Monthly Archives: März 2012

Henri Cartier-Bresson. Der Schnappschuss und sein Meister von Clément Chéroux


Alles fing mit Kodak an. Mit 13, 14 Jahren erhielt Henri Cartier-Bresson eine Brownie-Box von Kodak und entdeckte sein Interesse an der Fotografie.

Cartier-Bresson wuchs in einem vornehmen Viertel von Paris auf. Seine Familie hatte es mit Fabriken für Garne zu Wohlstand gebracht und Henri Cartier-Bresson konnte an allen Vorteilen einer solchen Situation teilhaben.

Ab 1926 besuchte Cartier-Bresson, der mehrmals beim Abitur durchgefallen war, die Akademie für Malerei von André Lhote.

Alles dies und noch viel mehr erfahren wir in dem wunderbar gestalteten und informationsreichen Buch „Henri Cartier-Bresson. Der Schnappschuss und sein Meister“ von Clément Chéroux. Offenbar war Cartier-Bresson ein Netzwerker, wie wir heute sagen würden.

Wahrscheinlich hatte er durch seine Familie schon Zugang und geöffnete Türen, die anderen nicht aufgemacht worden wären.

Chéroux schreibt, dass Cartier-Bresson Harry und Caresse Crosby kennenlernte. „Die Elite der künstlerischen und literarischen Avantgarde verkehrt in der Moulin du Soleil, dem Haus der Crosbys…. Dort trifft Cartier-Bresson Crevel und Breton wieder, begegnet Salvador Dali und Max Ernst. Dort lernt er auch Julien Levy kennen…“

1930 reist Cartier-Bresson dann nach Afrika. „Nach einem Monat erreicht er die Elfenbeinküste, wo er fast ein Jahr bleibt und verschiedenen Tätigkeiten nachgeht. Er ist Holzhändler und Plantagenbesitzer, bis er einen österreichischen Jäger trifft, der ihm beibringt, nachts mit einer Karbidlampe zu jagen, um die Beute anzulocken.“

Dann wurde er krank und kehrte nach Europa zurück.

Wie wurde er denn nun Fotograf?

Chéroux schreibt dazu: „Es ist heute schwierig, zwischen belegten Fakten und einer persönlichen Mythologie zu unterscheiden, die im Nachhinein durch eine logische Folge von auslösenden Ereignissen rekonstruiert wurde.“

Und so reiste er und fotografierte, erst in Europa und später in Südamerika.

Und schon 1933, ein Jahr nach seinem Entschluß, Fotograf zu werden, stellt er in der Galerie von Julien Levy in New York aus.

Man kann sich beim Lesen der Seiten dieses Buches und der Kontakte und Bekanntschaften, die Cartier-Bresson in den „feinen“ Kreisen machte, nicht des Eindrucks erwehren, dass hier viele helfende Hände im Netzwerk einflussreicher Beziehungen eine Rolle gespielt haben, denn allein mit den produzierten Fotos ist dies nicht erklärbar.

So lernt man umgekehrt wie Können und Kontakte (neudeutsch Networking) Wege zum Erfolg ermöglichen und die richtigen Verhältnisse dabei sehr hilfreich sein können.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs erfolgt 1947 eine Ausstellung im MOMA und er wird sich ab diesem Zeitpunkt ganz dem Reisen, dem Fotografieren und dem Vermarkten widmen. Dazu wird die Fotoagentur Magnum gegründet.

Cartier-Bresson fotografiert bekannte Schriftsteller und Künstler, trifft Politiker wie Gandhi und kann durch Türen gehen, die andere nicht einmal erreichen würden.

So wird er berühmt und eine Legende. Mir gefallen viele seiner Fotos und vor allem gefällt mir das Buch von Clément Chéroux aus dem Schirmer-Mosel Verlag.

Das Buch ist für mich das am besten gestaltete Buch über Cartier-Bresson, welches ich kenne.

Und das Buch hat mir zu der Erkenntnis verholfen, dass das Fotografieren alleine nicht reicht. Um davon leben zu können, ist das Networking und die Hilfe reicher und einflussreicher Menschen viel wichtiger.

Cartier-Bresson hat bei Andre Lhote Malen gelernt. Die Geometrie war dabei das, was für ihn am wichtigsten war.

Mit dem Satz „Am Anfang war die Geometrie“ setzte er dann seinen Weg in die fotografische Welt fort. Und der geometrische Aufbau, die visuelle Grammatik, wurde dann auch wesentliches Merkmal seiner Fotos. Diese waren am besten, wenn Form und Inhalt stimmten.

Seine Schnappschüsse stellten sich später als erarbeitete und geplante Auswahl heraus – was sie nicht mindert – oder wie Gisele Freund einmal erzählte: “Wissen Sie, ich habe doch damals, in den Dreißigern, meine erste große Reportage gemacht, für LIFE, über das Elend der arbeitslosen Bergarbeiter in Nordengland. Und der Bildredakteur, der war ganz erstaunt, daß ich von jedem Motiv nur ein Photo gemacht hatte, nur eines oder höchstens zwei. Aber das saß dann. Später, bei Magnum, hat man mir die Kontaktbögen von Cartier gezeigt, und da hatte er einen ganzen Film… und eines war dann bestimmt darunter, das er den entscheidenden Moment nannte. Auf diese Idee bin ich nie gekommen, schon weil Film so teuer war für mich.”

Und so bleibt die Erkenntnis, dass man schon planen und viel fotografieren muß, um Momente zu bekommen, die später wie Zufall aussehen können. Aber Planung reicht auch nicht, das Können liegt dann in der Anwendung der Geometrie und in der Umsetzung durch die Person mit ihren Möglichkeiten.

Ich bin ein Fan vieler Fotos von Cartier-Bresson und seiner Art zu fotografieren. Und deshalb mag ich das Buch besonders, weil es zeigt, „Meisterhaftigkeit“ in der Fotografie (wie auch immer definiert) und Erfolg sind zwei verschiedene Dinge. Cartier-Bresson hatte – je nach Definition – beides, daher wurde er bekannt und prominent. Die meisten anderen heute haben nur eines davon.

Ein großartiges Buch, aus dem man viel lernen kann.

Clément Chéroux
Henri Cartier-Bresson. Der Schnappschuss und sein Meister
ISBN-13: 9783829603775

 

Was ist Schnappschussfähigkeit?


„Der Schnappschuss und sein Meister“ ist der Titel eines Buches über Henri Cartier-Bresson. Nun konnte man mit der damals vorhandenen analogen Kameratechnik für damalige Verhältnisse offenkundig gute Schnappschüsse machen. Heute wird technisch anderes angeboten.

Und in diesem Zusammenhang spielen auch die Schnappschussfähigkeit und die Schnappschusstauglichkeit eine Rolle. Um diese Frage konkret zu beantworten greife ich mir eine aktuelle Kamera heraus, die Casio EX-ZR200.

Casio selbst schreibt dazu: „Während andere Kameras noch das Objektiv ausfahren, machen Sie mit der EX-ZR200 längst die besten Fotos und Videos: In ca. 0,98 Sekunden ist die EX-ZR200 einsatzbereit. Um unterschiedliche Motive schnell einzufangen, können Sie mehrere Fotos hintereinander in einem zeitlichen Abstand von nur ca. 0,27 Sekunden aufnehmen. Außerdem ist die Kamera mit einem sehr schnellen Highspeed-Autofokus ausgestattet: Dieser benötigt gerade mal ca. 0,13 Sekunden, um einen Fokuspunkt zu finden und scharf zu stellen. So verpassen Sie keinen schönen, spannenden oder einzigartigen Moment mehr.“

Was ist Schnappschusstauglichkeit und was nicht mehr?

Chip.de nennt eine Auslöseverzögerung von 0,33 Sekunden für z.B. die Sony WX1 „richtig flott“ und für die Powershot S100 werden 0,37 Sekunden als „ausreichend flink“ angesehen. Für die Powershot G1X stellen die Tester von chip.de fest: „Der Autofokus braucht zum Schärfen 0,54 Sekunden im Weitwinkel und 0,67 Sekunden im Tele – knapp an der Schnappschusstauglichkeit vorbei.“

Ich denke, das zeigt den Rahmen für die Beurteilung der Schnappschusstauglichkeit. Man kann dies nun zunächst gleichsetzen mit dem Wort Auslöseverzögerung.

Schnappschusstauglichkeit = Auslöseverzögerung ?!

