Monthly Archives: September 2011

Klassen-Bilder. Sozialdokumentarische Fotografie von Rudolf Stumberger


“Geschichte ist auch Bild-Geschichte.” Damit beginnt Rudolf Stumberger den ersten von zwei Bänden zur sozialdokumentarischen Fotografie. Das Buch ist wissenschaftlich geschrieben und trotzdem lesbar. Das ist nicht selbstverständlich und sollte daher nicht unerwähnt bleiben.

Und es zeigt viele Dinge auf, die wohl fast niemand, der die Bücher nicht gelesen hat, so umfassend und systematisch kennt. Nun ist der Zeitgeist nicht unbedingt für diese Art der Fotografie geeignet.

Hinzu kommt: “Fotografen bedienen sich kaum soziologischer Theorien und der soziologischen Begriffswelt, um ihre Abbildungsprojekte ideologisch zu unterfüttern. Meist werden diese Projekte von einer impliziten, den Fotografen kaum bewussten und nicht thematisierten Ideologie getragen. “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”, lautet dann die Begründung für diese intellektuelle Blindheit. Andererseits nutzen Soziologen in der Regel kaum das Medium Fotografie, der visuelle Gehalt eines Bildes scheint ihnen nicht wissenschaftlich genug fassbar zu sein.”

So führt uns der Autor langsam auf den Weg, um einen Ansatz immer wieder theoretisch zu reflektieren, der als “visuelle Soziologie” dabei ist, sich zu etablieren. Dabei geht es Rudolf Stumberger nicht nur um Geschichten im Bild sondern zugleich um die Geschichte des Bildes, das da gerade etwas zeigt.

Da man nicht nicht kommunizieren kann, ist das Objekt des Fotografen zugleich immer in einer Beziehung mit dem Fotografen und dieser Zusammenhang spielt immer eine Rolle. Stumberger dringt dann wirklich in alle Tiefen vor, die es zu diesem Thema geben kann.

Er zeigt den Zusammenhang zwischen sozialer Perspektive und verdecktem Hintergrund auf: “Dem Gauner ist das Gerichtsgebäude ein anderes Ding als dem Richter, dem Arbeiter die Fabrik ein anderes Ding als dem Manager.”

Und er zeigt, dass Bilder überhaupt erst in der sozialen Sphäre eine Bedeutung gewinnen und diese variiert: “Der Weg des Bildes in die öffentliche Sphäre ist der Weg des Bildes in die verschiedenen gesellschaftlichen Felder wie dem ästhetischen Feld des Kunstmarktes, dem journalistischen oder dem politischen Feld. In ihnen herrschen bestimmte Spielregeln und eigene Wertmaßstäbe, agieren eigene Institutionen und spezifische Gruppen.”

Er nennt dann sechs Kriterien, um fotografische Projekte einzuordnen und untersucht im ersten Band die europäisch-amerikanische Entwicklung dieser Fotografie.

Dabei geht er detailliert auf Lewis W. Hine, den New Deal, Walker Evans und Dorothea Lang, russische Ansätze mit Rodtschenko, El Lissitzky, deutsche Vertreter wie Walter Ballhause, August Sander und viele mehr ein. Stumberger zeigt die Zeit von 1900 bis 1945 auf. Dieser erste Band wurde als Habilitation konzipiert.

Der neu erschienene zweite Band, der die Zeit von 1945 bis 2000 untersucht, ist ebenso tief und gut konzipiert. “Die Nachkriegszeit bis hin zur Mitte der 1970er Jahre – die Ölkrise 1973 markierte den Wendepunkt in der wirtschaftlichen, politischen und sozialpolitischen Entwicklung – wird von Historikern auch als das “Goldene Zeitalter” bezeichnet… Diese Zeit lässt sich auch so charakterisieren: Als eine Zeit, in der zum ersten Mal für all die körperlich schwere, oft gesundheitsbelastende, oft monotone und einseitige, in Sonn-, Feiertags- und Nachtschichten und am Fließband erbrachte Arbeit ein vernünftiger Lohn gezahlt wurde, der mehr erlaubte, als das bloße kümmerliche Überleben.”

Hatte Stumberger im ersten Band noch darauf hingewiesen, dass die sozialdokumentarische Fotografie in der ersten Hälfte des 20. Jhdt. “Teil eines umfassenden Prozesses der Visualisierung von Welt” war, so zeigt er im 2. Band den Wandel.

Chargesheimer, Doisneau, Ronis, Eugene W. Smith, William Klein, Diane Arbus, Garry Winogrand, Lee Fridlander, Milton Rogovin und viele andere werden dort mit ihrem Ansatz dargestellt.

Stumberger fasst dies so zusammen: “Demgegenüber ist die sozialdokumentarische Fotografie der Nachkriegszeit in überwiegendem Maße das Werk von einzelnen Individuen… Der Blick dieser Nachkriegsfotografen ist nicht mehr wie in den 1930er Jahren durch eine politisch eingebettete und ausgearbeitete Ideologie bestimmt.”

Im ersten Band hatte Stumberger Roland Günter zitiert, der schrieb: ”Sozialfotografie ist die fotografische Erfassung der sozialen Realität.”

Diese Begrifflichkeit ist deshalb so interessant, weil diese Art der Fotografie “engagiert, parteilich, interessengeleitet” ist. Stumberger zeigt sehr detailliert auf, wie dies in den 1970er Jahren zum “Hinüberwechseln der Fotografie in das Feld der Kunst” führt.

