Monthly Archives: Januar 2012

Fotografie und Lebenszeit – Nachdenken über die Pause

Wer die Welt durch das Fotografieren entdeckt und beim Betrachten der Fotos die Situationen neu entdeckt, der lebt. Fotografieren ist dabei nicht Selbstzweck sondern Mittel zum Zweck – die Aneignung der Welt, so wie man sie sieht. Fotos halten Momente fest.

Damit ist die Kamera ein besonderes Instrument. Leider entsprechen heute die meisten Kameras nicht mehr meinen fotografischen Anforderungen.

Und das Foto ist natürlich ein besonderes Element der eigenen Lebenszeit. Beim Betrachten eigener Fotos setze ich mich selbst in ein Verhältnis zu der Situation. Ich weiß, sie ist vorbei und dennoch ist sie da. So ist das Leben mehr als Dasein, es ist die Verarbeitung der eigenen Existenz.

Ich bin sehr froh, dass mir Henri Cartier-Bresson und Albert Camus durch ihre Werke geholfen haben, meine Welt durch Schreiben und Fotografieren zu entdecken.

Dazu gehört aber auch die Pause. „Ein Bild ist plötzlich da und beisst dich.“ Dieser Satz von Elliott Erwitt zeigt, dass die Fotografie, die ich meine, nicht erzwungen werden kann.

Und dies ist diametral entgegengesetzt zu der heutigen Welt, die sich in der medialen Öffentlichkeit durch die tägliche Portion digitaler Kost definiert.

  • Sich selbst wahrnehmen,
  • Situationen mit Gefühlen auf sich wirken lassen,
  • das Atemholen und die Pause bewußt wahrnehmen und
  • die Ruhe als Bestandteil und nicht als lästige Überbrückung des Lebens zu sehen
  • Fotografien zuzulassen

Das sind einige der Wirklichkeiten, die es unmöglich machen, ununterbrochen digital tätig zu sein.

Und die fotografische Pause in Theorie und Praxis ist die Voraussetzung für das Erleben der „bissigen“ Situationen.

Man nimmt nur wahr, was man sehen kann, bewahrheitet sich hier.

Nun sind diese Zeilen weder resignativ noch theoretisch. Sie sind höchstens praktisch-philosophisch und sie sind ein Kernelement des fotografischen Lebens.

Diese Pausen kann man übrigens gut nutzen, um sich ein bisschen mit dem Zeitgeist zu beschäftigen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir die richtigen Pausen, damit die Fotos so sind wie sie sein sollen und die Gedanken dazu so fliessen, wie es gut ist.

Vom virtuosen Photographen zur virtuellen Fotografie

Foto: Michael Mahlke

Seitdem Bourdieus „Eine illegitime Kunst“ 1965 erschienen ist, ist die Diskussion darüber nicht abgerissen, aber immer nur in kleinen Kreisen.

Deshalb möchte ich meine Beschäftigung mit diesem Thema und den sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie mit diesem Artikel dem aktuellen fotografischen Zeitgeist zuführen und damit auch diesen Zyklus beenden und mich vom Schreiben mehr abwenden und dem Fotografieren mehr zuwenden.

In Bourdieus Buch schreibt Jean-Claude Chamboredon über „Mechanische, unkultivierte Kunst“. Dort benutzt er den Begriff des „virtuosen Photographen“ und läßt unter anderem Brassai, Man Ray und Henri Cartier-Bresson zu Wort kommen.

Damit ist klar, was mit diesem Begriff zu Beginn der 60er Jahre gemeint war: gelungene Fotos.

Damals war das Thema Fotokunst noch nicht so stark abgegrenzt vom Thema Dokumentarfotografie und teilweise deckungsgleich.

Wodurch ist ein Foto gut?

Ein paar Jahre danach schrieb 1969  Andreas Feininger zur Frage “Wodurch wird eine Fotografie gut?”

folgendes: “Beim Analysieren von Fotos, die ich instinktmäßig als »gut« empfand, fand ich, daß diese Bilder ausnahmslos, obwohl in verschiedenem Maße, vier besondere Eigenschaften hatten:

  1. Aufmerksamkeit zu erregen
  2. Absicht und Sinn zu offenbaren
  3. gefühlsmäßig zu wirken
  4. grafische Gestaltung zu besitzen.”

Diese Attribute beziehen sich offenkundig auf Fotos und nicht auf Fotokunst. Doch die Schnittmenge bleibt wie noch zu sehen sein wird.

Was ist virtuos?

Damit kommen wir der Frage, was man unter einem virtuosen Photographen verstehen kann, ein Stück näher.

Virtuos ist eine Fähigkeit, die über das Erlernte hinausgeht. Virtuos ist damit individuell und somit personengebunden.

Und virtuos ist an eine spezielle Fähigkeit gekoppelt. Hier ist es die Fähigkeit, aus einem Fotoapparat mehr herauszuholen als andere auf bestimmte Weise.

Dies ist also weniger die Fähigkeit, einen Fotoapparat bedienen zu können als z.B. die Fähigkeit, den richtigen Zeitpunkt in einer Situation einzufangen oder das Foto geometrisch zu gestalten oder das Wichtige vom weniger Wichtigen durch Schärfe bzw. Unschärfe zu trennen etc.

Das hat auch etwas mit Visionen zu tun, die das eigene fotografische Tun leiten und es hat mit dem Zeitgeist zu tun, der sich aus den dominierenden Sichtweisen zusammensetzt, die wiederum mit den technischen Möglichkeiten zusammenhängen.

Zwischen virtuos und virtuell

Um das Thema konkret anzupacken, möchte ich die hier mehrfach fotografisch dargestellten, bearbeiteten bzw. als Fotokunst kreierten Bücher nehmen, die zusammen fast einen Zeitraum von 50 Jahren Beschäftigung mit dem Thema Fotografie und Fotokunst abdecken und den sozialen Umgang mit Fotografie durch sich selbst und durch die Inhalte dokumentieren.

Bourdieu untersuchte Fotografie und ihre Anwendung im Rahmen der sozialen Verhaltensweisen. Seine Beispiele zeigen, dass die Gestaltung von Fotos vielfach durch die Menschen erfolgt, die aufgenommen werden.

So fangen Familienfotos keine spontanen Situationen ein sondern sind geplante Ereignisse mit Anzug, Positionierung der Gruppe und gewollter Aussagekraft.

Dies ist dann ein sozialer Prozess, der dokumentiert wird, eben eine soziale Gebrauchsweise.

Foto: Michael Mahlke

Fotografie als fortgeschrittene Kunst

Charlotte Cotton verfolgt in ihrem Buch „the photograph as contemporary art“, die Entwicklungen seit dieser Zeit (das Buch ist mittlerweile auch auf deutsch erschienen, zur Beurteilung der Übersetzung ins Deutsche gibt es hier Informationen).

Sie zeigt, dass die Versuche, aus Fotografie „conceptual art“ – also eine geplante Kunst – zu machen, durch die Nutzung der Fotografie bei Künstler-Vorführungen (Performances) erhebliche Anstösse bekam.

Aus Schnappschüssen und ihren Meistern/- innen entwickelte sich eine gestaltete Fotografie, die das eigentliche Bild vielfach nur noch zum Festhalten der ausgedachten Situation nutzte.

Und es entwickelte sich „Deadpan“. Es ist der englische Begriff für emotionslos und weist auf die Fotografie hin, die ohne Anteilnahme Aufnahmen plant und festhält.

Diese wurde in den 90er Jahren populär, quasi parallel zum wachsenden Markt für Fotokunst.

Es sind Bilder, die als „Germanic“ bezeichnet werden und Namen wie Becher und Gurski meinen. Aber auch Niedermayr, Smith oder Burtynsky fallen darunter.

Es ist eine neue Sachlichkeit der Fotografie, die durch ihre unpersönliche Art der Darstellung sich gut zur Vermarktung im Bereich Fotokunst eignet.

State of the art photography

Das zur Ausstellung im NRW-Forum erschienene Buch „state of the art photography“ zeigt nun einen weiteren Schritt. Parallel zu realen Welten werden nun aus Fotos auch neue Welten kreiert.

