gemacht hat.

 

Damit holen die Studentinnen und Studenten die Vergangenheit der Fotografie zurück in die Zukunft – zumindest ist diese Art des Fotografierens ein Teil der Gegenwart auf der Photokina 2012.

 

Und das gefällt mir so sehr, dass die Studentinnen und Studenten für mich die Perle des Tages auf der photokina sind.

 

 

 

Perlen der Photokina – Das Fotografenwiki

Foto: Michael Mahlke

Heute traf ich Herrn Walter G. Müller auf der Photokina.

Herr Müller ist von der Arbeitsgruppe Foto-Historie. Diese baut gerade ein Fotografenwiki auf, ein Lexikon, das nicht abgeschlossen ist sondern mit dem Wissen der Benutzer wächst. Hier geht es um das Thema Fotografinnen und Fotografen. Heute werden immer mehr Fotografinnen und Fotografen vergessen, weil man nichts mehr über sie weiss. Wenn man Fotos mit ihrem Stempel findet, dann gibt es keinen Ort, an dem man nach ihnen suchen kann. Das ändert gerade diese Arbeitsgruppe.

„Das FotografenWiki ist eine frei zugängliche Internet-Plattform der Arbeitsgruppe ´Foto-Historie´, die eingerichtet wurde mit dem Ziel, die Lebensdaten von Fotografen bzw. fotografisch wesentlich in Erscheinung getretenen Persönlichkeiten darzustellen, also eine virtuelle Sammlung von Fotografen-Viten anzulegen.

Anders als bei den derzeit gängigen fotografischen Speziallexika und Enzyklopädien sollen nicht die  ´hundert berühmtesten´, ´1.000 größten´ oder ´250 bekanntesten Fotografen der Gegenwart´ aufgenommen werden, nicht in erster Linie jedenfalls, denn solche finden sich in der bereits vorhandenen einschlägigen Fachliteratur bzw. in der Universal-Plattform Wikipedia (zu welcher jedoch Verlinkungen vorhanden sind) zur Genüge.

Hier soll Raum geschaffen werden für die zum Großteil vergessenen oder verkannten Lichtbildner – der Begriff ist hier weit zu fassen – des 19. bis 21. Jahrhunderts, die Großes, Interessantes oder Relevantes für ihre Zeit geleistet haben und in keinem Lexikon auftauchen.“

Foto: Michael Mahlke

Es ist ein kleines Projekt gegen das Vergessen der stillen und nicht prominenten Menschen, die fotografisch tätig waren.

Das Projekt Fotografenwiki ist unter www.fotografenwiki.org schon online und hat schon mehr als tausend Einträge. So klein ist es also gar nicht. Es ist also ein Projekt, das mit viel Engagement läuft.

Und als ich es heute auf der Photokina entdeckte, da dachte ich mir, das ist die Perle des Tages auf der Photokina.

 

 

 

 

Es beginnt eine neue ZEIT oder warum Sie als Reporter ein Iphone brauchen …

Foto: Michael Mahlke

– wenn Sie bei Zeit Online arbeiten wollen.

Das Mediummagazin hat ein Interview mit Wolfgang Blau geführt. Er ist Chef von Zeit Online.

Und in dem Interview gibt es eine Stelle, bei der er etwas sagt, von dem ich nicht weiss, ob es Marketing oder einfach so gemeint ist: „Redakteure, die sich bei uns bewerben, müssen erst einmal gutes, klassisches Handwerkszeug mitbringen. Darüber hinaus müssen sie im Umgang mit den gängigen Social-Media-Tools versiert sein. Dass Redakteure auch einfache Video- und Audioclips aufnehmen, ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Technische Basis dafür ist bei uns inzwischen das iPhone, mit dem die Kollegen ja auch privat filmen. Ab hier beginnt dann die Individualisierung.“

Wer sich bei Zeit online bewirbt, muss also ein Iphone haben oder dieses beherrschen können.

Das ist ein wunderbarer Satz, denn er zeigt die Frage der sozialen Gebrauchsweise eines technischen Gerätes auf klare Art und Weise und geht weit darüber hinaus.

Denn damit ist zugleich ein technischer Standard für das Web formuliert für Audio und Video und wahrscheinlich auch für die Fotografie (im Web?).

Das Iphone wird damit zum Massstab für das Handwerkszeug vor Ort von Journalisten und es wird der technische und soziale Standard. Es wird damit auch zu einem Aushängeschild.