Für ihn sind Bernd und Hilla Becher das personifizierte Symbol für diese Veränderung. “Sie stehen nicht nur für die Verschiebung der Dokumentarfotografie hinein in den Bereich der Kunst, sondern ihre Motive zeigen zugleich die Wahrzeichen einer mittlerweile untergegangenen industriellen Epoche.”

Es folgt eine sehr lesenswerte Darstellung. Er untersucht Robert Adams, Nicholas Nixon, Stephen Shore und andere und dann kommt der Satz: “Das Eintrittsbillet in die Kunst heißt dabei Interesselosigkeit.”

Und einige Zeit später lesen wir: “In dieser Interesselosigkeit schwebt auch jene dokumentarische Fotografie im letzten Quartal des 20. Jahrhunderts, die sich oft mit Großbildkameras und in großformatigen Fotografien in Tradition der Neuen Sachlichkeit aus den 1920er Jahren der Welt zuwendet. Ist die soziale Welt eine Welt der Interessen, Urteile und Bedeutungen, so ist die Welt dieser Dokumentarfotografie die der kühlen Distanz und der technisch objektiven leidenschaftslosen Darstellung der Dinge.”

So ist auf einmal auch der Unterschied zwischen interesseloser dokumentarischer Fotografie und sozialer dokumentarischer Fotografie klar. Doch damit endet dieses Buch natürlich nicht.

Ich möchte dennoch an dieser Stelle aufhören und beide Bände sehr empfehlen. Ich würde aber mit dem zweiten Band beginnen, weil er auch Bewertungskriterien für aktuelle fotografische Entwicklungen ermöglicht.

Diese Bücher sind eine Sternstunde der Fototheorie und Fotogeschichte und der eigenen Auseinandersetzung mit der Fotografie, wenn sie mehr sein soll als das Festhalten einer Familienfeier.

An mehreren Stellen in den Büchern wird auch deutlich, wie undankbar diese Art der Fotografie ist, weil man eigentlich kaum Geld damit verdienen kann und der persönliche Aufwand ziemlich hoch ist.

Man könnte sagen, sozialdokumentarische Fotografie rüttelt an den Verhältnissen und fordert zu Engagement auf, leidenschaftslose bzw.interesselose dokumentarische Fotografie hat keine Meinung. Beide Bereiche sind Teile der Dokumentarfotografie.

Genau dies macht die Fotografie zu einem Spiegelbild des Zeitgeistes. Wo Menschen zu Maschinen werden ohne Herz und Verstand, da ist dann auch die Fotografie ohne Herz und Verstand, könnte man dann denken.

Aber auch hier zeigen die beiden Bände, dass es sich um einen Prozess handelt, eben um Geschichte. Ich habe zu Beginn auf sechs Kriterien hingewiesen, die Stumberger anführt, um Fotografie gedanklich einordnen zu können. Dies ermöglicht eine sehr viel bessere Einordnung von Fotografie als dies in den meisten Medien jemals geschehen wird.

Aber man darf natürlich die Fotografie auch nicht überschätzen. Das Leitmedium Fotografie wurde durch das Leitmedium Fernsehen abgelöst und vielleicht wird es zukünftig durch das Internet gar kein Leitmedium mehr geben. Umgekehrt wurde noch nie so viel fotografiert und so viel veröffentlicht wie seit dem Siegeszug der digitalen Welt. Aber bedeutet dies überhaupt etwas?

Der Erkenntnisgewinn aus diesen beiden Büchern war für mich sehr groß. Beide Bücher beinhalten natürlich viel mehr als ich in diesem Artikel zeigen kann. Sie lohnen sich sehr.

Rudolf Stumberger

Klassen-Bilder I
Sozialdokumentarische Fotografie 1900-1945
ISBN 978-3-89669-639-7

Klassen-Bilder II
Sozialdokumentarische Fotografie 1945-2000
ISBN 978-3-86764-281-1

Abschließend noch eine Anmerkung. Ich habe bewußt auf Seitenzahlen hinter den Zitaten verzichtet und auf die Nennung der 6 Kriterien. Nachdem ich mehrmals erlebt habe, dass Studenten oder Schüler meine Artikel und Zitate übernommen haben, um nicht selbst lesen zu müssen, verzichte ich auf die Seitenzahlen und manche wichtigen Details. Es lohnt sich nämlich, das Buch selbst zu lesen und vielleicht sind dann ganz andere Textstellen wichtig wie die, die ich rausgesucht habe.

Reporting with Images – Berichten mit Bildern

Foto: Michael Mahlke

Das Bild erzählt eine Geschichte - Foto: Michael Mahlke

Die Zukunft der Fotografie ist banal. Es wird mehr Bildberichte geben, gerade auch im Internet. Bei spiegel.de scheint auf der Titelseite das erste Bild wesentlich größer geworden zu sein. Ähnliches gilt in meinen Augen für stern.de, focus.de und andere Medien.

Hinzu kommen immer mehr kleine Filmchen, z.T. aus Digitalkameras. Diese finde ich persönlich aber langweiliger als gute Fotos. Wieder anders ist es mit Fotostrecken, bei denen eine Stimme etwas erzählt.

Aber auffallend finde ich, dass die Angst um das Ende des Fotojournalismus vorbei zu sein scheint. Der Fotojournalismus stellt sich gerade neu auf. Die Veränderungen sind da.

Seitdem man mit der digitalen New York Times beginnt Geld zu verdienen, kommt langsam eine neue Goldgräberstimmung in den Medien auf.

