Monthly Archives: Juli 2011

Mehr Licht oder auf Goethes Spuren Fotografieren

„Mehr Licht“ sollen die letzten Worte von Johann Wolfgang von Goethe gewesen sein. War Goethe der erste große Vordenker der Fotografie?

Wir wissen es nicht, aber für mich sieht es fast so aus. Wenn man sich näher mit seiner Farbenlehre beschäftigt, dann wird deutlich, dass Goethe sich für die Farbwahrnehmung und die Gestaltung sehr interessierte.

In dem Wikipedia-Artikel wird zum Erschließen der emotionalen Basis seines Interesses ein Zitat gebracht:

„Auf einer Harzreise im Winter (29. November bis 16. Dezember 1777) stieg ich gegen Abend vom Brocken herunter, die weiten Flächen auf- und abwärts waren beschneit, die Heide von Schnee bedeckt, alle zerstreut stehenden Bäume und vorrangenden Klippen, auch alle Baum- und Felsenmassen völlig bereift, die Sonne senkte sich eben gegen die Oderteiche hinunter.
Waren den Tag über, bei dem gelblichen Ton des Schnees, schon leise violette Schatten bemerklich gewesen, so mußte man sie nun für hochblau ansprechen, als ein gesteigertes Gelb von den beleuchteten Teilen widerschien. Als aber die Sonne sich endlich ihrem Niedergang näherte und ihr durch die stärkeren Dünste höchst gemäßigter Strahl die ganze, mich umgebende Welt mit der schönsten Purpurfarbe überzog, da verwandelte sich die Schattenfarbe in ein Grün, das nach seiner Klarheit einem Meergrün, nach seiner Schönheit einem Smaragdgrün verglichen werden konnte.
Die Erscheinung ward immer lebhafter, man glaubte sich in einer Feenwelt zu befinden, denn alles hatte sich in die zwei lebhaften und so schön übereinstimmenden Farben gekleidet, bis endlich mit dem Sonnenuntergang die Prachterscheinung sich in eine graue Dämmerung und nach und nach in eine mond- und sternhelle Nacht verlor.“

Damit sind wir dort, wo wir Goethe ergänzen können. Was Goethe hier in Worte fasste, können wir heute mit digitalen Kameras in Bilder packen.

Wer also auf Goethes Spuren wandeln will, der findet in diesem Zitat die Aufforderung beim nächsten Schnee gegen Abend zum Brocken zu fahren und ein Bild zu machen, das die Feenwelt von Goethe einfängt.

Das ist doch einmal eine Aufgabe, die sich literarisch und fotografisch lohnt!

Sensibilität in der Fotografie oder die Anti-Natur sehen lernen bei Herbstschnitt.de

Jo Stein hat auf seiner Internetseite herbstschnitt.de das Thema Anti-Landschaften aufgegriffen und einige Fotografinnen und Fotografen eingeladen, dazu Fotos zu schicken.

Herausgekommen ist ein Online-Magazin mit Beiträgen von 8 Fotografinnen und Fotografen. Das Thema an sich ist sehr wichtig, fotografisch sehr interessant und paradoxerweise deshalb gesellschaftlich sehr undankbar.

Vielleicht liegt es daran, dass sich mit der Zerstörung von Landschaft viel Geld verdienen verläßt, aber das Dokumentieren zerstörter Landschaft kaum ein Thema ist. Aber nur wenn gerade solche Bilder gesehen werden und Bewusstsein erzeugen, kann auch die Fotografie ihren kleinen Beitrag zum Umdenken leisten.

Umso interessanter ist die Umsetzung durch die 8 Mitwirkenden: Berthold Klammer, Daniele Mohr, Christian Gaide, Otto Böhr, Marion Stein, Roland Puhle, Michael Agurski, Francois Dumas und Jo Stein.

Das Ganze ist als Online-Magazin abrufbar und anschaubar.

Wer die Bilder sieht, der merkt die Sensibilität aller Beteiligten. Jede Fotografin und jeder Fotograf nimmt auf seine Weise die Unnatürlichkeit wahr. Das Gras, welches durch die Betonplatten wächst, demonstriert auf einem Bild in seiner Einfachheit und Klarheit das Thema. Das Fahrrad im Brackwasser, der Schlackesee am Wald und alle anderen Fotos zeigen, dass die Welt um uns herum das Ergebnis unserer Zivilisation ist, der Preis des „Fortschritts“.