So wird auf digicam-beratung.de geschrieben: „Die Auslöseverzögerung ist die Zeitspanne vom Betätigen des Auslösers bis zum Erstellen des Bildes. Die Zeit setzt sich zusammen aus der Zeit für das Fokussieren, die Belichtungsmessung und dem eigentlichen Auslösen des Verschlusses. Wenn man, durch halbes Betätigen des Auslösers, vorfokussiert, erreicht man die geringstmögliche Auslöseverzögerung, da die AF-Zeit entfällt.“

Schnappschusstauglichkeit = Auslöseverzögerung + Serienbildmöglichkeiten + Videofähigkeiten?

Heute muss offenbar die Schnappschusstauglichkeit ergänzt werden um die Serienbildgeschwindigkeit und die Videofähigkeiten. Dazu zunächst ein Video, das sich mit den Videofähigkeiten der EX-ZR200 beschäftigt. Der Autor kommt zum Schluss, dass nun eine 2008 knapp tausend Dollar teure Kamera mit richtig guten Videofähigkeiten von Casio in der Casio EX-ZR200 ihre Wiederauferstehung feiert.

So interessant dieses Video ist, so anders argumentiert der Autor des folgenden Videos:

Ich habe diese beiden Videos ausgewählt, weil sie zeigen, wie unterschiedlich man etwas bewerten kann. Während der Eine völlig zufrieden damit ist, aus einer Reihe von Möglichkeiten die richtige Videogeschwindigkeit und Auslöseverzögerung auswählen zu können, ist der Andere völlig unzufrieden damit, dass er nicht alles manuell einstellen kann.

Achten Sie mal auf die Fokusebene in den beiden Videos. Im oberen Video wird ein Beispiel gezeigt, bei dem die Kamera gleichmäßig die Bewegung des Golfers an einer horizontalen Linie aufzeichnen kann. Im unteren Video steht die Kamera hinter dem Golfer, so dass quasi eine vertikale Bewegung erfolgt, bei der der Golfer nur an einem Punkt des Bewegungsablaufes scharfgestellt werden kann.

Von der Schnappschusstauglichkeit zum Schnappschuss

Aber eigentlich kommt es mir darauf an, zu zeigen, dass die Schnappschusstauglichkeit allein noch keine Schnappschüsse garantiert.

Denn der Weg zum Bild erfolgt über das Erkennen der Situation, dem Klarmachen der Kamera, dem Scharfstellen und dem Auslösen bei einem einzelnen Foto.

Und dann kommt es auf die Situation an. Aber selbst dies reicht nicht.

Abdrücken reicht nicht

Denn die Kamera kann den subjektiven, gestaltenden und auswählenden Blick der Fotografin und des Fotografen nicht ersetzen.

Und genau hier möchte ich die Schnappschussfähigkeit einführen.

Es gibt eben nicht nur die Schnappschusstauglichkeit der Kamera, um eine kurze Auslöseverzögerung zu ermöglichen. Es gibt auch die Fähigkeit der/des Fotografierenden, eine Situation zu erfassen und festzuhalten. Das ist die Schnappschussfähigkeit und nur dies macht die Individualität von Fotos aus.

Fazit

So ist die Schnappschussfähigkeit eine Fähigkeit von Menschen und die Schnappschusstauglichkeit eine Eigenschaft von Fotoapparaten, eine fotografisch interessante Situation zu erkennen und festzuhalten.

Dies zusammen kann zu jeder Jahreszeit wunderbare Schnappschüsse ermöglichen. Na dann!

Dokumentarfotografie oder Leben im Subraum

Begegnung

Foto: Michael Mahlke

DIE Webseite zur Dokumentarfotografie

Dies ist eine Webseite, die Gedanken aus der alten Welt in die digitale Zeit hineingeholt hat. Der Schwerpunkt ist Dokumentarfotografie im digitalen Zeitalter, also der Umgang mit der Welt und den Möglichkeiten der Fotografie.

Aspector hat zu einem Artikel von mir einen Kommentar geschrieben zum Thema „Neue Strassenfotografie“. Darin heisst es: „Der Prozess einer fortschreitenden Dekonstruktion der normativen Gültigkeit von traditionellen, als essentiell erachteten Regelwerken, Geboten und Konzepten des Kunstschaffens ist ja nichts grundlegend Neues…. Vor diesem Hintergrund läßt sich wenig Konkordanz für die oben aufgeführten fünf – wunderbaren konzeptionellen – definitorischen Regularien für die “wahre Streetfotografie” erwarten. Und leider ist es eben doch so, daß Regeln, die nicht ausgeführt, befolgt, beachtet werden – dann eben tot sind! Jedenfalls im “allgemeinen Verständnis”, anglizistisch näherungsweise: im “mainstream”. Natürlich gibt es in unserer multipluralen, aufsegmentierten Gesellschaft dann wieder Subräume, in denen das Alles weiter gilt – in einer Art kontrastivem Purismus vielleicht noch intensiver.“

Finde ich gut und sehr anregend!

Denn die Ziele hier sind

  • Bewahren, was mir wichtig erscheint: das fotografische Erbe (die visuelle Art zu sehen und festzuhalten) von Fotografen wie Henri Cartier-Bresson.
  • Anwenden auf die Fotografie von heute und Abgrenzen von Fotokunst in der digitalen Welt.
  • Diskutieren von einigen Kameras und technischen Ansätzen für Dokumentarfotografie durch den Filter der Erkenntnis, dass das Neue öfter auch der Feind des Guten ist.

Das habe ich alles getan – 200 Artikel lang. Durch einen Gastartikel zum Thema „Was wird aus dem Papierbild?“ wurden dann noch die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie beleuchtet. Dies führte zu weiteren Artikeln, die den Blick auf die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie mit eingeschlossen haben und dauerhaft hier verankerten.

Damit ist der Subraum zunächst gefüllt und geordnet. Und ganz persönlich bin ich sehr froh, dass es mir möglich war, diese fotografischen Schätze in die digitale Welt zu führen und dort zu etablieren mit Hilfe von Artikeln, die als Orientierung für klassisch gute Fotografie, für geschultes Sehen und für die Philosophie der Lebendigkeit dienen.

Foto: Michael Mahlke

Aber diese Webseite ist kein Museum sondern lebt. Es geht um das Weitergeben der Feuers und nicht um das Bewahren der Asche.

Und deshalb sind nun weitere Schritte unter neuen Bedingungen in der Welt der digitalen Fotografie notwendig. Durch das Experimentieren/Fotografieren und das Sammeln von Erfahrungen mit dem hier gesammelten Schatz an Wissen geht die fotografische Reise durch die digitale Welt weiter.

Dokumentarfotografie in der digitalen Welt

Da das digitale Meer ständig größer wird, muß neben die Reflexion die zunehmende Praxis treten. Ich habe in fast allen großen Tageszeitungen im letzten Jahr beobachten können, wie digitale Filter, Panning und Blur, tonaler Kontrast und die Änderung der Perspektive den neuen Alltag ausmachen.

Immer mehr Reportagen werden mit Handys gemacht und bis ISO 400 sind zunehmend mehr der „besseren“ Kompaktkameras in der Praxis – wenn es nicht um maximale Ausschnittvergrößerung geht – gleichrangig zu grossen Kameras für Print und Web.

Fotografieren bedeutet heute das Bearbeiten von digitalem Material in der Kamera und/oder am Computer. So tritt neben die eigentliche Aufnahme mit Cadrage und Blick die Bearbeitung mit den unendlichen digitalen Möglichkeiten.

Da die Halbwertzeit von Fotos in der Multimediagesellschaft maximal reduziert wurde und Fotos heute vielfach einen wesentlich höheren Gebrauchswert mit wesentlich kürzerem Bestandwert haben, muß man dies als Voraussetzung des eigenen Tuns in der Öffentlichkeit akzeptieren.

Wenn man dies wieder in konditionierte Subräume verlagert (auf digitalen Webseiten) dann kann man dort die Schnellebigkeit durch die Langlebigkeit für die Besucher dieses Subraumes darstellen. Aber die öffentlichen Bereiche sind durch das Neue bestimmt.

Kompaktkameras und Handys halten die Welt fest

Es ist an der Zeit, die digitalen Möglichkeiten in der Anwendung mit neuen kleinen Kompaktkameras und Handys zu leben und die digitale Dokumentarfotografie als eigenständiges Arbeitsfeld zu sehen.

Dies habe ich erstmals in dem kleinen Ebook zum Thema „10 gute Fotos zur Streetphotography mit Kompaktkameras“ umgesetzt. Dabei stand noch die visuelle Tradition im Vordergrund.

So wird der Blick sich hier ändern. Dokumentarfotografie und auch Strassenfotografie haben den Vorteil, fotografisch einfach eine Situation einfangen zu wollen.

Dazu braucht man kein Studio und kein riesiges Equipment. Und heute bearbeitet man einfach so nach wie man will, um Eindrücke entstehen oder verschwinden zu lassen.