So heisst es zum Beispiel bei Alex Grein, die bei Andreas Gursky ausgebildet wurde: „Die fotografischen Arbeiten Arbeiten setzen sich aus Bildausschnitten zusammen, die Satellitenaufnahmen von Google Earth entstammen. Deren Objektivität wird durch eine subjektive Rekonstruktion abgelöst. Eine neue Landschaft entsteht.“

Ossian Ward hat dies alles in dem Buch so ausgedrückt: „Die Künstler, die heutzutage mit dem Medium Fotografie arbeiten, sind deshalb nicht einfach nur Fotografen sondern auch Kuratoren, Archivare, Geschichtenerzähler und Gestalter von Abbildern der Wirklichkeit oder ihrer selbst erdachten Welten.“

Nun gab es dies schon länger. Aber entscheidend ist nicht die Existenz von Dingen und sozialen Verhaltensweisen sondern die Dominanz im öffentlichen und sozialen Raum.

Also, was wird in Museen ausgestellt, worüber schreiben die Medien offline und online, was wird im Fernsehen gezeigt, worüber gibt es neue Bücher und vieles mehr.

Und da ist es so, dass diese Themen aktuell dominieren. Und damit ist aus der virtuosen Fotografie eine virtuelle Fotografie geworden, die nicht mehr das Abbilden der Realität sondern die Verarbeitung von digital vorliegenden Inhalten jeder Art zum Thema hat.

 

Foto: Michael Mahlke

 

Der Markt für diese Art von transzendierter Fotografie wächst. Gestaltete reale und virtuelle Inhalte werden immer mehr im sozialen Umfeld von Menschen eine Rolle spielen. Die Fotografie als Element des menschlichen Alltags wird zunehmend zum Ausdrucksmittel einer neuer Definition von Kunst.

Somit wird sicherlich auch bald der Begriff der virtuosen virtuellen Fotografie Einzug halten, um sich besser von anderen unterscheiden zu können.

Ich bin gespannt, wann und wo es soweit ist.

So hat sich der Zeitgeist gewandelt und zeigt sich heute fotografisch in dieser Form. Es sind 50 Jahre Geschichte der Fotografie und Umgang mit einem Medium. Doch wir haben die Schwelle ins digitale Land erst kurz hinter uns gelassen. So wird die Zukunft digital, bunt und auch weiterhin dynamisch voller fotografischer Überraschungen sein.

Was in 50 Jahren unter Fotokunst verstanden wird, werde ich nicht mehr erleben. Aber die Veränderungen der letzten 50 Jahre zeigen, dass es nicht so bleibt wie es ist.

Das ist sicher.

Textversion 1.1

State of the Art Photography

„State of the Art Photography“ zeigt einen einzigartigen Überblick über den aktuellen Stand der Fotografie. Rund 40 Künstler unterschiedlicher Nationen beweisen: Die Fotografie befindet sich in einem großen Wandel. Nicht nur die digitale Revolution verändert und erweitert das Bildermachen, auch der globale Datenraum selbst ist zu einer neuen Ressource geworden. Ebenfalls ist der entgegengesetzte Weg zum analogen Unikat wieder eine Option. So sind Themen wie Migration und Globalisierung stark vertreten. Die in diesem Buch vorgestellten Fotografen haben neue Heroen, sind offen für neue Präsentationsformen. Die Fotografie scheint endgültig in der freien Kunst angekommen.“

Und tatsächlich zeigt dieser Text den Inhalt des Buches und wie man heute mit Fotografie umgehen kann. Es ist ein großes Buch, welches weite Verbreitung erfahren wird, weil es eine Ausstellung im NRW-Forum begleitet und dokumentiert.

Jeweils ca. sechs Seiten geben einen Einblick in die männlichen und weiblichen Fotografen bzw. Künstler und ihr fotografisches Tun: Peter Ainsworth, Jacob Aue Sobol, Olaf Otto Becker, Laura Bielau, Miriam Böhm, Elina Brotherus, Bianca Brunner, Stefan Burger, Asger Carlsen, Katalin Deér, Martin Denker, Jan Paul Evers, Daniel Gordon, Alex Grein, Harry Gruyaert, Oliver Helbig, Ulrich Hensel, Stefan Hostettler, Pepa Hristova, Sanna Kannisto, Annette Kelm, Jeremy Kost, Mischa Kuball, Edgar Leciejewski, Tim Lee, Maziar Moradi, Armin Morbach, Andreas Mühe, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Alex Prager, Rico Scagliola & Michael Meier, Arne Schmitt, Anja Schori, Jeremy Shaw, Kathrin Sonntag, Heidi Specker, Mikhael Subotzky & Patrick Waterhouse, Anna Vogel, WassinkLundgren, Moritz Wegwerth, Pinar Yolaçan.

Ossian Ward schreibt in seinem Vorwort: „Nein, die Fotografie ist bei Weitem nicht am Ende. Sie ist nur ziemlich aus dem Ruder gelaufen. … Tatsächlich gibt es heute kaum noch so etwas wie banale Fotografie…. diese Ausstellung und diese 41 Künstler beschäftigen sich mit einem oder mehreren der vielen Themen und loten damit alle Möglichkeiten aus.“

Und so ist ein Buch entstanden, das aktuelle Ansätze der Fotografie und der Fotokunst in der Gegenwart zeigt. Es ist ein Einblick, es ist kein Überblick. Das Buch ist gut und übersichtlich gemacht und es lohnt sich, auch wenn man nicht in die Ausstellung geht. Denn man bekommt einen Geschmack für das, was man leiden kann und für das, was einem nicht gefällt. So trägt dieses Buch zur Geschmacksbildung und zur Unterscheidung bei und hilft, eine eigene fotografische Meinung zu entwickeln.

Fotokunst ist in aller Munde. Hier ist sie geballt und gut zu sehen.

Einen Einblick in das Buch gibt es direkt auf den Seiten von Feymedia.

State of the Art Photography

Essay von Ossian Ward
Hardcover, Fadenheftung
264 Seiten
237 Abbildungen
Format: 24 cm x 30 cm
Zweisprachige Ausgabe:

Englisch / Deutsch

ISBN 978-3941459380

 

 

Der Imagewandel im Reisejournalismus – die neue Wirklichkeit der Reisefotografie

Die Toskana des Ostens Foto: Michael Mahlke

„Unstreitig ist die Intensivierung der photographischen Praxis eng verknüpft mit Freizeit und Tourismus.“
Pierre Bourdieu

Reisen bildet(e)

Früher war Reisen verbunden mit dem Kennenlernen anderer Kulturen. Reisen bedeutete das Kennenlernen von Kulturen, Sitten und Gebräuchen, die es bei mir zu Hause nicht gab. Das war aber nicht alles. Reisefotografie war die Vermittlung von Wissen durch Fotos über Orte und Regionen, die interessant waren, die man aber selber nicht besuchen konnte.

Einen besonderen Reiz machte dann die Begegnung von Mensch zu Mensch und Kultur zu Kultur aus. Diese Begegnungen sind auch bis heute das eigentlich Reizvolle. Einer der bekanntesten Reisefotografen war sicherlich Burton Holmes.

Rückblickend bis heute sehr reizvoll ist die Sammlung von Albert Kahn, der Fotografen bezahlte, um durch die Welt zu reisen und zu fotografieren.

Mit Tonbildschau (heute Beamer) wurden dann Veranstaltungen durchgeführt, die diese Orte mit grossformatigen Fotos dem Publikum erfahrbar machten. So etwas gibt es teilweise immer noch, wobei die persönliche Begegnung mit dem Fotografen oder der Fotografin vielfach der eigentliche Reiz des Abends zu sein scheint.

Von der Reisefotografie zur Risikofotografie

Aber zunehmend verändert sich dieser Bereich. Am Anfang waren es andere Kontinente und Länder, die dargestellt wurden. Jetzt sind es zunehmend explodierende Vulkane, verlassene oder unwirkliche Regionen, Gletscherhöhlen oder Extremrisiken, die fotografisch angeboten werden. Oder man fliegt mit grossem Aufgebot durch die Savanne und fotografiert Tiere.

Das hat mit bisheriger Reisefotografie eigentlich sehr wenig zu tun. Es ist eher Risikofotografie. Diese kann dann noch ergänzt werden durch fotografische Reisen in Gebiete, die von den Taliban oder anderen bewaffneten Gruppen beherrscht werden.

Foto: Michael Mahlke

Die Fotoindustrie

Dahinter steckt dann in meinen Augen eine Industrie, die das vermarktet nach dem Motto nur mit diesem Objektiv und diesem Sensor, diesem Auto, dieser Uhr etc. war dies möglich. Selbst wenn es stimmen sollte, wäre zu fragen, ob dies überhaupt sinnvoll ist.

Es geht hier sicherlich in meinen Augen vielfach um Imagebildung, so wie man schnelle Autos meistens mit halbnackten Frauen abbildet, um Assoziationskombinationen mit positiven Effekten zu schaffen.