Fotografie kann die Menschen und ihren visuellen Sinn berühren. Und dieses Thema überhaupt anzupacken und in dieser Form online zu bringen, ist etwas Besonderes.

Deshalb freue ich mich auch darüber, dass ich dies alles in meinem 100. Artikel bei Fotomonat schreiben darf. Ich wünsche dem Magazin herbstschnitt viele Besucher und den Beteiligten weiterhin eine solche Sensibilität in der fotografischen Wahrnehmung.

Fotofrust oder Momentaufnahmen des Scheiterns

Was macht man eigentlich, wenn die Fotos nichts geworden sind?

Ich unterscheide drei Fälle:

  1. Wenn Sie für die Fotos bezahlt werden, dann haben Sie Pech gehabt. Deshalb ist für bezahlte Fotografie die sofortige Kontrolle und das Ausschliessen von Risiken wesentlich.
  2. Wenn es sich um schöne Momente handelt, die vorbei sind, dann fotografieren Sie danach wenigstens das Umfeld und schreiben zu den Fotos ihre Erinnerungen.
  3. Wenn Sie sich etwas vorgenommen haben und es hat nicht geklappt, dann lernen Sie damit zu leben. Fragen Sie sich, woran es gelegen hat und versuchen Sie, für das nächste Mal besser vorbereitet zu sein.

Wie geht man aber mit dem Frust um, der dabei passiert?

1. Naschen Sie, wenn Sie sich ärgern!

Da Sie nicht immer Fotofrust haben, werden Sie auch nicht dick davon. Aber Schokolade und Gummibärchen oder getrocknetes Obst sind für das Darmhirn in diesem Fall möglicherweise beruhigend.

2. Sprechen Sie mit einer fotografisch kompetenten Person ihres Vertrauens darüber!

Sprechen löst Probleme. Damit sind sie nicht weg aber in Bewegung. Deshalb sollten Sie die ganze Sache fachkompetent bereden. Das kann auch telefonisch sein. Ich würde es nicht in einem Forum machen sondern bei einer Person, mit der ich gerne über Fotografie spreche.

3. Tun Sie etwas völlig anderes!

Wer die Fotografie liebt, der ist möglicherweise in solchen Situationen total fixiert. Um die Relationen des Lebens zu sehen und die Fotografie nur als kleinen Teil des Lebens zu sehen und den Fotofrust als noch kleineren Teil, sollten sie etwas völlig anderes tun.

Sport, Essen, Meditieren, eine neue Kamera kaufen – egal was, aber etwas völlig anderes (wobei die Kamera da nicht so ein gutes Beispiel ist, es sei denn, sie wollten schon länger …)

So kann aus einem Fotofrust wieder eine echte Fotolust werden, ganz in dem Sinne, wer fotografiert hat mehr vom Leben!

Fotografieren im Regen

Fast jeder Versuch, in den letzten Wochen einmal länger zu fotografieren, ging quasi baden. Es regnete mehr oder weniger oft und stark und das Spiel mit den Kameras begann.

Die Fuji X100 und ihr Lederetui kann man gar nicht dem Regen aussetzen. Eine DSLR wie die Nikon D7000 ist zwar meines Wissens abgedichtet, aber das Hin und Her – rein in die Regenjacke und raus aus der Regenjacke –  führte bei mir dazu, dass der Drehknopf mit den Programmen sich verstellte und ich dies zu spät merkte.

Und wenn man mit dieser oder einer anderen benutzten Kamera in ein Cafe kam, dann beschlugen erst einmal schön die Objektive, so dass ein Lappen erste Hilfe leisten musste.

Dann dachte ich mir, die anderen sind viel klüger. So fing die Recherche im Internet an und letztlich war es fast immer der Vorschlag, eine Plastiktüte oder eine wasserfeste Ummantelung zu nutzen. Das habe ich ausprobiert und ist einfach unzureichend.

Wie man ja schon an meinem Bericht über das WDR 4Festival in Willingen gesehen hat, fotografiere ich trotzdem im Regen (ohne Plastiktüte).

Und wie mache ich das?

Ganz einfach mit einer wasserfesten und/oder wasserdichten digitalen Kamera. Ich benutze entweder die Sony TX5 oder als DSLR die Pentax K5. Die Kompaktkamera kann man sogar für Unterwasseraufnahmen nutzen. Sie ist absolut wasserdicht, klein und schnell.

