Monthly Archives: November 2011

Kaum erlebt schon vorbei? – Zeitgeist ab 2012

Foto: Michael Mahlke

Der digital programmierte Mensch 2.0

Es verändert sich was. Heute sprach ich mit einer Kindergärtnerin (die heute auch anders heisst). Sie sagte mir, dass sie früher eine Gruppe mit zwei Kindergärtnerinnen und neun bis 15 Kindern waren. Heute sind in der Gruppe neben den zwei Kindergärtnerinnen noch eine Psychotherapeutin, eine Logopädin und noch eine weitere Spezialistin. Und die Kinder können weder Spiele wie „Mensch ärgere dich“ noch einfach in der Gruppe miteinander zurecht kommen. Es werden zunehmend sog. Störungen bei immer mehr Kindern gefunden. Aber sie haben fast alle ein Handy, eine Spielekonsole, einen Fernseher und weitere digitale Geräte.

Es entstehen neue Menschen, die 2. Generation digital.  Sie wachsen in eine Welt, die sie von klein auf mit Bildern prägt. Der Stellenwert des Bildes wird alltäglich und banal in einer Weise, wie es früher nicht der Fall war. Auch früher gab es Bilder. Aber es war anders.

Heute im Bus und an der Universität erlebe ich fast nur Menschen, die ein Handy in ihrer Hand halten. Musik hören im Bus, zwischendurch SMS tippen und neue Nachrichten abrufen oder kleine Videos anschauen. Man spricht nicht miteinander eher nebeneinander. Man spricht über sichtbare (oder hörbare) Dinge. Handys und Computer sind die neuen Zauberwerkzeuge. Sie sind die neue Normalität. Es ist die 1. Generation digital. Zunehmend ist derjenige unnormal (entspricht nicht der Norm), der dies nicht lebt oder hat.

Man ist online und glaubt, man sei dabei und oft auch noch informiert. Es ist die perfekte Augenzeugenillusion und vielleicht schon die Angst, einmal offline zu sein (nicht biologisch sondern digital!).

Neue Wirklichkeit

Diese Worte sind der Versuch, eine neue Wirklichkeit ins Auge zu fassen. In der Geschichte sprechen wir vom Zeitgeist einer Epoche. Hier handelt es sich um Schilderungen zum Zeitgeist dieser Epoche.

Da passt natürlich ein Gedanke wie der, dass man Erlebnisse sofort digital teilen soll, besonders gut.

Aber es ist natürlich ein Irrtum so zu denken, weil dies erhebliche Auswirkungen hat auf Wahrnehmung und Verhalten. Die Welt als permanente Gegenwart reduziert den Horizont. Und nicht umsonst schrieb Neil Postman Bücher wie „Wir amüsieren uns zu Tode“.

Menschen bleiben Menschen – nur die Programmierung ändert sich

Heute erleben wir um uns herum eine Digitalisierung, die wenig an der Lage der Menschheit verbessert hat. Man könnte sogar vom Gegenteil ausgehen. In jedem Fall hat das Internet die Sicht auf die Welt erweitert und verändert. Aber die Menschen haben sich ja in ihrer Struktur nicht geändert sondern es gibt durch die digitale Welt veränderte Wahrnehmung und ein verändertes Verhalten. Und man kann schon die Folgen sehen.

Die neuen Menschen auch in ihrer Neuheit zu sehen kann vielleicht am besten von denen geleistet werden, die noch „alt“ sehen und „alt“ denken. Da bietet es sich an, dies alles mit digitalen Fotos festzuhalten, das Alte und das Neue, das Bestehende und das Veränderte.

Zeitgeist ist das, was die Menschen in einer Zeit denken und tun.

Es ist z.B. das,

  • was man wahrnimmt,
  • wie man sich verhält,
  • welche Waren und Dienstleistungen angeboten werden,
  • welche Architektur, welches Essen, welche Kleidung da sind,
  • welche Gedanken vorherrschen

Das langfristige Projekt Zeitgeist ab 2012

Aus diesem Grund will ich ein Projekt beginnen, bei dem ich über einen längeren Zeitraum Fotos erstelle, die dies zum Thema haben.

Gedacht ist an den Zeitraum ab 2012. Ich stelle meine Sicht und meine Erlebnisse auf verschiedenen Webseiten dar und versuche so, die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie und viele andere Dinge des aktuellen Zeitgeistes zu finden.

Text 1.1

Nachtrag Jahre später:

Das Projekt ist in dieser Form beendet. Ein Teil ist sichtbar auf flickr und ein anderer hier.

 

W. Eugene Smith von Britt Salvesen, Enrica Vigano

Deleitosa – die Foto- und Textreportage über das spanische Dorf zog mich in ihren Bann und ließ mich nicht mehr los. Anders kann ich den Weg in dieses Buch nicht beschreiben. Wer es aufschlägt und mit dem Lesen und dem Betrachten der Fotos beginnt, der wird es nie mehr aus seiner Erinnerung streichen können.

Das im Kehrer Verlag erschienene Buch zum Werk von W. Eugene Smith ist eine souveräne Konzeption, die die Fotos und Texte und den Menschen W. Eugene Smith dem heutigen Publikum zeigt. Die Fotos und Texte sind so aktuell und so spannend, dass sie Menschen, die Einfühlungsvermögen besitzen, unversehens in ihren Bann ziehen.

Waren Sie schon einmal in Spanien, auf Mallorca oder auf dem Festland? Wenn sie die Reportage über „Das Spanische Dorf“ gelesen haben, werden sie auch das heutige Spanien mit anderen Augen sehen.

Interessanterweise zitiert Enrica Viganò, der Kurator, in seinem Aufsatz den Autor Philippe Halsman mit dem Satz: „Cartier-Bresson registriert die Wahrheit. Gene Smith schafft seine eigene.“

Und dann landet er bei Smith selbst und zitiert ihn mit dem Satz: „Ich habe mich nie damit begnügt, ein Fotograf zu sein, der die Ereignisse bloß registriert. Ich glaube vielmehr, dass es mir in meinen besten Arbeiten gelingt, das Besondere einer Situation abzubilden und das Universale symbolisch auszudrücken.“

Er führt dann in Anlehnung an Serge Tisseron den Begriff der „emblematischen Fotografie“ ein, die weit über die Betrachtung hinausgeht.

Dann kommt W. Eugene Smith selbst mit einer autobiografischen Erklärung zu Wort. Und dann sprechen seine Fotos und Reportagen.

Das Buch schenkt dem Menschen und dem Werk neues Leben. Und es ist ein Geschenk für unsere Zeit, denn es zeigt, dass die intensive Reportage in schwarz-weiß nicht durch die Farbfotografie abgelöst werden kann. Farbe ist anders und Texte werden zeitlos, wenn sie gut sind.

