Monthly Archives: Juli 2012

Wann ist eine Digitalkamera eigentlich „alt“?

In dem Film „Kaufen für die Müllhalde“ zeigen die Autorinnen und Autoren am Beispiel eines Druckers, wie ein gutes Produkt zum Müll wird.

Hier geht es zwar nicht um Drucker sondern um Digitalkameras.  Aber in in diesem Jahr sind hunderte von neuen Kameras auf den Markt gekommen und im Herbst steht sogar noch die Photokina vor der Tür mit noch mehr Neuerungen.

Angeregt durch den Film möchte ich daher die Frage stellen, was heute unter „alt“ verstanden wird.

Produktlebenszyklus

Im Film empfehle ich besonders ab der 40. Minute zu schauen. Dort geht es um den Produktlebenszyklus, den der Auftraggeber bestimmt. Und ab der 55. Minute wird der ganze Elektroschrott als sog. „Gebrauchtwaren“ in die dritte Welt exportiert.

Was hat das nun mit „alt“ zu tun?

Eine Menge in meinen Augen. Meiner Erfahrung nach sind ältere Digitalkameras weniger als Lifestyleprodukte und mehr als dauerhaft technische Geräte konstruiert worden. Das hat sich vielleicht z.T. mittlerweile geändert.

Früher war eine analoge Kamera und später eine Digitalkamera „alt“, wenn sie kaputt war. Heute ist eine Digitalkamera „alt“, wenn ein neues Modell auf dem Markt ist.

Mit dem Zweck der Kamera – dem Fotografieren – hat das dann eigentlich nichts mehr zu tun.

  • Als die älteren Kompaktkameras durch neuere ersetzt wurden, fehlte fast überall der optische Sucher. Für mich waren damit die neueren Kompaktkameras schlechter als die älteren Digitalkameras.
  • Durch die Nutzung neuer Verbindungstechniken ist vieles nicht mehr so dauerhaft wie früher

Ältere Digitalkameras sind daher nicht automatisch schlechter als neue Modelle, sie sind anders. Deshalb sollte man sich immer wieder die Frage stellen, ob sich ein Neukauf lohnt.

Das Neue ist der Feind des Guten

Offenkundig ist es also falsch, „alt“ mit schlechter und „neu“ mit besser zu verwechseln. Vielmehr kommt es darauf an, was ich wofür brauche.

  • Wer im Vollformat im absoluten Lowlight bewegte Objekte ohne Blitz fotografieren will, der braucht mehr als die alte Canon EOS 5D. Wer aber mit Stativ fotografieren will oder tagsüber, der braucht keinesfalls mehr.
  • Aktuell erleben wir ja die Wiedergeburt der 2/3 oder 1 Zoll Chips in Kompaktkameras. Die gab es schon einmal. Wer z.B. noch eine Nikon Coolpix 8400 hat, der kann damit ebenso gute Fotos machen wie mit neueren Kameras.
  • Zudem haben wir als Menschen biologische Grenzen, die immer mehr Megapixel sinnlos erscheinen lassen

Aber es gibt bei dieser Frage noch eine Dimension, die Handydimension.

Die Handydimension

Seit 15 Jahren benutze ich Handys und früher bekam man ja alle zwei Jahre ein neues Handy von seinem Provider. Alle meine alten Handys funktionieren noch. Nicht eins ist bis heute kaputt.

Die neuen Handys sind Lifestyleprodukte, die dann als gut bewertet werden, wenn sie noch größere Displays, noch leistungsfähigere Prozessoren und noch bessere Digitalkameras und Klangqualitäten haben. Wie lange halten diese Handys wohl durch?

Da gerade die Digitalkameras in den Handys immer besser werden (braucht man das?), ist die Überlegung angebracht, wie viel denn ein solches Handy kosten soll, wenn es sich um ein nicht für lange Haltbarkeit konstruiertes Lifestylemodell handelt.

Bei Lifestyleprodukten scheint es ja entscheidend, dass sie neu sind.  Es ist eben technische Mode. Daher werden die Antworten unterschiedlich ausfallen, je nach Geldbeutel und Interesse.

Und es kommt offenbar auf den Gebrauchswert an. Will ich es gebrauchen, weil es funktioniert oder will ich es gebrauchen, um Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren? Das beeinflusst Kaufentscheidungen.

Alt ist also nicht dasselbe wie früher. Damit ist eigentlich heute alles „alt“ und nur noch das gerade Neueste nicht. So leben wir denn in einer technisch und sozial völlig alten Welt, wenn man es aus dieser Warte sehen will – muß man aber nicht.

In diesem Sinne

Neue Fotografie – reicht zukünftig die Handy-Qualität als Standard für Medien?