Die DSLR ist für eine grosse DSLR sehr klein, sehr leise, sehr schnell und sehr zuverlässig, auch beim schlechtesten Licht. Die DSLR ist durch Dichtungen gegen Regen abgedichtet. Sie ist regendicht/staubdicht, man kann aber nicht mit ihr tauchen.

Die Nachfolger der TX5 sind mir zu glatt. Sie erinnern sehr an die neuen Handys. Das ist fotografisch aber sehr unpraktisch, auch wenn es elegant aussehen mag. Nun denn, da gibt es sicher auch andere Meinungen zu. Aber ich kann die TX5 gut halten und sie ist sehr zuverlässig und schnell. Selbst die Videos sind gut und fürs Netz optimal.

Die Pentax K5 habe ich erst nach längerer Zeit entdeckt. Ich war irgendwie blind. Aber irgendwann merkte ich, dass Pentax Erfahrungen nicht wegen der Mode weglegt sondern die Erfahrungen in der Kamera bleiben.

Wie schreibt Pentax? „Die K-5 basiert auf dem einzigartigen Chassis mit 77 Gehäuse-Dichtungen zum Schutz vor Spitzwasser, Feuchtigkeit, Schmutz, Staub, Eis, Schnee und Temperaturen bis minus 10°C.“

Und gerade für jemand wie mich, der regenreich leben muss zwischen Düsseldorf und Köln, ist die Kamera ein Glücksfall. Es geht seitdem nicht mehr um die richtige Kamera sondern nur noch um die richtige Kleidung.

Und wenn die Linse voll Wasser ist, wird einmal drüber gewischt und alles ist ok. Das gilt natürlich nur für schnelle Fotos.

Daher halte ich diese Kombination von wasserdichter Kompaktkamera und regendichter DSLR für sinnvoll.

Eigentlich wollte ich diesen Artikel ja auch mit vielen Tipps füllen, aber es gibt keine, die wirklich gut sind mit einer Ausnahme: kaufen Sie sich eine wasserdichte Kamera von einer Markenfirma und/oder eine regendichte DSLR und ihre Probleme beim Fotografieren im Regen sind wahrscheinlich behoben.

Als Nachtrag hier noch ein ganz spezieller Test der Pentax in Afghanistan:

In diesem Sinne

Version 1.2

Gekonnt fotografieren. Vom Amateur zum Profi von Joke Beers-Blom

Gut gemacht und leicht zu lesen. „Weckt das Betrachten des eigenen Fotos genau die Empfindung, die man auch beim Fotografieren hatte, ist das eine der großartigsten Erfahrungen in der Fotografie. Stimmung und Atmosphäre eines schönen Ortes lassen sich auf diese Weise später nachempfinden und ins Gedächtnis zurückrufen.“

So beginnt Kapitel 1 dieses gut gemachten Buches für Menschen, die sich eine digitale Kompaktkamera und/oder Spiegelreflexkamera bzw. Systemkamera gekauft haben und mehr aus ihren Fotos machen wollen.

Für mich hat dieses Buch einen besonderen Reiz. Erstmals lese ich ein Buch, das nicht von einem amerikanischen, englischen oder deutschen Autor stammt sondern von einer erfahrenen niederländischen Autorin. Es ist leicht zu lesen und es setzt dort an, wo Käufer einer Kamera meistens stehen: sie wollen Fotos machen.

Kein Wort über Technik sondern die Frage, wie halte ich die Stimmung fest, leitet das Buch ein. Diese Herangehensweise zeigt, dass Fotos zuerst im Kopf entstehen.

Wie drücke ich Gefühle fotografisch aus, wie lerne ich Sehen? Mit Fotos und in sich geschlossenen Textabschnitten wird jede Doppelseite dieses Buches zu einem Lernerfolg. Ja, man kann dieses Buch sogar durchblättern und dabei inspiriert werden.

Es ist ein Buch, das vom Foto zum Text führt und damit auch medial die Leserinnen und Leser bei dem Medium abholt, das sie selbst produzieren wollen: digitale Fotos.

Ich finde es außerordentlich gelungen, dass quasi auf jeder Doppelseite sofort das Auge interessante Fotos findet und dann die Texte dazu.