Foto: Michael Mahlke

Und dazu braucht man heute eben nur noch eine gute Kompaktkamera und/oder ein Handy. Zudem werden langsam selbst die grösseren Kameras kleiner, so dass man vielleicht sogar den Begriff der Kompaktkamera neu definieren muß…

Der Zufall als Motiv

Als ich letztes Jahr die Zeitgeist-Fotografie ausrief, da ahnte ich schon, dass es viel Zeit braucht, um wirklich gute Situationen als Metaphern zu finden und fotografisch festzuhalten. Bisher habe ich nur drei gefunden, andere vielleicht schon mehr. Das kommt auf den Anspruch und den Zufall an.

Bücher und Fotos

Aber diese Webseite lebt davon, dass ich über Fotografie schreibe, die sich immer noch oft in Büchern wiederfindet und dieses Wissen in Relation setze zu eigenen fotografischen Erfahrungen. Bücher halten Fotos fest und ordnen sie. Und Fotos halten Situationen fest.

Das alte Wissen habe ich in die neue Zeit überführt und das neue Wissen muß nun erfahren und reflektiert werden – auch von mir.

Ich hoffe, auch zukünftig so anregende und tiefe Kommentare zu erhalten und vielleicht dadurch umgekehrt die Wege und die Ziele im Wechselspiel neu zu justieren.

Auf dem Weg in die digitale Klassik der Fotografie

Daher wird diese Webseite dies aufnehmen und im eigenen Rahmen umsetzen. Das ist der Weg – und das Ziel. Es ist der Weg in eine digitale Fotoklassik, in der mit den neuen technischen Möglichkeiten die Wirklichkeit durch Fotos dargestellt wird – aber ganz im Sinne der klassischen Dokumentarfotografie mit Engagement und Augenmaß!

Der Weg ist das Ziel

Und wenn man da ist (wo man hin will?), dann weiß man auch, dass der Weg nicht gesucht sondern nur gefunden werden kann durch die Aneignung der Welt, indem man einfach lebt im Sinne von Da-Sein.

Mr. Spock würde sagen „Faszinierend“ – in diesem Sinne …

Text Version 1.1

Industrious von Marco Grob & Hiepler, Brunier

© INDUSTRIOUS - Photographs by Marco Grob & hiepler, brunier, published by teNeues in March 2012, www.teneues.com. Michel Ménart, Obourg, Belgium, 2010 Photo © Marco Grob, © 2012 Holcim IP Ltd.

Dieses Buch dokumentiert den Baukonzern Holcim.

„Zum hundertsten Firmenjubiläum macht der Baukonzern Holcim sich und seinen Mitarbeitern ein einzigartiges Geschenk. Starfotograf Marco Grob und das Künstlerduo hiepler, brunier, wurden eingeladen, in Steinbrüchen, Zement- und Betonwerken rund um den Globus Werktätige und Produktionsanlagen zu fotografieren. Herausgekommen ist dabei eine Hommage an die 80 000 Mitarbeiter in 70 Ländern.

Mit seinen einfühlsamen wie direkten Porträts gibt Marco Grob dem Unternehmen gleichsam ein Gesicht. Dagegen erscheinen die Orte, an denen die Menschen arbeiten, in den Architekturfotografien von hiepler, brunier, in abstrakter Schönheit.

Die so entstandenen Schwarz-Weiß-Bildserien sind von großer suggestiver Kraft und führen trotz ihrer Unterschiedlichkeit die Tradition der neusachlichen Fotografie eines August Sander und Albert Renger-Patzsch in zeitgemäßer Form fort.“

Dieser Text zeigt den Rahmen und den Anspruch, den das Buch erfüllen soll. Kann es das?

Ich habe mir die Frage gestellt, welches Selbstbild hat der Baukonzern und welches Selbstbild haben die Autoren? Und was kommt dabei dann als Ergebnis raus?

Wie schreibt Dr. Matthias Frehner vom Kunstmuseum Bern im Buch?

„Menschen ohne deren Einverständnis zu fotografieren ist inzwischen ein Tabu. Die Zeiten sind definitiv vorüber, in denen Fotografen ihre Stative aufstellen konnten, wo immer es ihnen beliebte. Industriefotografie, wie sie der Pionier Albert Renger-Patzsch in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf den damaligen Industrieschauplätzen praktizierte, ist heute nahezu inexistent. … Marco Grob wurde die Aufgabe übertragen, vor Ort nach subjektiven Kritierien Werktätige zu porträtieren; Hiepler, Brunier konnten in ebensom freiem Ermessen die Produktionsanlagen fotografieren.“

Es ist ein Buch, das schöne Porträts von Menschen in Schwarzweiss zeigt. Es sind Menschen, die bei Holcim arbeiten. Es ist ein schönes Buch, das auch schön sein will.  Es ist fotografisch ohne Ecken und Kanten. Bei Schwarzweissaufnahmen kommt es auf die Strukturen an. Und so ist alles irgendwie schön strukturiert. Die Strukturen auf den Fotos sind schön anzusehen, die Porträts sind schön anzusehen und die Produktionsanlagen auch.

Es „porträtiert“ Holcim. So entsteht ein Buch mit menschenleeren Produktionsanlagen einerseits und Porträts von Menschen andererseits.

Aber es ist kein Buch über Arbeit und das will es auch nicht. Es werden keine Bilder von Menschen bei der Arbeit gezeigt und schon gar nicht solche wie sie z.B. Edward Burtynsky gemacht hat.

Ich würde auch nicht August Sander als Beispiel nennen, denn der hat anders fotografiert, dokumentarisch und aus dem Leben heraus. Aber es ist ein sehr seltenes Buch über einen Konzern und es ist ein Buch mit schönen Porträtaufnahmen.

Das Kunstmuseum Bern schreibt zu der gleichnamigen Ausstellung auf seiner Webseite:

„Die Bilder, entstanden an 35 verschiedenen Destinationen und verteilt über fünf Kontinente, nehmen die Betrachterinnen und Betrachter auf eine visuelle Weltreise mit. Die Ausstellung und der eindrückliche Fotoband sind ein leuchtendes Beispiel für die Entwicklung von Kunst aus einem Auftragsverhältnis.

Der international gefragte Schweizer Fotograf Marco Grob löste unvergessliche Gesichter aus über achtzigtausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Konzerns heraus. Jedes Porträt gibt dem Betrachter Einblicke in individuelle Lebenstiefen und Existenzerfahrungen unserer Gegenwart.

Das Berliner Fotografenteam Hiepler und Brunier dokumentierte die Anlagen für die Herstellung von Zement, Zuschlagstoffen und Transportbeton. Damit vergegenwärtigen sie Produktionsprozesse, die in der globalisierten Welt überall gleich ablaufen und dennoch an jedemStandort eine neue Präsenz erlangen.“

So ist dieses Buch kein Beispiel für Dokumentarfotografie sondern für Fotokunst aus einem Auftragsverhältnis. Und vielleicht ermöglicht der Blick in die Porträts in dem Buch dem Betrachter ähnlich tiefe Einsichten zu den „Lebenstiefen und Existenzerfahrungen“ wie es den Ausstellungsmachern möglich war. Das wäre optimal.

Foto: Michael Mahlke

Das Buch ist im Verlag teneues erschienen. Es ist hervorragend verarbeitet und ein Beispiel für die digitalen und technischen Möglichkeiten heutiger Schwarzweissfotografie.

Industrious
Vorworte von Klaus Töpfer, Matthias Frehner

Marco Grob & Hiepler, Brunier

ISBN:978-3-8327-9539-9

Endlich klar: Jeder darf sich Fotograf nennen

Foto: Michael Mahlke

Es war lange strittig, wer sich in Deutschland Fotograf nennen darf.

Ich habe diese Frage vor längerer Zeit schon thematisiert.

Der Rechtsanwalt Wolfgang Rau hat nun ein Buch mit dem Titel „Recht für Fotografen“ geschrieben.

Er ist ehrenamtlich Justitiar des Deutschen Verbandes für Fotografie (DVF).

Im Kapitel „Gewerblich fotografieren“ gibt er eine klare Information.

Dort schreibt er: „Entgegen vielfach gegenteilig vertretener Auffassung ist die (Berufs-)Bezeichnung „Fotograf“ nicht geschützt und kann von jedem, der fotografiert, verwendet werden.“

Es war auch eine sehr paradoxe Situation, dass man sich die Frage stellen musste, bin ich ein Fotografierer oder darf ich mich Fotograf nennen?

Wer im Ausland als „photographer“ arbeitete, der durfte sich in Deutschland z.T. offenkundig nicht Fotograf nennen.

