Cloud – Digitale Demenz oder das langsame Verschwinden der echten Fotografie?

Verkehrs-und Datenströme Foto: Michael Mahlke

Cloud – das Wort steht für Wolke und jetzt auch für Datenwolke. Nun sind Wolken sehr temporär, verändern sich ständig und können ziemlich schnell abregnen oder durch die Sonne aufgelöst werden.

Und so ist es auch digital. Sind sie schon einmal im Aufzug steckengeblieben? Haben Sie schon einmal den Zusammenbruch des Handynetzes nach einem Fußballspiel erlebt? Dann wissen Sie auch, wie störanfällig und sensibel diese Systeme sind und in meinen Augen bleiben werden.

Und die Fotografie? Die Fotografie war immer eine Sache des Fotos. Foto bedeutete aber bedrucktes Papier. Das war dann eine je nach Papiersorte kurzlebige oder langlebige Sache. Die fertigen Fotos hielten länger als manches Menschenleben. Und Fotografie war untrennbar mit Ausdrucken auf Papier verbunden.

Das ist vorbei. Fotografie heute bedeutet ohne Papier Fotos mit digitalen Hilfsmitteln zu sehen – zeitgleich überall, wo es Datenautobahnen gibt. Das Bild ist geblieben, aber die Eigenschaften haben sich geändert. Das ist weder schlecht noch gut, es ist einfach so.

Und genau dies macht den entscheidenden Unterschied im Gedächtnis aus. Natürlich gibt es auch heute noch Drucker und es wird noch viele gedruckte Fotos geben, auch Fotobücher. Aber die dokumentierte Wahrnehmung der Welt wird zunehmend digital gespeichert werden.

Und zwar dort, wo ich ohne Computer und Strom nicht mehr hinkomme. Aber das allein wäre noch zu verkraften. Entscheidender ist der reglementierte Zugriff. Bei meinen Fotos konnte ich ins Wohnzimmer gehen und sie aus dem Schrank holen. Bei einem Computer konnte ich sie in meinem Büro auf der Festplatte finden.

In der Cloud bestimmen andere – und zwar allein und irgendwo – darüber, was ich sehe und wann. Daraus entstehen viele Probleme, wenn man sie sehen will, so zum Beispiel:

1. Datenschutz ist überall anders und er wird – wie im Fall von Twitter und Wikileaks gerade sichtbar – weltweit massiv anders ausgelegt von viel Schutz bis kein Schutz

2. Das gespeicherte digitale Gedächtnis kann mehr oder weniger manipuliert oder sogar kontrolliert werden

3. Was passiert eigentlich, wenn es mal eine Gedächtnispolizei gibt und die Demokratie abgeschafft würde?

Ich möchte nicht als Bedenkenträger gelten, aber wenn wir eines aus der Geschichte lernen können, dann ist es, dass Technikglaube nicht den menschlichen Charakter, das Streben nach Macht, Reichtum und Gier ersetzt hat sondern umgekehrt neue Technik eher zur Manipulation und zum Beherrschen und Siegen eingesetzt wurde.

Und auch in der Fotografie gilt, dass die neuen Möglichkeiten auch die Funktionen der Fotos ändern.

Sollen Fotos noch als visuelles Gedächtnis dienen? Gibt es zukünftig noch Fotoarchive, die gedruckte Momente bewahren? Welche Rolle soll und wird die Fotografie spielen? Wie nehmen wir sie wahr und was ändert sich für uns im Umgang damit?

Wird die Geschichtslosigkeit manifestiert durch Bilderfluten ohne Vertiefung, ist die Gegenwärtigkeit als zeitlose Kultur in der Fotografie sichtbar durch den Wandel vom Print zur Cloud?

Gedächtnis bedeutet spätere Wiederaneignung von Situationen und Wissen. Dazu bedarf es der Möglichkeit, nach etwas suchen zu können und es auch finden zu können. Wie soll das in einer Cloud möglich sein, in der Anbieter kommen und gehen und Dinge unter materiellen Gesichtspunkten da sind oder abgeschaltet werden?

Ich habe nur Fragen, ich mache Beobachtungen, aber ich habe noch keine Antworten. Aber wissen Sie was? Warum soll ich die Antworten suchen? Das ist etwas für die freie Presse und die Journalisten, denn es ist ihr Job!

 

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