Das ist gut für die digitale Welt und für den digitalen Fotojournalismus. Aber dennoch wird sich viel ändern. Das ist auch an dieser Stelle schon öfter beschrieben worden, so dass ich dies nicht wiederholen möchte.

Bilder und Visualisierungen sind wesentliche Elemente. Aber Bilder, die Geschichten erzählen, werden auch zukünftig immer wieder neu vor Ort entstehen müssen. Und da gibt es viel zu wenig Fotojournalisten, die vor Ort sind und berichten.

Ich sehe das so: Von immer weniger wird immer mehr berichtet und von immer mehr wird immer weniger berichtet.

Damit ist die Chance des digitalen Fotojournalismus bisher ziemlich wenig genutzt worden. Selbst Fotos hinter den Kulissen sind nicht da – oder einfach nicht zu sehen.

Insofern wird die Herausforderung eines guten Fotojournalismus mit mehr „Reporting with Images“ noch wachsen.

Vielleicht ist meine Sicht aber auch nicht richtig. Dann wäre ich für Hinweise dankbar, wo all die aktuellen Bildberichte zu finden von den vielen Ereignissen auf der Welt, die ich bisher nicht gefunden habe und die nicht die Schlagzeilen bestimmen.

In der Lüneburger Heide mit der Sony HX9V – ein Praxisversuch

Die Sony HX9V habe ich nun schon mehrfach hier diskutiert. Nun kommt der Feldversuch mit dieser Kamera. Um niemand zu überfordern wurde die Kamera in der Lüneburger Heide eingesetzt. Heide wurde dort angepflanzt als die Bäume abgeholzt worden sind, die man früher für den Salzabbau brauchte. Damit dort kein Brachland entstehen konnte, wurde dort Heide gepflanzt. So erzählte mir kurzgefasst der Kutscher die Geschichte von der Entstehung der Lüneburger Heide.

Ich habe die Fotos auf flickr im Original hinterlegt. Sie brauchen nur auf das jeweilige Foto zu klicken und können sich dann dort das Original anschauen.

In der Lüneburger Heide angekommen ging es auf den Kutschbock einer Pferdekutsche.

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Doch schon bald trafen wir auf die dort angesiedelten tierischen Bewohner, Ziegen und Heidschnucken.

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Es machte sehr viel Spaß, die Tiere bei der Nahrungsbeschaffung zu beobachten und ihr Sprungvermögen zu sehen.

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Der Schäfer hatte für alle Anwesenden sehr freundliche Worte und es gab hautnahe Begegnungen zwischen Tier und Mensch.

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Während wir neue tierische Freundschaften schlossen, zogen einige Pferdekutschen an uns vorüber.

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Doch es gab auch böse Blicke. Ein Ziegenbock schien uns als Konkurrenz zu sehen und zeigte dies uns sehr deutlich.

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Und es gab viele Fotoaufnahmen von den kleinen Stars auf den Weiden der Lüneburger Heide.

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Die Blicke der Pferde wiederum sprachen eine eigene Sprache. Liebevoll oder traurig ist hier die Frage.

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Auch ein Videofilmer hielt die Heide in all ihrer Pracht fest.

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Auf einem kleinen Stück sah man noch die farbliche Vielfalt und die verschiedenen Heidekrautsorten.

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Und so konnte die Sony auf diesem Ausflug ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Abschließend möchte ich noch ein Foto von demselben Ausflug zeigen. Dieses Foto ist aber mit der Sony WX5 aufgenommen worden. Vergleichen Sie einfach mal die Originaldateien bezüglich der Schärfe und der Details.

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Ernest Hemingway in Bildern und Dokumenten

Ernest Hemingway Edition Olms

Über Ernest Hemingway ist ein schönes und wundervolles Buch in der Edition Olms erschienen. Es gibt Bücher, die sind einfach besser als andere – und dieses Buch gehört dazu. Das Buch wurde von Mariel Hemingway herausgegeben, Boris Vejdovsky schrieb die Texte und Alwin Letzkus übersetzte sie ins Deutsche.

Foto: Edition Olms

 

Mariel Hemingway schildert im Vorwort ihre Sicht auf ihren Großvater. Ernest Hemingway war zweifellos prägend. Und ich finde es bemerkenswert, wie spannend das Buch dieses Schriftstellerleben darstellt.

Foto: Michael Mahlke

 

Über einen Titanen der amerikanischen Literatur wie Ernest Hemingway ist schon zu Lebzeiten viel geschrieben worden. Wer ihn nicht kannte, weil er/sie später geboren wurde oder aus anderen Gründen, der findet in diesem Buch einen besonders guten Zugang zu Mensch und Werk.

Boris Vejdovsky gelingt es, mit leichten Worten die Leser durch das Buch und das Leben von Ernest Hemingway zu führen. Die Geschichten des Buches liefert Ernest Hemingway selbst. Er ging dorthin, wo der Kampf war. Das waren die Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das waren die Stierkämpfe in Spanien und das war das wilde Leben in der afrikanischen Savanne.