Meine Erfahrungen mit Reisejournalismus, Menschen und Kameras

Ich persönlich habe im Laufe der Jahre eine Reihe von Reisejournalisten kennengelernt, bevor und während ich dies selbst praktizierte. In allen Fällen war Reisejournalismus ein zusätzliches Betätigungsfeld oder eine Ergänzung zu anderen Tätigkeiten.

Und ich habe den Wandel in der Kamerabenutzung dabei erlebt. Während mir meine ersten Bekanntschaften sagten, dass die schweren Kameras unerläßlich sind, erlebte ich dann Fotografen, die offen für neue Technik waren und einige, die gar keine Chance gehabt hätten, während ihrer Reise große Ausrüstungen mitzunehmen.

Und sie machten und machen trotzdem gute Fotos, die sowohl im Printbereich als auch im Onlinebereich publiziert wurden und werden.

So entstanden viele Fotos mit Kameras wie z.B. der Panasonic TZ5, der Panasonic TZ10, der Leica V-Lux 20 oder kleine DSLRs wie die Nikon D5000 oder eine Panasonic G2/G3. Dies waren die Kameras, die bei echten Reisen eingesetzt wurden.

Wenn es auf reine Pressereisen ging, die z.T. durchaus sinnvoll sind, wurden nach meiner Beobachtung eher größere Kameras eingesetzt. Man hatte manchmal den Eindruck, es ging eher darum, in der Gruppe etwas zu zeigen. Die Fotos waren in der Regel nicht besser, nur die Kameras waren größer.

Als ich anfing, ein Langzeitprojekt mit echten Reiseberichten herauszugeben und zu publizieren – travigal.de – glaubte ich zu Beginn auch noch an die Wichtigkeit der grossen Kameras.

Aber die Zusammenarbeit mit den modern eingestellten Reisefotografen lehrte mich, dass heute eine gute Kompaktkamera fast immer ausreicht mit einer Anfangsbrenntweite von ca. 24mm Weitwinkel und guter Bildqualität.

Dabei sprechen wir natürlich nicht über Reisen ans Ende der Welt. Aber selbst da sind wohl in den meisten Fällen heute kompakte Outdoorkameras in der Regel die Gewinner.

Nur bei extremen Belastungen, die eigentlich nicht das Thema von Urlaubsreisen sind, wäre es sinnvoll, besondere Kameras zu benutzen. Das wäre aber eher etwas für einen Artikel über Risikofotografie.

Die „neuen“ Reiseabenteuer und die Amateure

Und Reisen heute bedeutet heute oft nur noch Flughafen, Hotel, Strand und Meer oder Berge mit demselben Essen und demselben „globalisierten“ Standard wie zu Hause. Viele wollen im Urlaub die Sicherheit, dass es so ist wie zu Hause – nur ein bisschen anders.

So verlagert sich das Thema auf „Erlebnisse“, die der Reiseveranstalter einbaut, oder Risikoreisen, weil echte Erlebnisse so wie früher kaum bis gar nicht mehr möglich sind.

Umgekehrt sind gerade diejenigen, die hinter die globalisierten Strukturen im Kleinen und im Grossen schauen, oft die richtigen Reisereporter für authentische, kleine und grosse Geschichten.

So werden zunehmend die Amateure wichtiger. Das ist dann aber wiederum oft ein Problem für die PR-Agenturen. So gibt es Versuche, auf spezielle Weise Kommunikation durch ein Netzwerk von Beziehungen aufzubauen und/oder beizubehalten.

Foto: Michael Mahlke

Wo bleibt die Transparenz?  – PR-Agenturen und Reisejournalisten

Wie sich eine Zusammenarbeit zwischen „Fachjournalisten und Öffentlichkeitsarbeitern im Tourismus“ darstellt, können Sie z.B. hier selbst lesen. Es geht nach meiner Auffassung um die Zusammenarbeit von PR-Agenturen und Reisejournalisten.

Von diesen „Fachjournalisten“ sollte man erwarten, dass sie mindestens bei den Artikeln, die sie schreiben, darauf hinweisen, wer ihre Reisen unterstützt und gesponsert hat und wer was bezahlt hat.

Das ist für mich ein wichtiges Kennzeichen von seriösem Reisejournalismus. Das nennt sich Transparenz und unterscheidet in meinen Augen  Qualitätsjournalismus von PR. Gucken Sie doch mal, wer das macht …

Man kann das Ganze aber auch anders sehen und sagen, gerade weil es eine bezahlte Reise ist, nenne ich den Sponsor nicht sondern sage, das Nennen wäre PR (!). Damit sind dann natürlich der mündige Bürger, die Transparenz und die eigene Meinungsbildung stark behindert und der Journalist entzieht sich jeder transparenten Bewertung seines Tuns. Und wie sich dabei alle Vorurteile erfüllen können, kann man dann beispielsweise hier lesen.

Diese Art des „Journalismus“ wird übrigens dann besonders interessant, wenn man z.B. ein spezielles Hotel besucht und dann darüber berichtet wie gut es dort war, ohne zu erwähnen, dass dies vom Hotel bzw. der PR-Agentur gesponsert war. (VDRJ-Mitglieder verstossen damit in meinen Augen komplett gegen Abschnitt 6 des VDRJ Kodex).

Die Verfeinerung findet dann statt durch die Angabe von speziellen Internetadressen, die man nennt bzw. wegläßt. Oder umgekehrt schreibt man einen Artikel über eine Region, der allgemeiner ist und gibt dann lediglich einige wenige – oder nur eine – spezielle Internetadresse(n) an.

Übrigens bin ich mit dieser Auffassung nicht allein. Der Politikwissenschaftler Hans J. Kleinsteuber hat zusammen mit Tanja Thimm ein Buch u.a. über die Ethik des Reisejournalismus geschrieben und vertritt laut mediummagazin genau meine Gedanken zur Transparenz. Lesen Sie dazu einfach mal den Artikel von Anne Haeming bei mediummagazin.de. Dort steht auch noch was zum VDRJ.

Wie schreiben Kleinsteuber/Thimm? „Der Interessent kann sich gezielt und zum Zeitpunkt seiner Wahl die Reportagen und Berichte heraussuchen, die ihm für sein nächstes Urlaubsziel wichtig sind. Damit wird die Beziehung zwischen Produzent und Nutzer viel enger; der Leser verlangt weniger gefühlige Erzählungen und eher handfeste Informationen. Und er kann sich die Reportage ausdrucken, mitnehmen und viele der darin gemachten Behauptungen überprüfen. Faktisch verändern sich so in digitalen Umwelten die Rahmenbedingungen des Reisejournalismus, der Redakteur wird vom Geschichtenerzähler zum schreibenden Dienstleister des Lesers und tut gut daran, die veränderten Rahmenbedingungen in seine Arbeit einzubeziehen.“

So würde es Sinn machen, für die neue gute Art des Reisejournalismus eine neue Auszeichnung (Award) zu kreieren, vielleicht den Travigal-Award:

Ich glaube, dass es ganz ok ist, wenn man Unterstützung durch eine PR-Agentur oder einzelne Unternehmen erhält oder eine Pressereise macht und darauf dann am Ende des Reiseberichtes auch ganz offen hinweist, so wie dies ja z.B. auch die Welt am Sonntag und die TAZ laut mediummagazin machen.

Das ist transparent. Und warum soll dann der Reisebericht nicht ok sein? Wer die Wahrheit nicht schreibt oder nur positiv, der erhält doch spätestens, wenn die Urlauber zurückkommen und die Wahrheit gesehen haben, die Quittung durch Kommentare und in Social Networks – und dann ist die Glaubwürdigkeit dokumentiert „weg“.

Aber PR-Unterstützung ist nicht immer sinnvoll. Meine Reiseberichte über Wien und Berlin wären nie authentisch geworden, wenn ich nicht mehrere Wochen allein dies alles bereist hätte. Da entstehen dann die Erlebnisse, die den Zeitgeist und den Charakter an einem Ort zu einer Zeit ausmachen und die auch als Reiseberichte überstehen, weil sie Jahre später von Dritten mit ihren Erlebnissen und den Veränderungern verglichen werden können. Es kommt da eben auch auf die Ansprüche und den Ansatz an.

Wie kommt man an die Amateure ran?

Früher zeichneten sich Journalisten ja dadurch aus, dass sie ein Medium zur Verfügung hatten, welches der normale Bürger nicht zur Verfügung hatte, eine Tageszeitung, ein Reisemagazin, einen Sendeplatz im Radio oder Fernsehen (so wie die GEZ-gesponserten Medien heute noch).