M. Mahlke

M. Mahlke

Wenn man einen sehr interessanten Artikel bei heise.de gedanklich weiterdenkt, dann reicht zukünftig ein Iphone, ein Samsung, ein Nokia oder anderes Handy, um Reportagefotos von Kriegsschauplätzen und „Fotokunst“  zu erstellen, zu verkaufen und damit sogar Ausstellungen zu machen.

Die aktuelle Aufnahmequalität von Handys

Die Bildaufnahmequalität des Samsung Galaxy S3  und des Iphone 4 und der Iphones und einiger Kameras wurde ja schon mehrfach getestet, wobei nicht alle Tests echte Tests sind. Und die schiere Zunahme an Handyfotos, die auch dokumentierbar ist, tut ihr Übriges.

Allerdings hat die Kameratechnik im Nokia Pureview 808 das Zeug dazu, ernsthaft ein Handy mit dieser Technik für bestimmte (nicht alle) fotografische Zwecke zu nutzen, zumal es besser als die Lumix LX5 zu sein scheint.

Beispiele für die Qualität der Fotos habe ich hier gefunden, einen Vergleich zwischen dem Galaxy S3 und dem Nokia 808 Pureview hier und einen Vergleich mit einer Olympus Pen hier.

(Nachtrag: Jetzt hat auch dpreview einen Vergleich mit Digitalkameras online, der sehr gut ist.)

Dabei kann man in den von mir verlinkten Quellen sehen, dass die Bildqualität der eingebauten Kamera für ein Smartphone hervorragend zu sein scheint und besser als bei vielen Digitalkameras, aber die Telefoneigenschaften von anderen Smartphones z.T. als besser beurteilt werden. Ich finde z.B. nach dem Anschauen des Videos mit dem Vergleich zwischen dem Samsung Galaxy S3 und dem Nokia 808 Pureview, dass das Betrachten von Webseiten auf dem Samsung wesentlich besser gelöst ist.

Fototherapie

Doch zurück zum Artikel. Der Artikel ist eigentlich ein Interview, das Daniela Zinser für seen.by geführt hat (und welches dann Jobst H- Kehrhahn? in einen Artikel gegossen hat).

Der Artikel beschreibt den Tod von Kriegsreportern, das Überleben und das Iphone als Halt in einer psychologisch schwierigen Situation. Und dann in der Folge die Fotos, die nun als Objekte und eventuell als Verkaufsprodukte eine Rolle spielen.

Fotografie kann eine gute Therapie sein, wie ich schon an anderer Stelle ausgeführt habe und ich denke, dass es sich hier um ein Musterbeispiel für eine Fototherapie handelt.

Zugleich ist aber die Wirkung der Fotos erstaunlich hoch. Im Museum of Fine Arts in Houston gibt es damit eine Ausstellung und seen.by als Unternehmen, das Fotokunst verkauft, engagiert sich offenkundig stark in diesem Bereich.

Ziemlich abenteuerlich finde ich aber folgende Aussage aus dem Artikel des Fotografen Brown: „Es (das Iphone) ist weniger im Weg und man ist freier, auch wenn die iPhone-Kamera viel langsamer ist als die andere, weil man mit Hipstamatic nur neun Fotos machen kann bevor man ein paar Minuten warten muss, während Hipstamatic alles verarbeitet. Man muss sich stärker überlegen, warum und was man fotografieren will, und weniger, wie man es technisch machen will.“

Wegen der Hipstamatic Software muss man sich überlegen, warum und was man fotografieren will – nicht wegen des richtigen Motivs oder des richtigen Moments?!

Das ist eben neues Denken. Dies muss man anerkennen aber nicht übernehmen und damit weiter im Text.

Handyfotos als Objekte für Kunst und Kapital?

Wenn ich nun den Gedankenkern des Artikels verlasse und nach vorne blicke, dann wird gerade ein neues Kapitel im Buch der professionellen Fotografie und der Fotokunst aufgeschlagen. Wenn man das zu Ende denkt, dann ist es Fakt, dass ein Handy und ein kleines Softwareprogramm, welches automatisch arbeitet, ausreichen, um zunehmend erfolgreich in Bereichen des Marktes professioneller Kameraprodukte zu sein.

Und das hängt dann weniger an den bisherigen professionellen Produkten, die technisch zweifellos sehr gut sind, sondern vielmehr an geänderten Ansprüchen und Interessen.

Wenn z.B. statt besserer Technik mehr Lifestyle gefragt ist und heute die Technik vielfach ihren Grenznutzen kaum noch erhöhen kann, dann wird es eben schwierig. Und niemand braucht Handschuhe für sieben Finger, wenn er nur fünf Finger hat.