Wolfgang Koeppen schrieb über Hemingway: „Ich bin Hemingway einmal begegnet. Es war in den schlimmen, den verzweifelten Jahren kurz vor dem Bürgerkrieg, der mehr als nur Spaniens Schicksal entschied. Es war gegen Morgen, im Juni oder Juli, und Paris war fahl um diese Stunden. ..Wir alle waren Flüchtlinge, auch wenn wir vielleicht nach Berlin zurückkehrten. Hemingway schien aus dem Taxi nicht zu steigen, sondern zu fallen. Wir stützten ihn. Wir bewunderten ihn. Er sank auf den Stuhl wie ein Sack. Wir beneideten ihn sehr. Er bestellte Kognak für uns alle, und alsbald schichteten sich die Untertassen zu kleinen schwankenden Türmen. Hemingway war für uns ein Symbol des literarischen Erfolges, des Ruhmes und der Unabhängigkeit.“

Foto: Michael Mahlke

 

Und so finden sich in diesem Buch Blicke auf sehr viele Facetten aus Hemingways Leben. Seine Ehen, seine Kinder, seine Bücher, seine Liebschaften, seine Probleme. Das Buch zeigt einen nicht voyeuristischen sondern freundlichen Blick auf ein Leben, das zum Symbol für die Sehnsüchte vieler Menschen wurde.

Die Texte von Vejdovsky zeigen dabei Licht und Schatten eines Menschen, der zum Symbol für die Wünsche anderer wurde und zugleich zutiefst die menschlichen Widersprüche lebte. Das literarische Schaffen war der Kern, zu dem er immer wieder vordrang, der ihm Ruhe und Kreativität ermöglichte und sein Denken dokumentierte. Das Fischen und der Stierkampf war die immerwährende Auseinandersetzung mit Leben und Tod, mit Einsamkeit und Angst – und mit sich selbst.

Foto: Michael Mahlke

 

Das Buch ist aber nicht nur ein Buch über das Leben von Ernest Hemingway, es ist auch ein Buch über Reporter und ihre Fotografie. So finden wir immer wieder Fotos von Robert Capa und von vielen anderen Fotografen. Die Öffentlichkeit war irgendwie immer dabei im Leben von Ernest Hemingway. Und die Fotoreporter machten Fotos, die fast alle Lebenssituationen zeigen, im Krieg, in der Ehe, mit den Kindern, beim Fischen etc.

So ist dieses Buch auch eine Dokumentation der Reportagefotografie am Beispiel eines Schriftstellerlebens. Der großformatige Band ist wunderbar gestaltet. Fast jede Doppelseite vermittelt spezielles Wissen und bietet eine Kombination aufeinander abgestimmter Fotos, von Dokumenten seines Lebens und von informativen Texten. Die Hintergründe seiner Werke werden ebenso dargestellt wie die Situationen davor und danach. Das Design und das Layout des Buches verschmelzen mit den Texten und Fotos und deshalb ist dieses Buch etwas Besonderes.

Das Buch macht Lust auf Hemingway und zeigt einen Lebensversuch, der den Umgang mit der Angst vor dem Leben durch Überwindung der Angst mit Erlebnissen füllt, die das Gefühl vermitteln, gelebt zu haben.

Dieses Buch ist ein Geschenk. Wer es gelesen hat, der erhält Blicke auf sich und auf Hemingway und wer es verschenkt, der gibt etwas nicht Alltägliches aus den Händen, das ein wirkliches Geschenk sein kann.

Mariel Hemingway

ERNEST HEMINGWAY
Sein Leben in Bildern und Dokumenten

Herausgegeben von Mariel Hemingway Mit Textbeiträgen von Boris Vejdovsky Übersetzung aus dem Französischen von Alwin Letzkus. 208 Seiten mit ca. 350 Fotos und Illustrationen. Hardcover im Folio-Format 28 x 33 cm

ISBN10: 3-283-01178-8
ISBN13: 978-3-283-01178-9

www.edition-olms.com

Fotografieren auf Demonstrationen – ein Praxiskurs über die politische Bildreportage

„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

In unserer Demokratie sind Demonstrationen wichtig. Auf einer Demonstration treten Menschen mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit (demonstrare lat. = zeigen). Es gibt in Deutschland viele kleine und grosse Demonstrationen: Menschen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, Menschen mit politischen Zielen, Menschen mit humanitären Anliegen etc.

In diesem fotografischen Praxiskurs geht es um die Frage, wie man auf einer Demonstration so fotografiert, dass das Thema sachgerecht in einer journalistischen Fotoreportage im Internet oder als Bildberichterstattung online und offline dargestellt wird.

Dieser Text besteht aus drei Teilen:

  1. Informative Fotografie und Bildaussagen
  2. Interessante Fotografie und Persönlichkeitsrechte
  3. In Farbe oder in Schwarzweiss und die Frage der Darstellung

Neben den fotografischen Fragen kommt es vor Ort im Gespräch auf Freundlichkeit, Sachlichkeit und den gesunden Menschenverstand an. Die Demonstranten wollen ja in der Regel, dass ihr Thema Aufmerksamkeit erzielt und inhaltlich auch wahrgenommen und weitergetragen wird.

DDR-Ansichten von Thomas Hoepker

Wie war der Alltag in der DDR? Wer dies einmal sehen oder wiedersehen möchte, der hat nun endlich ein Buch, das darauf eine Antwort gibt. DDR-Ansichten von Thomas Hoepker ist eine visuelle Reise in eine vergangene Zeit. Die fotografische Qualität von Hoepker, seine scharfe Beobachtungsgabe und sein Gespür für starke Fotos durch klare Aussagen zeigt sich auch hier.

Was Cartier-Bressons fotografische Qualität für Frankreich ist, ist Hoepkers fotografische Qualität für Deutschland. Es ist diese Synthese aus Thema und Geometrie mit dem besonderen Blick für Zusammenhänge und Details, wobei ich oft dieses augenzwinkernde witzig-ironische auf den Fotos entdecke, das mich zu einem Schmunzeln ermutigt.