Selbst im Bundesinstitut für Berufsbildung war man 2011 noch anderer Auffassung: „Eigentlich ist es ganz einfach: Fotograf oder Fotografin darf sich nennen, wer eine Ausbildung nach der anerkannten Verordnung über die Berufsausbildung zum Fotografen/zur Fotografin erfolgreich absolviert hat. Diese Ausbildungsverordnung wurde zuletzt 2009 modernisiert, sie trat am 1. August 2009 in Kraft. Allerdings kann jeder/jede diesen Beruf ausüben, da es keine gesetzlichen Voraussetzungen gibt. Er/sie muss sich nur anders nennen.“

Ich freue mich sehr, dass der Fotograf und die Fotografin nun nochmals publizistisch-juristisch in die Freiheit entlassen worden sind.

Es kommt eben auf die Bilder an und nicht auf das Etikett.

Aber. Wer sich Fotograf nennt oder dies durch Fotografieren praktiziert, der hat eben nicht nur das Recht, sich Fotograf oder Fotografin nennen zu dürfen, sondern auch die Pflicht, die für Fotografinnen und Fotografen geltenden und beschränkenden Gesetze zu respektieren und anzuwenden.

Und deshalb reicht es nicht, diesen Artikel zu lesen, sondern ich empfehle dringendst ein Buch wie das von Wolfgang Rau zu lesen, online oder gedruckt. Denn wer bloggt, mit dem Handy fotografiert oder mit der Kamera, der hat auf eine Menge zu achten – egal wie er/sie sich nennt.

 

 

Aktuelle Kamera-Schnäppchen

Über 100 neue Kameras wurden dieses Jahr schon vorgestellt.

 

  • Sind sie besser als die Kameras vom letzten Jahr oder davor?
  • Welches Preis-Leistungsverhältnis stimmt?
  • Wie findet man die richtige Kamera und bezahlt nicht zu viel? Dazu habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben.

 

Ich möchte hier ein paar aktuelle Eindrücke wiedergeben von Kameras und Preisen (zum Zeitpunkt meiner Abfrage im Internet), die ich empfehlenswert finde:

 

  • Die Nikon P300 gibt es aktuell mit original Nikon Tasche und 4 GB Karte für 179 Euro. Es ist eine Kamera mit Lichtstärke F1,8, sehr gutem Weitwinkel und ausser RAW kann sie eigentlich alles, was man sich als Fotoprofi für das Web wünscht.
  • Die Casio EX-H20G mit GPS gibt es aktuell für 125 Euro. Es ist eine Reisekamera für Automatikfreunde, die komplette Reisen aufzeichnet und einen sehr langlebigen Akku hat.
  • Die Olympus E-PM1 kostet 199 Euro, die E-P2 kostet 254 Euro, die E-PL1 kostet 143 Euro. Alle Preise beziehen sich auf das Gehäuse plus Zubehör ohne Objektiv. Damit erhält man erstklassige Systemkameras, die mit jeder Art von MFT-Objektiv genutzt werden können und diese sind preiswert gebraucht oder neu erhältlich.
  • Die Ricoh CX4 gibt es aktuell für 123 Euro. Es ist eine Kamera, die mit sehr gutem Display und guter Optik von 28-300 Millimeter punktet.
  • Die Canon Powershot s95 gibt es für 270 Euro. Eine der besten und professionellsten kleinen Kameras, die jemals gebaut wurden.
  •  Und es gibt aktuell komplette Einsteiger-Kombinationen von DSLR und Kit-Objektiv für 400 bis 450 Euro.

 

Natürlich können die hier von mir genannten Preise für Neuware mittlerweile schon wieder verändert sein. Ich habe sie am 17.03.2012 um 7 Uhr im Internet abgefragt. Übrigens sind sie in manchem Fotoladen und Fotomarkt noch günstiger, wie ich immer wieder bei Besuchen feststelle.

Es lohnt sich schon zu schauen. Denn für gute bis sehr gute Bildqualität bei niedrigen ISO sind diese Kameras allemal gut. Und welchen Mehrwert Kameras haben, die teurer sind, sollte man sich genau anschauen.

Wichtig: Dieser Artikel gibt nur meine persönliche Meinung wieder.

Fotografie zwischen Algorithmus und App – und ohne Grenzen?

Haare und Blicke – Foto: Michael Mahlke

Persönliche Beobachtungen und Einschätzungen

Wir leben in einer fotografisch spannenden Zeit. Weil immer mehr von der Hardware auf die Software verlagert wird, verschmelzen immer mehr Bereiche. Es entsteht die digitale Softwarewelt. Dies hat Auswirkungen auf das Fotografieren und das Entstehen von Fotos. Die aktuelle Zeit scheint ein Meilenstein in dieser Veränderung zu werden.

Das Nokia 808 PureView

Symbol für die neue Zeit ist das Nokia 808 PureView. Das Handy setzt auch fotografisch neue Massstäbe und wird in meinen Augen den Wechsel von der Kompaktkamera zum Handy mit integrierter Kompaktkamera beschleunigen, zumal es im Gegensatz zur Kamera für Rechts- und Linkshänder gleichermassen geeignet ist.

Und es ist eben nicht nur eine Kamera sondern eine neue Technik für das Aufnehmen, die neue Wege nutzt. Durch Software Algorithmen wird  es möglich, Pixel zu bündeln und Fotos auf neuem Weg entstehen zu lassen, die scharf und klar sind. Algorithmen sind auch in Apps und sie haben etwas miteinander zu tun.

Die Apps

Am Anfang war das Programm, das Software-Programm. Wenn wir mit den DOS-Rechnern anfangen, dann gab es dort ein Betriebssystem, MS-DOS. Dieses Betriebssystem bestand aus einer Reihe von Programmen, die alle eine spezielle Aufgabe hatten. Eins regelte das Zusammenspiel von Tastatur und Zentraleinheit, ein anderes sorgte für die Zeichen am Bildschirm, das Programm Format.exe ist sicherlich auch noch einigen bekannt usw.

Was das Betriebssystem nicht hatte, wurde von Dritten angeboten. Spezielle Software zum Schreiben, Rechnen, Drucken etc. Darauf aufbauend entwickelte sich eine ganze Softwareindustrie und so wurde das Betriebssystem DOS immer flexibler.

Das gleiche Spiel erlebten wir bei Windows und später bei MACs. Aber diese Betriebssysteme boten immer mehr Programme schon direkt dabei an, integriert. Als die Prozessoren immer schneller wurden und die Rechner immer kleiner und dann der Rechner mit dem Handy verschmolz entstand wiederum die App.

Programm = Applikation = App – so einfach ist das. Nun gibt es Millionen von Apps für immer mehr Dinge, einige sind kostenlos erhältlich gegen Nutzung der Anwenderdaten, andere muss man kaufen.

Der Algorithmus

Jürgen A. Lamers hat einmal geschrieben: „Die Zutaten sind die Eingabe (Input) des Prozesses, der Kuchen ist die Ausgabe (Output) und das Rezept der Algorithmus.“

Auf informatikjahr.de finden wir den Satz: „Algorithmen sind clevere Verfahren, Probleme verschiedenster Art effizient lösen.“

Wenn es ein Wort geben würde, das die aktuelle Situation in unserer Zeit bezogen auf unser Thema zusammenfasst, dann ist dies in meinen Augen der Algorithmus.

Denn die Algorithmen sind das Herz jeder modernen Technik und sie regeln letztlich alles in diesem Bereich.

Sie sind die Grundlage für jede App und sie sind auch die Grundlage für die neue Technik des Fotografierens.

Sie können uns das Leben leichter machen. Diesen Fall erleben wir gerade. Das Fotografieren und das Erstellen von Fotos kommt in eine neue Dimension. Die nächsten Jahre werden dabei ebenso umwälzend sein wie die Erfindung des Buchdrucks es war.

Und wir sind mittendrin in dieser Zeit. Wir sind Zeitgenossen und leben und erleben diesen Teil der neuen Technik.

Der Kampf der Sensoren

Was haben wir nicht alles für Sensoren in der letzten Zeit kennengelernt. BSI und EXR sollten schon die Technik revolutionieren. Und dieses Jahr sind schon sehr viele neue Kameras herausgekommen oder angekündigt worden, die das Fotografieren mit noch besseren Fotos ermöglichen sollen.

Besser ist nicht immer mehr. Und mehr ist oft weniger. Und manchmal ist mehr anders.

Die meisten Menschen haben heute neben einem Portemonaie = Geldbeutel und einem Schlüssel ein Handy dabei. Das Portemonaie, neudeutsch Portmonee, soll ja abgeschafft werden, weil mit dem Handy bezahlt werden soll. Mit solchen Ansätzen wird der Kampf um das Handy einer der Schlüsselkämpfe des 21. Jhrdts. werden.

