Die TAZ macht Multimedia

Seit einiger Zeit erscheint bei der taz unter dem Titel „Berlin Folgen“ eine Foto-Video-Serie. Das ist interessant und empfehlenswert. Der inhaltliche rote Faden ist die Geschichte eines Menschen, der mediale rote Faden ist Audio. Das entspricht dem Soundslides Prinzip. Inhaltlich gibt es wenige Videoszenen und dazwischen Fotos.

Man kann einen solchen Clip nicht allein mit einer Digitalkamera machen. Es muss immer eine separate Audioaufzeichnung dabei sein. Eine aktuelle digitale Kompaktkamera und ein Audiorecorder würden zusammen aber reichen. Bei der taz entstehen dadurch interessante Reportagen. Sie ersetzen aber nicht die Texte und die Fotos anderer Beiträge.

Solche Geschichten, die übers Ohr in den Kopf kommen, sind meiner Meinung nach eindringlicher. Ich könnte mir andersrum aber nicht vorstellen, eine Webseite nur über solche Clips zu entdecken. Solche Clips sind in meinen Augen – richtig eingesetzt – ein gutes Mittel für eine verbesserte fotografische Berichterstattung.

Sie bieten durch die Stimme (Audio) eine Individualität, die weiter geht, als dies nur mit Text oder Foto möglich wäre. Und sie werten vielfach Fotos auf, weil dadurch auch mehr Fotos in einem tieferen Zusammenhang gezeigt werden können. Diese Fotos wiederum sind dann reine Digitalprodukte und können mit kleinen Kameras gemacht werden.

Aber für mich ist auch die Grenze klar. Solche Multimediaclips sind ein Mittel journalistischer Berichterstattung. Sie ersetzen nicht grundsätzlich Texte oder Fotos, sie sind manchmal das beste Mittel und manchmal das schlechteste Mittel einer Berichterstattung. Bei der taz sind sie an dieser Stelle sicherlich das beste Mittel.

In einem anderen Artikel habe ich schon einmal auf die Wahl des besten Mittels für journalistische Berichterstattung hingewiesen.Wenn man nun die Clips bei arte mit denen bei der taz vergleicht, dann fallen Unterschiede auf. Bei arte werden Fotoserien verknüpft, bei der taz werden Videoszenen mit eingebunden. Aber in beiden Fällen ist die Audiospur entscheidend. Sie verbindet nicht nur sondern wertet letztlich auch die Fotos auf. Ich persönlich glaube, dass eine neue Reportageform geboren wurde. Es ist die Koppelung von Ken Burns und Soundslides plus etwas Video.

Im Prinzip ist es schön, dass Pixel-Journalisten bzw. Online-Journalisten oder Multimedia-Journalisten nun mehr Möglichkeiten zur Berichterstattung haben. Damit sind die Berufe des Fotoreporters und des Bildjournalisten nicht auf dem Friedhof sondern in der neuen Welt gelandet. Gerade diese Clips zeigen, dass Fotos, Audio und Video eine neue und gute Form der Berichterstattung zusammen hervorbringen können.

Platz dazu gibt es im Internet satt. Nur die Bezahlung wird meistens das Problem sein.

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