Foto: Thomas Hoepker

Das Vorwort von Wolf Biermann zeigt schon die Inspiration, die diese Fotos ausüben. Und Wolf Biermann schreibt noch mehr: “ Über 2000 Milliarden Dollar. Todkranke Städte wie Halle, Leipzig, Görlitz, Schwerin, Ostberlin sind genesen, die Dörfer verfaulen nicht mehr. Supermärkte in jedem Kaff, die hohen Renten auch für Stasi-Offiziere und Parteisekretäre werden brav vom Staat bezahlt. Aber mit dem verkümmerten Geist der Freiheit und mit den geschundenen Seelen der Menschen dauert es offenbar noch eine kleine Ewigkeit länger, ich schätze mindestens drei Generationen.“

Ja, so ist das. Und deshalb ist dieses Buch ein echter fotografischer Schatz. Ich war damals oft in der DDR. Und ich staunte nicht schlecht, als ich sah, wie es Hoepker gelungen ist, Situationen so einzufangen, dass sie quasi überall in der DDR so zu finden waren.

Dadurch dass er quasi überall fotografieren durfte – für DDR-Verhältnisse – sehe ich nun Situationen, über die man mir früher etwas erzählt hat, die aber West-Bürgern verboten waren.

Foto: Thomas Hoepker

Hoepker hat auch die Zeit nach der Wende eingefangen und Szenen des Übergangs festgehalten. Das Buch ist eine Art fotografisches Geschichtsbuch und ein Buch, in dem es richtig Spaß macht, zu blättern, zu schauen und zu lesen.

Das Buch ist im Hatje Cantz Verlag erschienen.

Thomas Hoepker
DDR Ansichten
Mit einem Vorwort von Wolf Biermann, Texte von Günter Kunert, Eva Windmöller, Thomas Hoepker, Gestaltung von Jutta Herden

ISBN 978-3-7757-2813-3

Der Zufall als Motiv – ein Praxiskurs zur Strassenfotografie und das Recht am eigenen Bild


Kann man in Deutschland noch Streetphotography bzw. Strassenfotografie machen, seitdem das Recht am eigenen Bild so stark betont wird? Man kann, aber man muß sich als Fotograf anstrengen.  In diesem Artikel geht es um die Fotopraxis im Bereich Streetpix mit eigenen Beispielen.

1. Beispiel

Das erste Beispiel ist das Foto  mit den beiden Puppen, die sich die Hand reichen. Fotografisch interessant wird das Foto, weil sich direkt im Hintergrund zwischen den beiden Puppen ein Ehepaar auch die Hand reicht. Dieser Moment dauert natürlich nur zwei Sekunden. Danach ist das Bild so nie mehr möglich.

Aquarellmalerei eingebaut? – Gedanken zur Sony HX9V?

Ich traute meinen Augen nicht. Da erleben wir einen Nachfolger für die Sony HX5V und dieser scheint die Fotos nicht zu fotografieren, sondern zum Teil zu „malen“. Was damit gemeint ist, finden Sie zum Beispiel bei flickr. Diese Diskussion wird mittlerweile auch in einigen Foren geführt, z.B. hier.

Im Englischen sprechen einige von Smoothening. Das heißt zwar eigentlich Glätten, aber mich erinnern die Fotos auch an die Malerei-Software, bei der man aus einem Foto ein Gemälde machen kann.

Das ist eine persönliche fotografische Meinungsäußerung wert – und hoffentlich ein Firmware-Update.

Fotografie als Malerei?

Nun bin ich kein Techniktester, sondern ich schreibe über Kameras im Praxiseinsatz und nutze die qualifizierten Testseiten als Grundlage.

Daher möchte ich zunächst auf einen Artikel aufmerksam machen bei cnet.de. Einen Satz daraus möchte ich zitieren: „Angesichts ihrer Größe und ihrer Anschaffungskosten liefert die Sony Cyber-shot DSC-HX9V eine exzellente Bildqualität. Oder genauer gesagt: Die Bildqualität kann exzellent sein, wenn man die Aufnahmemodi der Kamera voll ausschöpft. Die einzige wirkliche Enttäuschung ist, dass die Aufnahmen auch bei den niedrigsten ISO-Empfindlichkeiten einfach nicht wirklich scharf aussehen. Zwischen ISO 100 und 400 sind praktisch keine Unterschiede zwischen den Aufnahmen feststellbar.“

Wenn man sich nun des eigenen Verstandes bedient, dann steht da doch, dass die Bildqualität anhand der Größe der Kamera (!) und der Anschaffungskosten (!) bewertet worden ist?!

Da muß man erst einmal drauf kommen! Bisher dachte ich eigentlich, dass Bildqualität an Kriterien wie Konturverlust, Detailtreue, Farbtreue etc. gemessen wird. Aber da habe ich mich wohl getäuscht.

Beispielfotos

Wie sie sehen, sehen Sie hier Fotos der HX9V, die ich jeweils komplett und/oder auf 100 Prozent Ansicht gestellt habe. Wenn Sie auf ein Foto klicken, öffnet sich ein neues Fenster und es wird größer.

Dieses Foto ist als Komplettfoto aus Nachbars Garten zu sehen.

Und hier dann ein Ausschnitt mit 100 Prozent.

Hier sehen wir den Hund, ca. 10 Meter entfernt.

Und hier eine 100 Prozent Ansicht vom Schwanz.

Hier eine Menschengruppe in ca. 20 Meter Entfernung.

