Die Entwertung der Fotografie aushalten

FotostapelIch komme auf die Überschrift beim Lesen des Artikels „Die Entwertung der Fotografie aufhalten“ auf fotofeinkost.de von Frau Dr. Mettner. Dies geschieht ihrer Meinung nach durch den Druck und die Präsentation jenseits des Digitalen. Genau deshalb komme ich vom Aufhalten zum Aushalten.

Ich glaube, die Chance der Fotografie ist gerade das Aushalten der Entwertung. Denn um welche Entwertung geht es? Es ist doch nicht schlimm, dass es viel mehr Fotos gibt als früher. Es ist auch nicht schlimm, dass die Welt visueller geworden ist. Und seit der Abkehr der Fotografie von klaren Kriterien für gute Fotos (wie zum Beispiel noch bei Cartier-Bresson) ist die Beliebigkeit die entscheidende Kategorie geworden. Geld verdient man mit der „Simultanität des Sensationalistischen“ oder dem Handwerker-Fotografieren für Kataloge, Zeitschriften etc. Aber da die Konkurrenz größer wird, weil die Kameras fast allein fotografieren, werden die nächsten Jahre noch sehr viel mehr Leser als Reporter und Fotoisten hervorbringen. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis Zeitschriften wie jetzt schon Communities von Lesern erstellt und gedruckt werden.

Der Kuchen wird also kleiner und es werden neue Kuchen gebacken. Vielleicht ist der Fotograf der Zukunft so etwas wie früher ein Elektriker oder Werkzeugmacher, der heute ein Mecha-Troniker ist. Ich habe nicht umsonst den Begriff Pixeljournalist erfunden. Mit Pixeln umgehen, also damit Videos, Texte, Fotos und Webseiten etc. erstellen, das ist dann einer der neuen anspruchsvollen Berufe. Dabei muß man Software-Werkzeuge bedienen, Kommunikationstechniken beherrschen, Designfragen beantworten und Techniken erlernen. Das ist neu und das ist viel. Aber was ist daran schlimm, wenn der Fotograf der Zukunft seine digitalen Werke selber in Webseiten einbettet und daraus digitale Ausstellungen kreiert, die von viel mehr Menschen gesehen werden können als dies beim Besuch im Museum der Fall ist?

Die Menge an Fotos und an schönen Fotos wird größer. Fotografie wird wie Schreiben eine Tätigkeit bleiben, die benötigt wird. Wird sie durch die Menge entwertet? Ist dies im Internet durch die Texte geschehen? Ein Blick ins Internet zeigt, dass immer mehr Texte produziert werden. Ist dies eine Entwertung? Vielleicht kann man die Entwertung durch Popularisierung ersetzen, dann kann man das alles noch sehr viel besser „aushalten“.

Denn je mehr Fotos auf guten Internetadressen zu finden sind, desto populärer wird der Fotograf oder die Fotografin. Fotografinnen und Fotografen wird es wohl auch zukünftig geben. Die Welt ist flach und damit können wir weiter sehen und auch gesehen werden.

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