Monthly Archives: Oktober 2010

Der Schnappschuss wurde neu erfunden? Über Hoffnungen und Enttäuschungen

Ich bin Anhänger der Strassenfotografie und damit der Schnappschussfotografie. Das ist einfach wunderbar. Doch mit den Displays verschwanden die Sucher. Damit gab es mehrere Probleme. Einige davon habe ich in fotomonat.de schon erörtert. Ich sehnte mich zurück nach den klaren optischen Suchern, weil sie einfach klasse sind.

Doch da muß es bei der Firma Panasonic Menschen geben, die mit höchster Raffinesse ihre vielleicht eigenen fotografischen Wünsche umsetzten.

Und so geschah es im Jahre 2010. Die Firma Panasonic hat den Schnappschuss neu erfunden. Diesmal auf dem Monitor und mit einer wunderbaren Technik.

Was meine ich damit?

Hier auf dem Foto ist das Display der Panasonic DMC-G2 zu sehen. Dort sieht man als kleines gelbes Symbol eine Hand mit Daumen und Zeigefinger. Das ist das Geheimnis. Wenn dies aktiviert ist (gelb eben) dann tippt man mit dem Finger einfach irgendwo auf dem Display und sofort wird ein Foto mit der intelligenten Automatik aufgenommen. Dabei stellt innerhalb von zum Teil fast Millisekunden die Kamera scharf und alles ist im Kasten.

Natürlich gibt es Argumente, die meine Begeisterung in ein Verhältnis zur umgebenden technischen Realität setzen: Ich kann nicht im Vorhinein durch den optischen Sucher mir alles so auswählen wie ich dies bisher traditionell gemacht habe. Aber vielleicht muß ich auch einfach an dieser Stelle neu denken. Und jetzt kommt das weil: Weil ich mit dieser Art der Fotografie einfach schneller bin als wenn ich beim Sehen die Kamera erst ans Auge holen muß, um dann noch genau die Schärfe dorthin zu legen wo sie hin soll. Auf gut Deutsch: ich bin in vielen Situationen mit der neuen Technik der Panasonic einfach schneller – wenn es um Schnappschüsse geht.

Und genau dies ist doch einen solchen Artikel wert. Denn hier geschieht etwas Wunderbares. Die Panasonic G2 erlaubt einmal den Blick durch einen guten (elektronischen) Sucher und zeitgleich eine neue Art des Schnappschusses auf dem Monitor. Die Kamera ist leider zu groß für eine Systemkamera, denn sie ist keine echte Alternative zu einer DSLR und hat das Problem, dass die Objektive für diese Kamera zu groß werden, wenn sie kleiner wird. Da wird noch manches zu lösen sein.

Ich hätte mir zwar eine rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher gewünscht, aber vielleicht kommt das noch.

Nachtrag einige Monate später:

Die Begeisterung hat nachgelassen, weil der Finger zwar schnelle Fotos erlaubt aber keine gestalteten Fotos wie bei einem Sucher. Und jetzt?

Immer kleiner, immer glatter, immer schlechter zu halten?

  • Ich hätte erwartet, dass der Sucher insgesamt kleiner wird und das Sucherbild größer.
  • Ich hätte erwartet, dass das Auslösegeräusch leiser wird
  • und die rechteckige Kamera mit eingebautem Sucher, Schwenkdisplay und guter Haptik kommt.

Nichts davon wurde wahr. Mir persönlich gefällt von allen MFT-Kameras die E-PL1 am besten. Sie hat nur leider keinen Sucher. Sie ist gut anzupacken, hat sinnvolle Knöpfe für die Bedienung und ist klar strukturiert. Die Lumix G2 hat den Schnappschuss auf dem Display, ist aber zu groß. Was danach kam mit der G3 finde ich nicht besser und die kleineren Panas haben keinen Sucher und sind mir zu laut. Die  E-PL3  kann ich kaum noch festhalten, unter dem Gesichtspunkt ist sogar die GF3 noch besser.  Hoffnung macht die Pen Mini und der Ansatz MFT. So viel von mir zum Thema Strassenfotografie in diesem Rahmen. Aber das ist eben Geschmackssache und wird es auch bleiben.

