Monthly Archives: Mai 2012

24-300 für unter 100 oder der Siegeszug der preiswerten Vollautomatik

Foto: Michael Mahlke

Früher gab es PASM. Das waren Buchstaben auf einem Drehrad, welches sich auf einer Kompaktkamera befand. Damit stellte man Belichtungszeit und Blendenöffnung ein und noch etwas mehr.

Das ist aber offenkundig für die meisten Menschen zu schwierig. Deshalb hat man dies alles in sogenannte Szene-Programme gepackt. Und nun gibt es Kameras ohne PASM, aber dafür mit vielen Szene-Programmen.

Und diese sind erstaunlich preisgünstig und haben zudem eine fast unschlagbare Brennweite, nämlich 24-300mm.

Einige der Namen lauten

Alle Kameras haben einen 14 Megapixel CCD, einen optischen Bildstabilisator und eignen sich ebenfalls für Videoaufnahmen. Und laut Internet kosten sie aktuell zwischen ca. 90 und 100 Euro.

Damit ist Internetfotografie unglaublich preiswert geworden. Fotografieren muss heute nicht mehr viel kosten und man kann für wenig Geld viel Spass haben.

Wer auf Automatik setzt und eine preisgünstige Kamera sucht, der ist hier wahrscheinlich goldrichtig.

IM ATELIER Künstler des 20. Jahrhunderts – privat und bei der Arbeit von Jean-François Chaigneau

Das Buch ist eine Schatzkammer der Kreativität.

Wenn in der Einleitung geschrieben wird „Das Atelier ist der Spiegel der Künstlerseele“, dann führt uns dieses Buch zu den Seelen der Künstler, ihrem Denken und ihrer Arbeit.

Es ist Paris Match zu verdanken, dass dieses Buch entstehen konnte. Denn dort im Fotoarchiv schlummerten all die Reportagefotos, die die Künstler bei der Arbeit und ihre Ateliers zeigen.

Das Buch ist daher in gewisser Weise auch thematisch einzigartig. Es enthält eine grossartige Sammlung von Reportagefotografien und thematisiert damit das Fotografieren von Künstlern. Die Fotos zeigen zugleich Orte der Kreativität und wo sie entsteht oder umgesetzt wird.

Das Buch enthält z.T. nie gesehene Fotostrecken zu folgenden Künstlern:
Francis Bacon – Balthus – Georg Baselitz – Fernando Botero – Georges Braque – Bernard Buffet – Jean Carzon – Marc Chagall – Jean Cocteau – Salvador Dali – Paul Delvaux – Kees van Dongen – Raoul Dufy – Alberto Giacometti – David Hockney – Moise Kisling – Jean Lurcat – René Margritte – Georges Mathieu – Henri Matisse – Jean Miro – Pablo Picasso – Serge Poliakoff – Robert Rauschenberg – Hervé di Rosa – Georges Rouault – Pierre Soulage – Antoni Tapies – Maurice Utrillo – Jacques Villon – Maurice de Vlaminck.

Die Interviews mit den Künstlern und die Fotos ergeben zusammen einzigartige Einblicke. So wird eine Welt wieder lebendig und inspiriert und informiert die Leser in besonderer Weise. Das Buch ist ein besonderes Geschenk. Es öffnet die Seelen der Leser, denn der Blick in die Ateliers der Künstler und deren Seelenleben trifft sofort auf Resonanz.

Die Fotos sind so groß und interessant, dass man schon für das genaue Anschauen Stunden einplanen muß. Wenn man sich auf die Interviews einläßt und diese durchdenkt, dann kann man schnell die Uhr auf unendlich stellen.

Kann man Kreativität fotografieren?

So wie hier geschehen ja. Es gibt auch noch andere Wege dies zu tun. Aber gerade viele der Künstler, die die Welt des 20. Jhrdts. in den Medien prägten und etwas zu sagen hatten, findet man hier in einzigartiger Weise vereint.

Werfen Sie einfach mal einen Blick in die Leseprobe und sie werden verstehen, was ich meine.

Wahrscheinlich ist dieses Buch für Menschen, die sich für diese Art der Kunst und/oder der Fotografie interessieren, eine der besten Investitionen des Jahres, die die Gedanken jahrzehntelang beflügeln kann.

Ich möchte noch ein Beispiel nennen.

Man sieht ein Schwarzweißfoto, welches das Atelier von Alberto Giacometti zeigt.

Oh dachte ich, das ist von Cartier-Bresson. Aber das stimmt nicht. Hier hat ein anderer Fotograf ein Foto gemacht. Es wurde nach dem Tod von Alberto Giacometti aufgenommen. Cartier-Bresson und Giacometti waren freundschaftlich verbunden und ein solches Foto hat er nicht geschossen.

Aber das Foto im Buch beeindruckt sehr, weil es das Werk, die Seele und die fehlende Vollendung zeigt.

Und wer so denkt und wer so spürt wie ich an dieser Stelle, für den ist dieses Buch eine Offenbarung.