Da das Buch vom Anfänger zum Profi führen soll, kommen auch technische Aspekte. Man lernt sogar das Einmaleins der Optik, der Blende und der Belichtung. Aber immer so, dass nichts als bekannt vorausgesetzt wird und trotzdem „nur“ das zum direkten Einsatz nutzbare Wissen vermittelt wird.

Alle Fotos in diesem Buch sind Alltagsfotos, auch die Reisefotos von Joke Beers-Blom von ihrer Australienreise. Jeder Besitzer einer Digitalkamera könnte ähnliche Fotos sofort in seinem Umfeld machen. Dadurch ist das Buch mit einem sehr hohen Praxisnutzen ausgestattet.

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis, die Seite aufschlagen und schon kann man innerhalb kurzer Zeit seine fotografische Frage lösen. Eine wirklich lesbar große Schrift und klar gegliederte Textkapitel verhelfen zu schnellen Erfolgen!

Das Buch lohnt sich für Einsteiger wirklich und vermittelt eine fotografische Leichtigkeit, die wunderbar ist. Leider hat irgendjemand aus Beers-Blom den Namen Beers-Bloom gemacht. Das ist ein o zu viel im Namen. Aber das ist alles an Schatten bei einem Buch, welches zeigt, wie man aus gutem Licht gute Fotos machen kann.

Joke Beers-Blom

Gekonnt fotografieren. Vom Amateur zum Profi

ISBN 978-3-8155-0630-1

Mit der Fuji X100 Fotografieren

Der Weg war länger als gedacht. Nachdem ich die Fuji erhalten hatte, probierte ich sie eine Weile aus. Dabei wurde mit klar, dass die Kamera keine Fehler verzeiht.

 

Blick durch den Sucher der Fuji X100

1. Die meisten Probleme macht nicht die Kamera sondern die Person dahinter

Es fängt mit dem banalen Beispiel an, wo ich die Kamera zur Belichtungsmessung hinhalte. Wenn ich zur Belichtungsmessung Richtung Himmel halte, dann wird der Rest dunkler aber dafür kann ich alle Feinheiten später rausarbeiten aus den RAW-Dateien. Wenn ich zur Erde  halte oder auf das Motiv, dann ist der Himmel oft ausgefressen und weiss. Allein dieses Beispiel zeigt, wie sehr es auf den Fotografen ankommt.

2. Die Fuji X100 braucht noch ein paar Software-Updates, ist aber schon gut nutzbar

Nach dem Updaten auf die neuste Firmware Version hatte ich das Gefühl, dass die Kamera nun einen nutzbaren Arbeitszustand erreicht hat. Und ich wurde nicht enttäuscht. Sobald man sich wieder an den grossen Sucher gewöhnt hat, wird das Fotografieren fast zur Sucht.

3. Eine Festbrennweite erfordert immer eine andere Art des Fotografierens

Aber die Kamera ist eben mit einer Festbrennweite versehen. Daher ist die Art des Fotografierens anders. Man muß sich mehr bewegen, um den richtigen Standpunkt zu finden. Somit tut man indirekt auch noch was für seine Gesundheit.

4. Reale Beispielfotos sind immer ein Ergebnis von Fotograf, Software und Moment

Dabei sind einige Fotos entstanden, die in den nächsten Monaten ergänzt werden. Ich habe die Fotos bewusst bei flickr reingestellt. Es sind nur eine Handvoll, aber sie zeigen die Möglichkeiten und Grenzen der Kamera.

Ich empfehle besonders das Foto mit dem leichten Morgennebel über dem Wasser, weil es die Feinheiten der Natur wiedergibt. Und bei flickr kann jeder sie ergänzen oder kommentieren.

Wem meine Fotos nicht reichen (mir wären das auch zu wenig), der findet dort zwei weltweite Gruppen mit Fotos der Fuji X100. Wem das nicht reicht, der kann bei dem Prominenten Kai Pflaume noch mehr Fotos finden, wobei mir nicht klar ist, was davon PR und was davon privat ist. Noch mehr Fotos gibt es u.a. bei Fred Miranda.