Dem amerikanischen Publikum war W. Eugene Smith lange bekannt, er war dort einer der bekanntesten Fotografen. Aber hier ist er wohl nur in Fachkreisen bekannt gewesen. Neben dem Werk kommt auch der Mensch zum Vorschein und wir erleben die Tragödie und die Absurdität der menschlichen Existenz, die  uns auf unsere eigene Weise alle betrifft.

In einer Zeit ohne Geschichte bringen Bücher wie dieses das Verhältnis von Geschichte zur Gegenwart zurück. Die beeindruckenden Reportagen führen zudem dazu, dass man heute automatisch überlegt, ob es Ähnliches nicht heute auch zu finden gibt.

Denn W. Eugene Smith hat seine beeindruckendsten Reportagen (in diesem Buch) in unserem Alltag gefunden. Er ging dort hin, wo andere zur Arbeit gehen oder leben. So geben seine Fotos uns einen Spiegel über unser Leben in diesen Zeiten.

Und wir – zumindest ich – sehe(n), dass die grossen Reportagen letztlich vom Auge und Einfühlungsvermögen des Reporters (mit Foto und Text) und von den Massenmedien (Publizierung) abhängig sind.

Mit diesen Gedanken versuche ich schon den Transfer in die heutige digitale Welt. Es ist eben ein wirklich inspirierendes und in den Bann ziehendes Buch.

Wer etwas für seine fotografische Entwicklung haben möchte oder ein wirklich gutes Geschenk sucht, der findet mit diesem Buch eine gute Antwort.

So will ich enden mit einem Zitat von W. Eugene Smith, das mir gefällt: “Ich denke, dass Fotojournalismus Dokumentarfotografie mit einer bestimmten Absicht ist.”

 

W. Eugene Smith

Autoren: Britt Salvesen, Enrica Vigano, W. Eugene Smith
Künstler: W. Eugene Smith

ISBN 978-3-86828-255-9

 

Was ist “Besseres Fotografieren” heute?

Besseres Fotografieren

Wir leben in einer Zeit der absoluten Bilderwelten. Die Bilder sind still oder bewegen sich, aber sie sind allgegenwärtig. Nun ist es an der Zeit, einen kleinen Streifzug durch die aktuelle digitale Landschaft zu unternehmen. Ziel sind Antworten auf die Frage, was denn besseres Fotografieren im Zeitalter nach dem „Ende der Dunkelkammer als zentraler Ort für die Herstellung von Bildern“ (Robert Hirsch) bedeutet?

Dazu habe ich aktuelle Bücher untersucht, die aus meiner Sicht den Zeitgeist widerspiegeln. Das muß man übrigens immer wieder tun, um sich klar zu machen, wie veränderlich auch diese Gedankenwelt ist.

Beginnen möchte ich mit einer Frau und deren Buch. Die Frau heisst Jacqueline Esen und das Buch heisst „Digitale Fotopraxis. Rezepte für bessere Fotos“. Das Buch lohnt sich. Es bietet eine Fülle an Anregungen, die bezeichnenderweise auf ganz traditionelles Fotografieren ausgerichtet sind. Die Autorin stellt sich dann ab der Seite 312 in ihrem Buch die Frage „Was ist ein gutes Bild?“

Ihre Antwort fällt so aus: „Eine absolute Aussage darüber, ob ein Foto gut oder schlecht ist, kann man nicht treffen. Es ist immer nötig, den Kontext zu sehen, in dem das Bild erscheint. Wenn jemand ein Bild als Wandschmuck für die Küche sucht und sich für das Foto einer grünen Tomate entscheidet, dann ist das Bild nicht besser als ein Porträt von Marilyn Monroe, sondern einfach nur besser für den Zweck geeignet“ – wobei sie meiner Meinung nach aber die Anwendung der vorher dargestellten Techniken und Verhaltensweisen voraussetzt.

Damit ist eine erste Annäherung an das bessere Fotografieren durch den Zweck definiert. Es geht also um das richtige Foto für den richtigen Zweck.

Wenn wir uns auf diese Argumentation einlassen, dann geht es nun zu den unterschiedlichen Zwecken und Zielen der Fotografie.

Damit will ich zum ersten Zweck kommen, einem gelungenen Portrait. Kathy Hennig, Lars Ihring und Michael Papendieck haben ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Fotoschule in Bildern: Porträtfotografie“. Es ist ein wunderbares Buch über das Motiv „Mensch“.

Porträts

Und so beginnt das Buch auch mit dem klassischen Porträt und dort gibt es einen Absatz mit der Überschrift „Linien, Linien, Linien“.

Bei der Erklärung einiger dort gezeigter Bilder finde ich dann als Erläuterung: „Beim kleineren Bild setzt die Linie im Hintergrund die Aufwärtsdiagonale des Körpers fort und schafft so ein ausgewogenes, harmonisches Bild.“ Und dann wird man in diesem Buch entführt in die Welt der Porträts. Welches Porträt für welchen Zweck? Darf es ein Charakterporträt sein oder ein Beauty-porträt? Sollen Paare, Kinder oder Serien augenommen werden? Sollen Emotionen, Action, Erotik oder „Ältere Menschen“ aufgenommen werden?

Alles dies wird dargestellt und zeigt, dass es schon bei der Porträtfotografie sehr viele Zwecke bzw. Ziele gibt. Ich persönlich finde hier das bessere Fotografieren im Kapitel über „Klassische Porträts.“ Dort gibt es neben dem Abschnitt über „Linien, Linien, Linien“ weiter hinten im Buch das Kapitel „Porträts gestalten“.

Darin findet sich der meiner Meinung nach entscheidende Schlüsselsatz. Er lautet: „Achten Sie bewusst auf störende Bildelemente und komponieren Sie ihr Foto.“

Genau das ist es. Die Komposition, die Geometrie ist die Grundlage guter Porträtfotografie. Damit ist dieses Buch, wenn man es richtig benutzt, eine wunderbare Anleitung für das schöne Fotografieren von Menschen in den verschiedensten Bereichen des Lebens auf klassischer Grundlage.

Nun möchte ich meinen Streifzug fortsetzen. Dazu wende ich mich einem anderen Bereich zu und einem anderen Fotografen. Es ist George Barr. Er beginnt sein Buch „Der Blick über die Schulter“ mit folgenden Sätzen: „Ich habe dieses Buch aus verschiedenen Gründen geschrieben. Zuallererst wollte ich ein Buch mit realen Bildbeispielen aus der Sicht eines Fine-Art-Fotografen und nicht aus der Sicht eines kommerziellen Fotografen erstellen.“ Damit begeben wir uns gedanklich in ein neues Feld.

