Henri Cartier-Bresson, A Propos de Paris

„Man kann Paris immer verlassen, Paris selbst verläßt einen nie.“ So lautet ein Satz von Vera Feyder in der Einleitung zu dem wunderschönen Buch über Paris von Henri Cartier-Bresson. Als der Verleger Lothar Schirmer die Ausstellung „Paris  à vue d´oeil“ im Jahre 1984 gesehen hatte, wuchs in ihm die Idee eines Buches.

Das Buch ist 2007 in der sechsten Auflage erschienen. Mittlerweile ist es ein Buch über Henri Cartier-Bresson und über Paris und seine Geschichte im 20. Jahrhundert und über die  fotografische Komposition der Realität. Es ist auch eine eindrucksvolle Studie über Strassenfotografie und den Blick von Henri Cartier-Bresson.

Wer sich schon etwas auskennt, der findet hier erstaunlich viele bekannt gewordene Fotos, die mit dem Namen Cartier-Bresson verbunden sind. Sie zeigen, dass Paris und seine Motive eindrucksvoll wichtige Momente des Menschseins lieferten und die Stadt mit ihren Motiven für ihn ein Dreh- und Angelpunkt für die Art der Fotografie war, die ihm selbst wichtig erschien.

Das Buch ist ein schönes Paperback mit Fadenheftung und sehr vielen eindrucksvollen Schwarzweißfotos.

Es ist ein Buch, das nicht langweilig ist. Im Gegenteil, seit der Erstauflage hat das Buch noch zusätzliche Dimensionen der Betrachtung erhalten. Erst war es ein Buch über Paris aus der Sicht von Henri Cartier-Bresson. Dann war es ein Buch über Strassenfotografie. Dann wurde es ein Buch zur Geschichte eines großen Fotografen und es ist heute auch ein fotografisches Geschichtsbuch.

Natürlich ist Paris größer als hier gezeigt. Aber es ist so wie mit dem Historiker, der immer mit einem Eimer aus dem Ozean des Wissens schöpft. Ebenso hielt Henri Cartier-Bresson mit seiner Leica Momente fest.

Aber es war nicht die Kamera sondern der Blick, der die Fotos zu geometrischen Kompositionen machte, zu vielfach festgehaltener Malerei in fotografischer Form. Ein Fotograf ohne Hilfsmittel ausser seiner Vorstellung und seines Blickes.

Seine Fotos erzählen Geschichten, manche werfen Fragen auf, manche laden ein und machen neugierig.  Henri Cartier-Bresson liebte die visuelle Grammatik der Geometrie. Er komponierte Bilder, indem er einen Moment der Realität mit dem Sucher festhielt, der dann auch eine Komposition wiedergab.

Dieses Buch ist ein Lehrbuch, ein Übungsbuch, ein Vorlagenbuch und ein Buch über Paris und Henri Cartier-Bresson. Es ist wunderbar geeignet, ein Gefühl für Paris zu vermitteln, wie es vielfach war.

In meinen Augen ist dieses Buch kein Buch für Fotoreporter sondern ein Buch für „Fotokomponisten“, wenn es dieses Wort denn geben darf.

Natürlich ist es nur eines von mehreren Büchern von und über Henri Cartier-Bresson. Er hat aber selbst die Auswahl der Fotos bestimmt, so dass es nicht nur über ihn sondern auch von ihm selbst ist.

Man kann froh sein, dass der Verlag es neu aufgelegt hat. So ist die Chance für engagierte Fotografinnen und Fotografen, das Gute statt des Neuen zu sehen und eventuell zu lernen, zum Greifen nahe.

Davon abgesehen ist es ein gutes Geschenk für sich selbst und andere.

Henri Cartier-Bresson, A Propos de Paris

ISBN-10: 9783888142956

ISBN-13: 978-3888142956

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