Es ist in der Edition Olms erschienen.

Jean-François Chaigneau

IM ATELIER
Künstler des 20. Jahrhunderts – privat und bei der Arbeit

Mit einem Vorwort von Olivier Royant, Chefredaktion Paris Match. Übersetzung a.d. Französischen von Stefanie Kuballa. 208 Seiten mit 142 farbigen und s/w Fotos. Fester Einband im Folio-Format 28 x 33 cm.

ISBN10: 3-283-01214-8
ISBN13: 978-3-283-01214-4

Mit der Fuji X100 unterwegs – Motive zwischen Schnappschuss und Landschaft

Wenn man sich den Genuss der Sucherfotografie mit einer Reportagekamera gönnen will, dann ist die Fuji X100 sicherlich in meinen Augen erste Wahl. Was liegt also näher als damit umherzustreunen und die Qualität der fertigen Schnappschüsse als JPGs aus der Kamera zu geniessen.

So nahm ich die Kamera und ging damit einmal durch Naumburg an der Saale am frühen Nachmittag mit schlechten Lichtverhältnissen: Sonne pur, grell und heiss. Also die richtige Herausforderung für die Kameratechnik!

Schnell fand ich das erste Motiv, ein typisches Strassenfoto.

Naumburg 1 - Foto: Michael Mahlke

Dann konnte ich mich an der Landschaft gar  nicht sattsehen und hielt auch diese fest.

Naumburg 2 - Foto: Michael Mahlke

Und die Stadt bietet für Menschen viel an Architektur in Kombination mit Freiflächen, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart gerettet wurden.

Naumburg 5 - Foto: Michael Mahlke

Der Weg Richtung Dom ist natürlich die zentrale Anlaufstelle.

Naumburg 6 - Foto: Michael Mahlke

Hier wird Geschichte, Kultur und Gemütlichkeit angenehm miteinander verbunden.

Naumburg 7 - Foto: Michael Mahlke

Aber auch schnelle Schnappschüsse auf flotte Beine sind mit der Kamera problemlos möglich, hier mit einer 340tel Sekunde.

Naumburg 8 - Foto: Michael Mahlke

Immer wieder merkt man, dass diese Stadt großzügig geplant wurde, damit die Natur und die Menschen als Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer einen Platz haben.

Naumburg 9 - Foto: Michael Mahlke

Ünd auch in neueren Wohngebieten wurde mitgedacht und alte Bäume wurden erhalten.

Naumburg 10 - Foto: Michael Mahlke

Wenn man dies so sieht, dann merkt man, dass hier klug städteplanerisch vorgegangen wurde – auch nach der „Wende“ – um Platz für Menschen in einem natürlichen Umfeld zu schaffen und/oder zu behalten.

Naumburg 4 - Foto: Michael Mahlke

Wohnen bedeutet eben auch Wohlfühlen und dies geht bei Menschen, die Teil der Natur sind, nur mit der Natur.

Die Unwirklichkeit von anderen Städten und die bis heute fortgesetzten Fehler mancher Stadtplanung in anderen Orten werden in solchen Momenten umso deutlicher.

Und ich erlebte wieder einmal, dass die Fuji X100 für viele Gelegenheiten als Kamera eingesetzt werden kann, nur nicht im Regen und in Menschenmengen meiner Erfahrung nach. Aber für Schnappschüsse und gestaltete Geometrie ist sie einfach wunderbar.

So hatte ich fotografische und städteplanerische Erlebnisse, die ich hier mit Ihnen teilen möchte.

Info: Alle Fotos wurden lediglich verkleinert und nicht nachbearbeitet (bis auf das Foto am Naumburger Dom, da war etwas perspektivische Korrektur nötig).

 

In Zwickau mit dem Kestrel 28 – eine Fototour

Zwickau 1 - Foto: Michael Mahlke

Ein Praxisbericht

Trabi, Gerd Fröbe und Robert Schumann. Das sind einige der positiven Begriffe aus der Vergangenheit, die man mit Zwickau in Verbindung bringt.  Ich plante seit einiger Zeit eine Reise dorthin.

Zudem suche ich seit Jahren einen richtigen Wander- und Fotorucksack für Städtetouren. Das Problem dabei war immer, dass irgendein unguter Kompromiss eingegangen werden musste. Entweder war der Tragekomfort nicht ok oder die Einteilung oder er war nicht wasserdicht oder er war ein interessantes Objekt für Diebstahl in der U-Bahn oder im Bus, da er leicht zu öffnen war.

Dann erhielt ich die Mitteilung, dass die Firma Osprey einen neuen leichten Rucksack – kein spezieller Fotorucksack – herausgebracht hat, der für Tagestouren gedacht ist, den Kestrel 28. Ich bat darum, diesen Rucksack testen zu können und war sehr erfreut, als man mir diesen zur Verfügung stellte. Ich muss sagen, dass der Rucksack mich positiv überraschte.