Das Loch nach der Photokina

Nun ist die Photokina schon einen Monat vorbei und ich meine, ich spüre das Loch im Internet. Fast alle technischen Fotoseiten, international und national, haben fast stündlich in ihren Blogs über die neuesten Produkte berichtet. Und jetzt? Sie scheinen alle im Urlaub zu sein oder sie testen ununterbrochen. Wie auch immer, im Internet gibt es nicht nur wenig Neues sondern über die neuen Produkte auch wenig Getestetes.

Das gibt den Gedanken neue Nahrung. Was wäre eigentlich, wenn die Photokina nicht gewesen wäre und wenn es keine neuen Produkte gegeben hätte? Die einzige echte fotografische Hoffnung war ja die Fuji X100. Ob Sie wirklich lautlos sein wird, ob sie wirklich eine neue Generation von Digitalkameras für ernsthafte und traditionell ausgerichtete Fotografinnen und Fotografen eröffnet, werden wir in knapp einem halben Jahr sehen.

Aber wenn es diese Hoffnung nicht geben würde und wenn es die Photokina nicht gegeben hätte, was wäre dann eigentlich los in der Fotografie?

Man könnte zu dem Ergebnis kommen, dass man mit den bisherigen Kameras auch gut fotografieren kann. Und man könnte auch denken, dass es nicht ein gutes Bild weniger geben würde. Nichts gegen die Photokina! Sie ist ein wunderbarer Ort, um Blicke auf die neuen Produktionsstätten der Welt in China zu werfen und die kommenden Kulturen der Zukunft schon heute auch in Deutschland und im schönen Köln am Rhein zu empfangen. Das ist wirklich schön.

Aber fotografisch sind wir nicht weiter sondern höchstens anders geworden nach dieser Messe. Der alte Schopenhauer schrieb einmal „Das Neue ist der Feind des Guten“. Ich glaube, dass die nächste Photokina dazu genutzt werden könnte, vielen asiatischen Menschen Deutschland als Reiseland noch besser zu vermitteln.

Und nach der Photokina sollte es Reisen geben, Fotoreisen durch Deutschland und Fotoreisen durch China. Man könnte Wettbewerbe machen und die Photokina Besucher könnten diese Reisen gewinnen, gesponsert von den großen Herstellern, die die Gewinner zu Botschaftern für eine bessere Kommunikation auf der Welt mit Hilfe der Fotografie machen. Das wäre übrigens auch der Stadt Köln angemessen, deren Traditionen ja gerade auf der Begegnung der Kulturen und Menschen beruhen.

Insgesamt könnte man das Loch nach Photokina mit vielen guten Ideen füllen. Denn diese Messe ist schon etwas besonderes, weil sie alle Menschen und Kulturen mit als Fotografen oder Fotografierte zusammenbringt und die Produkte in fast jedem Haushalt zu finden sind.

Ob es so etwas jemals geben wird? Ich weiß es nicht, aber zumindest habe ich das Loch nach der Photokina mit einer guten Vision gefüllt.

Kleine Kameras, “schlechte” Fotos und Ganzkörperfotografie

Natürlich gibt es schlechte Fotos. Aber diese sind abhängig vom Betrachter – zumindest heute. Und das ist so wie mit der Kunst. Wenn es Kunst gibt, dann muß sie von Nicht-Kunst zu unterscheiden sein. Nun denn!

Welche Kriterien gibt es überhaupt für „gute“ Fotos?

  • Wenn ich nach den klassischen Kriterien gehe, dann sind dies Goldener Schnitt, Schärfe, Figur und Grund und inhaltliche Komposition.
  • Doch davon ist man ja ab. Heute gilt eher das Prominenz-Kriterium. Gut ist, über was einige Medien berichten und was bekannt wird.
  • Dann gibt es noch den Maßstab der Wettbewerbe. Da gibt es dann immer die „besten“ Fotografen – aus Sicht einer Jury.
  • Dann gibt es noch die Verkäufe. Gut ist, was Menschen kaufen.
  • Und dann gibt es noch die Fotos, die einem persönlich einfach gefallen.