Und hier eine 100 Prozent Ansicht.

So können Sie sich selbst ein Urteil über die Fotos bilden.

Nun einfach mal ein Beispiel aus der Vorgängerkamera (HX5V).

und hier nun eine 100 Prozent Ansicht

Irgendwie habe ich Probleme, diese Fotos der HX5V als „schlechter“ anzusehen bzw. die Bildqualität der HX9V als besser.

Und zum Abschluß mal ein Fotovergleich aus der Ricoh CX5 und der Sony HX9V. Bitte achten Sie einfach auf die Details bei den Bäumen.

Übrigens, auf dpreview gibt es jetzt auch einen Vergleich, da können Sie es mal selbst ausprobieren.

Perspektivenwechsel

Doch vielleicht sollte ich die Perspektive wechseln.

Man stelle sich vor, wir sprechen von einer Videokamera, die klein ist und unglaublich gute Videofilme in Full-HD mit einer Anfangsbrennweite von 24mm macht. Sie hat ein richtig gutes Zoom und sie ist schnell. Damit nicht genug. Zusätzlich verfügt diese Digitalkamera über einen Fotomodus.

Dabei kann man ohne viel Nachzudenken – und ohne größere Kenntnisse von Fotografie zu haben – einfach durch Auswahl am Einstellrädchen fast alle fotografischen Situationen lösen.

Über die Bildqualität kann man zwar streiten, aber sie ist nutzbar für das Internet und kleinere Ausdrucke.

Und wissen Sie, wie diese Kamera heißen könnte?

Sony HX9V könnte man sagen, wenn man es so sehen will.

Ich persönlich bin von der fotografischen Qualität enttäuscht. Das Problem besteht nur darin, dass z.B. die spiegellosen Systemkameras für mich keine Alternative darstellen. Zum Filmen finde ich sie zu unpraktisch und für Fotos zu laut und zu unbequem, weil man alles mit der zweiten Hand einstellen muss.

Daher sind Video-Reise-Fotokameras wie die Sony HX9V oder die Panasonic TZ22 oder die Casio Exilim EX-H20G sicherlich nützlich. Ob die Sony in der gerade aufgeführten Dreierreihe aber die beste Fotoqualität hat – da wird wohl ein begründeter Zweifel bleiben.

Das Beste wäre, es gäbe von Sony ein Firmware-Update und die Fotografenseele hätte Ruhe und die Firma Sony hätte gezeigt, dass sie auf technische Kritik an ihren Produkten konstruktiv reagieren kann.

Die Faszination des Handbuches

Ich möchte noch die Frage stellen, wer sich denn bei Sony hat einfallen lassen, ein Handbuch als HTML-Datei installieren zu lassen statt als PDF-Datei. Ich habe darin bis heute keine Suchfunktion gefunden und auch keinen Index.

So bleibt zum Beipiel eine so banale Frage unbeantwortet wie die nach dem Makromodus. Klar, in den Vollautomatiken gibt es den. Aber wenn man zum Beispiel in der überlegenen Vollautomatik auf eine Blume scharfstellen will, dann fangen manchmal die Probleme an. Da wäre es sehr hilfreich, wenn man ein Handbuch hätte, in dem man dazu etwas lesen könnte. Aber vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen, der dies hier gelesen hat.

So, damit kommen wir zu den intellektuellen Vorzügen des Handbuchs. Dort finden wir folgenden Abschnitt:

„Was ist der Unterschied zwischen „Überlegener Vollautomatik“ und „Intelligenter Vollautomatik“?

Im Modus „Überlegene Vollautomatik“ nimmt die Kamera Serienbilder auf der Basis der erkannten Szene auf und erzeugt dann ein Kompositbild von den Serienbildern (Überlagerungsaufnahme).
Die Kamera nimmt eine automatische Gegenlichtkorrektur und Rauschunterdrückung durch Überlagern der Bilder vor, so dass ein Bild mit höherer Bildqualität als im Modus „Intelligente Vollautomatik“ erhalten wird.“

Also dient die Intelligente Vollautomatik dazu, Bilder mit niedrigerer Bildqualität zu erzeugen? Ach so, denke ich mir, dann ist dies also ein Modus, um bewußt schlechtere Bilder zu erzeugen? Das ist eben dann ein besonders bemerkenswerter Menüpunkt, den bestimmt nicht so viele Kameras haben – oder habe ich da das Handbuch falsch verstanden?

So, ich hoffe, Sony wird die Kamera mit einem Firmware-Update vesehen, damit die Bilder vom Aquarell zum Foto gesunden und die 16 Megapixel besser genutzt werden. Vielleicht feilt Sony gerade an einem verbesserten Algorithmus, das wäre schön.

Ansonsten würde ich mich freuen, wenn meine hier geäußerten persönlichen fotografischen Ansichten zu neuen Einsichten führen – und zu einem Firmware-Update.

Nachtrag ein paar Wochen später:
Die Kamera hat mir keine Ruhe gelassen. Nach einigen Vergleichen und Praxiseinsätzen kann ich für die Kamera, die ich benutze im überlegenen Automatikmodus, folgendes feststellen. Wenn sie viele verschiedene Bildinformationen – wie zum Beispiel eine belebte Strasse mit vielen Menschen – aufnimmt, dann kommt dieses Aquarellartige auf den Fotos immer wieder heraus. Wenn ich dagegen ein Stilleben wie eine Parklandschaft fotografiere, dann ist die Kamera erstaunlich gut in Relation zu anderen Digitalkameras.