Zwickau 2 - Foto: Ulla Wolf

Was mir als erstes auffiel war die Kantenlosigkeit. Wenn man in einem Auto fährt, hat man immer das Problem, dass die Schnüre und Schnallen auf den Sitzen keine Kratzer hinterlassen sollen. Dies ist bei dem Kestrel 28 so gelöst, dass irgendwie alles abgeflacht und runder ist, so dass dies im Auto kein Problem war.

Zwickau 3 - Foto: Michael Mahlke

 

Da ich einen Rucksack suchte, der eine Fototasche aufnehmen kann, steckte ich meine Lieblingstasche dort hinein. So war ich sicher, dass die Fotoausrüstung geschützt ist, gut transportiert werden kann und zugleich immer ein Zugriff auf die Kameras möglich ist.

Zwickau 4 - Foto: Michael Mahlke

Wie man sieht, hatte ich oben meine Sonnebrille und das Handy im Netz und draussen eine Wasserflasche.

Lesen geht auch mit Kind - Foto: Michael Mahlke

So ging die Städtetour in Zwickau los und ich schlenderte und wanderte einige Stunden durch die Stadt und am anderen Tag durch das Umfeld.

Zwickau 5 - Foto: Michael Mahlke

Mich begrüsste eine sehr einladende Stadt mit deutscher Architektur, die aktuell zum Lesen auf der Freifläche einlud. Schick renovierte Häuser lachten der Sonne entgegen.

Zwickau 6 - Foto: Michael Mahlke

Ein grosses Denkmal erinnert an Robert Schumann und lädt mit seinen Bänken zum Verweilen ein.

Zwickau 7 - Foto: Michael Mahlke

Die Innenstadt ist sehr schön gepflastert und bleibt den Fußgängern vorbehalten.

Zwickau 8 - Foto: Michael Mahlke

Jede Stadt hat ihre Geschichte. Das ist in Zwickau nicht anders. In der DDR war sie bekannt als „Ruß-Zwicke“ und u.a. für den Trabi und den Horch.  Heute liegt in der Nähe ein VW-Werk und die Stadt ist in wunderbarer Weise wiederauferstanden mit frischer Luft und frischen Farben.

Zwickau 9 - Foto: M. Mahlke

Da macht dann auch die Pause richtig Spass und die Bänke, die überall zu finden sind, erlauben ein paar ruhige Augenblicke. Doch dann machte ich mich auf den Weg, um einen alten Bekannten wieder zu sehen. Denn in Zwickau gibt es noch etwas, das nicht mehr überall zu finden ist: ein richtig gutes Fotogeschäft.

Zwickau 11 - Foto: Michael Mahlke

Er war da und ich ließ es mir nicht nehmen, ihn zu fotografieren. Foto Gärtner in Zwickau ist ein Laden, der zum Bummeln, Einkaufen und zum Fachgespräch einlädt. Ich konnte nie daran vorbei gehen.

Zwickau 12 - Foto: Michael Mahlke

Doch irgendwann zog ich weiter und bummelte an anderen Stellen in dieser Stadt mit ca. 90.000 Einwohnern.

Zwickau 13 - Foto: Michael Mahlke

Die Stadt ist großzügig gebaut und mit viel Grünflächen versehen. Es gibt eigentlich nie das Gefühl der Enge. Und bei Sonne gibt es eben auch viel Schatten, der sehr schnell erreicht werden kann und zur Erholung einlädt.

Zwickau 14 - Foto: Michael Mahlke

Und natürlich begegnete mir auch das Ampelmännchen und begleitet mich still und farbenfroh bei meinem Gang durch die Stadt.

Zwickau 15 - Foto: Michael Mahlke

Doch leider habe ich nicht alles gefunden, was ich gesucht habe. Ich suchte nämlich eine Art Gert Fröbe Museum, weil ich mit dem Schauspieler und seinen Filmen aufgewachsen bin und er eine starke Ausstrahlung hatte.

Da klärte man mich auf. Gert Fröbe sei nicht in Zwickau sondern in Oberplanitz geboren. Heute gehört Oberplanitz zu Zwickau wie Lennep zu Remscheid. Aber das Denken in überschaubaren Einheiten hat sich offenkundig überall erhalten.

Am nächsten Tag ging es dann zu Fuß und per Bus nach Oberplanitz. Das ist ein Ortsteil auf einer Anhöhe. Dort fand ich leider kein Gert Fröbe Museum, dafür aber einen sehr schönen Wasserturm und ein angenehmes Wohnumfeld und Wandermöglichkeiten mit herrlichem Ausblick bis ins Erzgebirge.

Wasserturm in Oberplanitz (Bild mit Geodaten) - Foto: Michael Mahlke

Der Wasserturm ist umgeben von Bänken und Spielgeräten und vollständig in die Wohnbebauung integriert.

Zwickau 17 - Foto: Ulla Wolf

Im Umfeld des Wasserturms gibt es herrliche Aussichtspunkte und für den, der nicht so viel laufen will, einen Bushaltestelle.