Hast du ein Iphone, dann kannst du auch Reporter werden, könnte man sagen.

Interessant finde ich, dass hier eine so klare Festlegung erfolgt. Denn wenn dies zur Sicherung eines Workflows dienen sollte in der Redaktion, dann hat diese Festlegung sicherlich Folgen.

Nun ist die Zeit online kein Leitmedium, weil es online kein Leitmedium gibt. Aber für die Artikel und Online-Publikationen ist ein Standard definiert worden, der journalistisch auch viel aussagt.

Zugleich sagt dies auch etwas aus über die Reporterkreise der Zeit. Ich habe ein Iphone, also bin ich – dabei.

So wird das Iphone selbst ein Stück Statussymbol einer Berufsgruppe. Umgekehrt ist damit diese Berufsgruppe nicht mehr besonders weit von anderen entfernt, denn somit kann jeder mit einem Iphone Reporter werden, wenn auch nicht immer bei der Zeit.

Damit beginnt eine neue Zeit im Journalismus, deren aktuelle technische Webstandards klar sind und die es ermöglichen, guten Journalismus mit einem einzigen Gerät umzusetzen, bei Zeit online oder woanders im Internet. Da sind nämlich noch Plätze frei.

Was ich mich aber abschliessend noch frage, ist etwas anderes. Ich stelle mir die Frage, ob bei Herrn Blau sich auch Journalisten mit einem Iphone bewerben können, wenn sie schon über 50 sind. Denn diese müssen dank der herrschenden Gesetzeslage dann ja auch noch 17 Jahre arbeiten.

Wenn Herr Blau diese einstellt wäre das Iphone nicht nur ein Arbeitsgerät und ein Statussymbol sondern auch ein Hoffnungsschimmer.

Nachtrag am 29.11.2012:

So schreibt heute Frank Schirrmacher auf faz.net: „Der Kollege Wolfgang Blau etwa, Chef von „Zeit Online“, der dort niemals auch nur eine halbschwarze Zahl schrieb, aber von der Marke lebte, deren materiellen Grundlagen er permanent in Frage stellt, reist nun durch die Lande als Wiedergeburt des Neoliberalen: Der Markt hat entschieden, sagt der hochangesehene Mann, der ein praktisch weltweit funktionsunfähiges Marktmodell vertritt: Wir müssen damit leben, dass ganze Branchen und Berufe untergehen.“

 

 

Welchen Zweck hat eine Kamera? – die fotografische „Klassen“-Fahrt

Auf dem Weg zur Photokina – Foto: Michael Mahlke

Neue Kameras schlüpfen aus den Eiern der Kamerahersteller

Nun ist es soweit. Überall vor der Photokina schlüpfen neue Kameras aus den Nestern der Kamerahersteller.

Um mich der Frage dieses Artikels anzunähern möchte ich ein Zitat als Einstieg in meine gedankliche Argumentation nehmen.

 

Das Zitat beginnt mit den Worten: „Wenn die X100 die Leica des armen Mannes ist, dann sieht die RX1 aus wie die Leica der Mittelklasse…..“

 

Es stammt von cnet.com:

„If the X100 is the poor man’s Leica, than the RX1 looks like the middle-class man’s Leica. Do I think Sony can achieve great photo quality with it? Yes; all the pieces are there. And it looks especially yummy if you like street shooting. Do I want to try it? Hell yeah. But for $2,799, especially for a first-generation model, as a potential buyer I’d expect a little more.“

Und damit bin ich schon beim Thema dieses Artikels.

 

Welchen Zweck hat eine Kamera?

Eigentlich ist eine Kamera dazu da, um Fotos zu erstellen nach den Einstellungen des Bedieners, sprich der Fotografin oder des Fotografen.

Das ist in meinen Augen der Zweck einer Digitalkamera.

Das Zitat läßt aber nach meiner Auffassung etwas anderes vermuten.

Es geht davon aus, dass es hier um Statusfragen geht. Die Kamera soll in erster Linie Symbol für eine bestimmte Klasse sein (soziologisch oder marxistisch?).

Damit wären (und sind) wir dann natürlich mitten im Thema der sozialen Gebrauchsweisen von Digitalkameras gelandet.

Wohlgemerkt von Digitalkameras und nicht von Fotos!