Mit der Fuji gelingen kreative und schöne Portraits, wie hier zu sehen ist. Und es gibt einen sehr engagierten Fuji X100 Fotografen, der viele Fotos und eine interessante Besprechung zu bieten hat (wer kein Englisch kann, bitte mit translate.google.de übersetzen…)

5. Die alte Art des Fotografierens

Die Philosophie der Fuji X100 ist klar. Sie ist eine Kamera der alten Art des Fotografierens. Sie wird daher keine Freude für Handyfotografen sein. Aber sie ist eine wahre Wonne für qualitätsbewusste Fotografinnen und Fotografen alten Stils.

6. Die Strassenfotografie von heute ist mit anderen Kameras besser zu machen

Eigentlich kam ich ja von Henri Cartier-Bresson über die Leica und die Strassenfotografie zur Fuji. Aber es hat sich eben doch etwas geändert. Unauffällige Strassenfotografie heute erfordert zum Teil andere Kameras als die M-Leicas und die X100-Fujis.

Erforderlich sind blitzschnelle und kleine, kaum auffallende Kameras, um die Situation und das Recht am eigenen Bild auf möglichen Motiven gut zu kombinieren. Dazu sind m.M. die Leicas und Fujis einfach zu groß. Anderen ist die Fuji wiederum zu klein.

Auch andere Systemkameras sind mir persönlich zu gross und zu schwer und zu laut. Davon abgesehen wäre die Fuji für mich aber erste Wahl. Ich komme zu dieser Einschätzung, weil ich es mit der Leica M6 und nun mit der Fuji X100 mehrfach ausprobiert habe.

(Lustigerweise habe ich nach dem Schreiben dieser Zeilen einen Artikel entdeckt, der genau die Leica M6 mit der Fuji X100 vergleicht, auch mit analog zu digital etc. Aber wer die Kommentare dort zu Ende liest, der merkt, dass teilweise Glaubenskriege geführt werden und hinkende Vergleiche zu finden sind. Das schmälert aber nicht den Informationswert dieser Seite und deshalb füge ich dies hier noch in Klammern an.)

Die Kameras erregten Aufmerksamkeit oder provozierten, weil sie zu groß und auffällig sind, obwohl sie es ja eigentlich nicht sind. Aber mit einer Sony TX oder WX oder der Ricoh hatte ich diese Probleme nicht.

Dieses Phänomen habe ich vor Jahren schon einmal erlebt. Damals war die Nikon P5000 akzeptiert und die Canon Powershot G7 nicht mehr. Es gibt offenkundig heute eine sozial unbewußt akzeptierte Größe in unseren Breiten, die nicht über ein Handy hinausgehen darf.

Aber auch dieser Gedanke gilt nur da, wo ich so denke. In San Franciso scheint Streetphotography mit der Fuji X100 möglich und alle Aufgenommenen sind gut zu sehen. Da scheint wohl das Recht am eigenen Bild nicht so eine Rolle zu spielen wie hier.

7. Das Neue ist der Feind des Guten

Und ob ich will oder nicht, damit komme ich wieder auf schnelle, kleine und leise Kompaktkameras zurück.

So ist das im Leben. Wie sagte schon Tucholsky sinngemäß, du wünschst dir eine große Blonde und bekommst eine kleine Schwarze.

Ja, so ist das.

Ist es „normal“, jedes Jahr eine neue Kamera zu kaufen?

Die Frage hat eine Schwesterfrage: ist es normal, jedes Jahr ein neues Handy zu kaufen?

Da kommt es wahrscheinlich darauf an, was man unter „normal“ versteht.

Einige Menschen weisen immer wieder darauf hin, dass eine „normale“ Welt aktuell offenkundig irrationales Verhalten, Betrug, Mord und Totschlag bedeutet.

Da wäre es sicherlich auch „normal“, ununterbrochen die neusten Digitalkameras zu kaufen, so wie Schuhe, Handys und Kleidung, Autos, Tattoos etc.

Dabei geht es dann wohl um Gruppendynamik, also darum, die gleichen Identifikationsmerkmale zu haben wie die anderen, mit denen man gerne zusammen ist. Das hat was mit Statussymbolen und sozialer Anpassung zu tun. Oder man will sich das Gefühl kaufen, „besser“ zu sein (aber worin besser?).