Ich vermute, dass man sich bei Sony gegen das Rauschen entschieden hat. Daher sind die Fotos dann eher glattgestrichen und haben deshalb auch Detailverluste, die dann unschön wirken können.

Vielleicht zeigt sich an der Kamera auch, dass es eben nur ein entweder oder gibt: entweder mehr Details oder mehr Rauschen.

So wird die Zukunft die Frage beantworten müssen, ob irgendwann beides möglich sein wird, eben ein detailreiches Bild ohne Rauschen auf einem kleinen Chip mit einem Pixelpitch von 1,3 μm.

Aber eigentlich wissen wir, dass es nicht gehen kann, wie auf 6mpixel.org ja nun schon lange Zeit beschrieben wurde.

BSI-Sensoren sind eben auch nur Sensoren und können geltende physikalische und optische Größen nicht außer kraft setzen.

Vielleicht wird die Lösung daher in neuer Software in der Kamera liegen, die immer mehr Fotos zusammenrechnet. Damit wird dann aber der Prozessor immer leistungsfähiger werden müssen etc.

Mal sehen!

 

Päpste. Seit Anbeginn der Fotografie – von Helge Sobik

Wie fotografiert man einen Papst?

Dazu ist ein großformatiges und interessantes Fotobuch bei Feymedia erschienen. Der Autor Helge Sobik hat Fotografien von allen Päpsten seit Beginn der Fotografie gesammelt und in diesem Buch vereint. Pius IX., Leo XIII., Pius X., Benedikt XV., Pius XI., Pius XII., Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II., Benedikt XVI. spiegeln eine Spanne von 1848 bis 2011 wieder.

Wie geht man mit so einem Buch um?

Helge Sobik schreibt: „Ein Papst ist immer der meistfotografierte Mensch der Erde.“  Und beim Anschauen der Bilder kann man ergänzen, dass die meisten Fotos – zumindest in diesem Buch – den Papst bei kirchlichen Ereignissen zeigen. Wie sollte es auch anders sein!

Es ist dokumentarische Personenfotografie, die hier zu finden ist. Die mit Abstand meisten Fotos sind Porträts. Die interessantesten Fotos sind die, bei denen der Papst mit Menschen in Berührung kommt.

Das Buch erfüllt voll und ganz den Anspruch, Fotos von allen Päpsten seit Beginn der Fotografie zu liefern. Aber leider war kein Cartier-Bresson unter den Fotografen. Insofern finden wir hier authentische Fotos. Fast jede Geste des jeweiligen Papstes ist dokumentiert.

Ehrlich gesagt gefallen mir die älteren Schwarzweißaufnahmen öfter besser als die modernen Porträts in Farbe.

Es ist ein besonderes Buch, weil hier offenkundig erstmals eine solche Sammlung der Papstfotografie erschienen ist. Da das Buch eigentlich als reines Fotobuch konzipiert ist, haben die liebevoll entworfenen Texte eine informative Note ohne wesentliche Hintergründe der jeweiligen Zeit zu tief zu streifen.

Insgesamt ist dieses Buch eine echte Dokumentation der Papstfotografie und für diese Art der Fotografie sicherlich einzigartig.

Helge Sobik

Päpste. Seit Anbeginn der Fotografie

ISBN: 978-3-941459-18-2

Erschienen bei feymedia.

 

 

Sony Nex-7 – Knalltüte oder Königsklasse?

Sony hat die Nex-7 Kamera angekündigt. Sie soll rechteckig sein mit einem grossen Chip im APS-C Format und mit einem eingebauten Sucher.

Nun ist ja nicht umsonst einer der populärsten Artikel von mir der Artikel über Cartier-Bresson und die Strassenfotografie. Dort hatte ich formuliert: „Im Prinzip ist es so: kleine Kamera mit Sucher und großem Chip sowie lichtstarker Optik, also die Quadratur des Kreises.“

Es könnte durchaus sein, dass die Verantwortlichen bei Sony diesen Artikel auch gelesen haben. Denn irgendwie scheint sich die NEX-7 in diese Richtung zu bewegen.

Aber bisher gibt es sie nicht wirklich. Und die entscheidende Frage, Goethe würde sagen die Gretchenfrage, wird sein: wie laut ist das Auslösegeräusch?

Wird das Geräusch so laut sein wie z.B. in der Nex-3, also schussähnlich oder knalltütenähnlich oder wird es ein sehr leises, am besten abschaltbares, Geräusch geben?

Dies ist in meinen Augen die entscheidende Frage dafür, ob die Kamera in die Königsklasse der Digitalkameras für die Strassenfotografie aufgenommen werden kann oder nicht.

Die zweite wichtige Frage wird die der Schnappschussfähigkeit sein und die dritte Frage die nach der Geschwindigkeit beim Speichern von RAW-Dateien.

So wird die nächste Zeit spannend. Sony hat jetzt eine Chance, die Tradition der Strassenfotografie digital mitzugestalten.

Ob Sony dies nutzen wird?

Schicksale des Klimawandels

Mathias Braschler und Monika Fischer reisten gefördert durch verschiedene Stiftungen und Institutionen durch die Welt und fotografierten Menschen, Schicksale des Klimawandels.