Wohnbebauung in Oberplanitz - Foto: Michael Mahlke

 

Ich war in dieser Zeit knapp zwei Tage mit dem Rucksack Kestrel 28 unterwegs und konnte dabei folgendes feststellen:

  • Der Kestrel 28 ist sehr angenehm zu tragen. Ich hatte nicht ein Mal Rückenschmerzen oder ein unangenehmes Gefühl auf dem Rücken
  • Die Lastenverteilung war sehr angenehm
  • Die verschiedenen Klickverschlüsse und die Ziehbänder machen es potentiellen Dieben sehr schwer (das möchte ich noch einmal im Großstadtgetümmel testen)
  • Er ist für eine Städtetour mit und ohne Fahrzeug gut geeignet (insbesondere für meine Zwecke)
  • Was mir nicht so gefallen hat war die fehlende Standfestigkeit auf dem Boden. Man konnte ihn nicht hinstellen. Aber das war mit meinen bisherigen speziellen Fotorucksäcken auch nicht möglich.

Übrigens können Sie einen solchen Rucksack (bis 11. Juni 2012 lt. Webseite) gewinnen. Machen Sie doch mit und klicken Sie hier!

So hat sich der Besuch in Zwickau mehrfach gelohnt. Es war eine schöne Zeit, es gab gute Eindrücke und ich konnte Erfahrungen sammeln, die nützlich sind.

 

Fabrik. Ein Bildepos der Technik von Jakob Tuggener

Das Buch ist feinste Dokumentarfotografie. Als 1943 das Buch „Fabrik. Ein Bildepos der Technik“ von Jakob Tuggener erschien, war die Welt in schwierigen Zeiten. Es handelte sich um ein Buch mit Motiven der Firma Oerlikon.

Es geht in dem Buch um das fotografische Festhalten von Menschen und Technik am Beispiel einer „Fabrik“, wobei Oerlikon damals eines der größten Unternehmen im Raum Zürich überhaupt war.

Das Buch ist ein Bildepos und ein Firmenportrait. Es ist fotografisch und inhaltlich etwas besonderes.

Der Verlag schreibt dazu: „Jakob Tuggeners Fabrik, erschienen 1943 in Zürich, gilt als Meilenstein in der Geschichte des Fotobuchs. Dieses „Bildepos der Technik“ orientiert sich in seiner assoziativen Reihung der Fotografien an der expressionistischen Stummfilm-Ästhetik. Es vermittelt eine skeptische Sicht auf das zerstörerische Potential ungebremsten technischen Fortschritts – in einer Zeit, als die Schweizer Rüstungsindustrie Waffen für den Zweiten Weltkrieg produzierte. Tuggeners kompromißlos subjektive Fotografie und seine kritische Haltung paßten nicht in seine Zeit. Fabrik wurde kein kommerzieller Erfolg – die Auflage wurde verramscht, zum Teil wahrscheinlich sogar eingestampft. Nun wird der inzwischen gesuchte Klassiker erstmal wiederaufgelegt, als Reprint mit einem aktuellen Nachwort.“

Das stimmt alles aber das Buch hat noch mehr.  Michael Freund schrieb dazu: „Er hält sich allerdings nicht lange bei der Schäferstimmung auf, der Bildrhythmus zieht den Betrachter in einen expressionistischen Albtraum à la Metropolis hinein. Riesige Kräne, Turbinenräder, Öfen, Transformatoren reduzieren die, die Hand anlegen, zu Rädchen. Nahaufnahmen bestärken nur, als Kontrast, den Befund. Bilder aus der Umgebung, seien es die Siedlungen, die Wasserläufe oder die Bahntrassen, ergänzen das „Gesicht der Arbeit“: Alles wird der nie ruhenden Fabrik zugeführt.“

Es ist dem Verleger Gerhard Steidl zu verdanken, dass ein solches Buch noch einmal der interessierten Menschheit zur Verfügung gestellt wurde.

Und es ist dem Fotografen Jakob Tuggener zu verdanken, dass er dieses Buch so fotografiert hat und der Firma Oerlikon, dass sie dies so zugelassen und bezahlt haben.

Vielleicht passte es nicht in die Zeit und wurde kein kommerzieller Erfolg (was bei Firmenportraits als bezahlte Auftragsarbeit selten der Fall ist) aber vielleicht war dies der Grund für die fotografische Freiheit, die Jakob Tuggener hier entwickelte und irgendwie entsprach dies vielleicht auch dem damaligen fotografischen Zeitgeist?

Rückblickend ist dieses Buch ein Symbol für den fotografisch dokumentierten Weg in eine technikbestimmte Welt. Und es ist zugleich natürlich auch ein Firmenportrait. Und da ist es schon interessant, wie unterschiedlich man ein Unternehmen darstellen kann.

Während sich in den letzten Jahrzehnten des 20. Jhrdts. zunehmend Dokumentarfotografie und Fotokunst fotografisch voneinander trennten, ist das Buch von Tuggener ins Bild gesetzte dokumentarfotografische Fotokunst.