Früher war der Kampf um das Wohnzimmer der Schlüsselkampf. Welcher Fernseher, in welcher Größe und mit welchen Programmen war die Frage? So ähnlich wird es jetzt wohl beim Kampf um das Handy werden.

Und wenn das Handy der Ort zum Bezahlen, zum Fotografieren und zum Kommunizieren wird, dann ist klar, was geschieht. Es ist der Kampf um die Schlüssel zur Zukunft. Denn es ist der Ort, an dem das Geld verdient werden kann. Noch mehr, noch individueller und noch längerfristiger.

(Obwohl dies ein Artikel zum Thema Fotografie ist, will ich doch darauf hinweisen, dass der Kampf um das Handy mehr ist. Es ist ein Kampf um Kontrolle und Macht, politisch, sozial und ökonomisch.  Aber dies hier nur am Rande.)

Die Blog-Fotografie

Wenn ich mir einige neuere Blogs anschaue, dann fällt mir auf, daß immer mehr fotografiert wird. Und zwar mit dem Handy. Und diese Fotos werden per Instagram oder anderer Software als Photo-Sharing/Foto-Verteilung täglich eingestellt.

Also, ich weiß nicht. Warum sollte man so viel Zeit dafür aufwenden, sich durch hunderte dieser banalen Fotos zu wühlen? Abgesehen davon scheinen nicht wenige davon die Rechte Dritter zu verletzen.

Wer da viel Streetfotografie per Handy macht, der sollte vielleicht mal ein Buch zum Thema Fotografie und Recht lesen.

So werden auch noch andere als nur visuelle und mediale Kompetenzen für den Umgang mit digitaler Fotografie erforderlich werden.

Und hier zeigt sich auch mal wieder, daß der Schutz der Persönlichkeit immer wieder neu erfunden werden muß. Nur weil man technisch so vieles kann bedeutet dies nicht, dass man deshalb damit auch alles machen darf. Die Zukunft der Privatsphäre liegt gerade darin, dass man sie im digitalen Zeitalter neu schafft und nicht abschafft. Zu den Menschenrechten gehört das Recht auf  Privatsphäre auch ausserhalb der eigenen Wohnung. Und draussen ist übrigens auch nicht gleich Öffentlichkeit.

Bis zum Tod

Ich schreibe dies bewusst, weil es mittlerweile immer mehr Trauer-Webseiten gibt, bei denen man eigene Fotogalerien einstellen kann zu Traueranzeigen. Und ich erlebe auf Beerdigungen zunehmend das ungefragte Fotografieren.

Ich finde dies unverschämt und verletzend, weil ich das Recht zum Trauern und zum Abschiednehmen allein und nicht fotografiert wahrnehmen will.

Aber auch hier kann es sein, daß solche Angebote auf Webseiten erst das Verhalten schaffen, was man vorher nicht gemacht hat.

Und deshalb sind klare Schutzbestimmungen wichtig.

Es fehlt eine App

Mir fehlt eine App, die Zuschauer-App. Ich finde, wer heute als Zuschauer gezwungen werden soll, sich durch hunderte von banalen Fotos zu wühlen, die auch noch fast täglich massiv erneuert werden per Handy, der sollte für das Anschauen der Fotos bezahlt werden.

Pro Foto einen halben Cent oder so.

Denn wer sich nicht mal die Mühe macht,  für seine Besucher eine Vorauswahl zu bieten und sie quasi zwingt, sich erst durch diesen ganzen digitalen Wust zu wühlen, der sollte auch dafür bezahlen.

Wäre das was?

Das Fotografieren

Es wird wohl noch eine Weile so bleiben, daß man einfach zur Kamera greifen kann, um damit durch die Städte, Strassen und Länder zu streifen und die Natur zu beobachten.

Damit ist die Kamera auch eine Chance, den Weg zurück in die echte Welt und die nicht-digitale Wirklichkeit der Menschen, Tiere und Gesellschaften zu finden und sich an der einfachen Wahrheit zu erfreuen.

„Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ – wobei immer mehr digitale Fotos nicht immer mehr Leben sind.

In diesem Sinne

Text 1.1

Recht für Fotografen von Wolfgang Rau

Dieses Buch sollten alle Bloggerinnen und Blogger lesen, die Fotos ins Internet setzen und alle, die Ärger beim und nach dem Fotografieren vermeiden wollen.

Es ist ja so einfach. Ich gehe mit dem Handy (oder einer Kamera) los und mache an der S-Bahn ein paar Fotos. Ich fotografiere einen Mann beim Essen oder Trinken, ich fotografiere den Bahnsteig mit vielen wartenden Menschen, ich schicke über mein Smartphone, Iphone oder ähnliches die Fotos sofort ins Internet auf z.B. Instagram, Blogspot, Facebook, Google oder an eine andere Adresse.

Das ist modern – und das kann die Verletzung von Gesetzen in vielfältiger Weise sein!

Wolfgang Rau, Jurist und Fotograf, hat im Galileo Press Verlag ein Buch veröffentlicht, das als Nachschlagewerk und Einstieg die schwierige juristische Materie auch für Laien gut erklärt und durch die übersichtliche Gliederung erfahrbar macht.

Wenden wir uns nun noch einmal dem obigen Fall zu!

Ich stehe also an der S-Bahn in Berlin und warte auf meinen Zug. Die S-Bahn hat eine Hausordnung. Und da steht drin: „Folgendes ist nur nach vorheriger Genehmigung durch das Bahnhofsmanagement gestattet: ….. Gewerbliche Foto-, Film- und Fernsehaufnahmen.“

Ich sage/denke natürlich, das ist nur für meinen privaten Gebrauch. Aber darf ich das dann und wo ist der Unterschied zwischen gewerblich und privat?

Auf Seite 84 in seinem Buch schreibt Wolfgang Rau zu dieser Art von Situation: „In der praktischen Konsequenz bedeutet die Einschränkung „nur zum privaten Gebrauch“, dass Sie für die eigene Nutzung und die Nutzung durch ihre Familie und engsten Freunde Fotos anfertigen können. Veröffentlichen dürfen Sie die Bilder jedoch nicht! Auch dann nicht, wenn damit keine kommerziellen Interessen verfolgt werden. Es sind mehr oder weniger nur Erinnerungsfotos zulässig, die danach ihr Dasein im Fotoalbum oder auf der Festplatte fristen.“

Privat bedeutet hier eben nicht, ich darf es einfach online setzen.

Privat bedeutet eben, ich darf es nicht online setzen, so dass es sehr darauf ankommt, was ich auf dem Foto habe.

So gibt uns der Autor die Möglichkeit, unser Online-Verhalten auch juristisch besser zu kontrollieren.

Wolfgang Rau stellt Fragen und gibt Antworten: Worin besteht der qualitative Unterschied zwischen Lichtbild und Lichtbildwerk? Was ist Öffentlichkeit, was ist Panoramafreiheit? In welchen europäischen Ländern gilt sie und wo nicht?

So gelingt es dem Autor, uns beim Fotografieren sicherer zu machen, weil wir wissen, was wir dürfen und was nicht.

Und dann kommt er zum Thema Menschen, natürlich ein Kernthema der juristischen Betrachtung von Fotografie.

Ob minderjährig, verstorben, nackt oder in der Gruppe. Alle relevanten Probleme werden zielsicher angesprochen und praktisch klar beantwortet.

Sehr schön sind auch die im Text befindlichen Kästen mit Merksätzen wie „Aufnahmen ohne Einwilligung sind im Zweifel rechtswidrig“.

Wenn wir uns weiter durch das Buch arbeiten, stossen wir auf eine einfache Frage: Was ist eine Versammlung?

Es wird ja gerne als Entschuldigung für publizierte Fotos gesagt, das sei in der Öffentlichkeit und/oder auf einer Versammlung gemacht worden.

Aber sind Sonnenbadende auf einer Wiese, sind Passagiere in der Wartehalle, sind Besucher einer Kirmes oder wartende Menschen eine Versammlung oder Teil einer Öffentlichkeit, die frei fotografiert werden darf?

Und es geht weiter: Wolfgang Rau schildert auch das Problem der Strassenfotografie und analysiert die Fotos von Henri Cartier-Bresson. Und er schreibt den heutigen „Strassenfotografen“ eine klare Botschaft ins Stammbuch: entweder liegt eine Einwilligung vor oder die Personen dürfen nicht erkennbar sein.

Wie man dies macht, habe ich an anderer Stelle versucht, praktisch zu vermitteln.

Aber er schreibt auch über die andere Seite.