Gedanken

In mehr als zwanzig Kapiteln gelingt es Barr zu zeigen, wie man das beste aus einem Bild herausholt. Dazu zeigt er viele Photoshop, Akvis Enhancer, Helicon Focus Pro und andere Techniken auf, um aus einer Aufnahme ein Kunstwerk zu machen. Dazu gehört das Betonen von Strukturen, die Perspektive und vieles mehr. Bei den Gedanken zu seinem Bild vom Stoney Park schreibt er: „An einem Bild wie diesem kann man erkennen, dass gute Fotografie häufig darin bestehen kann, das Bild zu finden, aber ebenso häufig darin, das Bild zu machen.“

Blickführung

George Barr druckt seine Bilder selber aus und verkauft sie. Daher ist sein Ziel, ein Bild zu erstellen, welches im Ausdruck genau dem entspricht, was er sich bei der Bearbeitung vorgestellt hat. Insofern ist eine Annäherung an die Frage des besseren Fotografierens sicherlich die Übereinstimmung der vorgestellten mit der tatsächlichen Bearbeitung. Doch ich will hier mit diesem Buch von George Barr nicht enden. Jahre zuvor hat er ein Buch mit dem Titel „Besser fotografieren. Die hohe Schulde der kreativen Fotografie“ veröffentlicht. Dort entwickelt er unter den Themen Sehen, Motivsuche und Komponieren seine Sicht der Dinge. In diesem Buch schreibt er einen aus meiner Sicht entscheidenden Satz auf Seite 165. Er lautet: „Auch wenn wir nicht alle dieselben Phasen durchmachen, so bin ich doch der Meinung, dass es wichtig ist, das Niveau der handwerklichen Fähigkeiten, der Kreativität und des künstlerischen Ausdrucks zu erkennen, auf dem Sie sich gerade befinden.“ Und er stellt präzise Kriterien vor.

Diese sind im Bereich der handwerklichen Fähigkeiten u.a. gute Bildkorrekturen, Detailreichtum, Tiefe und perfekter Tonwertreichtum. Im Bereich der ästhetischen bzw. kreativen Fähigkeit ist es eine durchdachte Komposition, richtiges Arrangement der Bildelemente und ob sie eine emotionale Reaktion erzeugen.

Der künstlerische Ausdruck ergibt sich dann letztlich aus dem, was sich durch die eigene Persönlichkeit darin umsetzen und dann ausdrücken läßt. Das kann man dann nur schwer in Worte fassen. Ich nenne als Beispiele den Fotografen Alexander Rodtschenko und den Maler und Künstler Dali. Da weiß jeder sofort, das ist von ihm, wenn man ein entsprechendes Bild sieht.

Nach diesem Ausflug in die Fineartfotografie streife ich noch etwas umher und entdecke dabei die „Sprache des Sehens“. So betitelt Robert Hirsch in seinem Buch „Mit der Kamera sehen“ ein Kapitel, welches er dann so beginnt: „Es war Sokrates, der im antiken Griechenland von der ewig gültigen Schönheit geometrischer Formen sprach. Im Laufe der Zeitgeschichte hat sich aus diesen Formen eine Art visuelle Grammatik entwickelt, die das bildnerische Gestalten erheblich beeinflusst hat. Die Bausteine dieser Sprache des Sehens sind Licht, Farbe, Kontrast, Linien, Formen, Muster, Oberfläche, Ähnlichkeit und Bewegung. Aus diesen formalen visuellen Elementen können Bilder entstehen, die der Welt unsere eigene Vorstellung darüber mitteilen, was betrachtenswert ist, was wir in Bildern festhalten dürfen und wie wir Bilder interpretieren.“

Nachdem ich nun auch noch auf Sokrates gestossen bin als Helfer und Gedankengeber, sollte ich meinen Streifzug abschließen und zur Ausgangsfrage zurückkehren.

Daher frage ich mich nun, wie diese zu beantworten ist. Gerry Badger hat in seinem exzellenten Buch „The Genius of Photography“, welches leider nicht auf Deutsch erschienen ist, im letzten Kapitel geschrieben „Anyone can do it.“

Auf Deutsch: Jeder kann es, das Fotografieren. Das stimmt und das ist in einer sehr viel umfassenderen Weise möglich als früher.

So lebt ein Teil der Dokumentarfotografie – gerade der aktuellen Ereignisfotografie – davon, dass eben Herr oder Frau Jedermann mit dem Handy die Fotos oder Videos aufnehmen, welche die Ereignisse zeigen. Aber das alles ändert nichts daran, dass dies zwar ein Teil der neuen Fotografie ist, aber natürlich alle hier aufgeführten Bereiche nicht errsetzt sondern nur ergänzt.

Und gerade deshalb bleibt die Frage nach dem „Besseren Fotografieren“ so wichtig und muß hier auch beantwortet werden.

Nach diesem Streifzug durch Porträtfotografie, die Fineartfotografie und die Dokumentarfotografie ist mir deutlich geworden, dass besseres Fotografieren heute bedeutet, die klassische Sichtweise kehrt zurück.

Doch auch dies ist begrenzt. „Farbe ist Fläche, Linie das Charakteristische“, sagte einmal Henri Cartier-Bresson. Er fotografierte Schwarzweiss und betonte dies damit. Heute werden wesentlich mehr Farbfotos produziert. Wo farbige Flächen dominieren ist die Gestaltung der Fotos anders. Dies ist eine neue Herausforderung. Cartier-Bresson blieb bei Schwarzweiss, weil – in meinen Augen – er wusste, dass die Vermischung von Fläche und Linie meistens nicht die beste Lösung ist. Aber heute müssen wir dies neu beantworten. Denn Farbe dominiert die digitale Bilderwelt.

Beim Schreiben dieses Satzes frage ich mich, ob ich damit nicht all die experimentellen, halbschummrigen und ungenauen Fotos ausgrenze. Ja genau, das mache ich, weil ich klar abgrenze und eingrenze. Es handelt sich bei diesen Dingen eben nicht um besseres Fotografieren. Für mich bedeutet „besser“ die Anwendung der „visuellen Grammatik“ nach Sokrates.

Diese Grammatik geht über den Bildaufbau bis zur Kameratechnik, also der Gestaltung fotografischer Kompositionen bis zur Anwendung entsprechender kameratechnischer Möglichkeiten wie Freistellen und Unschärfe, Beschneidung und – ich füge dies hinzu – Bearbeitung.