Ich möchte dies aber noch an einem anderen Beispiel zeigen.

Linke Hand und rechte Hand

So gut wie alle Kameras sind für die Bedienung mit der rechten Hand ausgelegt. Eigentlich alle Handys können mühelos mit der linken und mit der rechten Hand bedient werden. Alle Linkshänder sind also systematisch jahrzehntelang von der Kameraindustrie ausgegrenzt worden. Bei den Handys nie. Und nun werden die Bilder durch neue Sensoren in den Handys immer besser….

Der Markt bestimmt ?!

Wenn wir mal das Vokabular der Deregulierer nutzen, dann würde ich davon sprechen, dass der Markt bestimmt, was als Qualität gilt und was nachgefragt wird (wobei dies bitte niemand ungefragt übernimmt!).

Deshalb ist es offenkundig so, dass die Masse an Fotos und die Tyrannei des Augenblicks mit ihrem abnehmendem Grenznutzen auch den Umgang mit Fotos verändert.

So setzt sich  dieses Thema fort und wird neue soziale und visuelle Gebrauchsweisen im Alltag und im Bereich von Fotografie als Ware etablieren.

Das Projekt Fotomonat dient dazu, die Phase des Übergangs zu begleiten und die Veränderungen der Fotografie von der analogen Technik und ihren Gebrauchweisen bis zu den digitalen Techniken und ihren Gebrauchsweisen aufzuzeigen. Daneben entsteht nun eine neue digitale Welt.

Zwischen Fotomonat zum Filtermix

Da enden dann die Themen von Fotomonat mit der klassischen Fotografie. Die neuen Trends der nächsten Jahre erfordern neue Wege.

Wenn man analog und digital denkt, kann man es so einteilen:

  • Aufnahmen sind mit technischen Geräten festgehaltene Inhalte.
  • Fotografien sind gestaltete Aufnahmen.
  • Bilder sind der Oberbegriff. Das können  Fotografien,  Grafiken und Malereien sein, also im Prinzip alles, was irgendwie erstellt wird, analog und digital.

Wenn man digital denkt, gibt es gute Gründe

  • als absoluten Oberbegriff die Grafik zu nehmen und alles darunter als verschiedene Formen von Grafiken,
  • erstellt als Foto,
  • erstellt als digitale Malerei = Bild,
  • erstellt als Logo.

Abgesehen davon wird sich die Begrifflichkeit sowieso noch weiterentwickeln. Und überall wird digital gefiltert, während der Produktion der Fotos ebenso wie danach.

Das Wort Foto wird zudem für alles eingesetzt werden, was aufgenommen wird. Aber dennoch lohnt es sich, Begriffe auch differenziert zu analysieren, weil es faktisch ja Unterschiede gibt, die dann auch ein entsprechend differenziertes Vokabular benötigen.

Der wachsende Trend

Und ein wachsender und immer stärker werdender Trend sieht so aus:

  • neben guten Büchern kommen immer mehr Buch-Apps für Handys und Smartphones,
  • neben Fotos mit persönlicher Note und digitaler Handschrift treten immer mehr Handyfotos mit automatisierter Bearbeitung,
  • und die sozialen Gebrauchsweisen wenden sich diesem Trend immer mehr zu, wie man auch hier sehen kann.

Es gibt einen wachsenden Anteil von immer mehr Menschen,

  • deren soziale Gebrauchsweisen,
  • deren visuelles Wahrnehmen und
  • deren fotografisches Verständnis sich dorthin entwickelt.

Meine persönliche Sicht

Es gibt immer parallele Welten, nur die dominierenden Trends wechseln.

Ich mag z.B. immer noch die Sucherfotografie und ein Handy mit Sucher gibt es nicht. Ich mag gute Sucherkameras wie z.B. die Fuji X100 und die Fuji X10 und ich habe gar kein Interesse daran, meine Sucherfotografie durch ein Handy abzulösen, weil schon das eigene Gestalten der Aufnahme mir gefällt.

Handys banalisieren

Ich persönlich finde auch, dass das Handy das Aufnehmen banalisiert in Fortsetzung des Monitors auf aktuellen Digitalkameras. Aber auch dies entspricht sicher nicht der Mehrheitsmeinung.

Doch die Zukunft gehört wohl mehrheitlich dem Hinhalten und Abdrücken und weniger dem vorherigen Hinschauen und Gestalten. Das meine ich aber nicht negativ sondern lediglich beschreibend. Menschen orientieren sich sowieso primär an Bildern und erst später an Texten.