Wie schützt man seine Rechte, was bedeutet Herausgabe des Verletzergewinns, gibt es evtl. Entschädigungen? Klar und präzise wird dies alles erläutert. Und er gibt viele Hinweise, wie man richtige Verträge macht, um die Rechte an Fotos zu schützen.

Sehr schön ist auch das Kapitel „Wenn das Hobby zum Beruf wird“.

Für mich persönlich ist seine klare Aussage zur Frage, wer sich Fotograf nennen darf, sehr bemerkenswert. Er sagt, die Bezeichnung „kann von jedem, der fotografiert, verwendet werden.“

Damit habe auch ich endlich eine klare Antwort zu diesem Thema, das ich schon vor längerer Zeit problematisiert hatte.

Abgerundet wird das Buch mit  Beispielen für Property Release, Model-Vertrag etc.

Man merkt sehr schnell, wie hoch der Nutzwert dieses Buches ist.

Es ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis und es ist ein Buch von einem Juristen, der eben auch als Fotograf blicken kann. Das ist wohl die seltene Kombination, die aus diesem Buch ein gelungenes Buch mit einem sehr hohen Nutzen macht.

So erfüllt es umfassend den eigenen Untertitel „Der Ratgeber für die fotografische Praxis“.

Wolfgang Rau:

Recht für Fotografen. Der Ratgeber für die fotografische Praxis

Galileo Design

ISBN 978-3-8362-1795-8

 

Diogenes in der Tonne oder welche Kamera ist gut für diskrete Reportagefotos?

Ein bisschen Meinung

Foto: Michael Mahlke

Von der Leica zur Fuji?

Früher war es die Leica M. Cartier-Bresson fotografierte am liebsten mit einer 50mm Brennweite, zumindest wird ihm das nachgesagt. Daneben benutzte er die 35mm. So wurde er bekannt als Fotograf, der mit einer Normalbrennweite wunderbare Fotos schoß.

Stellt man sich die Frage, womit man heute die Reportagefotografie am besten erledigt, dann merkt man schnell, dass dies einige Gedanken wert ist.

Kriterien sind im klassischen Sinne

  • Sucher,
  • grosser Sensor,
  • leises Auslösegeräusch,
  • umgerechnet auf Kleinbild ca. 35mm Objektiv
  • und nicht zu groß.

Wobei mir bei den Sensoren der APS-C Chip mit dem Cropfakter 1,5 besser gefällt als das Vollformat.

Natürlich kann es die Leica M mit einem 35mm Objektiv, aber sie hat einen manuellen Fokus und ist sehr teuer im Verhältnis zum Ergebnis, nämlich digitalen Fotos.

Natürlich kann es die Fuji X100, meiner Einschätzung nach DIE Kamera für Reportagefotografie in traditioneller Kameraform auf modernem Niveau aktuell überhaupt, zumal nach dem umfassenden Firmware-Update.

Und dann?

Bei Nikon und Canon ist mir nichts bekannt, was den umgerechnet 35mm-Kriterien entsprechen würde. Oder kennt jemand ein kleines, lichtstarkes 24mm Objektiv mit Autofokus, leicht und bezahlbar, welches man auf Canon oder Nikon Kameras mit 1,5 Cropfaktor schrauben könnte?

So griff ich zum Schluss zu meiner D3100 mit dem Nikkor 35mm/F1.8 Objektiv. Das ist umgerechnet ein 50mm Objektiv, die klassische Brennweite von Cartier-Bresson. Das ist ok für 50mm.

Da würden mir dennoch umgerechnet 35mm besser gefallen (eben ein kleines und bezahlbares 24mm F1.8 oder F2 oder 2.8 Objektiv). Alternativ gibt es noch das 30mm F1,4 von Sigma, welches mir sehr gut gefällt und bei ca. 45mm Brennweite wäre. Das ist es aber schon.

Und die neuen Stars in den digialen Medien?

Soweit ich gelesen habe ist die neue Canon Powerhot G1X laut Testergebnis zu langsam für Schnappschüsse, die neuen Kameras von Fuji wie die Pro-1 bringen für das Thema in meinen Augen keine wirklichen Verbesserungen ausser Wechseloptiken, wenn sie für Reportagen denn nötig sein sollten.

Systemkameras sind eher nicht geeignet für Reportagefotografie

Bei den Systemkameras ist mir aktuell keine Kamera mit einem sehr leisen Auslösegeräusch bekannt, am ehesten noch die E-PM1. Und mit den Systemkameras habe ich sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich war unterwegs an diesem sonnigen Tag. Da die Sonne schien, war es nicht möglich, mit meinen Systemkameras ohne Sucher zielgerichtet und gestaltend zu fotografieren. Die Displays waren im Sonnenlicht alle so gut wie nicht ablesbar. Mit einem aufgesteckten Sucher sind die Systemkameras aber so unhandlich, dass sie weder in der Größe noch von der Mechanik besser als DSLRs sind.

Bleiben die Panasonic G2/G3 mit dem 17mm F2.8 Objektiv von Olympus und dem 20mm F1.7 von Panasonic. Die Kameras haben einen Sucher, der flackert aber z.T. bei Kunstlicht. Leider ist auch das Auslösegeräusch in leiser Umgebung einfach zu laut und die Kameras sind so gross, dass eine kleine DSLR für mich unzweifelhaft besser ist.

Drei Alternativen mit grossen Sensoren als Lösung

Somit schließt sich der Kreis mit größeren Sensoren und leisem Auslösegeräusch und mündet für mich im Ergebnis

  • in die Fuji X100
  • die Nikon D3100 oder deren Nachfolger mit Quiet-Modus
  • oder die Leica M9 (Vollformat, nur manuell)

Es ist also nicht so, dass wir schon alles hätten im Bereich der Digitalkameras, wir warten eher drauf, dass es endlich mehr Reportagekameras für unauffälliges Fotografieren gibt.

Je nach Anspruch klappt es auch mit Kompaktkameras

Ergänzen kann man dies durch Kameras mit kleineren Sensoren.

Dann ist das Bokeh aber nur nachträglich digital erzeugbar.

Die neuen Kameras wie die Fuji X10/X20 und die Nikon V1/J1 haben ja einen Sucher und einen S-Modus.

Der ist entscheidend, weil nur so die Auslösegeschwindigkeit vorgewählt werden kann. Das ist in meinen Augen unerläßlich.

Wer auf die Gestaltung mit Bokeh durch Festbrennweiten und einen Sucher verzichten kann und auf RAW und die Dinge lieber der Kamera überläßt, der kann sicherlich schon mit Kompaktkameras mit/ohne Sucher glücklich werden.

Diese Geschichte muß man auch diskutieren. Dann fallen meine Kriterien weg. Das wird sicherlich die Richtung im Zeitalter der Software-Fotos sein. Und für Webfotos ist dies immer ausreichend und erlaubt durch den nachträglichen Filtermix unendliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Mein Wunsch für eine kompakte Strassenkamera

Mein persönlicher Wunsch wäre eine Kamera ähnlich wie die Sony TX5 aber mit 1/1,7 oder größerem Sensor, dem Periskopobjektiv und RAW sowie einem kleinen optischen Sucher (wie in der Canon A1200), griffig, gutem Monitor und einer sehr guten Schnappschussfähigkeit sowie einem S-Modus.

Und wenn nur ein elektronischer Sucher möglich wäre, dann so wie ein ausfahrender Blitz: der Sucher würde links oben oder oben auf der Kamera bei Bedarf rausklappen wie bei anderen Kameras der Blitz.

(Info im Jahr 2015: Diesen Satz muß Sony gelesen haben, denn zwei Jahre nach dem Publizieren dieses Artikels ist die RXIII mit dieser Lösung auf dem Markt. Ich hätte erwartet dafür von Sony wenigstens eine Kamera als Anerkennung für die Nutzung meiner Gedanken zu bekommen. Ich warte mal noch ab.)

Oder man könnte auch einfach den gesamten Monitor nehmen und einen kleinen Teil davon links oben als separat zuschaltbaren Sucher nehmen und dafür einen kleinen Kunststoffrahmen zum Aufsetzen mitliefern, zum Drüberhängen von oben oder mit Magneten etc. Da ist vieles praktisch möglich.

Na ja.

Diogenes weiß Rat

So ist vieles eine Sache der Bewertung.

Der alte Diogenes fragte dazu immer, im Vergleich wozu?

Das ist die Frage.

Im Vergleich zu welcher Reportage brauche ich welche Kamera?

Und damit sind wir in einer Diskussion, die gerade erst begonnen hat und ich stelle die Frage, für welche Reportage brauche ich eigentlich noch eine größere Kamera als eine Kompaktkamera?