Heute ist dies durch die digitale Welt zum Teil anders. Jeder kann Reisejournalismus betreiben. Also wird nun versucht, die Amateure einzubinden. Das hat zu Plattformen wie z.B. der Geo-Reisecommunity geführt. Zwischen den Artikeln findet man dann sehr oft Werbung. So gelingt es dann, den Amateur einzubinden in eigene PR-Strategien.

Bei der Geo-Reisecommunity wird übrigens zwischen Reiseprofis und Amateuren unterschieden. Schauen Sie dort mal bei den „Reiseprofis (RP)“ vorbei und gucken Sie mal mit dem oben formulierten Problembewusstsein. Wahrscheinlich ist den Machern der Geo-Reisecommunity ihr schmaler Weg bewusst. So heisst es in den AGBs für die Reiseprofis (RP) u.a.:

„Abweichend von den diesbezüglichen Regelungen in Abschnitt 12.2 der GEO-Reisecommunity-AGB gestattet GEO.de RP die Erstellung von einzelnen Tipps mit kommerziellem Hintergrund. Dafür gelten die folgenden Regelungen:

– es dürfen ausschließlich Tipps (inkl. der dabei verwendeten Bilder) mit kommerziellem Hintergrund erstellt werden. Für Reiseberichte, Forenbeiträge, Anschreiben anderer User etc. gelten unverändert die Regelungen der AGB der GEO-Reisecommunity

– Tipps mit kommerziellem Hintergrund müssen von RP über eine entsprechende Option bei der Eingabe gekennzeichnet werden und werden in der Darstellung für alle User entsprechend ausgewiesen. Angebote des RP dürfen nicht als Angebote von GEO oder der GEO-Reisecommunity präsentiert werden

– Tipps mit kommerziellem Hintergrund dürfen vom RP nur zu eigenen Angeboten erstellt werden. Beispielsweise dürfen Hoteliers nur eigene Hotels, Autoren nur eigene Veröffentlichungen beschreiben …“

Das Fettgedruckte ist eine Hervorhebung von mir.

Ich habe bisher so gut wie nirgends bei den Reisetipps den Hinweis gefunden, dass es sich um ein rein kommerzielles Angebot handelt, aber gucken Sie doch mal selbst, vielleicht finden Sie etwas und ich habe es einfach übersehen. Ich habe bei der Geo-Reisecommunity deshalb angefragt und werde eine Antwort hier gerne publizieren. Diese ist gekommen. Die Email ist vom Team der Geo-RC und dort heisst es: „Die Formulierung in den AGB soll darauf hinweisen, dass keine Reiseberichte mit kommerziellem Hintergrund erstellt werden dürfen – und in diesem Sinne ist das „nur“ zu verstehen.

Genau!

Damit weiter im Text.

Eine sehr schöne Webseite, die mir persönlich gefällt,  ist Trekearth. Im Netz gibt es unendlich viele Webseiten mit Reiseberichten, weil Reisefotografie und Reiseberichte eines der Lieblingsthemen für Kamerabesitzer auf der ganzen Welt sind.

Das ist übrigens auch gut für die Fotoindustrie, weil sich dadurch wiederum Absatzchancen ergeben und es ist gut für die Menschen, weil die persönliche Weiterentwicklung und Identitätsbildung durch Abgrenzung erfolgt, wie Erich Fromm schon festgestellt hat.

Der Markt ist riesig

Wie riesig die Dimensionen für Geschäfte in diesem Bereich sind, wurde mir bei einem Besuch auf der  ITB klar, der Reisemesse in Berlin. Ich habe noch nie so viele PR-Agenturen auf einem Haufen gesehen. Und die brauchen für die Verbreitung in den Medien und im Netz journalistische Unterstützung.

Bemerkenswert für mich war das Hofieren der öffentlich-rechtlichen Sender (!!!) neben dem bisher Gesagten. Und im letzten Jahr bemerkte ich, dass fast jede PR-Agentur der Auffassung ist, sie könne doch mit Social Media und Webseiten alles alleine machen.

Angebote zu professionellem Web- und Social-Media Management wurden – so mein Eindruck – als feindliche Attacken abgewehrt wie in einem Krieg.

Doch zurück zum Kernthema des Artikels!

Das Geld soll und wird ja von allen Beteiligten mit den Urlaubern verdient. Und die wollen sehr oft Fotos machen.

So ist die Fotoindustrie mit im Boot und es ergeben sich für alle Beteiligten rund um den Urlauber riesige Absatzmärkte. Und bezogen auf die Fotografie geht es natürlich vor allem um Digitalkameras und die Motive dafür.

Fazit

So ist Reisejournalismus und Digitalfotografie ein Thema mit viel Potential für die Zukunft.

Ich hoffe, auf  einige feine Unterschiede aus meiner persönlichen Sicht aufmerksam gemacht zu haben, die ich als Tendenzen der Zeit sehe, insbesondere die Frage von seriösem Journalismus und PR-„Journalismus“ und die wachsende Rolle der Amateure.

Nachtrag am 30.11.2012:

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Scheinheiligkeit noch größer ist als vermutet und Transparenz ein Fremdwort: „Das aktuelle „medium magazin“ berichtet im Beitrag „Luxusrecherchen im Wirtschaftsressort“ über die Käuflichkeit von Redaktionen: Unternehmen zahlten teure Reisen für FAZ und SZ, die „Welt“ deckte auf.“ So finden wir es bei newsroom.de. Damit sind nun wirklich alle Vorurteile von der Wirklichkeit bestätigt worden, zumal es hier nicht allein um Reisejournalismus ging sondern um Berichterstattung zu Wirtschaftsthemen.

Nachtrag am 28.07.2013:

Angeblich will jetzt die FAZ auf „maximale Transparenz“ setzen und auch darauf hinweisen, wenn eine Reise oder ein Thema gesponsert wurden.

 

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Foto: michael Mahlke

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Die Bilder des Jahres 2011 zwischen Journalismus und PR

Ab und zu muß man zurückblicken, um sich klar zu machen, welche Fotos erfolgreich waren. Nicht alle entstanden zufällig, manche wurden quasi bestellt. Aber machen Sie sich selbst ein Bild:

Diese Liste läßt sich fortsetzen. Wenn Sie dies abarbeiten, ist das einer der besten Fotokurse für aktuelle Reportagefotos, den Sie bekommen können. Und dann auch noch kostenlos.

Je nach Region und Kulturkreis sind die Fotos sehr verschieden mit Ausnahme von Ereignissen, die die Welt betroffen machten.

Warum Cartier-Bresson für Leica so wichtig ist

Immer wieder wird die Frage diskutiert, warum eine Leica M9 so teuer ist? Weil diese Frage gerade wieder mal durch das Netz geistert, führte dies bei mir zu persönlichen Überlegungen, die ich hier publiziere. Da die Kamera auch nur digitale Fotos macht, muss es andere Gründe geben als die Bildqualität.

Henri Cartier-Bresson (HCB) gründete zusammen mit anderen die Fotoagentur Magnum, er war einer der berühmtesten Reporter des 20. Jahrhunderts und er bekannte sich zur Leica M als einzige und ausschließliche Kamera (bis auf die Minilux…).

Das 20. Jahrhundert und die Leica

Das ergab im 20. Jahrhundert bis weit in die 80er Jahre hinein eine glückliche Verbindung für beide Seiten. Als Cartier-Bressons Schwarzweißfotografie abgelöst wurde durch Farbe, als seine klare Geometrie dem Alles-Möglichen weichen musste und als die digitalen Kameras aufkamen, da sank die Wirkung.

Es war eine neue Zeit und ein neuer Zeitgeist da.

Der Siegeszug der Digitalkameras war fast der Untergang von Leica. Es scheint so, dass nur durch die Anstrengungen eines Milliardärs mit einem offenkundigen Faible für Leica  es gelingen konnte, das Ruder rumzureissen (was ja nicht schlecht sein muß).

Das 21. Jahrhundert

Aber heute ist die Welt anders. Es gibt nicht mehr den einen Reporter, der mit seiner Kamera die Sicht der Medien bestimmt. Es gibt auch nicht mehr das Bekenntnis nur zu einer Kamera. Und es gibt heute auch technisch andere Möglichkeiten.

Aber Leica hat mit der M9 das digitale Abbild der alten erfolgreichen Kamera geschaffen: das Kleinbild und den Messsucher.

Das neue Image

Und heute kann man keinen Fotografen mehr finden, der weltweit seine Fotos zum Thema Reportage und Strassenfotografie vermarktet, dabei an führender Stelle steht und dann auch noch ein klares Bekenntnis zur Leica M9 als einziges fotografisches Instrument ablegt. Was tun?