Bilderkommunikation

Vor der Schrift gab es die Malerei und vor dem Text gibt es nun die digitale Aufnahme. So sind Bilder vom Handy heute der schnellste Weg der nonverbalen Kommunikation, schneller als jede SMS und schneller als jeder Text und wahrscheinlich auch jede verbale Kommunikation.

Man kann die Augen nicht davor verschliessen, dass die Massstäbe sich gerade verändern und erweitern. Das ist unübersehbar. Welche Auswirkungen dies alles auf Fotoagenturen und Magazine haben wird, werden wir sehen. Aber die zunehmende Integration in die Onlinemedien spricht für Veränderungen.

Alles wie früher

Für mich bleibt allerdings eine Erfahrung. Vor ein paar Jahren habe ich mit einem Sony-Ericsson Handy und einer 3,2 Megapixelkamera direkt Fotos online auf flickr hochgeladen. Ich konnte so massenhaft Fotos machen, aber es waren eben nie gestaltete Fotos. Sie waren so wie heute die Fotos in den Kameras auch noch sind.

Damals gab es noch keine Apps mit digitalen Filtern. Aber die hätten auch nicht viel genutzt. Und letztlich habe ich dies alles beendet, weil ich damit keine Fotos so hinbekam wie sie mir gefielen und weil die massenhafte Fotoproduktion weder sinnvoll noch befriedigend war. Das hat sich bei den heutigen Handys nicht geändert.

Gebrauchswert steigt

Nur wenn es um ganz praktische Fragen ging wie das Zeigen von Waren, Dokumenten – also der Gebrauchswert hoch war – machte dies alles Sinn. Aber hier ist dann schon der veränderte Anspruch an den Umgang mit Fotografie sichtbar, meinerseits und andererseits.

So endet dieser Artikel für mich mit der Frage: Wer fotografiert hat mehr vom Leben – ob das beim Handy noch gilt?

Text 1.3

 

 

Bildergalerie ja aber Haftung ausgeschlossen?

Ich habe bei 1und1 ein Hostingpaket. Nun gibt es im 1&1 Control-Center sogenannte Content-Module, die 1&1 kostenlos bereitstellt.

Darunter ist auch eine Bildergalerie mit aktuellen Fotos, die auf der Webseite gezeigt werden. Oh!, denke ich mir, das ist ja schön.

Bevor man diese nutzen kann, muss man den Nutzungsbedingungen zustimmen. Dort findet sich dann folgender Absatz:

„1&1 leistet keine Gewähr für die rechtliche Unbedenklichkeit der vermittelten Inhalte in Bezug auf Rechte Dritter (z.B. Namens-, Marken- und Urheberrechte), presse- und wettbewerbsrechtliche Zulässigkeit oder inhaltliche Aktualität und Richtigkeit des zur Nutzung bereitgestellten Contents. Ausschließlich der Kunde ist für die Beachtung presserechtlicher Sorgfaltspflichten verantwortlich. Sie haben insoweit 1&1 von der Inanspruchnahme durch Dritte freizuhalten und die Rechtsfolgen einer Rechtsverletzung im Innenverhältnis allein zu tragen.

Sollten Sie aus Rechten Dritter oder wegen vorgeblicher presse- oder wettbewerbsrechtlicher Unzulässigkeit oder wegen inhaltlicher Unrichtigkeit des zur Nutzung bereitgestellten Contents durch Dritte in Anspruch genommen werden, so sind Sie als Kunde gehalten 1&1 unverzüglich schriftlich zu informieren und sich hinsichtlich der Rechtsverteidigung mit 1&1 ins Benehmen zu setzen.

1&1 haftet nur soweit der 1&1 bzw. ihren Organen, leitenden Angestellten oder Erfüllungsgehilfen Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last fällt oder bei Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit. Soweit die Haftung ausgeschlossen ist, gilt dies auch zu Gunsten der Organe, leitenden Angestellten oder Erfüllungsgehilfen der 1&1.

Für die Nutzung der Content-Module gelten ergänzend die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der 1&1.“

Das hat was!

Du bindest dir die Bildergalerie ein und wenn da Bilder bei sind, die nicht lizensiert sind, dann darfst du das bezahlen?

Ich empfehle jedem, sich vor einem Einbinden mit 1und1 in Verbindung zu setzen und dies zu klären.

Ist das Nokia 808 besser als die Lumix LX5?

Die digitale Revolution scheint einen technischen Schritt weiter zu sein. Bei Cnet wurde ein Test veröffentlicht. In diesem Test schneidet das Nokia 808 Pureview bei ISO 1600 besser ab als die Panasonic Lumix LX5. Damit überholt erstmals ein Handy eine Spitzenkamera. Das dürfte nicht ohne Folgen bleiben.