Und letztlich wird das Handy Nokia 808 sowie nunmehr ab 2013 eine Vielzahl anderer Nachfolger das Thema Smartphone-Fotografie eine neue Runde bei der Beantwortung der Frage dieses Artikels einläuten. Wobei ich das Smartphone vom Halten her als unpraktisch empfinde.

Nachtrag 2014:

Nun gibt es auch bei den Systemkameras geräuschlose Modelle mit Sucher wie die Panasonic G5.

Aber es gibt zunehmend kompakte Kameras, die auch mit einem kleinen Chip gute Arbeit leisten und kleine Kameras mit einem größeren Chip, die ebenso interessant sind – und meistens ohne Sucher sind, wobei für mich der Sucher das entscheidende Merkmal bleibt, wenn es eher unauffällig und leise bei Veranstaltungen und zwischen Menschen sein soll.

Es stellt sich heraus, dass kleine Sensoren durchaus auch Vorteile gegenüber den größeren Sensoren haben.

Ich würde die Olympus XZ-10 bei den Kompaktkameras ohne Sucher für Reportagefotografie wählen, weil sie extrem viele optische und haptische Vorteile hat.

Bei den Kameras mit Sucher würde ich die Fuji X10 oder X20 nutzen, wobei die Fuji X10 ein echtes Lowlight-Luder ist.

Das sehen die PR-Abteilungen der Kameraindustrie sicherlich anders.

So ist heute die Aufnahme nicht das Ende des Fotos sondern vielfach der Anfang des fotografischen Prozesses – wie früher.

Aber digital ist manches dann doch besser.

Und wenn Sie wissen wollen, welche Kamera sich der liebe Herr Cartier-Bresson 2016 kaufen würde, dann klicken Sie doch einfach mal hier…

Text 1.5

808 – Der Rubikon ist überschritten oder Nokia schlägt zurück

Es ist wahrscheinlich nicht nur die Kriegserklärung an Apple sondern eine Kriegserklärung an die gesamte traditionelle Kameraindustrie. Nokia bringt ein Smartphone mit einer 41 Megapixel Kamera und einem 1/1.2 inch Sensor, das Nokia 808.

Bei dpreview ist es schon vorgestellt und Videos gibt es hier. Für Dpreview ist das „Pixel-Binning“ entscheidend. Einfach gesagt werden Pixel gebündelt, um insgesamt ein besseres Bild zu erzeugen. Dann bleiben zwar keine 41 MP übrig, aber immer noch genug für Ausdrucke und vieles mehr. Weitere technische Infos sind gut bei heise.de erklärt.

Damit ist Fotografie ohne bisherige Kameras möglich. Es ist der Schritt, der vielleicht eine neue Ära real werden läßt. Aber man muß aufpassen. Neue Fragen kommen auf:

  • Preisqualität – wie teuer wird so ein Handy mit Kamera sein, teurer als eine DSLR für 500 Euro?
  • Bildqualität – welche Ansprüche an digitale Fotos werden damit in der Praxis genutzt?
  • Ist es der Beginn einer neuen Zeit, markiert durch ein neues Produkt?
  • Sind Handyfotos die Zukunft im Journalismus?
  • Welche Rolle spielen Videos, wenn nun eine erheblich bessere Qualität möglich sein soll?

Wenn es reicht, hinterher mit kleinen Programmen die Fotos digital schnell zu bearbeiten, ihnen einen Look und/oder ein digitales Bokeh zu geben, dann wird dies in den meisten Fällen reichen für Fotos im Netz und in Zeitungen.

Bei cnet lesen wir: „Das anfängliche Entsetzen ist mehr und mehr der Faszination gewichen. Der für ein Smartphone sehr große und gleichzeitig extrem hochauflösende Sensor ist nämlich ein völliges Novum. Und auch wenn es sicherlich noch eine ganze Menge Unbekannte in dieser Gleichung gibt, so hat das neue Nokia-Mobiltelefon ein gewaltiges Potenzial, das mit Abstand beste Kamera-Handy aller Zeiten zu werden – und sogar die Kompaktkameras ernsthaft nass zu machen.“

Und hier erzählt Ina Fried die Hintergrundgeschichte zur Entwicklung dieses Kamera. Wer kein Englisch kann, der klicke hier.

Meistens ist ja die erste Version einer technischen Neuerung verbesserungswürdig und die zweite Variante dann passend.

So gibt es an dem Handy schon Kritik:

  • Warum ist nicht Windows sondern ein anderes Betriebssystem eingebaut?
  • Warum ist die Auflösung des Display so niedrig?
  • Warum ist wenig Arbeitsspeicher drin?
  • Warum ist der Prozessor nicht schneller?

Da wird sicherlich noch mehr kommen.

Aber: welchen Einfluss wird diese Art von Handy auf die Foto- und Videowelt und den Journalismus haben?

Natürlich ist dies nicht das Ende der Fotografie mit Bokeh, Tele etc.

Aber es ist ja so, die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Genau darum geht es.

  • Warum soll ich mir noch eine zweite Kamera kaufen, wenn mir die Kamera im Handy reicht?
  • Reichen die technischen Möglichkeiten für Reportagebedürfnisse (wie dies heute vielfach schon Kompaktkameras tun)?
  • Kann ich damit sogar Multimedia ins Spiel bringen?
  • Kann ich das Material einfach nacharbeiten, evtl. sogar im Handy?
  • Ist es schnell verwertbar?

Wenn man dieses Handy, wie es dpreview getan hat, einfach mal vom Sensor her gegen das Nikon J1/V1 System setzt, welche Vorteile hat dann noch das Nikon System?

Oder: Sony hat heute neue Kameras wie die HX20V angekündigt. Lohnt es sich noch, so eine Kamera zu kaufen nur wegen des Zooms?

Gerade die Aktualität, das Hochladen auf Blogs etc. kann nur durch die Handytechnologie gewährleistet sein. Und wenn man dann im Handy noch eine schnelle Bildbearbeitung und Videobearbeitung hat, was braucht man mehr?

Hier wird ein wachsender Bereich der Fotografie zunehmend durch das Handy besetzt. Die weitere Entwicklung ist unglaublich spannend.

Übrigens, sollten nun die Mitbewerber ebenfalls in diese Richtung gehen, dann wird diese Entwicklung noch mehr verstärkt.

Journalisten im Visier von Transparency – Presserabatte und der „amtliche“ Presseausweis

Rabatte - Foto: Michael Mahlke

Ich hätte nie geglaubt, dass der Presseausweis als Ausweis für Presserabatte indirekt zum Thema bei Transparency International wird.

Direkt geht es um die Privilegien für Journalisten. Das erinnert mich an meinen Artikel zum Thema Reisejournalismus.

Der „amtliche“ Presseausweis

Den amtlichen Presseausweis gab es zwar noch nie. Aber in den Köpfen vieler Menschen gibt es ihn bis heute noch. Wie schön, dass es da die  wikipedia gibt. Ein Blick und schon findet man aktuell dort den Satz: „Da zwischen den Anwärtern und den vier Altverbänden keine Einigung zustande kam, beschloss die Innenministerkonferenz (IMK) am 7. Dezember 2007, dass Presseausweise ab 2009 nicht mehr die Autorisierung der Innenminister auf der Rückseite tragen dürfen. Bis dahin war dort die IMK-Aufforderung vermerkt, den Ausweis-Inhaber bei seiner Arbeit zu unterstützen. Seit 2009 lautet die Formulierung: „Institutionen und Unternehmen werden gebeten, den Vertretern der Presse die der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe dienenden Auskünfte zu erteilen.“

Was hier so lapidar steht heisst, es gibt seit 2009 keinen „amtlichen“ Presseausweis mehr. Das Grundgesetz schützt nun einmal die Pressefreiheit. Bis dahin war der Presseausweis ein Privilegiennachweis für Menschen, die hauptberuflich dafür bezahlt wurden, journalistisch tätig zu sein.

Und nun zitiere ich noch einmal aus dem Wikipedia-Artikel: „Am 5. Mai 2006 beschlossen die deutschen Innenminister darauf hin, auch künftig „das Erfordernis der Hauptberuflichkeit“ als „Leitbild“ beizubehalten. Aus behördlicher Sicht sei es jedoch „sachgerecht“, auch solchen Journalisten den Ausweis zuzugestehen, „die nicht hauptamtlich, aber quantitativ und qualitativ vergleichbar regelmäßig und dauerhaft journalistisch tätig sind“.“

Wer ist Journalist?