Wurde nun am Image gearbeitet? Fakt ist, es wurde eine Zusammenarbeit zwischen Leica und Magnum vereinbart, dann wurde die Leica „Hall of Fame“ eingerichtet. So wurden medienwirksame Verknüpfungen erzeugt, die auch in den Köpfen kreisen oder kreisen sollen.

Es scheint plausibel, dass da ein Image kreiert wurde, welches auf dem alten Image aufbaut und es in die Gegenwart holt. Hinzu kam offenbar die erfolgreiche Vermarktung der Leica in den Kreisen der Reichen, wobei diese Bilder eher irritierend wirken.

Bemerkenswert sind dabei natürlich ein paar kleine Einzelheiten. So gab es vor der Zusammenarbeit mit Leica Magnum-Fotografen, die offen sagten, dass sie mit Kompaktkameras arbeiten. An anderer Stelle hatte ich ebenfalls aus einer Webseite zitiert, auf der ein Magnum-Fotograf sich positiv zu Kompaktkameras äußerte. Der Artikel ist dort mittlerweile verschwunden und nur noch mein Zitat ist übriggeblieben. Aber google hat es dann woanders gefunden.

Und der erste Preis der Leica Hall of Fame ging an Steve Mccurry. Der benutzte aber Nikon. Oder etwa doch nicht? Man zweifelt, wenn man dieses Interview liest.

Vielleicht ändern sich ja Erinnerungen im Laufe der Zeit, wenn die Aktualität die Gedanken neu ordnet. Das ist oft auch ein Problem der Geschichtsschreibung, zwischen Erkenntnis und Interesse zu unterscheiden.

Ein Schelm, wer dabei an Dieter Hacker denkt.

Aber einer bleibt: Henri Cartier-Bresson. Seine Art zu fotografieren bleibt und seine Zeit auch. Sie ist vergangen und sie kommt nicht wieder.

Die soziale Gebrauchsweise der M9-Käufer

Aus meiner Sicht kann man an die Leica M9 noch eine andere Frage stellen: ist sie ein besonderes Beispiel für die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie?

Welche sozialen Gebrauchsweisen sind maßgeblich für die Eigentümer einer Leica M9?

  • Ich vermute, es sind entweder Sammler und/oder Amateure, die sich für Geld ein Image kaufen wollen.
  • Das Gefühl, sich ein Stück dieser Zeit kaufen zu können mit einer M9, ist vielleicht auch einer der Gründe.
  • Ein anderer Grund könnte das Merkmal der sozialen Unterscheidung sein, so wie auch nicht jeder sich ein Ticket für … leisten kann.

Und wenn man dies so betrachtet, dann hat man bei Leica mit der Imagebildung wahrscheinlich alles richtig gemacht.

Und deshalb ist Henri Cartier-Bresson so wichtig: weil er die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart für Leica ist.

Übrigens, in dem folgenden Film, der nach dem Artikel gesendet wurde, finden sie einiges wieder  und noch viel mehr:

Wie man die richtige Kamera findet und nicht zu viel bezahlt

Designessen oder einfache Schnitte? - Foto: Michael Mahlke

Ein persönlicher Blick auf die nächste Zeit im Konsumerbereich (private Endkunden)

Das Jahr wirft große Schatten voraus. Es wird ein Feuerwerk an „neuen“ Kameras geben. Dabei ist vielfach „neu“ ein anderes Design wie bisher, in der Software ein neues Feature (Element) und ein bisschen was auf dem Chip, das vielfach praktisch so gut wie irrelevant ist. Es macht daher auch keinen Sinn, möglichst viele Kameras hier zu testen. Denn die Aussagekraft von Tests ist oft viel zu gering. Daher will ich hier ein paar Gedanken vorstellen, die man immer nutzen kann, um im Angesicht überquellender Fotoläden zu der Kamera zu kommen, die man wirklich haben will.

Was ist „neu“?

„Neu“ ist semantisch (inhaltlich) sehr oft falsch besetzt.

Ein Beispiel: Bis vor kurzem hatten viele Kameras einen vernünftigen Handgriff, so dass man sie gut halten konnte. Heute sind die meisten „neuen“ Kameras so flach und ohne Handgriff, dass man sie nicht mal mehr richtig anpacken kann. „Neu“ ist eben oft nicht besser wie allein dieses kleine Beispiel zeigt.

Wieviel Kamera ist überhaupt möglich?

Wenn ich eine fast beliebige kleine Kompaktkamera mit einer Vollformatkamera vergleiche – z.B. hier – dann sehe ich, dass bei niedrigen ISO bis ca. 200 so gut wie überhaupt kein sichtbarer Unterschied auf den Fotos zu finden ist. Natürlich kann ich dann sagen, ich will eine Kamera, die besser ist als das menschliche Auge – aber was bringt mir das?

Hinzu kommen die vielfachen Beschränkungen des Menschen durch die Vorgaben der Biologie, Natur und Technik.

Die 500 Euro-Grenze

Wenn man nun schaut, wie sich die Kamerapreise entwickelt haben, dann wird deutlich, dass es Relationen gibt zwischen Preis und Leistung in der Fotografie. Nehmen wir als Beispiel die D3100 von Nikon, die ja auch bei den Verkaufszahlen je nach Region sehr weit oben liegt. Mir gefällt die Kamera auch sehr gut und sie hat durch ihren grossen Chip und ihr Handling im Prinzip alles, was man bei einer Kamera mit gutem und schlechtem Licht braucht. Sie liegt mit Objektiv ungefähr um die 500 Euro. Und sie überschreitet schon vielfach die Möglichkeiten des menschlichen Auges und der Darstellung am PC und beim Druck.

Wenn man diese Kamera und ihre Technik als Optimum im Verhältnis von Geld und Leistung im Bereich der Fotografie sieht, dann kann man von dort gut Relationen bilden.

Theoretisch müssten Kameras, die teurer sind, auch technisch besser sein. Aber viele sind ja wohl eher nur vom Design anders. Natürlich gibt es auch technisch bessere Kameras. Die Frage ist dann nur, wieviel Preisdifferenz macht Sinn für wieviel Mehrwert. Denn es geht ja nicht um die Kamera, die am Nordpol einsatzbereit ist, sondern unterwegs in der Stadt und auf der Strasse.

Daraus schließe ich: So kommt wie in der Mode, neudeutsch Fashion, der Preis wohl weniger wegen der Technik sondern mehr wegen des Designs zustande. Wieviel Aufpreis ist Ihnen denn Design wert?

Wenn wir bei Nikon bleiben und uns nur die J1 und V1 anschauen, dann frage ich mich, wieso diese Kameras mehr kosten als die D3100. Fotografisch betrachtet müssten sie eigentlich zwischen 200 und 400 Euro kosten mit Objektiv – maximal.

Ähnlich interessant wird es dann bei den Systemkameras. Sie sind teilweise sehr hochpreisig, aber warum eigentlich? Welchen fotografischen Nutzen haben sie, der dies alles rechtfertigt? Und wieso kostet eine Systemkamera mehr als eine D3100? Offenkundig geht es auch hier ums Design und den Wunsch, Neues zu haben, das anders ist.

  • Nehmen wir als Beispiel die  Powershot G1X von Canon. Ist sie mehr als 500 Euro wert? Natürlich kann man, weil sie neu ist, für das Neue einen Aufpreis zahlen – wenn man will. Aber verglichen mit fotografischen Kriterien wäre zu fragen, welchen Mehrwert sie gegenüber der D3100 hat?
  • Oder nehmen Sie die Fuji X-Pro 1? Ist sie diesen hohen Preis wert? Was hat sie so besonderes, dass ein Preis jenseits aller Systemkameras und semiprofessioneller DSLRs definiert wird?
  • Das wird spannend. Angeblich soll Olympus eine digitale OM-D auf den Markt bringen mit eingebautem elektronischem Sucher. Wieviel wird diese Kamera kosten? Wenn wir auf die D3100 oder die Panasonic G3 schauen, dann dürfte diese Kamera nicht mehr als maximal 550 Euro mit Objektiv auf der Strasse kosten.

Es hilft ungemein, mit diesem Raster über Preise und Wünsche zu sprechen. Wenn Geld aber keine Rolle spielen sollte, dann ist dies alles hier natürlich irrelevant.

Die 100 Euro-Grenze bei Kompaktkameras

Dieselbe Entwicklung unter umgekehrten Vorzeichen gibt es bei Kompaktkameras. Bei Canon gibt es aktuell für ca. 80 Euro die Canon Powershot A1200. Die Kamera hat einen optischen Sucher, der mitzoomt und die Kamera hat praktisch alles ausser einem optischen Bildstabilisator.