Den Test und die Testfotos gibt es hier.

Technisch erhebliche Auswirkungen

Wahrscheinlich wird dies mittelfristig die Struktur der Fotoindustrie und der Handyhersteller verändern, weil der eine auf dem Markt des anderen sein wird.

Allerdings rechnet Fuji im EXR-Modus ja auch schon Pixel zusammen, so dass der Ansatz bei Nokia auch schon bei Fuji vorkommt. Erst wenn es ein Nokia 808 in einer Fuji X10 geben wird (als z.B. Nokia 808 X10) würde eine völlig neue technische Dimension entstanden sein. Das wird wohl noch dauern, zumal das 808 noch nicht einmal Android oder Windows Phone als Betriebsystem hat.

Im Immerdabeibereich wird sicherlich das Handy bessere Chancen haben, es sei denn, die Kamerahersteller entwickeln Verknüpfungen – aber selbst da ist dann das Handy dabei.

Sozial die Fortsetzung bisheriger Trend

Im Bereich der sozialen Gebrauchsweisen ändert sich weniger. Man kann nun die banalen Augenblicke in noch besserer Bildqualität festhalten und die Onlineberichterstattung für Journalisten und im Internet wird technisch noch schneller.

Es wird also tendenziell eher noch mehr Handyfotos und dafür weniger Kamerafotos geben. Aber insgesamt wird es noch mehr Fotos geben.

Wahrscheinlich weniger Fotos von den Dingen, bei denen man lieber wegschaut und noch viel mehr Fotos von den Dingen, bei denen man lieber hinschaut.

Immer weniger seriöse, tiefe und kritische Informationen

So bedeutet noch mehr Fotos vielfach nicht noch mehr seriöse journalistische Information sondern vielfach noch mehr pures Marketing. Und politisch wird von immer weniger immer mehr fotografiert.

Na ja, das wird die Fotomacher und die Handymacher weniger interessieren. Aber ich schreibe es auf, weil man mit den Handys eben auch anders fotografieren könnte.

In diesem Sinne  …

Nachtrag 31.07.2012: Nun gibt es auf dpreview auch ein Review des Nokia 808.

Vom entscheidenden Moment zur Tyrannei des Augenblicks

Warten auf den entscheidenden Moment - Foto: Michael Mahlke

Entdecken ist ziellos

Vieles braucht seine Zeit, auch im Denken. So wie man Impulse abgibt und nach Wörtern sucht, die die Erinnerung irgendwann zurückbringt, ist es auch mit Fragen.

Was hat sich verändert und welche Auswirkungen hat dies alles?

Um den entscheidenden Moment im Sinne eines Henri Cartier-Bresson einzufangen, bedarf es einer entspannten Aufmerksamkeit. Ohne Erwartung daran zu glauben ist die Kunst.

Oder wie einmal geschrieben wurde: „Die „ziellosen Entdeckungsspaziergänge“ der Surrealisten in den Straßen von Paris beeinflussten ihn. Peter Galassi erklärt dazu in seinem Buch „Henri Cartier-Bresson, The Early Work“ (Museum of Modern Art, New York): „Allein wandert der Surrealist in den Straßen umher, ohne Ziel, aber mit einer bewussten Wachsamkeit für das unerwartete Detail, das direkt unterhalb der banalen Oberfläche eine phantastische und unwiderstehliche Realität aufdeckt…“

10 Sekunden oder der abnehmende Grenznutzen

Das war einmal. Aber was hat sich verändert und vor allem, wie wird es weitergehen?

„Die Berichte der WAP-Nachrichten, derzeit der letzte Schrei im beschleunigten Journalismus, sind so lang, dass BILD dagegen wie Proust wirkt … Dennoch haben derartige Stragien aus bereits genannten Gründen die Tendenz sich durchzusetzen. Der Grenznutzen von Information fällt nach einer bestimmten Menge von Bildern oder Wörtern dramatisch. Während der ersten zehn Sekunden ist er ziemlich hoch, aber dann?“

Diese Worte stammen von Thomas H. Eriksen aus seinem Buch „Die Tyrannei des Augenblicks“. Eriksen gibt sich und uns dabei übrigens auch die Antwort auf die gestellte Frage.

Sie führt über folgenden gedanklichen Weg: „Bruchstückhafte Information zerstört Kontinuität.“ Und dann verweist er auf einen Zustand im Land NRW vor dem Jahr 2000. Dort entdeckte er nämlich, dass es Studenten gab, die „Vollzeit“ studieren wollten, und dies ist eine Ausnahme geworden. „Man studiert nicht mehr, sondern das Studium ist ein Punkt auf dem Progamm der Erfahrungen, die das Leben eines jungen, städtischen und ungebundenen Menschen ausmachen… Diese neue Situation in der Hochschullandschaft – der fallende Grenznutzen von langsam erworbenenm Wissen“, beinhaltet auch Probleme für die Forschung.