Ich weiss, dass es den Begriff nicht gibt, weil es die Kategorien damals so nicht gab. Aber es ist engagierte Fotografie, es ist symbolische Fotografie, es ist dokumentierende Fotografie und es ist zeitlose Fotografie – eben ein „Bildepos“.

So ist dieses Buch in die Gegenwart getreten und berührt unsere Sinne durch seine Fotografien in vielfältiger Weise.

Das Buch ist im Steidl Verlag erschienen.

Fabrik. Ein Bildepos der Technik von Jakob  Tuggener
gebundene Ausgabe, Leineneinband
ISBN: 978-3-86521-493-5

 

Michael Kerstgens, NEUES LEBEN. RUSSEN – JUDEN – DEUTSCHE Texte von Hanno Loewy, Wolfgang Büscher, Pjotr Olev, Michael Kerstgens, Theresia Ziehe

Michael Kerstgens porträtiert das gesellschaftliche Leben in jüdischen Gemeinden in Deutschland seit der Wiedervereinigung.

„Knapp eine Viertelmillion jüdische Einwanderer kam als sogenannte Kontingentflüchtlinge seit der Öffnung des eisernen Vorhangs 1989/90 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Diese Zuwanderung hat die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nachhaltig verändert. Michael Kerstgens ist einer der wenigen Fotografen, die den Prozess der Einwanderung russischsrachiger Juen aus der ehemaligen Sowjetunion intensiv und über einen längeren Zeitraum dokumentiert hat.“

So aus der Information vom Verlag zum Thema.

Seit 2007 lehrt Michael Kerstgens als Professor für Dokumentarfotografie am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt.

Sein umfassendes Projekt über das jüdische Leben wurde 2011 in die Fotografische Sammlung des Jüdischen Museums in Berlin aufgenommen. Dazu gibt es gerade eine Ausstellung.

Insofern ist das Buch mehrschichtig interessant. Es ist erstens ein Geschichtsbuch über den Umgang von Deutschen, Russen und Juden seit der Wiedervereinigung, es ist zweitens ein Längsschnitt zu diesem Thema und es ist drittens ein Buch zur Dokumentarfotografie von einem Professor für Dokumentarfotografie.

Schauen wir es uns also genauer an.

„Neues Leben“ ist der Titel des Buches und so ist es auch. Es scheint sich überwiegend um Auftragsarbeiten für Magazine wie „Stern“ und „Geo“ gehandelt zu haben, die es ermöglichten, in den 90er Jahren die Kultur mit ihren verschiedenen Riten in jüdischen Gemeinden zu fotografieren.

So entstanden Bilder, die weniger wegen ihrer besonderen Ausdruckskraft als vielmehr wegen ihrer dokumentarischen Nüchternheit überzeugen.  Alle Fotos sind schwarzweiss und eher an der klassischen Geometrie orientiert.

Nach gut hundert Seiten im Buch gibt es Fotos „zwanzig Jahre später“, also quasi 1991 zu 2011.

Es sind eigentlich alles Beispiele für besonders gelungene Aufstiege. So dokumentiert Michael Kerstgens einige Personen bei der Arbeit in Deutschland und in Amerika zwanzig Jahre später.

Das Buch ist zweifellos themenorientierte Dokumentarfotografie.

Das Thema an sich ist ja schon sehr undankbar, weil hier natürlich im Hintergrund die Geschichte mit ihren Massenmorden steht. Aber wenn man sich mit den Fotos beschäftigt und den Texten, dann merkt man, dass neue Generationen auch neu anfangen zu denken. Denn sie nehmen das Vorhandene als ihre Realität an. Und die ist so, dass in Deutschland heute viele Kulturen und Nationen zusammenleben und auch die jüdischen Gemeinden zu dieser Normalität gehören. Die Bilder regen zu vielen Assoziationen an und zeigen auch, dass die Gegenwart von völlig anderen Fragen beherrscht wird wie die Vergangenheit.

Das Buch ist ein gutes Beispiel für einen dokumentarfotografischen themenorientierten Längsschnitt zu einem der schwierigsten Themen dieser drei Völker und zeigt, dass vieles aus der Geschichte in eine neue Gegenwart hineingewachsen ist.

Die Fotografien sind eine „erste visuelle Annäherung an einen Entwicklungsprozess“. Genau das fotografisch festzuhalten gelingt ausserordentlich gut.

Es ist im Kehrer-Verlag erschienen.

Michael Kerstgens

NEUES LEBEN. RUSSEN – JUDEN – DEUTSCHE

ISBN 978-3-86828-277-1

 

2012 – Meine besten Digitalkameras für die nächsten 5 Jahre

Pusteblume mit der FZ150 Foto: Michael Mahlke

Als im Jahr 2008 die Ricoh GX200 eingeführt wurde, hätte ich nicht geglaubt, dass ich mit dieser Kamera quasi fünf Jahre lang ohne Probleme fotografieren würde.