Damit ist zwar weiterhin alles möglich, aber aus meiner Sicht ist klar, was „besser“ ist. Vielleicht bezieht sich „besser“ dabei auch nur auf bestimmte Dimensionen eines Fotos: die fotografische Komposition und die Darstellung des Inhalts. Alles andere ist damit nicht ausgeschlossen aber das Andere ist eben nicht „besser“ im fotografischen Sinne. Vielleicht kann sich die andere Fotografie sogar besser verkaufen. Aber fotografisch „besser“ ist sie dadurch nicht.

Um dies alles in die fotografische Praxis zu überführen, habe ich dies in zwei Bereichen umgesetzt:

1. Für Strassenfotografie in Farbe mit Kompaktkameras habe ich zehn Beispiele in ein kostenloses Ebook gepackt.

2. Hinweise wie man klassisch gute Streetphotography mit der visuellen Grammatik des Sokrates macht finden Sie hier.

Viel Spass!

 

Dieser Text liegt im Moment in Version 1.1 vor.

 

Friedrich Seidenstücker – von Nilpferden und anderen Menschen

Dieses Buch ist eine Glanzleistung. Friedrich Seidenstücker war ein Fotograf, der sich zwischen Unna und Rostock bewegte und meistens in Berlin war. Niemand wollte zunächst seinen Nachlaß. Erst spät und eher zufällig wurde ein Teil entdeckt und gekauft. Seidenstücker fotografierte gerne im Zoo und er fotografierte gerne Menschen (im Zoo und anderswo). Er war Strassenfotograf in der Zeit von Cartier-Bresson. Und er fotografierte alles ohne Leica.

Die Berlinische Galerie zeigt aktuell die große Ausstellung zu einem fast vergessenen und nun wieder medial präsenten Fotografen. Und der Verlag Hatje Cantz hat das wunderbare Buch dazu herausgebracht.

In verschiedenen Essays schreiben verschiedene Autoren zu den Themen von Seidenstückers Fotografien. Wir erfahren so sehr viel über Zoofotografie, Strassenfotografie, Aktfotografie und Trümmerfotografie. Aber fast noch interessanter sind die Artikel, die mit den Themen „Seidenstücker bei der Arbeit und ein Blick ins Negativarchiv“ beginnen und mit Texten verschiedener Sammler fortgesetzt werden.

Die Patent-Etui-Kamera, die 9-x-12-Taschen-Klapp-Kamera, die Bentzin-Primar oder die Tudor-Spiegelreflexkamera. Das waren einige der Kameras, die Seidenstücker benutzte. Eine Leica war nicht dabei. So liefert Seidenstücker den Beweis ab, dass es auf den Fotografen ankommt.

Mir haben in dem Buch sehr die Fotos gefallen, bei denen er andere beim Fotografieren fotografiert. Wer sieht, welche fotografischen Kästen geschleppt werden mussten, der versteht dann besser, was es für eine Wonne ist, heute mit einer kleinen Kamera in der Tasche herumlaufen zu können.

Das Buch ist wohl DAS Buch zum Leben und Werk von Friedrich Seidenstücker. Es ist liebevoll und sehr informativ zusammengestellt worden und gibt dem Menschen und Fotografen Friedrich Seidenstücker nun wohl seinen Platz in der Fotografiegeschichte.

Aber es ist kein langweiliges Buch, sondern zeigt, wie gute Fotografie auch aussehen kann. Es sind unpolitische Fotos, er hat auch keine Kriegshandlungen dokumentiert. Sein Thema waren Menschen und Tiere (die vielleicht irgendwie zusammengehören) in authentischen Situationen.

Friedrich Seidenstücker wird im Bereich der Fotografie gerne mit Begriffen wie „Flaneur“ und „Bummeln“ in Verbindung gebracht.

Zumindest das Buch aus dem Hatje Cantz Verlag lädt zum Flanieren und Bummeln mit dem Blick des Fotografen in eine Zeit ein, die es nicht mehr gibt und die zeigt, dass die Menschen sich nicht verändert haben. Es lohnt sich in jeder Hinsicht.

Friedrich Seidenstücker
Von Nilpferden und anderen Menschen

Texte von Wolfgang Brückle, Ulrich Domröse, Florian Ebner, Ulrike Griebner, Thomas Köhler, Christoph Ribbat, Sabine Schnakenberg, Gestaltung von Verena Gerlach

Deutsch/Englisch

ISBN 978-3-7757-3131-7

Die Kunst der Schwarzweißfotografie von Torsten Andreas Hoffmann

„Auf Fotoausstellungen meiner Bilder werde ich oft zuallererst gefragt: Mit was für einer Kamera haben Sie das fotografiert? Inzwischen bekenne ich mich leidenschaftlich zu meinen zwei alten Nikon-Modellen… Die Kamera ist wirklich nicht das Allerwichtigste. Das mögen sämtliche Fotos auf dieser und der folgenden Doppelseite beweisen. Sie sind nämlich mit einer kleinen Olympus-Kompaktkamera aufgenommen, die sogar in die Hosentasche passt.“

Und dann gibt uns Torsten Andreas Hoffmann, der Autor des Buches „Workshop kreative Schwarzweiss-Fotografie“ einen Einblick in gutes Sehen und gutes Aussehen. Er inspiriert und vermittelt Ideen für bessere Fotos, er zeichnet Strukturen in den Fotos und er vermittelt die Kunst, den Weg zu gehen, um bessere Fotos selbst zu erstellen. Ein wunderbares Buch, ein Arbeitsbuch, um den Blick schulen zu lassen und die Strukturen des Sehens zu verbessern.

T. A. Hoffmann orientiert sich an zeitlos guten Gedanken für gute Fotos u nd geht dabei seinen Weg. Der Beginn des Buches lautet denn auch „Meine Bilder, wie ich sie sehe, empfinde, gestalte.“ Damit zeigt er eine Wiederkehr der guten Fotografie. In meinen Augen ist sein Buch ein Klassiker für gute Fotografie, für klare Blicke und eine wunderbare Quelle von Anregungen für das eigene Fotografieren. Es ist nie langweilig und ein grosser Wurf – mein Glückwunsch.“

So schrieb ich vor einigen Jahren über das Buch.  Damals hatte das Buch den Titel „Workshop kreative Schwarzweiss-Fotografie“.

Mittlerweile ist das Buch mit ergänztem Inhalt, überarbeitet und mit Bearbeitungshinweisen für Photoshop in einer erneuerten Auflage erschienen unter dem Titel „Die Kunst der Schwarzweißfotografie“.