Und lautet im Ergebnis: “ Da die Informationsmenge schnell wächst, weit schneller als die Weltbevölkerung, müssen wir unvermeidlich auf mehr eingehen… Der Grenznutzen neuer Information nähert sich der Null an. Daher erreicht man leichter ein Minimum an Aufmerksamkeit, wenn man die Information in Päckchen immer geringerer Größe verpackt … Der Augenblick ist ein Schlüsselbegriff zum Verständnis unseres Zeitalters. Er ist ephemer, oberflächlich und intensiv. Wenn der Augenblick (oder auch der nächste Augenblick) unser Dasein in der Zeit beherrscht, haben wir keine Verwendung mehr für Blöcke, die nur für eine oder wenige Kombinationen mit anderen Blöcken verwendet werden können. Die Eintrittskarte muss billig sein, die erste Investition gering. Schnelle Veränderung und unbegrenzte Flexibilität sind die wichtigen Aktivposten.“

Das alles hat Thomas Eriksen vor dem Siegeszug von Twitter geschrieben und dem Web 2.0. So wissen wir, dass er recht hatte.

Warten auf den nächten Augenblick - Foto: Michael Mahlke

Warten auf den nächsten Augenblick

Daraus folgt, dass das Warten auf den nächsten Augenblick entscheidend für unseren Umgang mit dem Internet und den Informationen geworden ist. Hier bedeutet es, wir warten ständig auf das nächste Foto.

In den Medien sind es also maximal zehn Sekunden, die man für die Wirkung und die Aufmerksamkeit eines Fotos einkalkuliert. Daher sind die Fotos auch so, dass sie sich nicht erst erschliessen sondern im ersten Moment wirken müssen, also total plakativ.

Das ist der Zeitgeist, der medial gilt und der von den meisten Menschen zunehmend – auch unbewusst – gelebt wird. Er schwappt in immer mehr Lebensbereiche. Eriksen zeigt dies auch im völlig taylorisierten Familienleben auf, aber das ist eine andere Geschichte.

Abschalten durch Gegensteuern, mental und physisch

Die wenigsten werden die Frage stellen, wie kommt man da raus?

Aber es geht durch eine bewusste Gegenstrategie. Dazu gehört ein gutes Buch oder die Betrachtung eines guten Fotos, am besten in einem Fotobuch.

Oder die Umsetzung der „ziellosen Entdeckungsspaziergänge“ mit einer Kamera, die gefällt und dem Ziel, die Situationen einzufangen, die dich irgendwann fotografisch beissen.

Der Sinn von Instagram und Co.

Aber eigentlich wollte ich auf etwas anderes hinaus.

Erstens bedeutet diese Analyse, dass immer mehr Fotos gebraucht werden von denen wir immer weniger wahrnehmen. Sie müssen einfach neu sein, mehr nicht.

Und zweitens bedeutet dies, dass es einen ganz erheblichen Unterschied zwischen dem Augenblick und dem Moment in der Fotografie gibt.

Man kann jeden Augenblick ein Foto machen aber es ist oft nicht der entscheidende Moment. Dies ist ein Teil des Zeitgeistes in der Fotografie.

Daraus erschliesst sich aber auch der „Sinn“ von Instagram und Co. Denn diese Augenblicksfotos füllen zunehmend die digitale Landschaft und diese Fotodienste für Handys haben dies alles in eine neue Potenz der Vermehrung gebracht.

So entsteht eine neue 1-Klick-Welt in der Fotografie, deren Sinn das Festhalten des Augenblicks ist, auch wenn es sich nicht um einen über den Augenblick hinausgehenden Moment handelt.

Die Canon Powershot S100 als Reisekamera

Kann die Canon Powershot S100 eine vollwertige Einsteiger-DSLR ersetzen, wenn man vom Sucher einmal absieht? Diese Frage trieb mich um, als ich überlegte, welche Kamera sich als kleine und schmale Reisekamera eignet.

So probierte ich die Canon Powershot S100 mehrere Wochen unterwegs aus. Sie kann RAW und JPG, sie hat ein funktionierendes GPS und sie hat eine Blendenvorwahl bzw. überhaupt PASM.

Foto: Michael Mahlke

In südlichen Gefilden sitzt man nun einmal länger draussen. Den ersten Teil des Praxistests machte ich daher in Südfrankreich, genauer in Orange. Dort gibt es ein uraltes Theater aus römischer Zeit und wunderschöne Opern- und Operettenaufführungen, in diesem Fall La Boheme von Puccini.