Darauf will ich noch etwas eingehen. Den Bildstabilisator hatte bis vor zehn Jahren so gut wie keine Kamera und dieser kann auch nur bei langsamen Belichtungszeiten mit unbeweglichen Motiven helfen. Dafür könnte man in diesem Fall auch ein Ministativ nehmen. Aber wenn man mit der Powershot A1200 bei Sonne Fotos aufnimmt, dann sind in der Regel die Belichtungszeiten ja auch besonders kurz. Und da hat diese kleine und preiswerte Kamera eben etwas, das fast keine andere Kompaktkamera hat: den optischen Sucher, der auch bei Sonne echten Durchblick erlaubt.

Die Kamera macht gute Fotos fürs Web und reicht für kleine Ausdrucke (in Relation zu einem kleinen Sensor). Und bei niedrigen ISO gibt es wohl überhaupt keine Probleme in der Praxis.

Wenn man nun diese Kompaktkamera ebenfalls als Massstab nimmt und sich dann fragt, wieso andere Kompaktkameras bis zu 300 oder sogar 500 Euro kosten, dann ist die Beschäftigung mit der Frage, wofür soll ich denn mehr bezahlen, hochinteressant.

Versuchen Sie mal, darauf eine fotografisch substanzielle Antwort zu erhalten. Das hilft sehr bei der Auswahl der richtigen Kamera.

Der Trend

Offenkundig bezahlen wir mehr, weil es neu ist. Aber wie gesagt, neu ist meistens nicht besser – zumindest in der Fotografie aufgrund meiner eigenen Erfahrungen. Machen Sie sich einfach klar, sie bezahlen nur dafür, dass sie digitale Fotos erhalten. Und die sind von kleinen bis grossen Kameras heute schon in einer Qualität, die den normalen Nutzen vielfach überschreitet.

Umgekehrt will ich aber nicht die sozialen Unterschiede einebnen oder die professionellen Werkzeuge kleinreden. Da es hier aber um Konsumerprodukte geht (im Vergleich die Autoklassen von Golf und Twingo sozusagen), wäre dies ein anderes Thema.

Text Version 1.1

Was wird aus dem „Papierbild“?

Überlegungen zur Wirkung von Smartphones auf die sozialen Gebrauchsweisen der Photographie

"Huch .....

Klaus Peter Wittemann (2012)

Veränderte Familien-Photographie

„Ich gestehe es: In letzter Zeit fotografiere ich immer häufiger mit meinem Handy. Und ich hasse es. Aber irgendwie komme ich nicht drum herum“ – mit diesen Worten eröffnet Florian Schuster, Chefredakteur von „Chip-Foto-Video“ sein Editorial zur Ausgabe 1-2012 (1). Unter der Überschrift „Handy-Kameras auf dem Vormarsch“ reflektiert er seine veränderte fotografische Praxis vor dem Hintergrund seiner professionellen Kenntnisse über Entwicklungen auf dem Gebiet (digitaler) Foto-Aufnahmegeräte.

Schuster schildert eine in der Amateur-Fotografie schon lange ganz wichtige „soziale Gebrauchsweise der Photographie“, um die Formulierung von Bourdieu aufzugreifen, auf dessen Überlegungen ich mich hier beziehe. Der hier zu betrachtende Gebrauch der Photographie dient einem Zweck außerhalb der Photographie, nämlich der Festigung des Familienzusammenhangs, und lässt sich analytisch von der „Kunstfotografie“ abgrenzen, die sich selbst genügt. Thema der Handy-Fotos ist ganz überwiegend die Tochter, „aufgenommen meist unterwegs. ….. Damit die Familie daheim quasi live miterleben kann, was wir so treiben“.

Das „live miterleben“ steht als Hinweis darauf, dass Schuster die Fotos bei Facebook einstellt. Und diese Möglichkeit ist in sein Smartphone integriert und macht die Handy-Kamera attraktiv. Wichtig für die mich interessierende Frage nach veränderten Mustern der Photographieerstellung und -nutzung ist hier, dass Schuster ja nicht zur Handy-Kamera greift, weil er nichts anderes kennt oder zu anderen Möglichkeiten keinen Zugang hat.

Er betreibt das Photographieren sogar doppelt: „In der Praxis führt das oft zu der bizarren Situation, dass ich einzelne Bilder sowohl mit dem Handy als auch mit der SLR mache“. Mit dieser Doppelung hält er sich als „Familien-Photograph“ die bei engagierten Amateuren wichtige Option offen, von der technischen Seite her zur „Kunstfotografie“ – im Sinne einer zweckfreien Photographie –  anschlussfähig zu sein.

Dass Schuster einen technischen Ausweg aus der von ihm als bizarr empfundenen Situation vorschlägt, nämlich die bisherigen Nur-Kameras mit Mobilfunkkarte und Facebook-Button auszustatten, ist wohl der Sorge geschuldet, dass sonst die von ihm beruflich betreute Art der ambitionierten Amateur-Photographie noch mehr in eine Spezialisten-Ecke gedrängt würde. Diesen Aspekt möchte ich hier nicht weiter verfolgen, sondern mich den Teilen der Gebrauchsweisen von Photographie zuwenden, die nach dem „Druck auf den Knopf“ liegen und die mit dem Wechsel der technischen Basis der Photographie neue Möglichkeiten eröffnen. Ob damit den verschiedenen schon längst etablierten sozialen Gebrauchsweisen der Photographie von der „Familien-“ bis hin zur „Kunstfotografie“ lediglich neue Realisierungschancen geboten werden oder ob im sozialem Sinne neue Gebrauchsweisen entstehen, muss hier offen bleiben.

Darstellung des Bildes auf Papier oder Bildschirm

Die photographische Aufnahme ist unmittelbar nicht sichtbar, egal ob es um den belichteten Film oder die Daten eines ausgelesen Chips geht. Beim Film ist das nutzbare Ergebnis das auf einem Träger einigermaßen dauerhaft fixierte Bild, in der Regel das Papierbild, das im weiteren vereinfachend mein Bezugspunkt ist. Wenn dieses einmal vorliegt, kann es ohne besondere Sichtgeräte angeschaut werden; und ohne Gerät heißt eben auch ohne Kenntnis der Gerätebedienung.

Beim „Sofort-Bild“ sind die Schritte bis zum Papierbild zeitlich stark komprimiert und erfordern vom „Macher“ keine besondere Ausrüstung, Kenntnisse und Fertigkeiten, was allerdings auf die Einflussmöglichkeiten des Bildproduzenten auf das Ergebnis minimiert. Dies sieht beim Negativfilm anders aus: es dauert einige Zeit bis zum Bild, und es braucht dazu eben diese besondere Ausrüstung, Kenntnisse und Fertigkeiten. Und man kann ein Papierbild weder „beamen“ noch wie eine Digitaldatei kopieren.

Die technische Spezifikation der „analogen Fotografie-Kette“ (von der Motivauswahl über die Aufnahme, die Aufbereitung zum Papierbild bis hin zur Übergabe an den Nutzer, der das Bild dann rezipiert) gibt den jeweils realisierten sozialen Gebrauchsweisen eine bestimmte Langsamkeit und Umständlichkeit. Es dauert und fordert einige Arbeitsschritte, bis das Hochzeitsbild den Weg in den Bilderrahmen oder ins Familienalbum gefunden hat.

Was ändert sich und was bleibt konstant, wenn die Fotografie-Kette auf digitaler Technik und Internet beruht? Das Kontinuum ist die Bindung an eine Praxis, die außerhalb des Fotografierens liegt, nämlich die des Familienlebens. Agfa-Klick und Papierbild dienen dieser „Familien-Photographie“ ebenso wie Smartphone und Facebook. Die Differenz liegt zunächst in der Geschwindigkeit: in Schusters Worten sind die Daheimgebliebenen live dabei – wenn sie denn über einen Facebook-Account, einen Internetzugang und ein geeignetes Endgerät verfügen (und damit umgehen können und wollen). Neben PC, Notebook, „Digitalem Bilderrahmen“ oder Smart-TV dürfte dem Smartphone als dem mobilen „Immer-dabei-Gerät“ für das „live dabei“ via Facebook besondere und zunehmende Bedeutung zukommen. Wenn ich es richtig sehe, gibt es eine Tendenz, mobil zu „facebooken“; zur Vereinfachung der Argumentation gehe ich im weiteren vom Smartphone als dem wichtigsten Darstellungsmedium der hier interessierenden Bilder aus.