Jonathan Watts schrieb die Texte. Er erläutert das Projekt: „Doch ließen sich Braschler und Fischer davon nicht abschrecken: Sie waren überzeugt, mit ihrem innovativen Ansatz – einem auf acht Monate angelegten Projekt, bei dem sie mit Mittel- und Großformatkameras, Studiobeleuchtung sowie Video- und Audio-Aufzeichnungen arbeiteten – den Rahmen der konventionellen Medien sprengen zu können.“

Es scheint dabei viele Transportprobleme gegeben zu haben. Anders ist mir die Danksagung an die Fluggesellschaften Singapore Airlines und Emirates nicht erklärlich. Das Projekt ist schon vom Stern, The Guardian Magazine und Vanity Fair als Partner begleitet worden und die Arbeit ist schon für die Hall of Fame bei Vanity Fair nominiert worden.

So ist ein Buch entstanden, bei dem auf einer Doppelseite rechts ein Porträt (meistens) eines Menschen zu sehen ist und links eine Erklärung zu der Person und der aktuellen Situation steht.

Es entsteht eine Sammlung von Schicksalen des Klimawandels und es ist interessant, sich die betroffenen Menschen einmal anzuschauen.

Astralien Michael Fischer

Foto: Mathias Braschler & Monika Fischer

Es ist kein Buch, welches die Hintergründe fotografisch erfasst oder über die Person hinausgehende Fotos zeigt, die Ursache und Wirkung irgendwie in einen Zusammenhang bringen. Informativ lebt das Buch allein von den Texten.

Ich persönlich habe mir die Frage gestellt, wie hat eigentlich ein Cartier-Bresson mit 2 kleinen Kameras es geschafft, die Situationen weltweit so dezidiert darzustellen, wenn ich mir vergegenwärtige, was dieses Projekt für einen Aufwand hatte. Aber vielleicht ist genau dies eines der Zeichen der Zeit und damit ist das Buch ein Stück Zeitgeist.

So ist dieses Buch eine Dokumentation von Porträts mit Mittelformatkameras, die Personen zeigen, die vom Klimawandel betroffen sind.

Fotografisch lohnt sich das Buch, wenn man wissen will, welche Ergebnisse die Arbeit mit Mittel- und Großformatkameras und Studioleuchten bei Porträts hervorbringt.

Insofern ist es auch ein seltenes Buch, weil die meisten Fotografinnen und Fotografen mit Kleinbildkameras oder APS-C Kameras fotografieren.

Und es zeigt, worauf heute Medien wie Stern, Guardian und Vanity Fair Wert legen – und das macht es besonders interessant.

Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass eine Multimedia-CD dabei ist, die die Ergebnisse dieses Projektes über die Bilder hinaus multimedial vorstellt.

Schicksale des Klimawandels

Von Mathias Braschler, Monika Fischer, Text von Jonathan Watts, Gestaltung von Peter Zimmermann

ISBN 978-3-7757-2806-5

Über strategische Klugheit und Dummheit oder warum MFT ein Hoffnungsträger ist

Was sich gut verkauft war immer richtig. Deshalb ist Verrat ebenso eine Frage des Datums wie strategische Klugheit und Dummheit. Aber dennoch lohnt sich die Frage, warum nun bald wieder jeder Kamerahersteller sein eigenes Ding macht.

Eigentlich hatte eine gute Zeit begonnen als der FourThirds und der Micro Four Thirds (MFT) Standard vereinbart wurden. Seitdem geniesse ich mit wachsender Begeisterung die Möglichkeit, Objektive untereinander auszutauschen von verschiedenen Firmen.

Da keine Firma in allen Bereichen gleich gut ist, war damit die verbraucherfreundliche Möglichkeit verbunden, selbst zu entscheiden, welche Kombination von Body und Objektiv gerade gewünscht wurde.

Die einzigen Ausnahmen waren für mich Fuji mit der X100 und dem EXR-Sensor und Ricoh, weil es hier um fest verbaute Einheiten ging.

Nun kommt Nikon mit der V1 und hat eine eigene Sensorgröße mit eigenen Objektiven. Sony hat mit der Nex ebenfalls eine eigene Sensorgröße und eigene Objektive und die Objektive sind nicht jedermanns Geschmack. Dasselbe bei anderen Firmen.

Das ist altes Denken.

So macht fast jeder sein Ding. Insofern muß man Panasonic und Olympus fast dankbar sein, dass sie uns mit einem guten MFT Sensor und austauschbaren Objektiven ausstatten, damit man sich selbst seine fotografische Ausrüstung zusammenstellen kann.

So benutze ich am liebsten für Weitwinkelaufnahmen die Lumix G2 mit dem Olympus 9-18mm. Der Body ist griffig und hat ein bewegliches Display und das Objektiv gefällt mir von der Schärfe und Abbildungsleistung einfach besonders gut.

Und – ich will es nicht verschweigen – ich freue mich besonders, dass eines der lichtstärksten Objektive der Welt, das Voigtländer Nokton 0.95/25mm, ebenfalls als MFT Objektiv zur Verfügung steht.

So macht es Freude, mit MFT zu fotografieren und man kann hoffen, dass die Dinge, die der eine nicht macht, vom anderen gemacht werden. Das wird dann zu einer freundlichen Verbreiterung des Kamerasystems führen und vielen Menschen viel Freude bereiten.

Strategisch halte ich daher MFT für eine gute Lösung.

Natürlich bin ich von manchen Entwicklungen enttäuscht wie der Artikel über „Marsmenschen“ zeigt. Aber insgesamt ist die Chance der individuellen Nutzung und der brauchbaren Technik gut und ich bin mit dem System zufrieden. Gerade daraus resultiert dann auch das Unverständnis bei einem „Hoffnungsträger.“