Ich möchte hier noch einmal einen Absatz aus einem früheren Artikel von mir einfügen. „Ich werde beobachtet, also bin ich.“ Der Hinweis von Thomas Miessgang auf diesen Satz von Stefan Römer als neue Haltung des Normalverbrauchers scheint mir das wesentlichste Kennzeichen dieser Situation zu sein. „Die Penetration öffentlicher und privater Sphären durch immer zielgenauer agierende mediale Projektoren… hat dazu geführt, dass der Karneval der Waren und Sensationen nicht der Ausnahmezustand ist, sondern ein Hochamt sinnbefreiter Permanenz.“ Es gilt die „Simultanität des Sensationalistischen. Man hat ständig das Gefühl, zu spät zu kommen, etwas zu versäumen, den Ereignissen hinterherzuhecheln.“ Diese Beschreibung von Miessgang in dem Buch „Das Prinzip Prominenz. Superstars von Warhol bis Madonna“ zeigt unsere neue Wirklichkeit.

Es gibt aber auch eine andere Sichtweise. Dabei würde sich die Frage stellen, was brauche ich, um gute Fotos zu machen?

Dazu braucht man keine neue Kamera. Wer schon zehn Jahre oder länger fotografiert, der weiß, daß man auch mit älteren Kameras gute Fotos machen kann.

Gehen Sie doch einfach mal auf eine Webseite, die die Bildqualität von Kameras vergleicht und setzen Sie einfach mal Topmodelle wie die Canon 5D Mark II oder die Nikon D700 bei ISO 100 oder 200 neben einfache und preiswerte Kompaktkameras. Sie werden kaum sichtbare Unterschiede in der Bildqualität feststellen – auch bei älteren Modellen.

Wenn man sich also die Frage stellt, ob ich eine neue Kamera brauche, um eine bessere Bildqualität zu erhalten, dann muß man klar sagen: nein. Natürlich werden High-ISO Fans sagen, das stimmt nicht. Daher will ich auch an dieser Stelle sagen, wer als hauptberuflicher Topreporter anerkannt werden will, der kann zu der Auffassung gelangen, das nur das Neuste gut genug ist. Aber diese Gruppe meine ich nicht. Ich meine die, die da nicht drunter fallen.

Henri Cartier-Bresson war sogar der Meinung man brauche keine Farben, um gute Fotos zu machen, weil der Detailreichtum der schwarz-weissen Fotos unübertroffen sei.

Nun gibt es aber doch Gründe für neue Kameras. Diese können in der Umsetzung eines haptischen klugen Konzeptes liegen wie bei der Nikon D3100 oder einer neuen optisch-digitalen Technik wie bei der Fuji X100 oder bei der Miniaturisierung einer schnellen Kompaktkamera wie der Sony TX5. Das sind Gründe, sich eine neue Kamera zu kaufen. Aber eben nicht jährlich, sondern wenn sie technisch reif sind. Und das hätte eigentlich dann keinen Jahresrhythmus zur Folge.

Zudem scheint die Fotoindustrie nicht bereit zu sein, die vorhandene Kreativität umzusetzen, sondern folgt eher dem betriebswirtschaftlichen Credo, echte Innovationen so spärlich zu setzen, dass die Tippelschritte hundert Jahre brauchen, um nur einen Schritt weiterzukommen. Dazu hat sich u.a. Nick Devlin ausführlich geäußert.

Und so möchte ich auf die Eingangsfrage zurückkommen. Ja, es ist für viele Menschen normal, sich jedes Jahr eine neue Kamera zu kaufen. Denn es kommt nicht auf die technischen und fotografischen Fragen an, sondern auf die soziale Identität.

Und da nichts schneller wechselt als die Mode, ist die Antwort logisch. Lifestyle-Kameras haben meistens keine neue Technik, sondern verpacken die vorhandene Technik in neue Designs.

Und genau dort sind wir mittlerweile im Bereich der Digitalkameras angelangt. Es gibt so viele neue Kameras, dass niemand mehr sie wirklich überblicken kann. Aber es sind eben fast nur neue Designs und nicht neue Technik, die hier vorgestellt wird.

Insofern muß man die Frage auch bejahen. Ja, es ist „normal“, sich jedes Jahr, wenn nicht jedes halbe Jahr, eine neue Kamera zu kaufen, wenn ich immer die topaktuelle Kollektion haben möchte.

Aber diese „Normalität“ hat nichts mit Vernunft oder gar besseren Fotos zu tun, sondern nur mit Status und Konsum. Ken Rockwell hat mal eine andere Frage diskutiert, soll ich upgraden?

Die Antwort war: No.