Da ich das Thema hier nur als Einstieg wählen wollte, will ich es nicht vertiefen. Ich finde, es gibt viel mehr gute Fotos als man sagen darf. Diese Inflation an guten Fotos muß man aushalten. Und dazu gehört auch der richtige Umgang mit kleinen Kameras. Im Jahr 2010 sind ja die meisten preiswerten Digitalkameras so gut, dass sie bei gutem Wetter fast gar keine schlechten Fotos mehr machen können. Das Problem fängt bei schlechtem Licht an, weil dann das Rauschen zunimmt, also im Ergebnis die Sichtbarkeit der Punkte auf dem Foto.

Wenn wir uns nun das Farbfoto betrachten, dann fällt auf, dass es „rauscht“. Beim Blick auf den Teppich sieht man das. Das war aber gar nicht anders möglich. Wenn man nur eine kleine Kamera dabei hat, dann muß man auch damit fotografieren oder es gibt eben kein Bild. In dem Fall gefiel mir der fotografische Auftritt so gut, dass ich lieber diesen Schnappschuss machte als die Situation vorbeigehen zu lassen.

So, und damit kommen wir zu der Möglichkeit aus diesem Foto aus einer kleinen Digitalkamera bei eher schlechtem künstlichen Licht ein anderes Foto zu machen. Und das sieht dann so aus:

Was man sofort erkennt ist, dass dieses Foto kein Problem mehr mit Farbe hat sondern in sich als Schwarzweissfoto wirkt. Und es sieht gut aus, es könnte überall erscheinen. Die Qualität stimmt selbst bei diesem einfachen Foto aus einer einfachen Kamera. Und weil dies so ist, darf es natürlich nicht so sein. Man stelle sich vor, die Menschen würden mit dieser fotografischen Qualität zufrieden sein?

Doch es ist die Zeit gekommen, um sich nicht länger verrückt machen zu lassen. Gute Schnappschüsse erzählen eine Geschichte. Und wenn es in Farbe rauscht, dann ist dies nicht schlimm, doch vielfach hilft die Umwandlung in Schwarzweiss, um die wesentlichen Elemente besser herauszustellen. Das geht nicht immer, weil es auch Fotos gibt, die in Farbe besser wirken.

Ich habe dieses Fotos noch aus einem anderen Grund gewählt. Es zeigt nämlich spontan und ohne Übertreibung wie Menschen mit den kleinen Digitalkameras ohne Sucher fotografieren: nämlich mit dem ganzen Körper in ausholender Weise.

Das hängt einfach damit zusammen, dass ein Monitor ohne Sucher dazu führt, mit beiden Händen vom Körper nach vorne weggestreckt fotografieren zu müssen. So ist zwar die Kamera kleiner geworden, aber das Fotografieren nicht besser. Und genau dies zeigt dieser Schnappschuss authentisch.

Damit zeigt sich, dass aktuell mit den meisten kleinen Digitalkameras nur als Akt der Ganzkörperfotografie auch Fotos gemacht werden können. Das wäre irgenwie schon verbesserungswürdig und ist zugleich selbst ein nicht uninteressantes Objekt der Fotografie.

MERIAN Sachsen oder auf der Suche nach fotografischer Qualität in der Reisefotografie

Was ist fotografische Qualität in der Reisefotografie? Diese Frage wird nie zu Ende diskutiert werden können. Aber es lohnt sich immer wieder neu, darüber zu sprechen. Ja, ich weiß, dass mein Liebe zu den klassischen Kriterien von Cartier-Bresson überholt ist. Und deshalb habe ich mir den MERIAN Sachsen gekauft. Ich dachte mir, dass „Deutschlands führende Internetseite für Reisen“ so die Meta-Beschreibung auf der Homepage, sicherlich dann auch den Maßstab legt.

Betrachtet man das Titelfoto, dann ist es dort gelungen, eine malerische Landschaft festzuhalten. Auf Seite 16/17 ist dann ein Foto von Bautzen zu sehen. Die auf dem Foto vorhandene Linienführung brachte mich dazu, die Frage zu stellen, ob denn die Türme gerade sind? Ob das ein perspektivisches Problem ist, wenn man mit einem Weitwinkel fotografiert, kann ich wohl nur bei einem Besuch vor Ort klären.