Hoffman hat Wert darauf gelegt, in den Neuauflagen den Schwerpunkt auf Inhalt, Stimmung und formale Gestaltung beizubehalten. So ist das Buch auch heute mehr als nur eine Einführung. Es ist weiterhin ein Buch, welches sich mit der prägenden Art der Fotografie auseinandersetzt – der Schwarzweißfotografie –  und sie in die digitale Welt herüberholt.

Wenn man auf die Entwicklung des Buches und die Entwicklung der Schwarzweißfotografie in den letzten zehn Jahren zurückblickt, dann merkt man sehr schnell, dass in der „ernsthaften“ Fotografie zum Teil eine Rückkehr zu Schwarzweiß erfolgt.

Es ist eben so, dass Motive und Stimmungen zum Teil in Farbe und zum Teil in Schwarzweiß besser rüberkommen. Damit wird die Schwarzweißfotografie einen bleibenden Anteil im digitalen Zeitalter haben. Sie wird aber nicht mehr die Masse der Fotos ausmachen.

Denn die Gegenwart ist bunt. Schwarzweiß wird der Kontrast sein, die Reduktion, die Chance des Besonderen.

Und dies gut umzusetzen, das war, ist und bleibt eine Aufgabe, die man mit dem Buch von Torsten Andreas Hoffmann sehr gut lösen kann.

 

Torsten Andreas Hoffmann

Die Kunst der Schwarzweißfotografie

Eine Schule der Bildgestaltung im digitalen Zeitalter

ISBN: 978-3-89864-775-5

Multimedia Storytelling – ein neuer Hungerjournalismus?

Foto: Michael Mahlke

Die Technik ist billig, Speicherplatz auch und die Geschichten sind umsonst zu haben. Das ist das Rezept aus dem der neue freie und unabhängige Journalismus geboren wird. Er ist auf der Welt, aber er wird nicht bezahlt. Es sind Webseiten von Menschen, die es „nebenher“ machen und woanders das Geld zum Leben beziehen.

Multimedia kommt

Journalismus und Multimedia haben eine Schnittmenge, sind aber nicht deckungsgleich. Es gibt Beispiele für diese neuen Ansätze.

www.spillthebeans.de

www.colonista.de

inmotion.magnumphotos.com

www.2470media.eu

Die befruchtende Mutter von allen scheint Mediastorm zu sein.

Nun ist das Erstellen einer Bildgeschichte technisch natürlich anders als die Erstellung eines Fotos.

Geld kommt auch

Doch wie kann man damit Geld verdienen?

Offenkundig ziemlich einfach, wenn man es richtig macht: schrill, seltsames Niveau und GEZ-finanziert. Ein gutes Beispiel dafür finden Sie hier.
Hier sind dann aber keine Fotografen und/oder Journalisten am Werk sondern andere Menschen.

Für Fotografen sieht die Sache anders aus. Sicher wird es noch NGOs geben, die Fotos brauchen, aber mehr Fotos werden in der Industriefotografie, in der Produktfotografie und beim Foto-Shooting gebraucht. Was man da verdient, wird vorzugsweise hier diskutiert.

Lokales kommt

Eine Alternative ist die privat geführte Lokalzeitung. Das Solinger Tageblatt TV ist ein gutes Beispiel für eine neue Art der Berichterstattung von Multimedia-Journalistinnen und Journalisten. Es sind natürlich lokale Geschichten mit tagesaktuellem Bezug, aber hier tut sich was und offenkundig zahlt das Solinger Tageblatt auch dafür.

So sind wir auf dem Weg in unsere eigene Zukunft. Wir leben dabei von Journalismus, der Multimedia nicht mit Nachbarschaftsgeschichten verwechselt, so wie ich es im WDR nicht leiden kann.

Was Journalismus sein kann, habe ich mal kommentierend mit Jörg Schieb ausgetauscht, wobei ich sehr zur Haltung von Jörg Schieb tendiere aber das Gegenteil mehrheitlich erlebe.  Da gibt es noch viel mehr zu sagen.

Es wird also viele Fragen geben, nicht nur die der Bezahlung, auch die des Stellenwertes und der Themen.

Und nach den bisherigen gedanklichen Spaziergängen ist auch klar, dass Storytelling und Journalismus nur eine begrenzte Schnittmenge haben.

Aktuell scheint es so zu sein, dass journalistische Beiträge wie im Solinger Tageblatt und die Videos von Sixtus/Lobo am ehesten zu Geld führen. Das eine ist privat finanziert, das andere GEZ finanziert.

Hier bleibe ich erst einmal gedanklich stehen. Es tut sich was und die privaten Ansätze scheinen interessant.

Aber: es gibt jeden Tag tausende von neuen Videos und allein bei Facebook pro Tag 250.000.000 neue Fotos. Da wird es unabhängig von der Qualität auf andere Kriterien ankommen.

Die Diskussionen darüber finden sich zum Teil auf medialdigital.de.

Es bleibt spannend und die Frage ist noch offen, ob es beim Hungerjournalismus bleibt oder daraus noch ein gedeckter Tisch wird. Denn eines ist auch klar. Geld für journalistische Leistungen wird ausgegeben von einem grossen Teil der denkenden Menschen. So ist der Markt da.

Storytelling als ebook?

Vielleicht sollte man aber noch anders denken und Multimedia-Storytelling als Teil der ebook-Landschaft sehen und ebenso gestalten und vermarkten. Das hätte den Vorteil, dass für das Anschauen bezahlt wird, entweder einzeln oder im Rahmen eines Magazins.

Umgekehrt wird aber alles nicht gesehen, was nicht gekauft wird. Da im öffentlich-rechtlichen Raum aber vieles im Internet steht durch die Zwangsbezahlung der GEZ-Gebühren, ist das private Engagement entsprechend benachteiligt.

 

Der Hype-Effekt oder Geld und Erfolg in der Fotografie

Ein grosses Thema kurz angeschnitten. Hier sieht man den Unterschied zwischen Fotokunst und Strassenfotografie.

Da erzielt ein Foto von Andreas Gurski einen Rekordpreis und auf der anderen Seite starb ein richtig guter Strassenfotograf, Friedrich Seidenstücker, völlig vereinsamt und sein Werk wollte noch nicht einmal jemand haben, bis es jetzt ans Licht geholt wurde. Zwischen den beiden Ereignissen liegt zwar eine erhebliche Zeitspanne aber beide Ereignisse sind gerade medial aktuell. Und es scheint exemplarisch.

natürliche Herbstkomposition, das Foto sucht für 5 Mio. einen Käufer - Foto: Michael Mahlke

Was lernen wir daraus? Vielleicht dass die Fotografie als Geldanlage dient und mit einfachen Motiven viel Geld verdient werden kann. Oder dass die Dokumentarfotografie keine gute Idee für das Geldverdienen ist – oder?