So kann man von zwei völlig verschiedenen Fragestellungen zu gleichen Ergebnissen kommen. Für gute Fotos ist es selten erforderlich, neue Kameras zu kaufen und wenn man Kameras hat, ist ebenso selten ein Upgrade erforderlich.

Die Frage wird eher sein, wofür brauche ich die Kamera? Ist sie ein Statussymbol, ein fotografisches Instrument, ein sozialer Schlüssel oder einfach eine praktische Erfordernis?

Und wie immer wir die Frage auch beantworten, aus Sicht des Marktes (wo wohnt der?) ist es unnormal, wenn wir bei unserer guten und bewährten Kamera bleiben und uns keine neue Digitalkamera kaufen. Es kommt eben auf die Sichtweise an, was dann „normal“ oder „unnormal“ ist.

Warum werden Digitalkameras fast nur mit dem Schiff verschickt und nicht mit dem Flugzeug?

Haben Sie darüber schon mal nachgedacht? Ich auch nicht. Bis heute. da stieß ich auf eine Seite bei photorumors.com. Seitdem weiß ich mehr. Dieses Wissen möchte ich teilen und deshalb gibt es jetzt diesen Artikel. Die ursprüngliche Seite ist auf Englisch und hier automatisch übersetzt.

Ab einer Höhe von 20.000 Fuß kann es offenkundig nach diesem Video und dem Artikel Beschädigungen an der Kamera geben.

Dies hängt mit der Gamma-Strahlung zusammen und erklärt auch, warum wir manchmal Monate auf Kameras warten müssen. Es scheint sich zu bewahrheiten, dass es darum geht, wann wieder ein Container im Hafen von z.B. Hamburg oder Amsterdam ankommt.

So sorgt die chinesisch-japanische Kameraproduktion dafür, dass die Schifffahrt auch weiterhin weltweit eine gewisse Auslastung hat. Und dies wiederum führt uns zu der Erkenntnis, dass wir ohne Schifffahrt keine so wunderbare Auswahl an guten Digitalkameras hätten.

Und das ist abschließend dann einen Abstecher zum nächsten Hafen wert, um mit guten Fotos vom Hafenleben eine gewissen Dankbarkeit gegenüber den dort Beschäftigten und deren Leistung auszusprechen.

In diesem Sinne – Schiff Ahoi!

make money with your digital photography by erin manning

„What’s your personality? Do you consider yourself an extrovert or introvert? Are you comfortable in large groups of people, or do you prefer to work alone?

The book „make money with your digital photography“ from Erin Manning is a great chance to find YOUR way in the world of photography and in the way to earn money with photography.

In the introduction she writes „it is an overview of opportunities“. The book is much more.

In short and very well words Erin Manning shows her own way in the world of living with photography. She shows the long way until you discover your preferences. And you can learn to find your personal style of photography.

Very sensible, very clear and with a lot of experience the author writes about the most difficult thing: to find your own personality and to express this in photos.

And then she shows how to make money if you know what you want and what you can.

The book has a very readable layout. In every chapter you find questions for practice and the answers.

At the end of every chapter you find a summary and some sentences to learn if you go outside without the book.

Portrait, sports, wedding, food and product, travel and more are the field of photography you find here.

In every chapter she has a part „Q&A with a Working Pro“. In sports photography she asks Serge Timacheff, in wedding photography she asks Robert Holley, in food photography she asks Lou Manna, in travel photography she asks Lorne Renick and after that in chapter 8 she writes „show me the money“.

So you get not only the view of Erin Manning. At the same time you get knowledge from specialized photographers and after that you find a lot of pages full with hard knowledge for earning money with photos.

It is a very readable book with collected experience and very instructive information. It is a book you need not read from the beginning to the end. Every chapter is a closed theme. But all together give you an inspirational way in the commercial fields of photography.

In my opinion the book is for active readers: read, think, do. So this book is very professional, has a good layout and is full of good energy. It is a book for people who want to bring in their own personality. Yes, she writes about equipment too.

But much more here you have a book full of chances. And the book is deep. That means here you find knowledge and experience combined with a very good table of contents. So it is a working book and it is a great book.

Erin Manning

make money with your digital photography

ISBN 978-0-470-47431-0

www.wiley.com/compbooks

Der Abschied vom Messsucher

Früher war es das Element für meditative Ruhe in der Fotografie. Heute habe ich Abschied davon genommen – nicht von der Ruhe sondern vom Messsucher.