Auf Seite 18/19 kommt dann ein wunderbares Foto mit Elbe, Kindern und Schiffen zum Vorschein. Leider ist es so, dass hier wie so oft die Grenzen des Drucks zum Vorschein kommen, da es ja in der Mitte geknickt wird wegen der Heftung. Schöner wirkt auf mich das Foto auf Seite 20/21 mit dem Nationalpark. Ich persönlich hätte mir mehr Mitteltöne gewünscht, aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Das Foto auf Seite 28/29 unter den Arkaden von Görlitz brachte mich dann doch sehr zum Nachdenken über gerade Linien und mögliche optische Verzerrungen. Die Atmosphäre auf dem Foto gefiel mir sehr gut.

Ab Seite 36 war in diesem Heft über Sachsen etwas sehr Kluges zu sehen. Das steht zwar nicht im Heft, aber mir kam dieses Thema in den Sinn beim Anschauen der Fotos: Es geht dabei um die Frage, wie man die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen beim Fotografieren wahrt. Wie wir ja alle wissen, darf niemand (verkürzt gesagt mit Ausnahme von Promis) gegen seinen Willen auf Fotos veröffentlicht werden, es sei denn, es handelt sich um öffentliche Ereignisse, wo der Einzelne nicht die Hauptperson ist. Das hat man in diesem Merian Heft dann auch – so weit ich das beurteilen kann – juristisch sauber gelöst. Ein Foto aus der Türkischen Kammer in Dresden zeigt zwar auch Personen beim Betrachten des Interieurs, aber alle sind unscharf. Auf gut Deutsch hat man dort länger belichtet, so dass die Fotos an den scharfgestellten Stellen gut belichtet waren und die Personen nicht mehr erkennbar gewesen sind.

Dasselbe Verfahren wurde auch auf anderen Fotos aus Ausstellungen und bei Aussenaufnahmen auf der Brühlschen Terrasse eingesetzt. Daß man damit auch wirklich gute Konstellationen herbeiführen kann, zeigt das Foto mit dem Werk „Der Denker“ von Rodin auf Seite 46.

Auf einem  Foto auf Seite 58 über die Mädlerpassage stellte ich mir die Frage, ob die Personen dort wirklich so lang und dünn sind.

Ab Seite 64 folgt dann eine Reihe von Landschaftsaufnahmen. Das erste Foto zeigt sehr schön den Himmel mit interessanten Proportionen. Und beim weiteren Durchblättern fällt immer wieder auf, dass die meisten Personen durch längere Belichtungszeiten als Zuschauer nicht persönlich erkennbar gemacht wurden. Auf einigen Fotos scheinen die Personen mit einer Ablichtung einverstanden gewesen zu sein.

Auch auf dem Foto zum Thema „Das Märchen vom feinen Schlossleben“ hat man dies gelöst. Dort sieht man eine Servicekraft ins Zimmer gehen, aber eben von hinten, so dass ihre Persönlichkeitsrechte auch am Arbeitsplatz gewahrt bleiben. Auf Seite 88 sieht man eine Person von vorne, allerdings so klein, dass sie erst mit Vergrößerung direkt erkennbar wäre.

Für mich hat sich das MERIAN Heft unter fotografischen Gesichtspunkten gelohnt. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass sich die fotografische Welt weiterentwickelt hat. Nimmt man die hier veröffentlichten Fotos als Vergleich und Maßstab, dann kann ich jetzt mit gutem Gewissen Fotos veröffentlichen, die den veröffentlichten Realitäten bei Fotos heutiger Reisemagazine entsprechen.

Davon einmal abgesehen halte ich dieses Heft auch unter dem Gesichtspunkt der Wahrung von Persönlichkeitsrechten für eine gute Studiermöglichkeit. Gerade dies ist ja ein altes Thema von mir, wenn auch eher im Bereich der Strasssenfotografie. Und eine elegante Lösung wie hier kann helfen, die Tücken der deutschen Rechtsprechung einigermassen fotografisch gut zu überstehen und trotzdem auch gute Fotos zu machen.

Aber es gehört eben auch zu der deutschen Rechtsprechung, dass ich hier die Fotos nicht zeigen kann sondern nur darüber schreiben darf. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil der Kauf der Ausgabe sich in jedem Fall mehrfach lohnt:  erstens weil sich ein Besuch in Sachsen lohnt und zweitens weil bei diesem Heft meiner Meinung nach fotografische Lernerfolge eingeschlossen sind.

Übrigens, sollten Sie das hier Gelesene ergänzen wollen, dann ist hier eine gute Möglichkeit, Kommentare abzugeben.