Zu fragen ist nun, welche Anforderungen diese Nutzungsweise an die Bildproduktion stellt. Wichtig scheint mir zu sein, dass häufig oder gar laufend Bilder anfallen, was einen Unterschied zur Photographie der „besonderen Gelegenheit“ markiert. Die Bilder müssen schnell verfügbar sein in dem Sinne, dass sie ohne besondere Arbeitsschritte in ein screentaugliches Format gebracht werden und ins Netz gehen können. Mag die aktuelle Smartphone-Generation in wichtigen aufnahmetechnischen Aspekten gegenüber einer dezidierten Kamera unterlegen sein: sie ist immer dabei! Und das Smartphone macht das alte Kodak-Versprechen auf neue Weise war: “You press the button – we do the rest”. Der Unterschied ist aber gewichtig: es geht nicht mehr um ein Papierbild, jedenfalls nicht mehr primär! (2)

Verschwindet das Papierbild?

Nun ist die These sicher zugespitzt. Gerade für die soziale Gebrauchsweise der „Familien-Photographie“ wird durch die Einbindung der älteren Generation, für die Facebook und Smartphone kein Heimspiel darstellen, das Papierbild eine wichtige Rolle spielen. Dies könnte für die „Facebook-Generation“ schon anders sein. Vergleichsweise wenige, „langsame“ (im Sinne der Frist zwischen Aufnahme und Erstnutzung), aber halbwegs dauerhafte Prints werden in dieser Gruppe durch viele, schnelle, per Softwareautomatiken leicht modifizierbare und eher kurzlebige Screenbilder (oder gar durch das Kurzvideo) abgelöst. Was dies für die Gebrauchsweise von Photographie durch die „Facebook-Generation“ im Einzelnen bedeutet, muss hier offenbleiben; ich vermute allerdings, dass sich diese von den überlieferten Nutzungsmodi unterscheidet, die sich am Papierbild entwickelt haben.

Eine solche Entwicklung hätte m. E. auf mittlere Sicht Folgen für die Gebrauchsweisen von Photographie über diese Gruppe hinaus. Um nur drei Aspekte anzudeuten:

  • Verändert sich damit das, was Bourdieu die „gesellschaftliche Definition der Photographie“(3) genannt hat und die impliziert, „die Photogaphie als ein Modell der Wahrhaftigkeit und Objektivität zu beschreiben“?
  • Was passiert mit der inzwischen als „legitime Kunst“ etablierten Kunstphotographie, wenn die Gebrauchsphotographie ihren Schwerpunkt vom Papier- zum Screenbild verlagert und sich „verflüssigt“ oder gar verflüchtigt?
  • Wie ändern sich die Anforderungen an ein fotografiefähiges Gerät? Wird die „digitale Nur-Kamera“ zu einem randständigen Spezialgerät gegenüber einem „Auch-Kamera“-Smartphone und erlebt so das Schicksal der Plattenkamera?

 

.... wo bin ich denn hier gelandet?"

Anmerkungen:

(1) Florian Schuster: Editorial Chip-Foto-Video 1-2012, S. 3
(2) Einen verringerten Stellenwert des Papierbildes kann ich auch an der eigenen Fotopraxis feststellen: ich mache selbst nur als Ausnahme Papierbilder, meist zum Verschenken oder für Kalender. Was über die Festplatte rauskommt, steht im Internet (www.kpw-photo.com) und wird durchaus auch (oft ungefragt) von anderen benutzt. Nachfrage nach druckfähigen Dateien kommt nur auf, wenn es den Nachfragern um Plakate, Flyer oder CD-Covers geht, wo also die Verwendung eines „Screenbildes“ ausgeschlossen ist
(3) Bourdieu, Pierre u.a.: Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Photographie. EVA 1981 (Paris 1965), S. 85.

Die „besten“ Fotos – Blicke auf fotografische Wirklichkeiten

Naturkunst - Foto: Michael Mahlke

Womit ist man fotografisch sozial anerkannt innerhalb einer medienwirksamen Gruppe? Der Versuch, diese Frage zu beantworten ist zugleich ein Blick auf Werbung und Wirklichkeit.

Ich wollte hier ein paar Infos wiedergeben, die ich gefunden habe und die Anlass zum Weiterdenken sein können.

Deutschlands beste Fotografen bei Computerbild sind 2011 erfolgreich mit folgenden Kameras:

  1. analoge Kleinbildkamera
  2. Canon Sx200 IS
  3. Panasonic FZ50
  4. Nikon D90

 

Wer von der Fotografie leben will oder muß, der ist laut laif und Peter Rigaud erfolgreich, wenn er/sie folgendes erreicht:

  1. bessere Platzierungen in Magazinen
  2. bessere Preispolitik bei der Gage
  3. das richtige Image (Fotografen-Story) – wie man es macht sieht man z.B. hier
  4. besser Reportagen und Serien verkaufen

 

Die besten Fotos, eine Auswahl verschiedener Ausgewählter:

  1. die besten Fotos der DPA
  2. die besten Fotos vom Sony Wettbewerb
  3. die besten World Press Photos
  4. die besten Fotos vom Lumix Wettbewerb

 

1969 hat Andreas Feininger die Frage beantwortet „Wodurch wird eine Fotografie gut?“

Er schrieb: „Beim Analysieren von Fotos, die ich instinktmäßig als »gut« empfand, fand ich, daß diese Bilder ausnahmslos, obwohl in verschiedenem Maße, vier besondere Eigenschaften hatten:

  1. Aufmerksamkeit zu erregen
  2. Absicht und Sinn zu offenbaren
  3. gefühlsmäßig zu wirken
  4. grafische Gestaltung zu besitzen.“

 

Und nun noch die besten besonderen Listen

  1. Die besten Fotografen aller Zeiten
  2. Die besten internationalen Fotos der Lucie Foundation
  3. Die 100 besten Fotografen mit dem meisten Einfluss
  4. Die besten Fotos von Fotojournalisten
  5. Die besten Fotoblogs 2011 laut Life

Wenn Sie die Verlinkungen aufmerksam studieren, dann werden Sie feststellen, dass man ausserhalb von Deutschland ganz anders auf Fotos schaut und zum Teil auch Fotos bewertet.

So sind die „besten“ Fotos abhängig vom Zeitgeist, den Themen, den Kriterien, den Zielen, den Interessen etc.

Aber dies gilt natürlich nur für Reportage. Werbung, Lifestyle etc. haben andere Ziele.

Und Fotokunst ist wieder anders. „Ein Kunstfoto ist ein Foto, das keinen Zweck erfüllt.“ So lautet eine Sendung bei arte. Und eine andere Sicht auf die beste fotografische Welt.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen nur das Beste…

 

Die Kunst und die Revolution sind das Werk von Amateuren oder warum die Gedanken von Dieter Hacker so aktuell sind

Ein Blick auf die Gedanken von Dieter Hacker – Foto: Michael Mahlke

Kennen Sie Dieter Hacker?

Ich kannte ihn auch nicht. Aber als ich mein Projekt Zeitgeist-Fotografie vorgestellt hatte, stieß ich Wochen danach auf einen Text. Und der war von Dieter Hacker aus dem Jahre 1974. Damit nicht genug. Er nahm 1982 an der Ausstellung Zeitgeist teil, las ich in der Wikipedia.

Zeitgeist? Genau!

Wieso holt mein Ansatz zur aktuellen Zeitgeist-Fotografie die Vergangenheit in die Gegenwart und landet bei Dieter Hacker?

Da fragt man sich dann, ob es eine Synchronizität der Ereignisse gibt oder alles nur Zufall ist.

In dem ca. 1300 Seiten dicken Werk aus dem Schirmer-Mosel Verlag zur Theorie der Fotografie gibt es ein paar wenige Seiten mit dem Text von Dieter Hacker über „Profis und Amateure“.