Dass es hier nicht mehr um exklusive oder besonders interessante Fotos geht, sondern um einen Hype, scheint sehr deutlich zu werden.

Darüber lesen wir: „Wie teuer ein Pollock, ein Gursky, ein Rauch unter den Hammer kommen oder über den Kojentisch gehen – habe nichts, aber auch gar nichts mit der Qualität des jeweiligen Werks zu tun, sondern schlicht mit der Summe des Geldes, die gerade in diesen Markt fließt. Wie sollte auch ein Börsenmanager, der mit Bezug auf Kunstwerke den Begriff „wall power“ im Munde führt, die Qualität eines Kippenberger beurteilen können?“

Ob das mit Strassenfotos auch erzielt werden kann?

Aber das ist noch nicht alles.

Bei Facebook werden pro Tag 250 Millionen Fotos hochgeladen – also 25 Milliarden in 100 Tagen, bei Google+ waren es in den ersten hundert Tagen 3,5 Milliarden Fotos. Die anderen Communities sind da noch nicht bei.

Allein die schiere Menge macht sprachlos. Und läßt viel Raum zum Nachdenken. Vor allem die Frage, wie kann man bei dieser Menge erfolgreich sein, zeigt, dass mediale Kanäle und Beziehungen und der Zufall eine Rolle spielen und/oder Krisen…

Fotokurs Straßenfotografie von Meike Fischer und Rudolf Krahm


Ein gutes Buch wurde geboren. In der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts ist die klassische Strassenfotografie vielfach abgelöst worden durch eine weltweite Knipserei.

Und genau dort setzt der Fotokurs Straßenfotografie an. Er bietet die Chance, besser sehen zu lernen und besser fotografieren zu lernen.

„Szenen, Menschen und Orte im urbanen Raum fotografieren“ – so lautet nicht nur der Untertitel des Buches, das ist auch die gut zusammengefasste Beschreibung der Inhalte dieses Buches.

Es handelt sich um urbane Fotografie, die z.T. aus der Strassenfotografie entstanden ist und diese auch noch teilweise umfasst.

Die Fotografie und ihre Begrifflichkeit ist gerade im Wandel und der Titel und der Untertitel spiegeln diese Änderung sehr gut wieder.

Das Buch lebt u.a. von einer Vielzahl guter Trainingsaufgaben, die man allein oder in der Gruppe praktizieren kann. So erhält man nicht nur ein Gefühl für Fotografie sondern auch Erfahrungen im Umgang mit der Fotografie und den Motiven.

Denn im urbanen Raum zu fotografieren bedeutet mit vielen Situationen, Menschen und Momenten in einer sehr unterschiedlichen Weise zu tun zu haben.

Fotografinnen und Fotografen sind keine Spione und der richtige Umgang mit sich und anderen ist gerade auf der Strasse – oder besser im urbanen Raum – sehr wesentlich für sinnvolles und verständnisvolles Fotografieren.

Ich muß gestehen, mir gefällt das Buch. Es ist ein echter Einstieg für Beginner in die bessere Bewältigung des fotografischen Alltags vor unserer Tür und es kann durch die sehr praktische Herangehensweise das eigene fotografische Verhalten wesentlich verbessern.

„Dieses Lehrbuch soll Hobby- und Amateurfotografen als Inspirationsquelle dienen und technische Hilfestellung für unterschiedliche Motive und Situationen geben.“ Diesen Anspruch erfüllt das Buch in meinen Augen voll.

Aber es zeigt auch die Grenzen zwischen Fotografie im urbanen Raum und der klassischen Strassenfotografie auf.

Wer hier lernt auf der Strasse, in der Stadt, im eigenen Umfeld zu fotografieren, der wird irgendwann bemerken, dass es doch noch erhebliche Unterschiede zwischen dem Fotografieren im urbanen Raum und der traditionellen Strassenfotografie gibt.

Meike Fischer und Rudolf Krahm betonen im Vorwort, dass es „nicht um die Jagd nach dem besonderen Augenblick geht… Uns interessiert vielmehr das Beobachten unserer Umgebung, das Umfeld, in dem sich der Mensch befindet. Es erscheint uns spannender, das alltägliche Leben im urbanen Raum zu untersuchen, als hinter skurrilen Momenten herzujagen – für die man dann doch in den Metropolen der Welt besser aufgehoben ist.“

Wobei es in der klassischen Strassenfotografie wohl weniger um skurrile Momente geht als um gestaltete Fotografie, die Geschichten erzählt.

So setzt sich das Autoren-Duo ein Ziel und eine Grenze und hält beides gekonnt ein. Dadurch entsteht ein Fotokurs, der echte Lernerfolge möglich macht und den besseren Umgang mit der Fotografie als Teil des eigenen Lebens und Erlebens ermöglicht.

Wer das Buch gelesen hat und die Trainingsteile praktiziert hat, der hat das Rüstzeug, um sich – wenn gewünscht – auch den Klassikern der Strassenfotografie (wie z.B. Cartier-Bresson) und einigen klaren Kriterien für gute Fotos im Bereich der klassischen Strassenfotografie mit mehr fotografischem Bewusstsein zu nähern.

Und das Buch macht Mut, mit dem Wissen sich einfach einmal die Kamera zu schnappen und durch die Stadt zu gehen und zu fotografieren.

Aber dazu sollte man es lesen. Mehr Infos dazu finden sich direkt beim dpunkt-Verlag.

Meike Fischer, Rudolf Krahm
Fotokurs Straßenfotografie, Szenen Menschen und Orte im urbanen Raum fotografieren
ISBN 978-3-89864-691-8

Die Fuji X10 in der Praxis

Die neue Fuji X10 liegt gut in der Hand. Sie ist für mich angenehm schwer und fühlt sich stabil an. Es ist eine Kamera, die man nur mit zwei Händen bedienen kann. Mann muss den Zoomring mit der linken Hand drehen und man muss mit der rechten Hand die Kamera halten. Am Zoomring wird die Kamera auch an- und abgeschaltet. Wer gerne mit einem eingebauten Zoommotor arbeitet, dem wird die Fuji nicht gefallen. Umgekehrt ist das Drehen mit der Hand schneller als ein motorisierter Zoomring.

In Wuppertal und Remscheid


Ich habe die Kamera in der Innenstadt von Wuppertal Elberfeld getestet und später noch in Remscheid. Da das Wetter immer feuchter, kälter und trüber wurde, konnte ich mit der Kamera unter sehr schlechten Bedingungen Erfahrungen sammeln.