Jetzt sind fast fünf Jahre rum und die Kamera ist heute noch wunderbar.

Sie ist heute immer noch eine der wenigen professionellen kleinen Kameras mit u.a. Panfokus, speichert DNGs+JPGs und besitzt einen unglaublich guten Makromodus. Sie kann lediglich bei höheren ISO nur schwer mit anderen aktuellen Kameras mithalten, wenn es um rauschfreie und detailreiche Fotos geht.

Das allein ist aber kein Grund, denn für Strassenfotografie und andere Aufnahmen ist sie bestimmt auch noch in vielleicht zehn Jahren sehr gut nutzbar. Zumal vor nicht einmal 15 Jahren Filme mit 400 ASA schon eher eine Ausnahme waren und meistens mit 100 oder 200 ASA fotografiert wurde. Und Rauschen mag ich auf Fotos immer noch. Heute gibt es sogar Software, die das Rauschen auf die Fotos zurückbringt.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf möchte ich ein paar Blicke in die aktuelle Digitalkameraszene werfen. Und so habe ich mir gedacht, schreib doch mal über Kameras, die es heute gibt und die man fotografisch ohne Probleme die nächsten fünf Jahre nutzen kann – und die ein gutes Preis/Leistungsverhältnis haben.

1. Kategorie – wasserdichte kleine Kompaktkamera

Sony TX5

Immer noch griffig, wasserdicht und schnell. Die Bildqualität wunderbar. Wehrmutstropfen ist für mich, dass man nirgendwo eine Verschlusszeit vorgeben kann. Aber um am Strand und im Regen einfach zu fotografieren ist sie wirklich gut.

2. Kategorie – Kompaktkamera mit RAW

Canon Powershot S100

Sie hat eine gute Irisblende, RAW, macht gute Fotos bei schlechtem Licht, hat GPS, einen Brennweitenbereich von 24-120 und kann so in der Jackentasche mitgenommen werden

3. Kategorie – schnelle Kompaktkamera

Casio ZR200

Sie ist sehr schnell beim Fokussieren und ermöglicht durch den Modus S eine Verschlusszeitenvorwahl. Ihre Bildqualität finde ich erstaunlich.

4. Kategorie – Bridgekamera

Panasonic Lumix FZ150

Der Sucher könnte noch einen Tick schärfer sein aber dann wäre die Kamera wohl größer und schwerer. Und das wiederum möchte ich nicht. Die FZ150 kann wirklich alles, was man braucht, um Fotos mit einer guten Qualität zu erhalten – und Video.

5. Kategorie – kleine DSLR

Nikon D3100

Die Nikon D3100 hat ein Handling, das der Nachfolgerin meiner Meinung nach schon wieder fehlt. Mit 14 Megapixel ist mehr als ausreichend Platz für Fotos vorhanden und sie ist sehr klein.

6. Kategorie – wasserdichte DSLR

Pentax K-5

Sie ist leise, wasserdicht, zuverlässig und relativ klein.

7. Kategorie – Individualkamera

Fuji Finepix X100

Die Finepix X100 erlaubt das Fotografieren mit einem grossen und augenfreundlichen Sucher auf hohem Niveau. Der APS-C Chip ermöglicht qualitativ hochwertige Aufnahmen und die Kamera erfüllt nur einen einzigen Zweck: mit der klassischen Reportagebrennweite von ca. 35mm ununterbrochen fotografisch zu inspirieren. Sie ist für die klassische Art des Fotografierens gemacht und dort kompromisslos gut. Dabei verschmelzen die Vorteile der klassischen Fotografie mit den Vorteilen der digitalen Welt.

Fuji Finepix X10

Nach fast einem Jahr hat Fuji die Kameraprobleme am Sensor wahrscheinlich gelöst. Damit wird sie zu meiner Immerdabei-Gleitsichtbrillenträger-Kamera, weil sie erstaunlich schöne JPGs in hoher Qualität produziert, die mich an die Finepix S5 Pro erinnern und weil sie natürlich einen nutzbaren Sucher hat. Der Sucher der Fuji X100 ist wesentlich besser aber der Sucher der Fuji X10 ist danach für mich immer noch der mit Abstand beste Sucher an einer Kompaktkamera.

8. Kategorie – digitale Retrokamera

Panasonic  Lumix DMC-L1

Die Kamera gibt es nur gebraucht und sie macht sehr schöne Fotos. Wer sich den Luxus einer stabilen Kamera gönnen will, die Bilder auf eine besondere Art aufnimmt, der ist hier richtig. Sie ist für mich der Panzer der digitalen Sucherkameras.

Sony DSC-R1

Ebenfalls nur noch gebraucht erhältlich hat diese Kamera wie eine Mittelformatkamera ein elektronisches Blickfeld oben und einen Chip, der in Kombination mit der fest eingebauten erstklassigen Optik immer noch in der ersten Liga spielt.