Auf gut deutsch, jeder, der regelmäßig und dauerhaft journalistisch tätig ist, hat das Recht auf einen Presseausweis, auch ohne dafür bezahlt zu werden. So, und hier scheint es, fängt der Kampf um die Privilegien an. Soweit ich das verstehe und auch auf Nachfrage gehört habe, weigern sich die bisherigen Herausgeber dieser Presseausweise, Menschen einen Presseausweis auszustellen, die nicht hauptberuflich damit ihr Einkommen bestreiten. Offenkundig haben sich einige dieser Verbände unter www.presseausweis.org zusammengetan. Dort steht zu lesen: „…und zwar nur an hauptberuflich tätige Journalistinnen und Journalisten. Genau deshalb ist er anerkannt, anerkannt bei Behörden, in den Reihen der Polizei und bei vielen Unternehmen.“

Und tatsächlich, wer also vielfach und überwiegend journalistisch tätig ist,

  • indem er als Rentner/Arbeitsloser/Einkommensloser kontinuierlich einen Blog betreibt, auf dem Informationen aufbereitet werden,
  • an einer regelmässigen regionalen Zeitung mitarbeitet,
  • Bürgerfunksendungen produziert,
  • eigene Webmagazine und Publikationen aufbaut,
  • Bürger- oder Studentenzeitungen mit herausbringt,
  • als freier Journalist Artikel oder Internetbeiträge verkauft, aber davon nicht leben kann

und dies überwiegend und dauerhaft journalistisch tut, erhält nach der Logik der oben genannten Verbände keinen Presseausweis?

Ist das also keine professionelle Arbeit, weil sie nicht hauptberuflich ist?

Und dies in einer Gesellschaft, die den Verlust des Normalarbeitsverhältnisses systematisch ausbaut?

Das entspricht in keinster Form dem Grundgesetz und auch nicht den darauf aufbauenden Beschlüssen vom 5. Mai 2006 – oder doch?

Denn man braucht diese Verbände gar nicht. Der Presseausweis ist nicht geschützt. Daraus folgt, dass jeder sich selbst einen Presseausweis ausstellen oder besser von seinem Medium oder Verein ausstellen lassen kann.

Diese sind ebenso „gültig“ wie alle anderen, wenn sie die oben aufgeführten Kriterien erfüllen.

Hinzu kommt heute noch, dass eine Webseite automatisch mehr Öffentlichkeit haben kann als eine gedruckte Zeitung, weil sie überall sofort und frei verfügbar sein kann.

Zum Teil beklagen dieselben Verbände, dass immer mehr Journalisten gar nicht mehr hauptberuflich davon leben können, sondern sich mit anderen Jobs finanzieren müssen. Und die Künstlersozialkasse spielt auch eine sehr fragwürdige Rolle, wie hier schon geschildert wurde.

Man könnte auch zu der Auffassung kommen, dass der Umgang mit Presseausweisen der unter presseausweis.org zu findenden Verbände eine Diskriminierung gegenüber allen Menschen ist, die journalistisch arbeiten, aber davon nicht leben können oder wollen, zumal der Presseausweis ja Zutrittsrechte und Informationsrechte ermöglichen soll, die man ohne den Ausweis nicht haben soll – oder eben Presserabatte, wie jetzt in den Fokus gerückt ist.

Was kann man daraus lernen?

Zuallererst, dass der  Presseausweis dieser Verbände von presseausweis.org in erster Linie dem Nachweis der Festanstellung und der Hauptberuflichkeit dient und damit keine Aussage über journalistische Qualität und Reichweite getroffen wird.

Und darüber hinaus, dass jeder, der journalistisch dauerhaft – also immer wieder – arbeitet, das Recht auf einen Presseausweis haben sollte – unabhängig davon wieviel er/sie damit gerade aktuell verdient.

Genau an dieser Stelle setzen andere Anbieter an.

Da gibt es www.presseausweis.de, www.presseausweis.com oder auch  www.dpv.org und www.djf-ev.de sowie etliche andere Anbieter. Sie bieten Presseausweise auch für Menschen an, die nicht vom Journalismus leben können oder wollen.

So produziert die Ausgrenzung zugleich einen neuen Markt mit neuen Angeboten für die neuen Formen des Journalismus und der Lebenswirklichkeiten.

Aber das ist noch nicht alles.

Presserabatte und Glaubwürdigkeit

Es hat schon was, wenn Transparency International sich zum Thema Journalistenrabatte äußert und die Reaktionen Bände sprechen…

Kluge und seriöse hauptberufliche  Journalistinnen und Journalisten könnten ja auch mal eine Serie über Privilegien machen, z.B. für Beamte, für Politiker etc. und dies dann als seriös recherchierte Arbeit publizieren statt über die Abschaffung eigener Privilegien zu klagen. Jetzt wäre der Zeitpunkt dafür.

Privilegien will man selten teilen und gerne haben. Und es scheint so zu sein, dass es beim Presseausweis weniger um den Zugang zu Ereignissen geht sondern eher um den Zugang zu Privilegien in Form von Rabatten – für hauptberufliche Journalisten.

Neue Zielgruppen?

Sind Presserabatte Leistungen ohne Gegenleistung?

Haben sich Rabattanbieter davon etwas versprochen wie eine Schere im Kopf, eine gute Presse, gesteigerte Aufmerksamkeit, gute Berichte – wer weiß?

Wenn sich Rabattanbieter jetzt nicht mehr so viel davon versprechen, dann könnte es einen Bedeutungsverlust der Presse geben und die Deutungshoheit liegt woanders oder wird eher digital an anderen Stellen errungen.

So könnten die von den Organisationen der traditionellen festangestellten Journalisten ausgeschlossenen (privaten/nebenberuflichen) Blogger zum Beispiel Teil der neuen Deutungsmacht sein, die man identifiziert hat und die man ansprechen will.

Mal sehen…

Nachtrag: Bei mediummagazin.de ist mittlerweile ein Artikel erschienen mit Stellungnahmen der meisten relevanten Organisationen, der eine fast ideale Ergänzung zu diesem Artikel ist.

Version 1.1

Liu Zheng oder Tod und Leben mit der Hasselblad

Liu Zheng - The Chinese - Cover

Liu Zheng hat in den 90er Jahren als Reporter bei Workers Daily in China gearbeitet. In der Zeit als Fotoreporter und danach machte er mit einer Hasselblad 501 Porträts von Menschen in Situationen und reiste durch China auf der Suche nach den Elementen der chinesischen Kultur und Geschichte.

Diese stellte er dann mit dem Titel „The Chinese“ aus.

Es ist der Versuch, ein Porträt über die Veränderungen des chinesischen Charakters darzustellen. Aber seine Fotos sind mehr. Sie sind echte Dokumentarfotografie zu einer Zeit in einem Land, in dem die Persönlichkeitsrechte anders gesehen wurden und die Menschen auch die Fotos noch anders sahen.

Liu Zheng sagt selbst, dass zu Beginn die Menschen sich freuten, wenn er fotografierte. Als er aber einige Jahre unterwegs war, wurden sie immer misstrauischer, die Leute fragten immer kritischer – und wollten Geld. Ähnliche Phänomene gibt es auch woanders. Das ist offenkundig einem neuen Bewusstsein geschuldet.

Doch zurück zu Liu Zheng. Menschen beim Sterben zu fotografieren, aufgebahrte Leichen, Leichenteile, Massengräber, Minenarbeiter unterwegs, im Bad, Frauen als Tänzerinnen, Drogenabhängige, schöne Frauen, die nackte Realität einer toten Frau (Bild 32), Gymnastik Qi Gong, Glaube und Götter und vieles mehr geben den Rahmen seiner Aufnahmen ab.

Er fotografierte überwiegend die existenziellen Situationen des Menschen, die Realität in Liebe, Leben, Lachen und Sterben. Und er vermittelt mit seinen Fotos die überkulturelle Wirklichkeit, die zeigt, dass Chinesen und andere Völker – wir alle – nur Menschen sind, die dasselbe Licht und denselben Schatten sehen – aber eingebettet in ihren kulturellen und zivilisatorischen Hintergrund.

Das ist bemerkenswert gute Dokumentarfotografie. Sie ist authentisch und sie ist dem Tag entnommen. Mir ist zudem bewusst geworden, dass Dokumentarfotografie noch etwas anderes kann. Dokumentarfotografie macht die Namenlosen zeitlos berühmt. Da kann kein Prominenter mithalten.

Und das beste daran ist, dass man sie hier sehen kann.

Das Ganze gibt es auch noch mal als Buch für alle, die es größer sehen wollen und mit mehr Hintergrundinformationen.

Und hier blättert auch noch jemand das Buch durch…

Die Fotosammlung „The Chinese“ ist beeindruckend und sie zeigt einmal mehr die dokumentarische Arbeit, die Fotografie leisten kann.

So wird aus Realität Geschichte und aus Geschichte Realität.

Interessanterweise ist das Buch über China in Deutschland gedruckt und damit ein Symbol für den Wandel auf der Welt.

In diesem Sinne – Zai Jian!