Die Frage der sozialen Gebrauchsweise von Fotos ist eine andere Frage als die Frage der sozialen Gebrauchsweise von Digitalkameras.

 

Zwischen Zweck und Gebrauch

Der Zweck einer Digitalkamera, das Erstellen von Fotografien, tritt somit immer mehr in den Hintergrund.

Die Aussage des Autors impliziert auch nicht, dass die Leica die besten Fotos macht.

Sie impliziert dafür aber direkt, dass die Leica ebenso ein Statussymbol ist wie die Sony eines werden soll und die Fuji X100 eines ist.

 

Gebrauch statt Qualität?

Wenn man die Frage nach der Qualität der Fotos stellt, dann ist das ganze Thema anders.

Niemand kann sagen, dass die besten Fotos mit den teuersten Kameras gemacht werden.

  • Das würde erstens allen Wettbewerbssiegern widersprechen,
  • Es  würde die Kompetenz der gesamten Juroren und fotografischen Organisationen in Frage stellen und
  • Es würde zudem einen Massstab definieren für gute Fotografie, der allgemeingültig ist ohne objektive Belegbarkeit. Gut ist aber subjektiv.

Daher ist der Ansatz, der durch PR und Marketing in meinen Augen mittlerweile in die Köpfe eingepflanzt werden soll oder wurde, ein anderer: die Klassenzugehörigkeit als Verkaufsargument.

 

Sind Kameras in Handys klassenrelevant?

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dies alles auf dem riesigen Massenmarkt der Handys und Smartphones nicht oder noch nicht so eine große Rolle spielt.

Dort kann man sich sein Handy zwar vergolden lassen und mit Diamanten besetzen lassen, aber die Technik ist im Prinzip für alle erschwinglich.

Und die Kamerafrage ist auch ganz praktisch gelöst.

Heute wissen wir laut den Ankündigungen, dass Apple im Iphone 5 keine bahnbrechend neue Kamera eingebaut hat sondern im Prinzip bei der alten Kamera geblieben ist. Zugleich hat Nokia in meinen Augen zwar die mit Abstand aktuell wohl beste Kamera im  Nokia 808 Pureview verbaut, aber der Rest des Handys ist nach der Einschätzung vieler Nutzer durch das Betriebssystem nicht besonders gut im Vergleich zu den Wettbewerbern, allen voran Samsung. Und die neuen Nokia Handys haben dann die Superkamera aus dem 808 nicht eingebaut.

So ist hier der Zweck der Kamera eindeutig weniger fotografischer Natur sondern die Kamera hat nur einen eher praktischen Wert. Und da reichen eben die von den Herstellern eingebauten Geräte aus.

 

Eher modisch als monetär

Man könnte daraus auch schliessen, dass Handys sich nicht mehr so gut für Klassenzugehörigkeit eignen sondern eher für Gruppenzugehörigkeiten, die weniger monetäre als modische Massstäbe anlegen.

Wenn man zurückkommt zu der Frage, welchen Zweck eine Kamera hat, dann ist die Antwort für mich klar.

Damit will ich gute Fotos machen.

Und die sind auch mit den meisten Kameras möglich, die hier nicht erwähnt worden sind und viel weniger kosten.

Oder sie sind eben auch mit den eingebauten Kameras in Handys und Smartphones möglich.

Da diese für die meisten fotografischen Zwecke ausreichen und mittlerweile sogar kunstfähig werden, brauche ich darüber hinaus aus fotografischen Gründen eigentlich kaum noch eine zusätzliche Kamera.

(Es gibt noch andere Gründe für Kameras statt Handys wie z.B. der optische Sucher, aber ich möchte hier einfach bei der Hauptargumentation bleiben und verkürze daher darauf.)

Es sei denn, die Kamera hat einen anderen Zweck, der jenseits der Fotografie liegt.

Wenn die Kamera nämlich als Statussymbol dienen soll.

Und dann sind wir da, wo dieser Artikel angefangen hat.

Aber das ist dann keine fotografische Frage mehr sondern eine Frage der kulturellen Konvention und der soziologischen Einordnung: welche Kamera gehört zur Oberklasse, zur Mittelklasse oder zur Unterklasse – wenn es das denn so gibt?

Da wünsche ich auf und nach der Photokina viel Spass auf der „Klassen“-fahrt!

Text Version 1.1