Fazit

Ich denke, wer mit diesen Kameras in den nächsten fünf Jahren fotografiert, wird nicht das Gefühl haben, fotografisch etwas falsch zu machen. Es sind gute Arbeitsinstrumente für fast jede Art von Fotografie.

Mir ist dies bei der Ricoh GX200 aufgefallen, weil ich zwar andere Kameras jahrelang verglichen habe, aber letztlich die Zufriedenheit mit der vorhandenen Kamera überwog.

Und so ist auch meine Liste zu verstehen. Wer eine solche Kamera neu oder gebraucht erwerben kann, der wird in meinen Augen kaum das Gefühl haben, zu viel bezahlt zu haben oder fotografisch hintenan zu stehen.

Sicherlich wird es in den nächsten fünf Jahren eine Menge neue Kameras geben. Aber ob die fotografische Notwendigkeit besteht, sich etwas Neues zu kaufen …

Beim Wechsel von analog zu digital war klar, dass das Thema analoge Fotografie endlich ist und zur Nische werden wird. Da die Menge an guten Digitalkameras gerade in den letzten Jahren aber sehr gewachsen ist und seit der Optimierung der 8 Megapixel eigentlich eine durch die Biologie und Monitor- und Drucktechnik vorgegebene Grenze erreicht hat, sind technische und fotografische Gründe eher sekundär.

Natürlich gibt dieser Artikel nur meine persönlichen Erfahrungen in der Praxis und meine Meinung wieder. Er ist daher weder repräsentativ noch allgemeingültig. Er ist einfach eine Einschätzung aus der Kombination von Rückblick und Ausblick.

Am besten drucken Sie sich den Artikel aus und wir sprechen im Jahre 2017 dann gemeinsam noch einmal darüber.

Das wird interessante fotografische und technische Rückschlüsse zulassen.

Und vielleicht gibt es dann auch eine Outdoorkamera mit 1 Zoll-Chip im wasserdichten Gehäuse und vollständigen PASM-Modi, damit man die Zeit vorwählen kann und eine Kamera wie die Sony TX5 mit einem kleinen Sucher, damit man auch bei Sonne was sehen kann (was wichtig wäre, da Outdoorkameras ja gerade auch für Wasser und Sonne gedacht sind).

Abwarten.

Zuguterletzt noch eine Frage: wie lange hält heute noch eine Kamera? Die Ricoh GX200 hat bei mir fünf Jahre gehalten und hält immer noch. Das gilt auch für andere Kameras. Aber gilt dies zukünftig auch noch?

Meine alten Handys von vor zehn Jahren habe ich immer noch und sie halten. Die neueren Handys sind schon fast alle an verschiedenen Stellen kaputt. So ist nicht nur das Neue oft nicht besser als das Alte sondern je nach Gesichtspunkten sogar schlechter. Ein Unternehmen, das langfristig Erfolg haben will, sollte auch langfristig denken.

Und da lohnt es sich schon, wenn man nach fünf oder mehr Jahren Gebrauch  einer Kamera wieder eine gute Kamera kaufen will und sagen kann, die alte Kamera war von guter Qualität, ich vertraue dem Unternehmen weiterhin…

 

Text Version 1.1

„Scanning“ oder Quantitative Orientierung in der Fotografie?

Ordnung oder Unordnung – Foto: Michael Mahlke

Immer mehr

Wie geht man damit um, dass es immer mehr Medien an immer mehr Stellen unseres Lebens gibt und diese Medien immer mehr unserer Lebensbereiche durchdringen und (mit?)bestimmen?

Zwischen Zahl und Total

Einen interessanten Ansatz bietet die Ausstellung „24 Dokumente von heute“ im Fotomuseum Winterthur.

Dort heisst es: „Mit den 24 ausgewählten, exemplarischen «Dokumenten» dieser Ausstellung wird ein komplexes Netz aus losen und festeren Bezügen geknüpft, das den Status des dokumentarischen Bilds im Hier und Jetzt einfängt. Das dabei vorgeführte Hin- und Herspringen zwischen Themen und medialen Formen, zwischen offiziellen Pressebildern (Wladimir Putin beim Angeln) und anthropologischen Untersuchungen des Familienbildes (die Vox Populi-Arbeit von Fiona Tan) entspricht in etwa unsere heutigen Seherfahrung zwischen High und Low, zwischen Unmittelbarkeit und Tiefgang. Das Erobern fremder Orte oder die stille Annäherung an ein persönliches Thema sind andere Pole der Ausstellung.“

Um durch die Unübersichtlichkeit zu kommen wird quantitativ vorgegangen, indem eine Zahl, die 24, als Ordnungsprinzip gilt.

Sie ist quasi die einzige Verbindung. Das ist in vielfacher Hinsicht bemerkenswert, weil es zeigt, wie Zahlen unser Leben bestimmen können. Aber dies ist nur ein Aspekt.

Ganz anders ist es in der Ausstellung „Fotografie Total. Werke aus der Sammlung des MMK“.