Foto: Michael Mahlke

Schon der Weg dorthin war ein Genuss und viele Ausgrabungen zeigten stolz die Verbindung von Geschichte und Gegenwart.

Foto: Michael Mahlke

Hunderte von Frauen kamen uns entgegen, die alle von der Bühne kamen und sofort wieder auf die Bühne gingen.

Foto: Michael Mahlke

In Orange sind die Nächte lang. Nach der Aufführung geht es zum gepflegten Speisen in kleine Restaurants.

Foto: Michael Mahlke

Es war ein faszinierender Ort und ich war nicht der Einzige, der fotografierte.

Foto: Michael Mahlke

Aber die Canon eignete sich nicht nur für das Fotografieren bei schwierigen Lichtverhältnissen sondern auch am Strand und am Meer bei gutem Licht und gutem Wetter.

Foto: Michael Mahlke

Und sie braucht keinen Vergleich mit schweren grossen Kameras zu scheuen bei niedrigen ISO.

Foto: Michael Mahlke

Hier ein Ausschnitt in 100 Prozent Ansicht 1:1 vom vorherigen Bild:

Foto: Michael Mahlke

Wenn ich eine Kamera ohne Sucher als Reisekamera mit GPS, RAW und voller manueller Steuerung haben möchte, dann ist die Canon Powershot S100 für mich eine gute Wahl. Sie dürfte auch professionellen Ansprüchen genügen, wenn man kontrollierte Fotos haben möchte für Ausdrucke bis A3 und im Internet. Im Prinzip ist dies eine Kamera, die eine gute Wahl für Profis aus der Hosentasche ist, ohne weiteres Gepäck.

Einzig der Akku hält nicht so lange durch, wenn man GPS eingeschaltet hat. Aber ein zweiter Akku ist normalerweise kein Problem. Mit Stativ gelingen die Fotos zum Teil natürlich noch besser. Aber da man eher kein Stativ hat, habe ich die Fotos ebenfalls ohne Stativ aufgenommen.

Man kann mit dieser Kamera durchgängig gut und kontrolliert fotografieren und mit dem ND-Filter sogar dann, wenn es sehr hell ist. Allerdings gibt es bei Sonnenlicht auf dem Display das Problem, dass man fast nichts mehr sehen kann. Aber damit muss man leben, wenn die Kamera klein und flach sein soll, denn eine kleine und flache Kamera mit Sucher in dieser Art gibt es nicht.

Übrigens gefällt mir die Powershot S110 nicht besser. Ich halte sie schon haptisch und von den Feinheiten des Designs her eher für einen Rückschritt. Aber vielleicht sollten Sie selbst einfach mal beide Kameras in die Hand nehmen, dann verstehen Sie, was ich meine.

 

Fuji X10 – die Versöhnung ist das Schönste

Fuji X10 und Fuji X100 – Foto: Michael Mahlke

Die zweite Chance der Fuji X10

Die zweite Chance ist meistens der beste Weg. Die Fuji X10 war für mich nach dem Abschied von der Leica CL die richtige Kamera – neben der Fuji X100 als Nachfolgerin meiner analogen Leica M, um als Träger einer Gleitsichtbrille die klassische Sucher-Fotografie digital ausüben zu können.

 

Nach der Trennung wegen der „weissen Scheiben“ habe ich nun eine Fuji X10 Kamera mit dem neuen Sensor knapp zwei Monate ausführlich getestet und kann heute meine Versöhnung bekanntgeben.

Fuji X10 und Fuji X100, die Spezialisten

Zusammen mit der Fuji X100 ist die Fuji X10 für mich mit Abstand die am meisten und am liebsten genutzte Kamera. Einzige Ausnahme ist der schnelle Schnappschuss aus der Hosentasche und im Regen. Dazu gibt es andere Kameras und nun auch andere Handys.

Beide Kameras sind keine Kameras für alle Fälle sondern für ihre Fälle. Die Fuji X100 hat eine feste Brennweite und einen grossen Chip und ist mir daher so lieb. Die Fuji X10 ist im Bereich 28 bis ca. 112mm angesiedelt. Beide Kameras sind keine Hosentaschenkameras, sind keine Telekameras und keine Handschmeichler. Wer so etwas mag, sollte sich eine andere Kamera zulegen – wenn man es braucht.

Es gäbe viel zu schreiben über das Verhalten von Fuji. Aber ich glaube, dass unter dem Druck der Kunden durch das Internet letztlich die Dinge sich zum Besseren wendeten.