Weil es sich hier um einen Erfahrungsbericht handelt und nicht um einen Kameratest, habe ich die Kamera entweder im Modus P oder im EXR-Modus ihren Dienst verrichten lassen. So fotografiere ich normalerweise im Rahmen von Streetphotography.

Die Fuji X10 ist ebenso umfänglich wie andere moderne Hochleistungskameras (z.B. die Canon G11/G12, die Panasonic LX3/LX5 oder die Nikon D7000/D7100). Sie hat viele Einstellungsmöglichkeiten.

Aber das wird sicherlich noch an vielen Stellen ausführlich dargestellt werden. Es ist keine X100. Sie erinnert mich etwas an meine alte Leica CL und weil ich damit gerne fotografiert habe, fühle ich mich auch etwas zu der Fuji X10 hingezogen.

Der Sucher

Da ich Brillenträger bin, war für mich der Sucher von besonderem Interesse. Er ist größer als andere kleine Sucher. Das ist positiv.

Wenn man scharfstellt, dann ertönt ein Ton und rechts leuchtet eine grüne LED. Wenn sie blinkt, dann ist zwar auch irgendwie scharfgestellt, aber das bedeutet Verwacklungsgefahr oder andere Gefahren. Solange sie orange ist, klappt es nicht. Das Prinzip mit einer oder zwei LEDs bzw. Lampen kennen wir schon von vielen anderen Digitalkameras mit kleinem optischen Sucher.

Wie soll man das bewerten? Es kommt darauf an. Wenn ich den optischen Sucher mit dem Sucher der X100 vergleiche, dann ist er wesentlich schlechter, wenn ich den Sucher mit dem optischen Sucher anderer Kompaktkameras vergleiche, dann ist er größer und eventuell dadurch besser.

Die Bildqualität der Fuji X10, die ich benutze, sieht man an den folgenden Fotos. Es kommt auch dabei auf die Ansprüche an. Die Fuji X10 hat einen etwas größeren Sensor, einen sogenannten 2/3 Sensor. Also nicht 1/2,3 Zoll sondern 2/3 Zoll. Diese Sensoren gab es früher schon, bekannt war die Nikon Coolpix P8400. Da heute auch kleine Sensoren bei ISO 100 – 200 fast so gut sind wie Vollformatsensoren (bezogen auf Internet- und Monitorbilder), ist es eine Frage, was man an Sensor braucht, um glücklich zu werden. Mehr Infos git es im Handbuch. Das finden Sie hier.

Wie klappt es bei schlechtem Licht?

Eine andere Frage ist das Verhalten einer Kamera bei schlechtem Licht. Ich habe den Eindruck, dass die Fuji X10 schnell fokussiert. Und dann kommt eben der Praxiseinsatz. Das Licht heute war genau so wie es eine gute Kamera bewältigen muss, wenn sie nicht eine reine Schönwetterkamera sein soll. Und Schönwetterkameras gibt es schon genug. Daher ist die Gretchenfrage ganz einfach, wie klappt es bei schlechtem Licht?

Wenn Sie auf ein Foto klicken, landen Sie bei flickr und können sich das Original anschauen. Sie erkennen an den EXIF-Infos (Menüpunkt Aktionen auf flickr) um welche Einstellung es sich handelt. Ich habe in den Modi P und EXR fotografiert und hatte EXR auf Auto stehen, so dass die Kamera selbständig zwischen 12 und 6 MP und ISO wechselte.

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Ein Blick Richtung von-der-Heydt Museum

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Am Markt in Elberfeld

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hier geht es Richtung C&A

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wenig los in der Innenstadt, dafür saukalt

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und hier ein Blick auf das bekannte Telefon am Markt

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ein Blick in einen Blumenladen

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eine Szene mit Ampel und Werbesäule

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und hier kann man die Feinheiten der Haare untersuchen

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in Remscheid war es dann schon dunkler, kälter und nebliger

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ein Blick auf das Teo-Otto-Theater

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hier ist die Bushaltestelle

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noch ein Blick zum Allee-Center

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hier wurde der Nebel noch stärker

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hier habe ich auf das ewr-Plakat scharfgestellt und in dem Moment kam ein Bus und ein Mann trat ins Bild

Man muß die Einstellungen an der Kamera ausprobieren. Ich habe einige Fotos herausgesucht, die einen Eindruck von den digitalen Möglichkeiten und Grenzen vermitteln können. Auf jeden Fall ist die Fuji X10 einen Blick wert, wenn man mit dieser Bildqualität zufrieden ist.

Abschließend noch einmal der Blick auf den Markt:

Fuji X10

hier mit der Fuji X10

Fuji X10

und hier mit der Fuji F200EXR…

Nachtrag 19.02.2012:

Die Kamera ist schön, sie hat nur einen Schönheitsfehler, der bei mir erst später eintrat, die weissen Scheiben (WDS). Dadurch ist die Kamera bei schwierigem Licht für mich unberechenbar. Das hat Fuji bis heute (19.02.2012) nicht lösen können.  Ich habe die Kamera zurückgegeben.

Nachtrag: Und am 13.07.2012 habe ich mich wieder mit der Kamera versöhnt, nachdem ein veränderter Sensor in den neuen Modellen eingebaut worden ist.

Arbeitswelten von Werner Bachmeier und Udo Achten

Edward Burtynsky, der bekannte Fotograf, wurde auf einer Podiumsveranstaltung in Berlin 2010 zu einem seiner Bücher gefragt, wie er denn an die Erlaubnis kam, die Fotos der chinesischen Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken zu machen. Burtynsky antwortete, dass dies die chinesischen Behörden erlaubt hätten, weil es sich um chinesische Fabriken handelte.

Event-Fotografie mit Kompaktkameras und digitalen Filtern

Dieser Artikel ist mitten aus dem Leben. WDR 4 und HR 4 laden zu einem Open Air in Willingen im Sauerland ein. Dort filmten unendlich viele Menschen mit Handys, Camcordern und Fotoapparaten. So benutzte auch ich eine kleine kompakte Digitalkamera und fotografierte eine dokumentierende Geschichte dieses Events. Ein Event ist ein Ereignis. Früher hätte man gesagt, man fotografiert auf dem Musikfest. Heute nennt man es anders.Ich wollte einmal an einem alltäglichen Event die Grenzen und Möglichkeiten einer einfachen Kamera ausprobieren.