Wir alle wissen ja, dass Leica M Kameras benutzt werden müssen, damit sie nicht verharzen. Also nahm ich heute meine M6 und machte ein paar Fotos. Dabei fiel mir auf, dass ich schon länger nicht mehr ernsthaft mit dem Messsucher und dem gekoppelten Schnittbildentfernungsmesser fotografiert hatte.

Doch es war ein Abschied. Was mir früher zur Bildgestaltung so sehr gefallen hatte, ist nun etwas Besserem gewichen, der Fuji X100. Ja, die richtige Belichtung mit Hilfe zweier roter Dreiecke zu finden war schön bei der Leica M6. Und dann das Scharfstellen mit dem Schnittbildentfernungsmesser.

Aber irgendwie ist der optische Sucher der Fuji X100 einfach augenfreundlicher für mich. Je mehr ich durch die Leica schaute und dann die Fuji nahm, desto mehr bestätigte sich mein Eindruck.

Es hat etwas Neues begonnen. Es ist für mich weniger eine Frage der Technik als eine Frage des Sehens. Das meditative Sehen ist mit der Fuji ebenfalls gegeben.

Wenn ich nun im direkten Vergleich den Messsucher der Leica M6 TTL nehme, den elektronischen Sucher der Panasonic G2 und den optischen Sucher der Fuji, dann ist meine Wahl klar: es ist der optische Sucher der Fuji.

Die Leica ist nun wieder in der Tasche und wartet – wohl aufbewahrt – auf ihren nächsten Service durch mich.

Ich gebe aber zu, dass ich mit der neuen Leica M9-P noch nicht gearbeitet habe. Insofern ist meine Meinung an dieser Stelle auf der Grundlage der M6 TTL gebildet worden.

Die Zeit wird zeigen, ob sich meine Meinung festigt oder durch neue Sucher neue Bewertungen auftauchen.

Olympus E-PL1 oder wie billig werden gute Kameras?

Die Olympus E-PL1 ist eine sehr gute Digitalkamera. Sie hat keinen eingebauten optischen Sucher aber eine sehr gute Bildqualität, einen grossen Chip und einen guten Bildstabilisator.

Technisch benötigt man nicht „mehr“ Kamera, um sogar im Dunkeln gute Bilder zu machen. In Relation zu jeder Kompaktkamera ist sie sogar um Klassen besser.

Ähnlich wie die Nex von Sony wird diese Kamera aktuell zu sehr attraktiven Preisen als Neuware auf den Markt gebracht.

So kostet die E-PL1 von Olympus mit 14-42 Objektiv neu 299 Euro und die Nex3 von Sony mit der Festbrennweite von 16mm neu 329 Euro im Internet und zum Teil  vor Ort.

Man mache sich klar, was die Kamerahersteller hier anbieten. Unter fototechnischen Gesichtspunkten war dies vor kurzer Zeit noch undenkbar. Grosse Sensoren (Nex3 mit APS-C und E-PL1 mit MicroFourThirds) in relativ kleinen Gehäusen. Damit ist das Fotografieren auf höchstem Qualitätsniveau demokratisiert worden. Es gibt keinen Grund mehr, schlechte Fotos auf die Kamera zu schieben. Es gibt aber viele Gründe, um für relativ kleines Geld nun auf höchstem Niveau fotografieren zu können.

Ich möchte dies hier schreiben, damit dieser Gedanke auch für andere sichtbar wird. Natürlich gibt es mittlerweile rein „technisch“ noch bessere Kameras. Und es gibt  aktuellere Modelle.

Aber fotografisch?

Man mache sich klar, wie schnell aktuell gute Fototechnik erschwingbar wird.

Die Oberklasse der Kompaktkameras kostet wesentlich mehr als 299 Euro. Und dort sind die Sensoren wesentlich kleiner mit allen Nachteilen für viele Bereiche der Fotografie. Es lohnt sich also echt zu warten, um gute Kameratechnik zu erhalten.

Wer in fotografischen Dimensionen denkt und nicht in technischen Dimensionen, der kann mittlerweile – dank des Marktes – sehr gute Technik zu sehr guten Preisen erhalten. Den Rest muß er oder sie selbst erledigen und zwar hinter der Kamera.