Der Profi

Dort lesen wir zum Beispiel: „Der Fotograf nimmt Stellung zur Wirklichkeit, wie sie ihm erscheint. Der Blick des Professional auf die Wirklichkeit gleicht dem der Nutte auf den Kunden. Er sucht sie nach Ausbeutungsmöglichkeiten ab. Der Profi steht immer zu Diensten. Aber nicht jedem. Selber ein charakteristisches Produkt unserer Gesellschaft, stellt er seine Fähigkeiten dem Teil der Gesellschaft zur Verfügung, der die Normen bestimmt. Da findet er das Geld und die Anerkennung.“

Der Amateur

Aber das ist noch nicht alles. An anderer Stelle in dem Text „Profis und Amateure“ von 1974 heisst es: „Der Amateur liebt seine Arbeit. Dieses Verhältnis zu seiner Arbeit hat für ihn viele Konsequenzen. Denn unsere Gesellschaft honoriert nicht, was wir lieben, sondern was wir für ihren Fortbestand leisten. Die Arbeit des Amateurs gilt wenig. Da er seine Arbeit macht, um ein persönliches Bedürfnis zu befriedigen, bleibt er in der Regel auch der wichtigste Nutznießer seiner Arbeit… Der Amateur ist für die Industriegesellschaft nur interessant, sofern man mit ihm Geschäfte machen kann. Beim Fotoamateur ist das so. Unermüdlich und mit Hilfe von Werbeanzeigen, Großplakaten, Fotomagazinen, Fotoausstellungen, Fotobüchern und Sondereinlagen der illustrierten Zeitungen werden die Leute zum Fotografieren angeregt.“

Revolution und Kunst

Und dann kommt das Geheimnis der Kunst und der Revolution: „Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat der Amateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können. Was dem Berufskünstler kaum gelingt, nämlich die Realisation seiner Intentionen; was ihm deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem wahren Charakter des Kunstwerkes Zwänge ergeben, denen er sich schwer entziehen kann, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Amateurarbeit nicht leben.

Amateurarbeit, die sich von ihrer Fixierung an die Arbeit der Profis befreit, könnte eine Ahnung davon vermitteln, was nicht entfremdete Arbeit ist und so eine wichtige Utopiefunktion erfüllen. Nicht vergessen: die Revolution ist die Arbeit von Amateuren.“

Knapp 40 Jahre später

Dass man bei der Beschäftigung mit der Theorie und Praxis der Fotografie auf solche Gedanken stößt, ist schon bemerkenswert. Wie aktuell sind diese Gedanken und wie aktuell ist seine Bestandsaufnahme der damaligen Realität von Profis und Amateuren?

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, dann kann man eigentlich nur feststellen, dass die Feststellungen von 1974 seitdem ausgebaut und verfeinert worden sind.

Die Wahrnehmung der Wirklichkeit hat durch die Massenmedien eine Veränderung erfahren.

Wahr und wirklich?

Wahr ist nicht mehr, was wirklich ist, sondern vielfach in der Wahrnehmung nur das, was medial vermittelt wird. Die digitale Dimension kam hinzu, zur Zeit als Chance und Risiko.

Die Schlüsselrolle

Aber die Rolle des Amateurs?

Das ist die Schlüsselrolle in diesem Text, der natürlich viel länger und ausführlicher ist als hier durch drei Zitate dargestellt werden kann.

Doch  meine Fokussierung auf die Themen Profi, Amateur und Fotokunst ist das Dreieck der Debatte, um die es in Theorie und Praxis geht.

Die Rolle der Dokumentarfotografie

Da hinein gehört auch die Frage nach der Dokumentarfotografie. Sind Amateure die eigentlichen Dokumentarfotografen? Mir scheint es fast so. Denn mit Dokumentarfotografie läßt sich kaum Geld verdienen.

Die Themen gestalteter Dokumentarfotografie halten oft eine Wirklichkeit fest, die selbst von den Beteiligten entweder anders wahrgenommen wird oder oft lieber anders gesehen wird.

Und es sind nicht nur die Themen der Mächtigen sondern auch der Ohnmächtigen. Ist Dokumentarfotografie Geschichte von unten? Wenn, dann sicherlich nur zum Teil.

Aber genau daraus erwachsen die Dinge, die heute wichtiger werden.

Denn Liebe, Leidenschaft und Lebenszeit sind Eigenschaften, die die Arbeit der Amateure auszeichnen, nicht die der Profis. Und daraus erwächst fotografisch und individuell der Geist, der Hoffnung schafft.

So landen wir mitten im Thema Fotografie ganz plötzlich bei Grundfragen, die uns aktuell alle angehen.

Da bekommt der Satz „Wer fotografiert, hat mehr vom Leben“ eine völlig neue Bedeutung.

Die wachsende Bedeutung der Amateure

Weil zudem Fotokunst immer wichtiger wird als verkaufbares Produkt, wird die Bedeutung der Amateure zunehmen für Fotos und Fotokunst – in der Kunst und als Kunden der Fotoindustrie.

Und auch hier bemerken wir, dass die Produzenten der Ware Fotokunst versuchen, sich als Profis dieser Szene von den Amateuren abzugrenzen. So beginnt eine weitere Drehung mit denselben Mechanismen.

Und deshalb scheint es so zu sein, dass die Zukunft der Fotografie und die Zukunft der Welt nur von Amateuren gestaltet werden kann – und nicht von Profis, oder?

Kostenloses Ebook zur Streetphotography mit Kompaktkameras

Foto: Michael Mahlke

Gute Fotos

Strassenfotografie verbreitet sich immer mehr, je mehr Kameras es gibt. Und die meisten fotografieren mit Kompaktkameras oder Handys. Diese sind technisch begrenzt aber fast überall dabei. Daher sind folgende Fragen wichtig:

  • Wie kann ich mit einer kleinen Kompaktkamera gute Strassenfotos machen?
  • Wie fotografiere ich, um die Situation treffend einzufangen und trotzdem die Persönlichkeitsrechte zu achten?
  • Wie gestalte ich die vorhandenen Farben, d.h. welchen Bildausschnitt mit welchen vorhandenen Farben wähle ich?

Streetphotography findet im 21. Jhrdt. meistens mit Farbfotos statt. Bei Farbfotos muß man aber die Farbe auch einsetzen als Mittel zur Gestaltung.

Und deshalb finden Sie in dem kostenlosen Ebook-PDF  Beispiele für gute Strassenfotografie mit Kompaktkameras im 21. Jahrhundert.

Und Sie finden in dem Ebook zugleich diese Fotos als Beispiele, die zeigen, wie man Farbe „gezielt“ einsetzt, um die Bildaussage herbeizuführen oder zu unterstreichen.

Bitte denken Sie daran, dass es sich in allen Fällen um ungestellte und nicht geplante Beispiele aus dem echten Leben handelt.

Qualität ist teilweise messbar

„Gute“ Streetphotography mit Kompaktkameras entspricht nicht komplett den 5 Sterne-Qualitätskriterien, die ich für klassische Strassenfotografie entwickelt habe. Dort ging ich von größeren Sensoren und Schwarzweißfotografie aus.

Man kann bei Kompaktkameras und Minisensoren nicht richtig mit Bokeh arbeiten und man muss die Farbe als eigenes Gestaltungsmittel sehen. Insofern ist hier noch Raum für Entwicklung.

Das Kriterium farbige Gestaltung hängt u.a. davon ab, ob ich die Situation in ihrer Zufälligkeit mit den vorhandenen Farben entsprechend aufgenommen habe, wenn sie sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen, wie das Foto „Partnerlook“ mit dem Mann und dem Hund zeigt. Das ist die „Gestaltung“, die in diesem Fall möglich ist.

Es kommt darauf an, ob der Schwerpunkt der Aussage bei einem Foto auf den Farben liegt oder ob der Schwerpunkt z.B. auf dem Blick liegt, wie ich dies bei dem Foto „Blick – view“ mit den unterschiedlich angezogenen Menschen gezeigt habe. Das Foto wäre in Schwarzweiss noch besser, weil der Blick noch mehr betont würde. Aber es zeigt sehr gut die Grenze auf zwischen Farbe und Struktur und dient daher als Beispiel.

Das Ebook können Sie kostenlos hier runterladen.

Noch ein persönlicher Hinweis zum Adjektiv „gut“. Ich halte mich mit Wertungen eigentlich zurück. Und gerade bei der Fotografie ist es ja schwierig. Für mich gibt es Kriterien, die man festlegen kann und dann kann man sich daran messen. Sind sie erfüllt, dann ist es „gut“. Aber heute gibt es ja ununterbrochen fast nur noch die „Besten“, die „Größten“, die „Aktuellsten“ ichweissnichtwas und wenn man sich das anschaut, dann denke ich mir oft, na ja. Ich halte es da mit Diogenes, der immer zu fragen pflegte „im Vergleich wozu?“. Also nehmen sie die Wertung nicht so ernst, sondern blicken sie darauf und nutzen sie dies alles zur Bildung einer eigenen Meinung. Dann wäre es „gut“.

Neues Ebook mit vielen praktischen Beispielen

Man kann Streetphotography auch künstlerischer gestalten.

Wie das geht zeige ich in einem anderen kostenlosen Ebook (pdf) mit dem Titel Colours of Cologne – Streetfotografie als visuelle Poesie.