Hinterher wurden einige Fotos wegen des möglichen Rechtes am eigenen Bild mit digitalen Filtern bearbeitet, obwohl sich ausser mir da wahrscheinlich niemand Gedanken zu gemacht hat. Da es ein öffentlich sichtbares Ereignis war, wäre letztlich auch zu fragen, inwiefern das Recht am eigenen Bild auf dieser Veranstaltung überhaupt eine Rolle spielt. Doch dies wurde hier durch die jeweiligen Aufnahmeperspektive bzw. die Bearbeitung mit Filtern geklärt.

Meine Geschichte entwickelte sich folgendermassen, wobei die Anmerkungen sich auf mögliche Persönlichkeitsrechte und das jeweilige Foto beziehen.

1. Bild – der Weg zum Musikfest

Auf diesem Foto ist nur eine Person richtig erkennbar, nämlich die Frau rechts unten. Da ich diese um Einwilligung gebeten habe, war das Foto kein Problem.

2. Foto – die Leinwand und das Sauerland Open Air

Auf diesem Foto kommt ein digitaler Unschärfefilter zum Einsatz. Ich konnte die Personen nicht fragen, also habe ich radial von der Mitte weg die Unschärfe zunehmen lassen. Ich hätte auch die Menschen alle wegschneiden können, um nur die Aussage zu zeigen. Aber ich finde die Leinwand eingebettet in die Wiese und mit den Menschen und dem Sauerlandstern im Hintergrund interessanter.

3. Foto – der erste Regen

Hier ist auch niemand wirklich erkennbar und/oder steht im Mittelpunkt. Den Mittelpunkt bildet die Dynamik des beginnenden Regens und der heftigen Windböen. Dies wird durch die wehenden Regenmäntel, die Schirme und die nassen Hosen und Jacken sehr gut sichtbar.

4. Foto – Musik im Regen

Auf diesem Foto ist klar, wie es war. Die farbigen und nassen Regenmäntel zeigen die Bedingungen, unter denen Musikbegeisterte dabei waren.

5. Foto – Toiletten

Trotz der Masse Mensch ist niemand persönlich erkennbar. Aber dafür sieht man, wie dort die sanitäre Situation war.

6. Foto – der Pegel steigt

Hier war der digitale Verzeichnungsfilter erforderlich. Er hat zwei Funktionen. Erstens schützt er die Persönlichkeitsrechte und zweitens fokussiert er auf die Hauptaussage des Bildes.

7. Bild – Musikbühne & Musikliebhaber

Hier ist kein Filter erforderlich. Alle schauen nach vorne zur Bühne oder sind nicht erkennbar. Zudem führt der Tisch den Blick direkt ins Bild hinein zur Bühne. Die Sonne scheint und die Wolken über der Bühne zeigen die weitere Entwicklung.

8. Bild – die Stimmung steigt noch höher

Dieses Bild braucht auch einen digitalen Filter. Zugleich wird hier trotz Unschärfe aber die Dynamik der Situation sichtbar.

9. Bild – nass und durstig

Hier ändert sich die Perspektive. Sichtbar wird die andere Seite dieses Festes.

10. Bild – Nässe überall

Der digitale Filter war erforderlich und er nutzt, um oben und unten die Hauptaussagen und Zusammenhänge zu fokussieren.

11. Bild – am Abend

Auch hier war ein Filter erforderlich an den Rändern. Ansonsten fiel das Licht genau in diesem Moment so, dass der Kopf unter der Regenhaube ebenso mit den Wassertropfen ausgeleuchtet wurde wie die Becher am Boden.

12. Foto – das war Musik

Dieses Foto erzählt symbolhaft die gesamte Geschichte dieses Events.

Event-Fotografie ist also nicht nur die Geschichte der Superstars. An diesem Beispiel sieht man, wie man mit einer kleinen Kamera und der Nachbearbeitung mit ein paar digitalen Filtern Bildgeschichten erzählen kann, die lebendig sind.

Natürlich hätte man dies auch über Freistellen und Unschärfe erreichen können. Aber dazu wären größere Kameras erforderlich gewesen.

Daher sollte dieser Artikel zeigen, was man alles machen kann, wenn man „nur“ eine kleine Digitalkamera dabei hat.

Ach so, wie der WDR selbst diese Veranstaltung darstellt finden Sie hier (danke für den Hinweis, Bernd!).

Der neue Streetfotograf – Sinngebung für Kamerabesitzer?

Ich gebe zu, dieser Artikel ist ein bisschen anders. Aber mittlerweile erlebe ich in jedem Forum, dass immer mehr sich als Street-Fotografen ausgeben. Und in sehr vielen Fällen sind es Menschen, die in ihrem echten Beruf unterwegs sind und dann zwischendurch Fotos machen.

Und da heute digital alles veröffentlicht werden kann, wird man damit fast automatisch zum Streetfotografen?!

Je nach Einkommen wird dann noch unterschieden nach Kameras. Es scheint so zu sein, dass Streetfotografie hier zur Sinnsuche und der Sinngebung der eigenen Existenz dient. Das ist übrigens gut.

Logisch wäre für mich: Wer Sport treibt und Fußball spielt, ist ein Fußballer. Und wer fotografiert und als Thema Strassenfotografie hat, ist ein Streetfotograf.

Aber ich hätte eine Bitte. Wie beim Fußball gibt es in meinen Augen  auch für Strassenfotografie ein paar Regeln. Und deshalb ist nicht jedes Foto automatisch Streetfotografie, genau wie nicht jeder Tritt vor einen Ball Fußballspielen ist.

Ein gutes Streetfoto hat in meinen Augen nachprüfbare Kriterien:

1. Es erzählt immer eine Geschichte

2. Es folgt geometrischen Proportionen

3. Es beschränkt sich

(4.) Es ist spannend – geht nicht immer

Ob die Fotos gefallen, ist eine andere Frage. Aber ein paar Regeln halte ich persönlich für richtig. Und sie schaden auch nicht.

Doch unabhängig von meiner hier niedergeschriebenen Auffassung ist das Thema Streetfotografie für die Fotoindustrie ein Zukunftsthema.

Da es immer mehr Kameras in immer mehr technischen Geräten gibt und immer mehr Menschen immer mehr unterwegs sind, ist das Thema Strassenfotografie oder Streetfotografie eines der sich aus der Natur der Sache ergebendes Arbeitsfeld.

Und die von mir aufgezeigte Sinngebung von immer mehr technisch orientierten Menschen als Streetfotograf zeigt, dass diese Richtung zunehmen wird.

Und deshalb fände ich es gut, wenn es Sinn machen würde, beim Fotografieren auch die drei aufgeschriebenen Regeln zu beachten. Denn dann gibt es nicht nur Streetfotografie sondern vor allem gute Streetfotografie.

Und ich finde, dann macht das Fotografieren, das Ausstellen und das Betrachten doch auch viel mehr Spass – oder?!