Dort heisst es: „Über sieben Monate hinweg zeigt das Museum in wechselnden Werk- und Raumfolgen neue thematische Zusammenstellungen seiner fotografischen Werke mit einem Schwerpunkt auf den bedeutenden konzeptuellen Arbeiten. Zu sehen sind dabei Fotografien von Lothar Baumgarten, Anna und Bernhard Blume und Bernd und Hilla Becher. Ebenso im Fokus stehen Videoinstallationen von Aernout Mik, Mario Pfeifer und Bill Viola sowie die Reportage-Fotografie aus den Sammlungsbeständen des MMK. Hier sind besonders die Werke von Paul Almasy, Anja Niedringhaus und Barbara Klemm hervorzuheben, wobei das MMK von letzterer allein 250 Werke in den vergangenen Jahren erworben hat.“

Das Wort „Total“ bezieht sich dabei laut Webseite auf die ca. 2600 Fotos, die das Museum bisher gekauft hat und von denen abwechselnd nun einige ausgestellt werden. Das Ordnungsprinzip ist hier also die mengenmäßige Einschränkung des bisher Gekauften – also ebenfalls wieder eine quantitative Größe.

Quantität als Qualitätskriterien?

Nun sind quantitative Merkmale keine qualitativen Merkmale und nicht unbedingt „Qualitätsmerkmale“. Man könnte heute

  • die Aufmerksamkeit vorher benannter Medien,
  • das Vorkommen in Suchmaschinen,
  • die Anzahl der Ausstellungen etc.

messen und als Kriterien nehmen.

Was würde dies bedeuten?

Es würde bedeuten, dass vielfach die quantitativen Kriterien entscheidend sind für die Aussage, es handele sich um Qualität.

Denn der Qualitätsbegriff ist in diesem Fall nicht mehr abhängig von handwerklichen Kriterien sondern von medialen Kriterien wie Aufmerksamkeit, Präsenz und Öffentlichkeit.

Es gibt natürlich tausende von Fotoausstellungen pro Jahr. Dabei sind die im Internet nicht mitgezählt. Aber manchmal kann man mit einem Korn die Welt erklären. Daher sind für mich  die Ausstellungen, die ich hier genannt habe, ein Merkmal für den Wandel der Orientierung von Museen im Umgang mit den Veränderungen der digitalen Welt.

Und so filtert sich heraus, was wichtig wird und es muß gefragt werden, ob das Wichtige sinnvoll ist. Damit wären wir wieder bei der Qualität – einem unendlichen Thema…

Ich möchte an dieser Stelle noch einen Gedanken in die Diskussion einbringen.

Das digitale Meer (Mehr?)

„Visuelle Kultur bzw. Visual Culture Studies fragen danach, wie die Bilder entstehen, wer sie an welche Orte bringt, was sie bewirken und wohin die Bilder uns leiten. Man schreibt nicht mehr über Fotografien sondern über ihre intermedialen Vernetzungen, über Blickpraktiken, über User-Repräsentationen und Technologien des Selbst mittels Fotografien.“

Dieser Gedanke von Susanne Regener zeigt die Schnittstelle der Veränderungen. Hat dies Auswirkungen auf die traditionelle Art der Fotoausstellung? Ich denke ja und die beiden Beispiele zeigen die überlegte Reaktion von Museumsgestaltern auf die Veränderungen.

Der Stellenwert einzelner Fotos als Ikonen ist in einem Meer von digitalen Fotos zeitlich maximal minimiert. Der Bestandswert geht gegen Null und der Gebrauchswert wird im Rahmen eines ununterbrochenen Medienflusses auf die themenorientierte Leitplankenfunktion  des „Scanning“ funktionell reduziert.

So wie man sich dem Anblick des Meeres hingibt, wird man sich zukünftig dem Meer der digitalen Fotos hingeben und festgehaltene Momente als Teil des Wahrnehmungsstromes (Scanning) sehen, in dem ein Foto schon einen Moment später vom nächsten Foto abgelöst wird.

Es sind die kräuselnden Wellen des Meeres, die den Ikonen der Fotografie im digitalen Meer entsprechen und denen wir ein längeres Scannen, ein längeres Verweilen als einziges Merkmal der Abgrenzung zubilligen, bevor es wieder abgelöst wird durch neue Momente.

Und so wird die Sehnsucht nach dem Tropfen die Sehnsucht nach dem einen Foto wiederspiegeln, welches ebensogut wie ein ganzer Fotostrom sein kann. Und dies wird die Stelle sein, an der neue Chancen entstehen, irgendwie und irgendwann – vielleicht.

Der Hype garantiert Geld

Bis dahin ist es ein guter Trost, dass der Hype in der Kunst immer wieder dazu führen wird, als soziale Gebrauchsweise viel Geld  in von einschlägigen Kreisen definierten „Kunstwerken“ als Fotokunst anzulegen, so dass Fotos vielleicht ihren Wert verlieren aber einen hohen Preis erzielen und dadurch wieder „wertvoll“ werden, preislich geprochen.

Bis dahin tschüss!