Der Umgang mit Fehlern ist entscheidend

Und wie immer im Leben sind Fehler entscheidend gewesen für die Erfahrungen, die dann zu Verbesserungen führten. Wenn es um technische Produkte geht, lernen Menschen offenbar eher aus Fehlern als bei den grossen sozialen und politischen Fragen. Darüber lohnt es sich auch nachzudenken…

Ebenso wie die Fuji X100 ist die Fuji X10 für mich nun ein echtes Arbeitsinstrument geworden, wenn ich sicher gute Fotos machen will.

In der Praxis bewährt

Ausschlaggebend  für den Artikel heute war das fotografische Porträt eines sehr bekannten deutschen Beraters und Coach, Franz Jochen Schwarz.

Während der Sitzung stellten wir fest, wie störend die Geräusche des Auslösers der digitalen Spiegelreflexkamera waren und ich nahm die Fuji X10.

Die Kamera beflügelte nicht nur das Gespräch sondern wurde auch ein akzpetierter und stiller Begleiter, der geräuschlos richtig gute Fotos machte.

Und als Franz Jochen Schwarz mir auf einem Spaziergang die wunderschöne Landschaft rund um Bingen zeigte, da freute sich auch die Fuji X10 und fing diese schöne Natur ein.

Rochuskapelle mit der Fuji X10 aus RAF entwickelt mit PS als HDR – Foto: Michael Mahlke

So eignet sich Bingen – direkt gegenüber von Rüdesheim – als traumhaftes Ziel für einen kurzen Ausflug.

Der lukullische Geheimtipp

Und jetzt kommt noch ein Geheimtipp, den ich natürlich auch mit der Fuji festgehalten habe. Es gibt ein wunderbares Ess- und Weinlokal in direkter Nähe, das man zu Fuß oder mit dem Auto erreichen kann, das Weinlokal-Bingium.

Foto: Michael Mahlke

Gemütlich sitzen, herrlicher Ausblick, drinnen und draussen, und dabei gut Essen und Trinken. Das haben wir hier angetroffen.

Foto: Michael Mahlke

So trug die Fuji X10 im zweiten Anlauf dazu bei, Freude zu schaffen und neue schöne Dinge zu entdecken.

Nachtrag:

Nun ist mehr als ein Jahr vergangen seit der Artikel geschrieben wurde. Mittlerweile ist schon die X20 auf dem Markt. Aus meiner Sicht zeigt sich nun, dass die Fuji X10 mit dem veränderten Sensor eine besondere Kamera bleiben wird. Denn dieser Sensor ist aus der Praxis heraus digital „geschmiedet“ worden.

Die Kamera wird nicht mehr produziert, der veränderte Sensor ist wohl ein einzigartiges Praxisprodukt in der Kamerageschichte und die Kameras mit diesem Sensor machen erstklassige Fotos. Die X20 macht auch erstklassige Fotos aber wieder anders. So bleibt die X10 ein Fotoapparat, der noch viele Jahre gute Fotos macht und es ist eine digitale Pionierarbeit.

Fotos am Strand oder womit wird heute fotografiert?

Video mit dem Ipad am Strand - Foto: Michael Mahlke

Bei 30 Grad im Schatten habe ich echt einen gesehen. Er trug dicke Schuhe, eine kurze Hose, eine Weste und eine Kappe und ein dickes Einbeinstativ mit einer grossen DSLR-Kamera und einem bestimmt 3 bis 4 Kilo schwerem Objektiv. Es war einer.

Alle anderen, die ich am Meer getroffen habe, fotografierten anders. Bikini oder Badehose und Fotografieren mit dem Handy. An zweiter Stelle das Ipad und viel später und viel weniger waren es dann kleine Kompaktkameras.

Spezielle Outdoorkameras habe ich gar keine gesehen.

So entdeckte ich bei meinen fotografischen Beobachtungen klare Prioritäten. Die Menschen nehmen das Handy mit und machen damit auch Fotos. Videos waren mit dem Ipad sehr beliebt und alles andere kam unter später liefen…..

Viele Menschen ohne Arbeit - Foto: Michael Mahlke

Mir ist klar, wohin die fotografische Reise geht: zum Handy oder Smartphone mit Kamera und Multimedia-Designgeräten, die auch strandtauglich sind. Fotografie als Alltagselement wird zunehmend über das Handy definiert.

Wobei ich damit überhaupt nicht zurecht kam, weil ich auf den Displays nur wenig bis nichts sehen konnte. Aber wie man sieht, stört viele es auch nicht, wenn man nichts sieht. Es reicht das Hinhalten in die Richtung, das Auslösen und das Vertrauen in die Technik.

So entscheiden die Käufer über die Richtung, in die sich der Markt entwickelt.

Text Version 1.1